{"id":18975,"date":"2023-10-24T19:00:15","date_gmt":"2023-10-24T17:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18975"},"modified":"2023-10-24T19:18:49","modified_gmt":"2023-10-24T17:18:49","slug":"johannes-446-53","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-446-53\/","title":{"rendered":"Johannes 4,46-53"},"content":{"rendered":"<h3>21.Sonntag nach Trinitatis | 29.10.23 | Johannes 4,46-53 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Wold |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von der Macht des Glaubens<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutigen Evangelium h\u00f6ren wir von einem k\u00f6niglichen Beamten am Hof von K\u00f6nig Herodes. Wir wissen nichts dar\u00fcber, wie er Jesus kennengelernt hat, aber wir h\u00f6ren, dass er hinausgeht, um Jesus anzutreffen und ihn dazu zu bringen, zu kommen und das Kind zu heilen, das zuhause krank im Bett liegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Als er Jesus begegnet, erh\u00e4lt er zwei Reaktionen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Die erste Reaktion ist das Wort Jesu, dass diese Welt Zeichen und Wunder haben will. Das deutet nicht darauf hin, dass diese Worte direkt an den Beamten gerichtet sind, denn der bittet nicht um Wunder oder Zeichen, sondern um eine Heilung. Auf ihn kommen wir zur\u00fcck, aber zun\u00e4chst etwas \u00fcber das mit Zeichen und Wundern, die Neigung, dass man seinen Glauben auf das Sichtbare beruhen l\u00e4sst. Diese Tendenz hat es schon immer gegeben, denn sie liegt tief in uns, und es ist ja auch leichter zu glauben, weil man etwas Mirakul\u00f6ses erlebt hat, als wenn mein Glaube nur vom Wort Gottes leben soll. Aber Jesus widerspricht diesem Glauben mit dem, was er heute sagt: \u201eWenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht\u201c. Der Vorwurf richtet sich gegen all die, die seine Worte h\u00f6ren, die sie aber nur annehmen wollen, wenn sie von mirakul\u00f6sen Ereignissen begleitet werden. Denn wo das Evangelium verk\u00fcndigt wird, da begegnen ihm die Menschen damals wie heute mehr oder weniger unter der Bedingung, dass wir etwas erfahren, was unseren Glauben best\u00e4tigt. Es ist somit damals wie heute schwer, das Evangelium und die Worte Jesu anzunehmen, ohne sich auf \u00e4u\u00dfere Dinge zu st\u00fctzen. Wir wollen trotz allem zun\u00e4chst Sicherheit haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Aber so geht es dem Beamten offenbar nicht. Er hatte den tiefsten Schmerz, den man sich vorstellen kann, n\u00e4mlich dass sein Kind dem Tode nahe war. Und damit war der Mann weit entfernt von dem Thema, das Jesus aufgreift, wenn er von den Mirakeln als Grundlage des Glaubens spricht. Das Problem des Mannes ist nicht, dass er ein \u00fcbernat\u00fcrliches Zeichen haben m\u00f6chte, das ihn darin best\u00e4rkt, dass er eventuell glauben will, sondern dass er will, dass sein Sohn gesund wird, dass er nicht sein Kind verliert. Er kommt also zu Jesus in seiner \u00e4u\u00dfersten Not.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 \u00dcbrigens muss man beachten, dass Jesus ihm nicht etwas erz\u00e4hlt, was auch nur andeutungsweise eine Deutung nahelegt in der Richtung, dass da sicher ein Sinn darin liegt, dass gerade sein Kind erkrankt ist. Der Gedanke war damals nicht bekannt, und er ist auch heute nicht aktuell, wenn die Trag\u00f6die eintrifft. Viele denken: \u201eWarum gerade ich?\u201c \u201eWarum gerade einer unserer Lieben?\u201c Oder vielleicht denken wir, dass dies hier ja kommen musste, denn vielleicht sind wir die, die nur darauf warten, dass uns etwas Tragisches widerf\u00e4hrt. Aber nichts davon spielt ja hier eine Rolle, denn in den Evangelien ist nirgends davon die Rede, dass Jesus den Gedanken best\u00e4tigen w\u00fcrde, dass uns das B\u00f6se widerf\u00e4hrt, weil wir es verdient haben oder weil darin ein h\u00f6herer Sinn liegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Aber f\u00fcr diesen Gedanken kann man sich nicht auf Jesu Wort und Tat berufen. Jesus sagt nie, dass das ein h\u00f6herer Sinn darin liegt, dass einen die Krankheit trifft. Das Reich Gottes ist keine Erkl\u00e4rung, es ist eine Ver\u00e4nderung. Das ist der Grund daf\u00fcr, dass Jesus den einfachen Satz sagt: \u201eGehe hin, dein Sohn lebt\u201c Und dem folgt ein anderer Satz, der f\u00fcr uns von ebenso gro\u00dfer Bedeutung ist: \u201eDer Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin\u201c. Der Mann glaubte \u2013 das hei\u00dft er vertraute auf Jesu Wort ohne irgendeinen Beweis und ohne die Andeutung irgendeiner Garantie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Nicht weil da nicht etwas w\u00e4re, was den Glauben schwer machen k\u00f6nnte. Da ist ja sowohl in der Welt Jesu als auch in unserer eigenen Zeit so viel, was es schwer macht zu glauben. Unsere Auffassung von der Welt, unser ewiger Drang nach Zeichen und Wundern, ganz zu schweigen von dem Zustand der Welt, in der wir leben. Da ist reichlich viel, was sowohl den Glauben als auch die Hoffnung bedrohen kann. Aber diese Erz\u00e4hlung handelt davon, dass das Reich