{"id":18924,"date":"2023-10-12T10:55:33","date_gmt":"2023-10-12T08:55:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18924"},"modified":"2023-10-12T10:50:27","modified_gmt":"2023-10-12T08:50:27","slug":"markus-21-12-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-21-12-7\/","title":{"rendered":"Markus 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3>19.Sonntag nach Trinitatis | Mk 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Gel\u00e4hmte auf der Bahre \u2013 und das Kind bei der Taufe<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einer der Geschichten, die mir am deutlichsten in Erinnerung sind aus meiner Kindheit, ist der Bericht von dem Gel\u00e4hmten in Kapernaum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Handlung ist von Markus sch\u00f6n erz\u00e4hlt. Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen, um seine Verk\u00fcndigung zu h\u00f6ren. Sie m\u00fcssen eng gestanden haben wie Heringe in einer Dose, wie man in D\u00e4nemark sagt. Und hier in der dichtgedr\u00e4ngten Menge ergeht das Wort an sie. Das Wort von dem Herren selbst. Das Wort vom Reich Gottes, vom Frieden, von Freiheit und von Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber pl\u00f6tzlich \u2013 mitten in diesem Gottesdienst, den der Herr selbst h\u00e4lt so wie er alle anderen Gottesdienste in seinem Namen h\u00e4lt \u2013 n\u00e4hern sich vier M\u00e4nner mit einem Gel\u00e4hmten auf einer Bahre. Der Mann auf der bahre ist gel\u00e4hmt. Er wird zu Jesus getragen. So wie Eltern ihre Kinder zur Taufe tragen. Wie das Kind, das unbesorgt darauf vertraut, dass seine Eltern ihm das Beste w\u00fcnschen, so muss der Gel\u00e4hmte darauf vertrauen, dass die vier M\u00e4nner ihre Aufgabe zu seinem besten wahrnehmen.\u00a0 Und die Aufgabe ist phantastisch. Mitten in der Rede Jesu an die Menge \u2013 mitten in dem vollm\u00e4chtigen Gottesdienst \u2013 wird das Dach durchbrochen. Ja, stellt euch vor, das Dach hier in der Kirche w\u00fcrde durchbrochen, weil die Leute hereinkommen wollen. Die vier M\u00e4nner aber durchbrechen alle Schranken und Hindernisse, sie durchbrechen das Dach und bringen den Gel\u00e4hmten so zu Jesus. Wie die Eltern eines Kindes, das getauft werden soll mit dem Kinde zu Jesus kommen am Wasser der Taufe, so kommen die M\u00e4nner mit dem Gel\u00e4hmten in das haus zu Jesus. Und hier werden wir sogleich \u00fcberrascht in der Bewegung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn da steht, dass Jesus ihren Glauben sah.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber da war vorher nirgends von Glauben die Rede. Wer w\u00fcrde hier an Glauben denken? W\u00fcrde man nicht an Hartn\u00e4ckigkeit oder Aufdringlichkeit denken? So w\u00fcrden wir wohl in dieser Situation denken, aber Jesus sieht ihren Glauben, so wie er den Glauben sieht, wenn wir mit den Kindern zur Taufe kommen. Er sieht den Glauben, wo wir vielleicht nur die Ankunft sehen. Aber das ist es, worum es geht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Glaube, der sichtbar wird, indem Jesus ihn sieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Glaube, der dem Gel\u00e4hmten zugutekommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Glaube, der dem Kinde beim Wasser der Taufe zugutekommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Jesus f\u00fcr den Gel\u00e4hmten tut, ist dass er seinem Leben eine neue Bewegung gibt, eine neue Richtung. Statt zun\u00e4chst sein \u00e4u\u00dferliches Leiden zu beheben, dass er gel\u00e4hmt ist, bringt Jesus ihn in das rechte Verh\u00e4ltnis zu Gott. Er schenkt ihm die Vergebung der S\u00fcnden. Und die Vergebung der S\u00fcnden ist ein rechter Beginn. Was aber ist dann S\u00fcnde?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oft h\u00f6rt man ja die Leute sagen, dass sie sich nicht selbst als S\u00fcnder betrachten k\u00f6nnen. Sie tun, was sie sollen, sie tun ihre Pflichten im Leben, und alle bezahlen, was sie schuldig sind. Sie s\u00fcndigen jedenfalls nicht. Zu denen kann man ja nur sagen, dass das ja gut klingt und dass sie ja durchaus ihren guten Kurs weiterverfolgen sollen. Aber da haben wir noch immer nicht ein Wort \u00fcber S\u00fcnde gesagt. Wir haben etwas gesagt \u00fcber Moral und Unmoral, und das soll man sich durchaus vor Augen halten, aber S\u00fcnde ist nicht einfach dasselbe wie Unmoral und schlechtes Betragen. S\u00fcnde ist n\u00e4mlich etwas anderes. Denn wenn S\u00fcnde dasselbe w\u00e4re wir Unmoral und schlechtes Betragen, k\u00f6nnten wir uns nur ausammenrei\u00dfen, und der Tod Jesu am Kreuz w\u00e4re dann nur ein