{"id":19001,"date":"2023-10-27T13:52:52","date_gmt":"2023-10-27T11:52:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19001"},"modified":"2023-10-27T13:52:52","modified_gmt":"2023-10-27T11:52:52","slug":"matthaeus-51-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-51-10\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5,1\u201310"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Die Seligpreisungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit |\u00a0Reformationsfest | \u00a031.10.2023 | Mt 5,1\u201310 | Thomas Bautz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAls Jesus die Volksmenge sah, stieg er auf einen Berg und setzte sich; seine J\u00fcnger kamen zu ihm.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Berg hat religionsgeschichtlich stets eine gro\u00dfe Bedeutung: Sitz der G\u00f6tter, Ort der Offenbarung, St\u00e4tte des Empfangs der Tora, der g\u00f6ttlichen Weisung f\u00fcr das individuelle und soziale Leben. Berge sind auch Zufluchtsorte. Hohe Berge ringen dem Menschen, der sie erklimmt, Respekt vor der Natur ab. So strapazi\u00f6s und oft gef\u00e4hrlich der Aufstieg sein mag, die Majest\u00e4t des Berges begl\u00fcckt jeden, der ihn bezwungen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen nicht, ob der Nazarener Ruhe und Kontemplation sucht, wie er oft die Einsamkeit in der W\u00fcste oder auf dem Wasser der mitunter aufdringlichen Menschenmasse vorzieht. Er wei\u00df aber die Symbolkraft des Berges zu nutzen. Er setzt sich, wie auch f\u00fcr Lehrer in der Synagoge \u00fcblich. Er \u00f6ffnet seinen Mund \u2013 dieser Ausdruck unterstreicht die biblische Tradition \u2013 und beginnt sie zu lehren. Seine Predigt richtet sich an die J\u00fcnger und an die Volksmenge gleicherma\u00dfen. So beginnt Matth\u00e4us einen der gewichtigsten Texte des NT: die Bergpredigt Jesu, deren bis in unsere Zeit revolution\u00e4re Botschaften, Gedanken und Segensspr\u00fcche an Bedeutsamkeit mit der Offenbarung an Mose auf dem Sinai f\u00fcr manche Ausleger vergleichbar sind.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Anfang der Bergpredigt (Mt 5\u20137) bilden acht \u201eSeligpreisungen\u201c,<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> kaum m\u00f6glich, sie nach ihrer Bedeutsamkeit zu ordnen oder zu staffeln. Es hat aber einiges f\u00fcr sich, alle Seligpreisungen zu sehen in einer Situation von grundlegendem (materiellem) Mangel und Fehlen an spiritueller Gewissheit.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Die Makarismen beginnen alle mit dem Zuruf und Zuspruch \u039c\u03b1\u03ba\u03ac\u03c1\u03b9\u03bf\u03b9, der unterschiedlich \u00fcbersetzt wird: Selig; Gl\u00fcckselig; Gl\u00fccklich; Heil; Gesegnet; Wohl dem, Wohl denen. Wir entscheiden uns f\u00fcr \u201eGesegnet\u201c und \u201eWohl dem\/ denen\u201c, wobei es bei Letzterem auf die Betonung ankommt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">WOHL denen (den Menschen), die \u2026: Sie erhalten die Zusage von Wohlergehen, Segen, Heil, Gl\u00fcck \u2013 ganz ohne ihr Zutun, bedingungslos, (theologisch: \u201eaus Gnaden\u201c). Das erste Wort wird betont. Ich lege nun den Akzent auf das zweite Wort:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wohl DENEN, die \u2026: Hierbei erfolgt die Zusage, gekn\u00fcpft an eine entscheidende Bedingung, die eine Einschr\u00e4nkung mit sich bringt: der Segen, das Gl\u00fcck usw. gilt DENEN, nicht anderen, oder nur DENEN, welchen die Eigenschaften gelten, die jeweils im Nachsatz (\u201edenn \u2026\u201c) genannt werden und so aber auch als Forderungen missverstanden werden k\u00f6nnen. Wir verwenden \u201eWOHL denen\u201c, weil es dem hebr\u00e4ischen Sprachraum entspricht: \u05d0\u05b7\u05e9\u05c1\u05b0\u05e8\u05b5\u05d9 (\u201eAschre\u201c, \u201eWohl dem \u2026\u201c)<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> und \u201eGESEGNET\u201c, weil es der Bedeutung und dem Gewicht der Seligpreisungen naheliegt und dem heutigen Deutsch n\u00e4herkommt als etwa \u201eSelig\u201c oder \u201eHeil\u201c. Die Betonung des ersten Wortes: \u201eWOHL denen\u201c, \u201eGESEGNET\u201c ist aus inhaltlichen