Gottes auf die Erde gekommen ist, dass das Wort Jesu uns von uns selbst zu Gott f\u00fchrt, von dem Punkt, wo wir nur uns selbst \u00fcberlassen sind, dorthin, wo wir Gottes Kinder sind. Dass ist der Sinn, auf den wir vertrauen sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das sollen wir tun angesichts aller unserer Unruhe und Angst oder was uns nun auf der Seele liegen sollte. Der k\u00f6nigliche Beamte vertraute auf das, was Jesus ihm sagte, und er machte sich auf den Weg. Und diesen Weg ist er ausschlie\u00dflich mit dem Wort Jesu gegangen, bis er seinen Dienern begegnete. Vielleicht hat sich der Zweifel mit seinem Glauben vermischt, w\u00e4hrend er nachhause ging. Vielleicht war er angefochten in der Weise, dass er das ganze vielleicht \u00fcbereilt fand \u2013 welchen Hintergrund hatte er, dem Wort Jesu zu glauben, warum sollte er ihm vertrauen? Vielleicht dachte er so, aber als er seinen Dienern begegnete, verstand er, dass Jesu Worte wahr sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele werden sicher fragen, wo die Wunder wie das mit dem Sohn des Beamten heute abgeblieben sind. Denn hier sind Wunder ja sehr selten, auch wenn sie hin und wieder in etwas anderer Weise geschehen als das, von dem wir heute geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Die Frage ist aber, ob wir uns nicht manchmal auf eine ganz bestimmte Auffassung vom Wunder festlegen. Was ist ein Wunder? Ist es dies, dass wir ohne Krankheit und Not hier durch das Leben kommen, dass uns Gott vor jedem Schmerz bewahrt? Das wird uns nirgends versprochen. Jesus konnte Menschen durch den Glauben heilen, aber f\u00fcr uns ist das in der Regel vergebens. Aber ein Wunder ist mehr als ein mirakul\u00f6ses Geschehen wie das, von dem wir bei Johannes h\u00f6ren. Ein Wunder ist ein Ereignis, das etwas ver\u00e4ndert, das uns etwas Neues er\u00f6ffnet. \u201eSiehe, ich mache alles neu\u201c, hei\u00dft es in der Offenbarung des Johannes. Das Neue ist, das Gott mir nahekommt, dass er sich meines Lebens annimmt mit all dem, was es enth\u00e4lt. Und wo ich das erfahre, ist mir eine Grundlange gegeben, die mich nicht von dem Leben entfernt, in dem ich stehe, weder wenn es sich in seiner Sch\u00f6nheit zeigt noch in seinem Grauen. Aber das gibt mir die Zusage, dass ich weiterleben soll, weil ich in einer Beziehung stehe, von der Paulus auch spricht in der Epistel dieses Sonntags: \u201eSeid stark in dem Herrn, \u2026. vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens\u201c (Epheser 6,10 und 16), schreibt er in einer Bildersprache, die auf Wendungen hinausl\u00e4uft, die zeigen, dass Paulus jedenfalls kein zur\u00fcckhaltender Mensch war. Der Mut ist nicht ein Mut, der aus mir selbst kommt, sondern aus meiner Beziehung zu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Deshalb geh\u00f6ren Glaube und Hoffnung zusammen. Der Glaube ist etwas, was zum Kampf gegen die b\u00f6sen M\u00e4chte ruft. Das Reich Gottes ist das, was die Ver\u00e4nderung der Welt bringt, nach der wir uns innerlich sehnen und die das Elend aus der Welt schafft. F\u00fcr uns wird die Krankheit nicht so wie bei Jesus beseitigt. Wir sind nicht so wie er, und es geschieht nicht so oft bei uns, dass wir die H\u00e4nde auf die Kranken legen und sie gesund machen. Es geschieht, denn auch in unserer Zeit geschehen Wunder, und ich kann nicht erkl\u00e4ren, warum sie einigen widerfahren, anderen aber nicht. Auch der bzw. die Glaubende erlebt, dass er bzw. sie mit seinen bzw. ihren W\u00fcnschen um Heilung seiner bzw. ihrer Lieben zu kurz kommt. Aber damit ist nicht gesagt, dass der Glaube deshalb eine Illusion und sein Gegenstand eine menschliche Erfindung ist. Damit ist vielmehr gesagt, dass das Reich Gottes nicht bedeutet, dass diese Welt ein Paradies wird. Manchmal erleben wir Funken des Reiches Gottes auf Erden. Und wir h\u00f6ren davon, dass wahrlich Dinge geschehen sind wie das, von dem das heutige Evangelium erz\u00e4hlt. Das alles bedeutet, wo Gott gegenw\u00e4rtig ist, da sind Glauben und Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Vielleicht sollen wir gar nicht auf die gro\u00dfen mirakul\u00f6sen Wunder warten. Wir sollen uns darin verfangen, dass unser Glaube abh\u00e4ngig wird von den Bedingungen, die wir selbst aufstellen. Jesus sagt zu uns: Vertraut auf mein Wort. Ich bin mit euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Vielleicht bedeutet diese Gegenwart auch Heilung im physischen Sinne, vielleicht auch nicht. Aber die Gegenwart wird bedingungslos verhei\u00dfen, et wird gesagt, so dass wir es glauben d\u00fcrfen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Wold<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1263 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: mwo(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.Sonntag nach Trinitatis | 29.10.23 | Johannes 4,46-53 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Wold | Von der Macht des Glaubens Im heutigen Evangelium h\u00f6ren wir von einem k\u00f6niglichen Beamten am Hof von K\u00f6nig Herodes. 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