{"id":19134,"date":"2023-12-01T09:27:08","date_gmt":"2023-12-01T08:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19134"},"modified":"2023-12-01T09:27:08","modified_gmt":"2023-12-01T08:27:08","slug":"psalm-24-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-24-2\/","title":{"rendered":"Psalm 24"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Kontrast | 1. Advent | 03.12.2023 | Ps 24 | Nadja Papis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">endlich ist wieder Advent! Die erste Kerze brennt am Adventskranz, es glitzert und funkelt: Die Wartezeit hat begonnen und bald, ja, bald ist Weihnachten. Endlich k\u00f6nnen wir wieder singen: Macht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein K\u00f6nig aller K\u00f6nigreich, ein Heiland aller Welt zugleich. (RG 363)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind Sie schon in Stimmung daf\u00fcr? Begeistert, vorfreudig, ergriffen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder sind Sie am Ende schon durch mit der Vorfreude? Hat die Festtagsm\u00fcdigkeit schon eingesetzt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich meine T\u00f6chter frage, was die Weihnachtsbotschaft ist, sagen sie lachend aus einem Mund: \u00abDas, was du immer predigst: Alle haben Stress mit all dem Drumrum, dabei brauchte das G\u00f6ttliche fast nichts, um in die Welt zu kommen\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, die Geburt im Stall ist f\u00fcr mich ein deutlicher Kontrast, eine Gegenbotschaft zu dem, was damit verk\u00fcndet wird, zu dem, was wir Christen und Christinnen daraus gemacht haben und auch zu dem, was in der damals g\u00e4ngigen Messiasvorstellung erwartet wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Gegens\u00e4tzlichkeit, dieses Kontrastreiche fordert mich immer wieder heraus \u2013 auch schon im Advent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es muss ein \u00fcberw\u00e4ltigender Moment gewesen sein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Morgen fr\u00fch \u2013 die Tempeltore sind offen. Die Menschen, wahrscheinlich Priester, haben sich vorbereitet, gereinigt, innerlich und \u00e4usserlich. Ich stelle mir vor, sie singen Hymnen, ganz leise noch, denn noch ist es nicht so weit. Die Vorfreude steigt. Gleich wird etwas Wunderbares geschehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann erscheint das erste Leuchten der Sonne \u00fcber dem Horizont, das Licht erhellt mit jeder Minute mehr von der Welt, bis die Strahlen direkt durch die Tore ins heilige Geb\u00e4ude scheinen. Die gesungenen Hymnen werden lauter und gipfeln in einem Freudengesang. Sie preisen Gott in seiner Herrlichkeit als Glanzk\u00f6nig, als Herr \u00fcber alle, als K\u00f6nig aller K\u00f6nigreiche. Ein gewaltiges, m\u00e4chtiges Gottesbild: die sch\u00f6pferische Kraft, welcher die Erde geh\u00f6rt vor all unseren Besitzanspr\u00fcchen; die richtende Kraft, die gleich der Sonne alles anleuchtet und sichtbar macht; die gl\u00e4nzende Kraft, deren Strahlen wir nur in kleinen Portionen aushalten. Wow!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darauf warten wir im Advent. Und kommen wird ein S\u00e4ugling, geboren in einem \u00e4rmlichen Stall, schwach und hilfsbed\u00fcrftig. Erwachsen wird er heilen, Menschen erl\u00f6sen, mit Vollmacht predigen, m\u00e4chtig auftreten \u2013 und dann elend am Kreuz sterben, einsam, verachtet und verspottet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Gegens\u00e4tzlichkeit, dieses Kontrastreiche fordert mich heraus \u2013 jetzt im Advent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor einigen Jahren \u00fcbernachteten wir auf dem Pilatus in der Zentralschweiz. Wir genossen den sonst so touristisch gepr\u00e4gten Berg in der Stille der einbrechenden Nacht. Grund f\u00fcr unseren Aufenthalt war