Gr\u00fcnden vorzuziehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im griechischen Sprachgebrauch beschreibt <em>mak\u00e1rios<\/em> den gl\u00fccklichen Zustand der G\u00f6tter, die \u00fcber Leiden und M\u00fchsal der Menschen erhaben sind. Philosophisch bezeichnet es das \u201einnere Gl\u00fcck\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Das Gl\u00fcck bezieht sich bei den Griechen der Antike auf unmittelbare G\u00fcter, Werte, Verh\u00e4ltnisse; dabei haben Familie, Kindersegen, Liebe, aber auch Besitz und Reichtum hohen Stellenwert. Mit inneren Werten verbindet der Grieche gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Verstand; frei Sein von Tr\u00fcbsal oder Bedr\u00e4ngung; Ruhm, Ehre und m\u00e4nnliche Tugend.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch in der Septuaginta (LXX) spiegelt <em>mak\u00e1rios<\/em> zun\u00e4chst \u201eW\u00fcnsche und Ideale\u201c im Hinblick auf die \u201eLebenserf\u00fcllung\u201c: \u201eirdisches Wohlergehen, Reichtum, Ehre, Weisheit\u201c. Dann werden \u201eWeisheit und Fr\u00f6mmigkeit\u201c als \u201eGottes Gabe\u201c angesehen, gleichzeitig allerdings als \u201eVoraussetzung aller Seligkeit\u201c, implizit also als Forderung.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>Wir werden h\u00f6ren, dass die Seligpreisungen Jesu nicht als Forderungen \u00a0zu verstehen sind, sondern als Umschreibungen des M\u00f6glichen f\u00fcr diejenigen, die sich wirklich auf das Abenteuer des Lebens einlassen. Wer versteht, was Jesus in der Bergpredigt sagen will, \u201ef\u00fcr den \u00e4ndert sich die Welt\u201c; man k\u00f6nnte und d\u00fcrfte<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u201edie \u201aSeligpreisungen\u2018 h\u00f6ren wie die Ouvert\u00fcre einer zauberhaften Symphonie, die in unser scheinbar so verlorenes Leben T\u00f6ne von Heimweh und R\u00fcckkehr, von Verhei\u00dfung und wiedergefunden Werden zur\u00fccktr\u00e4gt, bis da\u00df es uns verlockt, all die Wahrheiten und \u00dcberzeugungen endlich zu leben, die wir im Grunde immer schon wie schlafend in uns trugen und deren wir uns dennoch niemals wirklich zu getrauen mochten.\u201c Im Gegensatz zu den griechischen Makarismen treten alle \u201eprofanen G\u00fcter und Werte\u201c zur\u00fcck, und das Trachten, Streben, Eifern nach dem Reiche Gottes gewinnt Priorit\u00e4t.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere \u201eSymphonie\u201c besteht aus acht S\u00e4tzen (f\u00fcr ein Orchester \u00fcblicherweise vier), wovon der erste Satz am eindringlichsten klingt, weil er die H\u00f6rer (uns als H\u00f6rer?) herausnimmt aus der Alltagswelt, deren lautstarkes Gehabe und Auftreten uns mitunter schier die Besinnung raubt, deren L\u00e4rm uns nicht mehr erlaubt, zu uns selbst zu finden. Wo Spiritualit\u00e4t, Glaube, Vertrauen, Besinnlichkeit und Besinnung auf das Wesentliche (was ist uns \u00fcberhaupt wesentlich?) im Rauschen verzerrter Misst\u00f6ne erstickt werden. Schon der erste Satz also l\u00e4sst aufhorchen, weil er inhaltlich unsere Vorstellungen sprengt oder zumindest \u00fcber sie hinausgeht, unser Denken und Handeln \u00fcbertreffend:<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWohl denen, gesegnet diejenigen, die arm sind vor Gott, denn ihnen geh\u00f6rt das Reich der Himmel.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man sollte \u201eArmut\u201c nicht vorschnell spiritualisieren oder geistlich deuten, und zwar nicht nur deshalb, weil Lukas besagten Zusatz wegl\u00e4sst und sich auf die soziale Armut, auf die Bettelarmen konzentriert. Vielmehr stehen die Mittellosen, die Bettler, die gescheiterten Existenzen gesamtbiblisch im Fokus.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Armut ist im alten Israel eine allgegenw\u00e4rtige Realit\u00e4t. Als Hauptursache ist wohl das Kreditwesen zu sehen, das Bauern und Tagel\u00f6hner in die Schuldenfalle treibt: Viele Reiche sind Gl\u00e4ubiger und Arme sind Schuldner. Viele Menschen sind bettelarm. Demgegen\u00fcber zieht sich eine eindeutige Option f\u00fcr die Armen wie ein roter Faden durch die hebr\u00e4ische Bibel; im NT folgt Parteinahme f\u00fcr die Armen den durchgehenden Themenlinien, besonders im Evangelium nach Lukas. Fr\u00f6mmigkeit oder Glaube wird biblisch gemessen am Verh\u00e4ltnis zu den Bettelarmen; einer Missachtung droht gesamtbiblisch \u00a0sogar ein g\u00f6ttliches Strafgericht.