Tod f\u00fcr die Unmoralischen und die Schwachen, wogegen die anderen, die das Kreuz nicht brauchen, freundlich auf den gekreuzigten Erl\u00f6ser blicken k\u00f6nnten, w\u00e4hrend sie einen Bogen um das Kreuz machen. Nein, S\u00fcnde ist etwas anderes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort S\u00fcnde &#8211; sagt man &#8211; kommt von dem Wort Sund wie z.B. \u00d6resund. Der \u00d6resund trennt Seeland von Schonen. Zwischen Seeland und Schonen liegt ein Sund \u2013 eine Trennung. Zwischen Gott und uns befindet sich auch ein Sund \u2013 eine Trennung. Zwischen Gott und uns ist S\u00fcnde. S\u00fcnde ist, nicht an Gott zu glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und S\u00fcnde kann man erfahren. Sie kann erfahren werden als eine Spaltung in einem selbst. Eine Spaltung zwischen dem, was man ist, und dem, was man sein will. S\u00fcnde wird als eine best\u00e4ndige Unruhe erfahren. S\u00fcnde wird erfahren als allt\u00e4gliche Schuld gegen einander. S\u00fcnde wird erfahren als grundlegende Un\u00fcberschaubarkeit des Lebens. S\u00fcnde wird erfahren als ewige Unruhe im K\u00f6rper. S\u00fcnde wird erfahren als das Gef\u00fchl, nicht gut genug zu sein, nirgends hinzugeh\u00f6ren. S\u00fcnde ist Heimatlosigkeit. So wie Seeland nicht zu Schonen geh\u00f6rt. Und S\u00fcnde findet ihren Ausdruck im Leben als Hochmut, L\u00fcge und Schwachheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter der Macht der S\u00fcnde zu sein, hei\u00dft wie ein Nomade nicht im Leben beheimatet sein. S\u00fcnde bedeutet, nicht den Ort zu haben, wo man hingeh\u00f6rt. Und Vergebung der S\u00fcnde bedeutet, das zu \u00fcberbr\u00fccken, was getrennt ist. Vergebung der S\u00fcnde bedeutet, eine Br\u00fccke zwischen uns und Gott zu bauen, und das kann nur der gro\u00dfe Br\u00fcckenbauer Jesus Christus. Die Vergebung der S\u00fcnden, die in der Taufe zugesagt wird, bedeutet: Du hast einen Ort, wo du hingeh\u00f6rst. Du hast den Ort, wo du recht im Leben beginnen kannst. Und dieser Ort ist bei deinem Gott und Vater, bei ihm, der Herr ist \u00fcber Leben und Tod. Er, der dich nie verl\u00e4sst, sondern daf\u00fcr sorgt, dass dir deine S\u00fcnde dich verl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Vergebung der S\u00fcnde ist das erste im Leben. Das kleine Kind bei der Taufe erh\u00e4lt nicht zuerst einen langen Vortrag dar\u00fcber, was S\u00fcnde ist. Hier hei\u00dft es unmittelbar, wie auch bei dem Gel\u00e4hmten: Deine S\u00fcnden sind dir vergeben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deutlicher kann es nicht gesagt werden, dass S\u00fcnde nicht nur Unmoral ist, denn das Kind handelt ja weder gut noch b\u00f6se, aber es kann im Glauben und Vertrauen ganz wie der Gel\u00e4hmte empfangen, und was das Kind bei der Taufe und der Gel\u00e4hmte auf der Bahre empfangen haben, ist die Gemeinschaft mit dem Sch\u00f6pfer selbst, die Gemeinschaft durch Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gel\u00e4hmte auf der Bahre empfing <em>zuerst<\/em> die Vergebung der S\u00fcnden, weil wir unser Leben von der Vergebung der S\u00fcnden her leben. Erst dann, und das geschieht erst dann, heilt Jesus den Gel\u00e4hmten. Die Heilung wird zur Verdeutlichung der Vergebung. Sie macht sichtbar, was wir Menschen immer brauchen, weil es uns schwerf\u00e4llt zu glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, das Leben lebt von der Vergebung der S\u00fcnden, deshalb m\u00fcssen wir mit der Menge sagen: Wir haben solches noch nie gesehen, denn das ist das Zeichen f\u00fcr einen neuen Weg. Ein Weg aus der Finsternis. So etwas haben wir noch nie gesehen, denn Gott wagt hier mit dem Evangelium von Jesus Christus mit der Vergebung der S\u00fcnde einen neuen Anfang f\u00fcr unser Leben. Und dieser neue Anfang mit der Vergebung der S\u00fcnde ist die frohe Botschaft, auf der unser Leben beruht und die es Tag f\u00fcr Tag aufbaut, bis wir, wenn Gott will, in sein leuchtendes Himmelreich eintreten, denn so etwas haben wir noch nie gesehen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thulebakken 1<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-9000 Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.Sonntag nach Trinitatis | Mk 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen | Der Gel\u00e4hmte auf der Bahre \u2013 und das Kind bei der Taufe Einer der Geschichten, die mir am deutlichsten in Erinnerung sind aus meiner Kindheit, ist der Bericht von dem Gel\u00e4hmten in Kapernaum. Die Handlung ist von Markus sch\u00f6n erz\u00e4hlt. 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