{"id":19053,"date":"2023-11-08T14:54:52","date_gmt":"2023-11-08T13:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19053"},"modified":"2023-11-08T14:54:52","modified_gmt":"2023-11-08T13:54:52","slug":"matthaeus-2215-22-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2215-22-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 22,15-22"},"content":{"rendered":"<h3>Nicht trennen und nicht vermischen | 23. Sonntag nach Trinitatis | 12.11.2023 |\u00a0Mt 22,15-22; Am 8,4-7; R\u00f6m 13,1-7 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Jahr neigt sich dem Ende zu, der dunkle November sieht dem Licht von Weihnachten entgegen, und wir haben Aussicht auf Tannenb\u00e4ume, Sterne, Engel und Pfefferkuchen \u2026 und die Steuererkl\u00e4rung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bezahlen gerne Steuern, um in einer Gesellschaft zu leben, wo alles von der Schule \u00fcber \u00e4rztliche Versorgung bis zu Pflegeheim, Bibliotheken und B\u00fcrgerservice umsonst ist, wenn auch nicht fehlerfrei. Und auch wenn wir viel Zeit unseres Lebens darauf verwenden, uns dar\u00fcber und das schlechte Wetter zu beklagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du kannst damit beginnen, steuerliche Freibetr\u00e4ge auszurechnen, dar\u00fcber spekulieren, das Einkommen hoch und die Steuern niedrig zu halten. Du kannst dein Einkommen hochrechnen und deine Ausgaben verringern, und du <em>kannst<\/em>den Schwachen, den Armen, die Witwe und den Witwer \u00fcbersehen, den Obdachlosen, den Behinderten \u2013 und dich nur um deine eigene wirtschaftliche Lage k\u00fcmmern. Du <em>kannst<\/em> das tun. Solange du dich an die Gesetze h\u00e4ltst und an die Auslegung der gesetzlichen Grenzen, ist das auch nicht direkt strafbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hoffentlich sitzt du hier im Raum der Kirche und wei\u00dft, dass dir das nicht gut ansteht. Etwas in dir wird verdorren, dein Gewissen wird sich in dir bemerkbar machen\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man bezahlt gerne Steuern, solange die Steuereinnahmen dem Gemeinwohl dienen und solange die Beh\u00f6rden, die wir in der Demokratie selbst mit gew\u00e4hlt haben, nicht korrupt und ungerecht sind. Da liegt Herzensw\u00e4rme darin, dass man von dem, was einem geh\u00f6rt, gibt und mit anderen teilt. Die Geschenke und die Zusammenk\u00fcnfte an Weihnachten, die allt\u00e4glichen Beitr\u00e4ge und Besuche bei denen, die es schwer haben, die Freude mit Freunden und Verwandten geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben Gl\u00fcck im Vergleich zu denen, die in Diktaturen und besetzten L\u00e4ndern leben, L\u00e4ndern in Krieg und Chaos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGib Gott, was Gottes ist\u201c. Kann man hier etwas von der Steuer abziehen? Haben wir irgendetwas, was nicht Gott geh\u00f6rt? Etwas, was einzig und allein der Welt, dem Kaiser, dem Staat und uns selbst geh\u00f6rt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Verh\u00e4ltnis zur Welt geben wir, um zu bekommen, wir tauschen Leistungen untereinander. Das ist in der Tat der Sinn von einem Staat. Es ist relativ, wie gut die Absprache oder der gegenseitige \u201ePakt\u201c dann ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Verh\u00e4ltnis zu Gott ist das etwas anders \u2013 da ist uns alles gegeben. Umsonst, gratis. Das ist die Bedeutung der Gnade, dass man daf\u00fcr nichts geben muss. Das ist die Liebe, die wir kennen und ein Gl\u00fcck nennen, wenn man keine Gegenleistung f\u00fcr die Leistung erwartet und wenn keine Rechenschaft verlangt, sondern wenn aus gemeinsamem \u00dcberschuss gegeben wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben nicht verdient, was Gott uns gibt. Wir k\u00f6nnen uns hier nicht ein Guthaben erarbeiten, und wir haben kein Recht und keinen Anspruch darauf. Aber wir k\u00f6nnen uns wie in der Liebe dem hingeben, was uns gegeben wird. Wir k\u00f6nnen empfangen und selbst von uns im Einklang und vollkommener Freiheit geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie in der Liebe sonst beansprucht uns das voll und ganz. In der Liebe kann ich mich auch nicht damit begn\u00fcgen, einen abgemessenen Teil von mir zu geben. Da geht Inflation in die Beziehung, wenn wir damit anfangen zu rechnen und zu berechnen. Im Verh\u00e4ltnis zu Gott bin ich alles schuldig, weil Gott mir alles gibt. Das Wort \u201eschulden\u201c erh\u00e4lt eine ganz andere Bedeutung als die, die sie in weltlicher Beziehung hat, und das verstehen wir, wenn wir das sehen, was wir einander in der Liebe schuldig sind. Eltern und Kinder, Freunde, Liebende. Die Liebe begn\u00fcgt sich nicht mit Halbheiten, sondern will alles. Wir sind einander alles schuldig in der Liebe, und dennoch macht es keinen Sinn, von Schuld und Verdienst zu reden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rechter Gebrauch vom Namen und der Macht Gottes kann nur Gutes tun, und ansonsten ist da nicht Gott, sondern irgendein Abgott im Spiel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das liegt in dem, was Jesus heute \u00fcber die Steuerm\u00fcnze sagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luther entwickelte im Anschluss an den Brief des Paulus an die R\u00f6mer die Lehre von den \u201ezwei Reichen\u201c, wo weltliche und geistliche Macht getrennt werden sollten, und das geht den meisten sowohl in als auch \u00fcber den Kopf. Das kann leider so klingen: Wenn deine g\u00f6ttliche Linke nur nicht wei\u00df, was deine weltliche rechte tut, ist alles in Ordnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann gleicht das genau dem, was die Pharis\u00e4er und Anh\u00e4nger des Herodes im Sinn haben mit ihrer Schmeichelei und ihrer Frage, die eine Falle ist, um Jesus zu etwas zu veranlassen, was sie ihm vorwerfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus durchschaut die Heuchelei: Reicht mir einen Denar (eine M\u00fcnze), so dass ich sie sehen kann. Er will, dass sie den Zinsgroschen aus der eigenen Tasche ziehen und zeigen, wie sie ihn selbst anfassen und ihn als etwas tragen, mit dem sie rechnen und worauf sie vertrauen. Einer von ihnen reicht ihm die M\u00fcnze, sie tr\u00e4gt das Bild des r\u00f6mischen Kaisers (wahrscheinlich Tiberius) und eine Inschrift, die das Erhabenste, H\u00f6chste ausdr\u00fcckt, oder geradezu Gott: (Pontifex maximus).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese M\u00fcnze ist an sich Blasphemie, denn nur Gott kann diesen Titel beanspruchen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das tut Gott aber nicht, denn Gott steht vor ihnen im Rock und mit Sandalen! Alle seine g\u00f6ttliche Pracht hat er abgelegt, weggegeben an uns, f\u00fcr uns. Und doch ist er mit seinem ganzen Wesen der Erh\u00f6hte, der Gesalbte, Gottes Sohn. Jesus ist Gott und Mensch zugleich. Ohne Trennung, ohne Vermischung. Der Sinn ist nicht der, dass man Geist und Physis scharf trennt. Es ist alles der Mensch Jesus, und es ist alles Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Ironie! Da stehen sie und reichen Gott den Zinsgroschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die blasphemische M\u00fcnze, die sie am liebsten nicht dem Kaiser als Steuer geben wollen, tragen sie selbst mit sich. Ist das Bild von Gott, das sie in ihrem Herzen tragen, wohl stark genug, um das zu ertragen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn so ist es ja, die M\u00fcnze tr\u00e4gt das Bild und die Pr\u00e4gung des Kaisers. Der Mensch tr\u00e4gt das Bild Gottes, Gottes Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie wunderten sich sehr \u00fcber ihn, steht da im Text. Wir m\u00fcssen uns mit ihnen wundern. Jesus ist in Bedr\u00e4ngnis. Die Erde brennt unter ihm, es ist nur eine kleine Frist, dann werden sie sich entschlie\u00dfen, ihn gefangen zu nehmen und anzuklagen, ihn zum Tode zu verurteilen und zu kreuzigen. Er wei\u00df es. Er muss es. Er will es. R\u00e4tsel \u00fcber R\u00e4tsel. Es sieht so aus, als sei alles vergebens gewesen. Aber Jesus antwortet seinen Ankl\u00e4gern mit messerscharfer Ironie und gro\u00dfem Humor. Souver\u00e4n.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Angesichts der Drohung, wegen Gottesl\u00e4sterung angeklagt und zum Tode verurteilt zu werden, steht Jesus da und verk\u00fcndigt das Reich Gottes. Die Wahrheit Gottes \u00fcber den Menschen. Dass wir Gott geh\u00f6ren. Wir geh\u00f6ren Gott und sollen die Werke Gottes tun. Gott dienen mit allem, was wir sind, physisch und geistlich, ohne Trennung, ohne tr\u00fcbe Vermischung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gebt Gott, was Gottes ist. Das beginnt, wenn wir ein Kind in die Arme Gottes legen, es auf den Tod und die Auferstehung Jesu taufen, es pr\u00e4gen lassen in seinem Bilde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gottesverh\u00e4ltnis muss wie jede andere Beziehung gepflegt werden, gelebt werden, gen\u00e4hrt in t\u00e4glicher Gemeinschaft. Nicht <em>nur<\/em> am Sonntag, aber <em>auch<\/em> am Sonntag \u2013 und auch am Dienstag und allen anderen Tagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus, der Christus ist, wahrer Gott, wahrer Mensch, ohne Vermischung, ohne Trennung, gibt sich selbst voll und ganz und gibt uns und unserem Leben Sinn und Richtung. Du und ich sind anderes und mehr als Steuerzahler, wir sind B\u00fcrger im Reich Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn wir es dann wagen hier zum Gottesdienst im Gebet und der Arbeit zu kommen und uns zur Verf\u00fcgung zu stellen, dann ist die Welt gepr\u00e4gt durch das Reich Gottes. Dann bekommt die Welt etwas von Gott und nimmt ihm nicht etwas, sondern es wird ihr gegeben. Das ist eine ganz andere Weise zu leben als alles aufzuteilen zwischen Kaiser und Gott, physisch und geistlich. Gebt Gott, was Gottes ist \u2013 und lasst auch den Kaiser ihm dienen, ohne Vermischung, ohne Trennung. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 4930 Maribo<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: amnm(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht trennen und nicht vermischen | 23. Sonntag nach Trinitatis | 12.11.2023 |\u00a0Mt 22,15-22; Am 8,4-7; R\u00f6m 13,1-7 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Anne-Marie Nybo Mehlsen | Das Jahr neigt sich dem Ende zu, der dunkle November sieht dem Licht von Weihnachten entgegen, und wir haben Aussicht auf Tannenb\u00e4ume, Sterne, Engel und Pfefferkuchen \u2026 und die Steuererkl\u00e4rung! 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