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Die Reichen erfahren sch\u00e4rfste Kritik.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch im NT bedeutet Armut \u201eMangel an etwas\u201c, nicht nur an lebensnotwendigen G\u00fctern, sondern auch Mangelerscheinungen im weitesten Sinne sind Krankheiten, k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen wie Blindheit und gravierende Behinderungen vielf\u00e4ltiger Art. Kranke sind ohne soziale Absicherung vom Erwerbsleben ausgeschlossen und daher besonders auf wohlt\u00e4tige Hilfe angewiesen. Wer schwach, niedrig, erniedrigt, erbarmungsw\u00fcrdig ist \u2013 dazu geh\u00f6ren auch \u201eFremdlinge\u201c, gilt im weitesten Sinne als arm und \u201earm dran\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Drastisch formuliert: \u201eVerflucht ist, wer schwach ist, und Weh dem, der arm ist.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Die hebr\u00e4ische Bibel verwendet krasse Bildworte f\u00fcr die in diesem Sinne Armen:<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hohe und Erhabene wohnt \u201ebei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist\u201c und belebt \u201eden Geist der Gebeugten\u201c und \u201edas Herz der Zerschlagenen\u201c (cf. Jes 57,15).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Das f\u00fchrt zu einer Auff\u00e4lligkeit im semitischen Sprachraum: zur morphologischen \u00c4hnlichkeit von \u201eder Arme\u201c (\u05e2\u05e0\u05d9) und \u201eder Dem\u00fctige, Niedrige\u201c (\u05e2\u05e0\u05d5).<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Wer Freude hat an der lebenswichtigen Tora oder an den Weisungen der Bergpredigt Jesu, der Mensch wird mit Demut versuchen, danach zu leben. Wie verschieden wir, unsere Lebensumst\u00e4nde, auch sein m\u00f6gen: Wir werden gesegnet sein, und dazu bedarf es immer wieder neu der Ermutigung, des Trostes, des Zuspruchs. Insofern sind die Seligpreisungen \u00fcberzeitlich und auch ohne Ansehen der Person: Weil sie \u00e4u\u00dfere M\u00e4ngel <em>und<\/em> innere Defizite ansprechen, gelten sie grunds\u00e4tzlich f\u00fcr Arme und Reiche gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotz des eindeutigen Eintretens f\u00fcr die Armen verweigern sich die Texte der hebr\u00e4ischen Bibel jeder Verkl\u00e4rung von Armut. Sie kennen kein Armutsideal, das in m\u00f6nchischer, asketischer Lebensweise zu verwirklichen w\u00e4re. Armut gilt als Elend, das nicht von selbst verschwindet. Entsprechend wird auch Reichtum als solcher nicht negativ bewertet, sondern kann durchaus als Ausdruck g\u00f6ttlichen Segens verstanden werden. Kritisiert wird \u2013 besonders von Propheten \u2013, \u201edie Bereicherung der Reichen auf Kosten der Armen\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Immerhin hat Martin Luther \u201eals Sch\u00fcler, Novize und Priester die Schmach der Armut und des Bettelns selbst kennengelernt\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht Jesus (nach Mt 5,3) um eine Armut, die Arme <em>und<\/em> Reiche betrifft, n\u00e4mlich die Einsicht, dass wir arm sind \u201evor Gott\u201c, \u201earm im Geist\u201c, was schwer zu verstehen ist. Lassen Sie es uns versuchen: Dieser Zusatz \u201eim Geist\u201c hat zum \u201eVorwurf der Spiritualisierung\u201c gegen Matth\u00e4us gef\u00fchrt. Dabei will er \u201enur\u201c die angebotene Freiheit betonen, nicht <em>mehr<\/em> sein zu m\u00fcssen oder darstellen zu wollen als wir sind.