{"id":19083,"date":"2023-11-16T14:19:15","date_gmt":"2023-11-16T13:19:15","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19083"},"modified":"2023-11-16T14:19:15","modified_gmt":"2023-11-16T13:19:15","slug":"matthaeus-2531-46-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2531-46-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,31-46"},"content":{"rendered":"<h3>Das notwendige Weltgericht | Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres | 19.11.2023 | Mt 25,31-46 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jesus sprach zu seinen J\u00fcngern:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und er wird sie voneinander scheiden, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>wie ein Hirt die Schafe von den B\u00f6cken scheidet, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die B\u00f6cke zur Linken.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Da wird dann der K\u00f6nig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin im Gef\u00e4ngnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Oder nackt und haben dich gekleidet? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wann haben wir dich krank oder im Gef\u00e4ngnis gesehen und sind zu dir gekommen? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der K\u00f6nig wird antworten und zu ihnen sagen: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin krank und im Gef\u00e4ngnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dann werden auch sie antworten und sagen: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gef\u00e4ngnis und haben dir nicht gedient? <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dann wird er ihnen antworten und sagen: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>aber die Gerechten in das ewige Leben.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(Matth\u00e4us 25,31-46)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was im Evangelium f\u00fcr diesen Sonntag steht, ist typisch f\u00fcr Jesus. Nach dem ersten H\u00f6ren kann man es weitererz\u00e4hlen. Und auch wenn man es lange nicht mehr geh\u00f6rt hat, ist es bei den ersten Worten doch gleich wieder da. Dass wir nach all den Jahrhunderten ein klares Bild von Jesus haben, liegt vor allem an seinen so anschaulichen und einpr\u00e4gsamen Geschichten, die jeweils einen Wesenszug von ihm verk\u00f6rpern.\u00a0 Denken Sie an das Gleichnis:\u00a0 vom verlorenen Sohn, vom barmherzigen Samariter oder von den Arbeitern im Weinberg, Doch diese Vorschau auf das Weltgericht mit der Trennung von Schafen und B\u00f6cken liegt irgendwie weiter weg. Und das h\u00e4ngt damit zusammen, dass es nicht passt zu einem Glauben, der von Gott nichts als Liebe erwartet. Eine Liebe, die immer und wie die Sonne \u00fcberall da ist. Dagegen ist es uns fremd geworden, Gott in Verbindung zu bringen mit wirkungsvollem Ja u n d Nein, mit Segen u n d Verurteilung. So sehr mir der strafende Gott gegen den Strich geht, so hilflos und stumm bin ich im Glauben gegen\u00fcber dem B\u00f6sen, dem Unrecht, der bodenlosen Gemeinheit, die Menschen erfassen kann, gegen\u00fcber grauenhaften Qualen und sinn losem Sterben, das Menschen unter Krieg und Terror erleiden m\u00fcssen. Ist Gott wirklich alles, alles zulassende und zudeckende Liebe? Nimmt er wirklich in Kauf, dass die Weltgeschichte zum Weltgericht wird? Wo von Gerechtigkeit keine Spur ist, wo das Recht des St\u00e4rkeren und der Zufall dar\u00fcber entscheiden, wer im Licht steht steht und wer als Opfer sang- und klanglos verschwindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das &#8211; so die Bibel im Ganzen &#8211; l\u00e4sst Gott der Schopfer Himmels und der Erden und der<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Menschen in die Verantwortung Rufende sich nicht gefallen. Alle m\u00fcssen am Ende offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes.\u00a0 Das, ob uns das sympathisch ist oder nicht, geh\u00f6rt zur DNA j\u00fcdischer und christlicher Tradition. Und Jesus geht im Evangelium noch einen entscheidenden Schritt weiter. Den Rahmen des Weltgerichts \u00fcbernimmt er: den Thronsaal Gottes erf\u00fcllt mit den himmlischen Heerscharen, und vor ihm aufgereiht alle V\u00f6lker der Welt. Auf dem Thron Gottes aber sitzt kein anderer als der Menschensohn. Das ist der Mensch, der im Namen Gottes unter die Menschen gegangen ist und den sie wie ein unschuldiges Lamm get\u00f6tet und hingerichtet haben. . Nicht der allen \u00fcberlegene, allem Leid, aller Not enthobene Allm\u00e4chtige sitzt dort. Jesus, den die M\u00e4chtigen in der Bl\u00fcte seiner Jahre wie einen Schwerverbrecher gequ\u00e4lt und gekreuzigt haben: Er ist es, der die V\u00f6lker der Welt richten wird,, der am Ende die Globalisierung auf seinen und seines Vaters Punkt bringen wird. Und mit ihm werden alle zu ihrem Recht kommen, die ihren Mitmenschen oder einem unverschuldeten Schicksal zum Opfer gefallen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Ma\u00dfstab, nach dem dieser Richter entscheidet, geht nicht nach dem, womit Menschen sich hervorgetan haben nicht nach dem, was sie an Lebensleistung vorzuweisen haben. Nichts von dem, was uns so wichtig ist wie: Bildung und Weltgewandtheit, Ansehen und Aussehen, Erfolg und Gesundheit \u2013 nichts davon spielt eine Rolle, Noch nicht einmal auf das kommt es an, was Lutheraner f\u00fcr entscheidend halten, n\u00e4mlich den Glauben. Weil auf dem Richterstuhl der Welt ein Opfer sitzt, wird er allein danach ricchten, was Opfern guttut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine grandiose Vorstellung vom Weltgericht, in dem alles zul\u00e4uft und abh\u00e4ngt von einem Punkt: Menschlichkeit. Einfach n ur Menschlichkeit soll das T\u00f6ten und Getotetwerdem, soll Wettr\u00fcsten und Terror, soll Massenhysterie und Volksverhetzung, soll Nationalismus und Rassenwahn \u00fcberdauern und entscheiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also nicht darum geht es, dass ich das Weltgeschehen erstmal genau verstehe und zeitgem\u00e4\u00dfes Bewusstsein entwickele. Und auch darauf kommt es nicht an, dass sich in der Gesellschaft erstmal &#8211; vor allem bei denen da oben &#8211; vieles \u00e4ndern muss, bevor ich mich selbst auch richtig verhalten kann. . Von all dem, was uns in unsere politischen und weltanschaulichen Diskussionen besch\u00e4ftigt, von all dem kein Wort. Stattdessen werden einfache Verhaltensweisen genannt, die jeder an seinem Platz sofort praktizieren kann, ob in Moskau oder Kiew, in Peking oder Washington, in Jeruslaem oder Gaza oder in Hildesheim., Hungernden Nahrung, den Frierenden Kleidung, Obdachlosen Herberge geben und f\u00fcr Kranke und Gefangene Zeit haben<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und zum Volkstrauertag geh\u00f6rt ganz sicher auch die Erinnerung an Menschlichkeit inmitten des Grauens und zwischen den Fronten. Einander Unrecht und Gewalttaten vorhalten und vorrechnen \u2013 das wird uns dem Frieden auch nicht einen Zoll n\u00e4herbringen. Aber das sorgf\u00e4ltige Sammeln und Erinnern von Akten der Menschlichkeit, das allein zeigt, wie es weitergehen kann mit uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df nicht, ob Sie sich die Sache mit dem Weltgericht so vorstellen k\u00f6nnen, wie das\u00a0 im Evnagelium beschrieben wird. Darauf kommt es auch gar nicht an. Worauf es ankommt, ist zum einen die Einsicht, dass nicht Menschen zu bestimmen haben, was aus der welt wird, und zum anderen die Bereitschaft, Menschlichkeit an meinem Platz ohne Wennu nd Aber zu praktizieren. Damit allein k\u00f6nnen wir Leben und Zukunft gewinnen. Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das notwendige Weltgericht | Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres | 19.11.2023 | Mt 25,31-46 | Rudolf Rengstorf | Jesus sprach zu seinen J\u00fcngern: Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle V\u00f6lker werden vor ihm versammelt werden. 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