aber der Sonnenaufgang am fr\u00fchen Morgen. Als der Wecker klingelte, war es draussen noch stockdunkel. Nur ganz wenig Licht schien zur Sicherheit am Rand der Treppe zum Aussichtspunkt. Oben angekommen h\u00fcllte uns die Dunkelheit ein. Wir warteten, aneinander gelehnt, um ein bisschen W\u00e4rme nach dem abrupten Erwachen zu finden. Und dann zeigte sich der erste Schimmer \u00fcber den schwarzen Silhouetten der Bergr\u00fccken der Umgebung. Dieses erste Licht war ein ganz feines, zartes. Nichts im Vergleich mit dem farbgewaltigen Aufgang der Sonne ein paar Momente sp\u00e4ter, ja, ein Kontrast dazu. Mich hat beides tief ber\u00fchrt \u2013 dieser alles \u00fcberstrahlende Glanz und das schwache Schimmern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Gegens\u00e4tzlichkeit, dieses Kontrastreiche fordert mich heraus \u2013 und verbindet doch auch das Wesentliche in meinem Leben. Denn es ist nicht das einzige Kontrastreiche, das ich erlebe. Da ist die Liebe, die mich so stark und \u00fcberw\u00e4ltigend vereinnahmen kann und an anderen Tagen fast unbemerkbar einfach da ist. Da ist mein Glaube, der manchmal so kraftvoll tr\u00e4gt und in anderen Zeiten unbemerkt untergeht. Da sind bewusst gelebte Freude, intensive Dankbarkeit und auch Trauer oder \u00fcbersch\u00e4umende Wut neben Tagen, die einfach so praktisch emotionslos vergehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Advent hat f\u00fcr viele Menschen etwas Kontrastreiches: Ist es jetzt eine Zeit der glitzernden Vorfreude oder des besinnlichen Wartens? Geniessen wir all die Vorbereitungen oder nehmen sie das Besondere des kommenden Festes vorweg? Hetzen wir durch die Tage oder erholen wir uns in diesem lebendigen Miteinander?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich merke bei mir: Oft lebe ich in beiden. Und vielleicht ist das auch die moderne Variante des Advents: nicht eine Zeit des Fastens und Ausharrens auf das grosse Fest wie fr\u00fcher, sondern eine Zeit, diese Kontraste und Gegens\u00e4tze bewusst wahrzunehmen und auch auszuhalten. Oder sogar zu verbinden. Denn sowohl das schwache Schimmern als auch das \u00fcberw\u00e4ltigende Licht geh\u00f6ren zum Sonnenaufgang. Genauso wie sowohl die machtvolle Pr\u00e4senz als auch die hilflose Schw\u00e4che zum christlichen Messias geh\u00f6rt. Und Menschen das G\u00f6ttliche sowohl im alles \u00fcberstrahlenden Glanz erleben als auch im ganz leisen Fl\u00fcstern eines Windhauches.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Macht hoch die T\u00fcr, die Tor macht\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie auch immer wir den Advent erleben, diese Aufforderung bleibt: \u00d6ffne dich dem, was kommen m\u00f6chte! Und hier h\u00f6rt f\u00fcr mich pers\u00f6nlich der Wert des Gegens\u00e4tzlichen auf: Wenn ich vor lauter Adventsstress keine Zeit und Ruhe mehr finden, mein Herz zu \u00f6ffnen, dann ist meine Grenze erreicht. Wenn ich nur noch an den Menschen vorbei haste, statt ihnen zu begegnen, Termine abspule, statt zu feiern, Geschenke erzwinge, statt sie liebevoll vorzubereiten, dann muss ich innehalten, mich bewusst dem Licht zuwenden und einen Moment die Kerzen am Adventskranz betrachten. Auch sie scheinen sanft und still in diese bewegte Zeit hinein und erinnern mich an das feine Schimmern, das leise Fl\u00fcstern, den m\u00e4chtigen Auftritt und den \u00fcberw\u00e4ltigenden Glanz \u2013 an all die Wege und M\u00f6glichkeiten, die sich das G\u00f6ttliche sucht, um mein Herz zu erreichen \u2013 um uns zu ber\u00fchren und zu befreien. Und in uns neu geboren zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Nadja Papis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Langnau am Albis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontrast | 1. 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