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Die Seligpreisungen des Nazareners sind verbale Befreiungsakte, so dass wir uns vor Gott nicht mehr unserer \u201egeistlichen Mittellosigkeit\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> sch\u00e4men m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann werden wir ein wahrhaft reiches Leben im spirituellen und ethischen Sinne zu f\u00fchren ermutigt und demnach Fr\u00fcchte bringen, wie die hebr\u00e4ische Bibel (Ps 1,1\u20133) und Rabbi Jesus es verhei\u00dfen; der Unterschied ist der, dass die Seligpreisungen \u201eFr\u00fcchte\u201c wie Zugeh\u00f6rigkeit zum K\u00f6nigreich der Himmel und zum Getr\u00f6stet- und ges\u00e4ttigt Werden quasi als \u201eGeschenke\u201c anbieten, die im Inneren wirksam werden. Wir d\u00fcrfen getrost die innere Armut annehmen, uns vom Gepl\u00e4rr dubioser Ratschl\u00e4ge und verf\u00fchrerischer Reden Hochm\u00fctiger aber abwenden, unseren eigenen Weg gehen und zuh\u00f6ren:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGl\u00fcckselig der Mensch, der nicht folgt dem Rat der Frevler, den Weg der S\u00fcnder nicht betritt und nicht im Kreis der Sp\u00f6tter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung JHWHs, \u00fcber seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Er ist wie ein Baum, der an Wasserb\u00e4chen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Bl\u00e4tter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Freude an der Tora ist nicht verbunden mit einem Wunschdenken; auch dem Frommen wird sich das Leben nur bedingt nach eigenen Vorstellungen gestalten. Vieles geschieht unvorhergesehen oder ist abh\u00e4ngig vom sozial-kulturellen Umfeld oder von Menschen, die uns begegnen oder uns ganz nah kommen. Religi\u00f6se Menschen versuchen oft, sich ein Bild von (einem) Gott zu machen, versuchen, ihm durch Gebete, Bibellesen, Gottesdienstbesuche, Rituale, kultische Handlungen n\u00e4her zu kommen. Das ist solange gut, wie sie sich die \u201egeistliche\u201c Armut bewahren, ihr Armsein vor Gott bekennen:<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das bedeutet, \u201eda\u00df Gott sich nur da erschlie\u00dft\u201c, wo es wirklich um Ihn geht und nicht um \u201edie Welt\u201c, \u201eund wo nicht der Besitz den Zugang zu Ihm versperrt; der Besitz mit seiner Sattheit, der Besitz mit seinem Hochmut, [\u2026] mit seiner Sicherheit. Es bedeutet, da\u00df Gott sich [\u2026]auch allem religi\u00f6sen Besitz verschlie\u00dft, [\u2026] allem Satt- und Sichersein, [\u2026] vielleicht gar einem Alleinhaben der Wahrheit Gottes\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Schlimme ist, dass man auch mit Einsamkeit, Not, Verzweiflung kokettieren kann: In Clubs oder gewissen Selbsthilfegruppen von Unverstandenen und Bemitleidenswerten, deren Armut und Angst nicht besonders \u00fcberzeugend wirkt, einer gro\u00dfen Selbstzufriedenheit zum Verwechseln \u00e4hnlich ist. Aber \u201eauch Verzicht und Opfer\u201c (oder gro\u00dfz\u00fcgige Spenden) bieten \u201ekeine Gew\u00e4hr f\u00fcr das wirkliche innere Armwerden. Selbst aus der \u00e4u\u00dfersten Entsagung kann man sich noch ein pr\u00e4chtiges Geb\u00e4ude [\u2026] bauen. Man kann ein Martyrium erleiden und sich dabei stolz und reich f\u00fchlen, als ein Mensch, der das Letzte hergegeben hat und nun niemand etwas schuldet. Armut im Sinne der Bibel ist das nicht.\u201c Die Seligpreisungen rufen daher nicht zu bestimmten Leistungen auf, sie fordern nichts. \u201eSie geben keine moralischen Musterbeispiele.\u201c Sie vermitteln aber \u201eeinen klaren Blick\u201c f\u00fcr Sachlichkeit, weil n\u00e4mlich \u201eSeligkeit immer mit Sachlichkeit zusammenh\u00e4ngt\u201c. \u201eIn dieser Sachlichkeit erkennt man sich einfach als Schuldner der anderen\u201c (und des Anderen).\u201c Man erkennt nicht nur die eigene Not, die nackte Wirklichkeit: \u201eUnentrinnbar ist man in die Mitmenschlichkeit hineingezogen.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00c4hnlich wie die erste Seligpreisung ragt die sechste aus dem Ensemble heraus, weil sie zutiefst j\u00fcdischem Denken und Empfinden verpflichtet ist und ebenfalls ohne Kenntnis der hebr\u00e4ischen Bibel kaum nachzuvollziehen ist: \u201eGesegnet, die reinen Herzens sind: Sie werden Gott schauen\u201c (Mt 5,8).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWer darf hinaufziehn zum Berg JHWHs, wer darf stehn an seiner heiligen St\u00e4tte? Wer unschuldige H\u00e4nde hat und ein reines Herz, der nicht betr\u00fcgt [nicht auf Nichtiges sinnt] und keinen Meineid schw\u00f6rt. Er wird Segen empfangen von JHWH und Heil von Gott, seinem Helfer\u201c (Ps 24,3\u20135).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWie g\u00fctig ist Gott zu den Redlichen, JHWH zu allen, die reinen Herzens sind.\u201c <a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich: \u201eLauter G\u00fcte ist Gott f\u00fcr Israel, f\u00fcr alle Menschen mit reinem Herzen\u201c (Ps 73,1).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHerz\u201c meint nach j\u00fcdischem Sprachgebrauch das Zentrum des menschlichen Wollens, Denkens und F\u00fchlens.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>Nat\u00fcrlich ist die Herzensreinheit ganzheitlich, also auch kultisch gemeint. Die Reformation betont (aber), man solle nicht nach hoher (dogmatischer) Theologie streben, sondern in die Tiefe und \u201eGott in den Elenden, Irrenden und M\u00fchseligen suchen\u201c; \u201eda schaut man Gott, da wird das Herz rein und aller Hochmut liegt darnieder\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese reformatorische Sicht, gest\u00fctzt von der Sozialkritik der Propheten, bewahrt den Glauben davor, mit einer reinen Religion der Innerlichkeit identifiziert zu werden &#8211; wozu der Zusatz: \u201edenn sie werden Gott schauen\u201c verleiten k\u00f6nnte. Eine Schau Gottes, die Frage, ob man \u201eGott\u201c \u00fcberhaupt sehen k\u00f6nne, wird sehr intensiv in der Mystik meditiert, mitunter durch erbauliche Essays oder sogar theologisch und philosophisch er\u00f6rtert, wie bei Meister Eckart; Hilde von Bingen; Nikolaus von Kues (Cusanus).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jede \u201eSchau Gottes\u201c kann uns nur \u2013 kollektiv oder individuell \u2013 unser eigenes Bild zeigen; wenn wir dabei ehrlich und selbstkritisch sind, k\u00f6nnen wir freilich traditionelle \u201eGottesbilder\u201c verwenden. M\u00f6gen uns biblische Seligpreisungen helfen, immer wieder Vorstellungen eines neuen Menschen zu entwerfen, die realistisch, aber auch ermutigend genug sind, damit wir den uns geschenkten Frieden nicht f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich erachten und uns nicht ausruhen in falsch verstandener Gl\u00fcckseligkeit. Es ist viel zu leicht, von Gewaltfreiheit zu reden, verbl\u00fcffend leicht, sich f\u00fcr Frieden auszusprechen, aber wer bietet leibhaftig den Autokraten, Diktatoren und Terroristen die Stirn?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGesegnet sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottess\u00f6hne hei\u00dfen\u201c (Mt 5,9).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAuf Recht, Wahrheit und Frieden beruht die Welt\u201c (Awot, Spr\u00fcche der V\u00e4ter I,12).<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Weisheit aus der j\u00fcdischen Tradition stellt eine Kurzfassung dessen dar, was wir ohne M\u00fche auch aus der hebr\u00e4ischen Bibel eruieren k\u00f6nnen. Auf unsere Zeit angewandt, bedeutet dies in der Konsequenz genau das, was der Generalsekret\u00e4r der UN, Ant\u00f3nio Guterres, einfordert, dass jeweils f\u00fcr alle Kriegsparteien das <em>V\u00f6lkerrecht<\/em> gilt und Einhaltung der <em>Menschenrechte<\/em> verpflichtend sind. Seine politische Rolle nimmt er wahr, indem er in Krisengebiete reist, Gespr\u00e4che mit Regierungen f\u00fchrt und <em>Friedenspl\u00e4ne<\/em> zur Beilegung von Konflikten vorlegt. Wichtig sind die vom Generalsekret\u00e4r ernannten Sonderbeauftragten, die als seine lokalen Vertreter vor Ort Friedensmissionen und die Arbeit der UN koordinieren. Zu den origin\u00e4r politischen Aufgaben des Generalsekret\u00e4rs geh\u00f6rt, die Aufmerksamkeit des Sicherheitsrates auf jede Angelegenheit zu lenken, die seiner Meinung nach den <em>Frieden<\/em> gef\u00e4hrden k\u00f6nnte; dann handelt es sich um <em>Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Friedenswille, Friedensmissionen, Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen, Hilfe in Konflikten, Friedenspl\u00e4ne \u2013 von den Vereinten Nationen laut UN-Charta verbrieft, und Friedensbem\u00fchungen rei\u00dfen nicht ab, sie werden mit bewundernswerter Anstrengung durchzusetzen versucht. Aber all das scheitert immer wieder an der brutalen Realit\u00e4t: die radikalislamische Terrororganisation Hamas,\u00a0 Menschenleben verachtend und das eigene Volk r\u00fccksichtslos opfernd, \u00fcberf\u00e4llt Israel. Die Historie lehrt zwar, dass Israel und die Pal\u00e4stinenser eine mehr als schwierige Geschichte haben, die nahezu permanent Konflikte hervorrief, aber solch ein, offenbar nicht nur politisch, sondern auch religi\u00f6s motivierter Anschlag wirft Fragen auf. Denn die perfide Taktik der Terroristen durch Geiselnahme und durch Opfer der Zivilbev\u00f6lkerung als Schutzschilde, Nutzung ziviler Geb\u00e4ude im Gazastreifen, erschweren die Verteidigung Israels und eine Gegenoffensive erheblich. Die Vermeidung ziviler, unschuldiger Opfer unter Pal\u00e4stinensern wird durch die Hamas im Grunde unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daher ist \u2013 faktisch ohne Berechtigung \u2013 die islamische Welt, gr\u00f6\u00dftenteils Israels Nachbarn, gegen Israel aufgebracht, und der schlimmste, Waffen an die Terrorregime (auch an Putin) liefernde Feind, der Iran, f\u00fchlt seinen Hass best\u00e4tigt und gerechtfertigt. Vermutlich ist dies exakt das Ziel der Hamas: erneute Zwietracht s\u00e4en und die begonnenen Friedensbem\u00fchungen Israels mit den Nachbarstaaten zunichtemachen. Die Folgen haben aber auch internationalen Charakter, weil demokratische Staaten prinzipiell eine <em>Friedensethik<\/em> und weitgehende Toleranz auch gegen\u00fcber islamischen L\u00e4ndern haben. Hier ist erg\u00e4nzend eine Konfliktethik gefordert, die realistisch versucht, L\u00f6sungen f\u00fcr bestehende Konflikte zu erarbeiten, so aussichtslos das erscheinen mag. Der ideologisch und von Gr\u00f6\u00dfenwahn motivierte, brutale \u00dcberfall des Putin-Regimes ist leider ein Paradebeispiel f\u00fcr Kriegsf\u00fchrung und massive Menschenrechtsverletzungen, die jede Friedensethik zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man sollte vielleicht eher eine <em>Vers\u00f6hnung<\/em> zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern anstreben, weil diese m.E. meist tiefer reicht als ein oft nur \u00e4u\u00dferlich bestehender Frieden. Im Kontext der Seligpreisung bei Matth\u00e4us (Mt 5,9) wird deutlich, dass die Friedensstiftung auf keinen Fall durch Rachsucht oder Hassgef\u00fchle gef\u00e4hrdet sein darf und vielmehr durch Vers\u00f6hnungswillen motiviert sein muss. Dabei gilt es auch Risiken einzugehen, so dass man leicht \u201ezwischen die Fronten\u201c ger\u00e4t.<a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wollte man Harmonie und Symphonie der Seligpreisungen mit dem Leben der Menschen in den ganz unterschiedlichen V\u00f6lkern, L\u00e4ndern, Staaten und Gemeinschaften oder nur scheinbar bescheiden mit unserer Gesellschaft konfrontieren, w\u00fcrde man bei Licht betrachtet an ein Jesuswort erinnert:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eFrieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.\u201c (Joh 14,27).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich paraphrasiere: Was ihr unter Frieden versteht, k\u00f6nnt ihr behalten; aber ich schenke euch meinen Frieden, der das Herz der Menschen erreicht und sie von innen her ver\u00e4ndert \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrer Thomas Bautz, Bonn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:bautzprivat@gmx.de\">bautzprivat@gmx.de<\/a><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Cf. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matth\u00e4us, EKK I\/1 (1985), 197\u2013198; Hans Weder: Die \u201eRede der Reden\u201c. Eine Auslegung der Bergpredigt heute (2. Auf. 1987): Die Lehre auf dem Berg (Mt 5,1f), 35\u201339: 38\u201339; Weder nennt weitere Bedeutungen des Berg-Motivs (mit Textstellen).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Beatitudes (engl.); Les b\u00e9atitudes (franz.); Makarismus v. (griech.) \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, \u03bc\u03b1\u03ba\u03ac\u03c1\u03b9\u03bf\u03b9 (mak\u00e1rios); s. ThWNT IV (Studienausgabe 1990), s.v. \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2 etc., 365\u2013373.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Cf. Timothy D. Howell: The Matthean Beatitudes in Their Jewish Origins. A Literary and Speech Act Analysis, Studies in Biblical Literature 144 (2011): (5) Exegetical Analysis of the Beatitudes: Its Contextual Meaning and Verbal Threads (117\u2013182): The Depiction of the Blessed, 131\u2013148: 131.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bestimmung des Adressaten erfolgt im anschlie\u00dfenden Relativsatz, inhaltlich oft die Bedingung f\u00fcr die Zusage benennend; Julius Steinberg: Seligpreisung (AT) (2013), wibilex (pdf): Zu Sprache u. Form der Seligpreisung S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> ThWNT IV (1990), s.v. \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2 etc., 365f: Aristoteles billigt dem Menschen die im Vergleich zur Gl\u00fcckseligkeit der G\u00f6tter geringere \u03b5\u1f50\u03b4\u03b1\u03b9\u03bc\u03bf\u03bd\u1f77\u03b1 zu, wobei dies andernorts mit \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2 auch synonym gebraucht wird. Im NT verwendet man keine Synonyme f\u00fcr mak\u00e1rios (370; A. 40).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> ThWNT IV (1990), s.v. \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, 366\u2013367.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> ThWNT IV (1990), s.v. \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, 367\u2013368.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Eugen Drewermann: Das Matth\u00e4usevangelium. Erster Teil: Mt 1,1\u20137,29. Bilder der Erf\u00fcllung (1992), 369.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> ThWNT IV (1990), s.v. \u03bc\u03b1\u03ba\u1f71\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, 370.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Andere \u00dcbersetzung: \u201eGl\u00fcckselig die Armen im Geiste, [\u2026]\u201c. Auslegern bereitet der Zusatz \u03c4\u1ff7 \u03c0\u03bd\u03b5\u03cd\u03bc\u03b1\u03c4\u03b9 oft Schwierigkeiten, weil er mehrdeutig ist (s. Luz: Matth\u00e4us, 205\u2013206); das Problem l\u00e4sst sich durch die Wendung \u201evor Gott\u201c umgehen. S\u00e4he man \u03c4\u1ff7 \u03c0\u03bd\u03b5\u03cd\u03bc\u03b1\u03c4\u03b9(parallel zu \u03ba\u03b1\u03b8\u03b1\u03c1\u03bf\u1f76 \u03c4\u1fc7 \u03ba\u03b1\u03c1\u03b4\u03af\u1fb3 Mt 5,8) als Dativ der Beziehung, so w\u00e4re der menschliche Geist in dem\u00fctiger Haltung gemeint; cf. ThWNT VI (1990), s.v. \u03c0\u03bd\u03b5\u1fe6\u03bc\u03b1 etc.: Sonderstellen des Matth\u00e4us, 398f. Eine weitere L\u00f6sung bietet Die Bergpredigt: j\u00fcdisches und christliches Glaubensdokument. Eine Synopse. Mit e. Einl. hg. v. G\u00fcnther Bernd Ginzel (1985): Hauptteil: Synopse der Texte: \u201e<em>Selig, die arm sind in sich selbst:<\/em> Ihnen <em>geh\u00f6rt das Himmelreich<\/em>\u201c (Mt 5,3), S. 41\u201342 (dort kursiv).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Rainer Kessler: Armut \/ Arme (AT) (2006), wibilex (pdf), S. 1\u20135; Christfried B\u00f6ttrich: Armut \/ Arme (NT) (o. J.), wibilex (pdf), S. 1\u201313. Extreme Mittellosigkeit der Armen wird durch \u03c0\u03c4\u03c9\u03c7\u1f79\u03c2 ausgedr\u00fcckt: ThWNT VI (1990), s.v. \u03c0\u03c4\u03c9\u03c7\u1f79\u03c2: Wortbedeutung, 886f; Die Beurteilung der Armen, 887f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Kessler: Armut \/ Arme (AT) (2006), S. 1; cf. ThWNT VI (1990), s.v. \u03c0\u03c4\u03c9\u03c7\u1f79\u03c2: Der Arme im AT, 888\u2013894; Die Einstellung zum Armen, 889\u2013894.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Cf. B\u00f6ttrich: Armut \/ Arme (NT), S. 6\u20138; s. die \u201eWeherufe\u201c (Drohungen) an die Reichen: Lk 6,24\u201326.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Cf. B\u00f6ttrich: Armut \/ Arme (NT), S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Drewermann: Das Matth\u00e4usevangelium, 370\u2013371.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Cf. Anatoli Uschomirski: Die Bergpredigt aus j\u00fcdischer Sicht. Was Juden und Christen gemeinsam von Jesus lernen k\u00f6nnen (2020): Die Seligpreisungen, 18\u201342: 22<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Luz: Matth\u00e4us (1985), 206 (A. 51 u. 52); TRE 4 (1979), Art. Armut (II.) AT (Diethelm Michel), 72\u201376: 73; die W\u00f6rter mit derselben Unterscheidung gibt es auch im Neuhebr\u00e4ischen, im Ivrit.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Kessler: Armut \/ Arme (AT) (2006), S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> TRE 4 (1979), Art. Armut (VII.) 16.\u201320. Jh. (ethisch) (1.) Luther (Gerhard Krause), 98\u2013105: 99.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Drewermann: Matth\u00e4usevangelium. Bilder der Erf\u00fcllung (1992), 372.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> S. Weder: Die \u201eRede der Reden (1987): Selig die Armen im Geist, 45\u201356: 51\u201356.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Das Aschre in Psalm 1,1 wird als Vorbild f\u00fcr das griech. Mak\u00e1rios angef\u00fchrt; cf. Uschomirski: Die Bergpredigt aus j\u00fcdischer Sicht, 20; Weder: Die \u201eRede der Reden (1987): Religionsgeschichtliche Voraussetzungen, 41\u201344: 41; das Wort \u201easchrej\u201c, wird \u201efolgerichtig\u201c mit \u201eselig, gl\u00fccklich, wohl\u201c \u00fcbersetzt; s. Die Bergpredigt: j\u00fcdisches und christliches Glaubensdokument (1985): Einleitung (11\u201337): Zwischen Predigt und Praxis (28\u201337): Die Selig-preisungen, 34\u201337: 34f. Zur Interpretation von Ps 1,1: Steinberg: Seligpreisung (AT) (2013), S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Leonard Ragaz: Die Bibel. Eine Deutung. Neuaufl. d. siebenb\u00e4ndigen Originalausg. Vier B\u00e4nde. 3. Band: Jesus, hg. v. Ernst Ludwig Ehrlich u.a. (1990): Die Weltrevolution, 34\u201345: 35; Gott \u201eist das Gegenteil der Welt\u201c (34).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Friedrich Wilhelm Kantzenbach: Die Bergpredigt. Ann\u00e4herung \u2013 Wirkungsgeschichte (1982): Auslegung und Predigt der Seligpreisungen (3.) Olov Hartman (1954). Selig seid ihr Armen. Eine Predigt, S. 91\u201398: 95\u201396.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Die Bergpredigt: j\u00fcdisches und christliches Glaubensdokument (1985), 47.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Cf. Howell: The Matthean Beatitudes in Their Jewish Origins (2011), 144.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Luz: Matth\u00e4us (1985), 211\u2013212 (Belege dort).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Zit. n. Die Bergpredigt: j\u00fcdisches und christliches Glaubensdokument (1985), 48.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/538B4CD4-DD9D-46A2-AD1C-A53529F60889#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Cf. Howell: The Matthean Beatitudes in Their Jewish Origins (2011), 145\u2013147.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Seligpreisungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit |\u00a0Reformationsfest | \u00a031.10.2023 | Mt 5,1\u201310 | Thomas Bautz | Liebe Gemeinde! \u201eAls Jesus die Volksmenge sah, stieg er auf einen Berg und setzte sich; seine J\u00fcnger kamen zu ihm.\u201c Ein Berg hat religionsgeschichtlich stets eine gro\u00dfe Bedeutung: Sitz der G\u00f6tter, Ort der Offenbarung, St\u00e4tte des Empfangs der Tora, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18992,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,157,120,853,114,121,150,3,109,125,209],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-19001","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-festtage","category-kapitel-5-chapter-5","category-nt","category-predigten","category-reformationsfest","category-thomas-bautz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19001"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19002,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19001\/revisions\/19002"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19001"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=19001"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=19001"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=19001"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=19001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}