{"id":19136,"date":"2023-12-01T09:30:32","date_gmt":"2023-12-01T08:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19136"},"modified":"2023-12-01T09:30:32","modified_gmt":"2023-12-01T08:30:32","slug":"psalm-24-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-24-3\/","title":{"rendered":"Psalm 24"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Macht hoch die T\u00fcr | 1. Advent | 3.12.2023 | Ps 24 | Thomas-M. Robscheit |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Schwestern &amp; Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Adventszeit mit ihren Riten und Liedern. Allenthalben gibt es gro\u00dfe und kleine Adventsm\u00e4rkte, die meistens Weihnachtsm\u00e4rkte hei\u00dfen. Der Duft von Gl\u00fchwein und ger\u00f6steten Mandeln mischt sich mit dem Rauch von Bratw\u00fcrsten. Musik dudelt, F\u00fc\u00dfe sind nasskalt und der Mund klebrig von den Leckereien, gelegentlich wird auch die Zunge schwer. H\u00e4user und G\u00e4rten werden illuminiert, scheinbar in jedem Jahr mehr. Stollen und Pl\u00e4tzchen stehen auf dem Tisch und dann gibt es auch noch die Adventslieder, ganz vorne dabei \u201eMacht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit\u201c. Auch wir werden es in diesem Gottesdienst singen. Das geht 2023 gar nicht anders. Zum einen ist der dem Lied zu Grunde liegende Psalm 24 in diesem Jahr auch der Predigttext am 1. Advent, zum anderen wird das Lied 400 \u2013 in Worten vierhundert! \u2013 Jahre alt. Der K\u00f6nigsberger Pfarrer Georg Weissel schrieb den Liedtext 1623 zur Einweihung der Altro\u00dfg\u00e4rter Kirche. Der Legende nach w\u00fctete \u00fcber K\u00f6nigsberg ein heftiger Schneesturm. Der K\u00fcster des Domes \u00f6ffnete die T\u00fcr, damit die Menschen Zuflucht finden konnten. Darunter auch Pfarrer Weissel. Er blieb mit dem K\u00fcster im Vorraum und betrachtete das Domportal. So seien ihm die ersten Zeilen des Liedes eingefallen und zu Hause habe er es schnell fertig getextet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMacht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit!\u201c &#8211; k\u00f6niglich beschreibt Weissel Gottes Erscheinen in der Welt, nicht anders als der Psalm 24 gut 2.000 Jahre fr\u00fcher. Der K\u00f6nig der Ehre ist stark und m\u00e4chtig, m\u00e4chtig im Streit ist dieser K\u00f6nig der Ehre. Da ist kein Platz f\u00fcr stille Besinnlichkeit, da schmettern Trompeten, hallen Trommelwirbel und Fanfaren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Martialische nimmt Weissel in seinem Text zur\u00fcck; vielleicht weil Krieg ist. Die ersten drei Strophen des Liedes sind auf Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist bezogen, wie in den jeweils letzten beiden Zeilen deutlich wird. Bei ihm ist der K\u00f6nig sanftm\u00fctig und barmherzig. Bringt Freude und Wonne, Heil und Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMacht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit\u201c, ein festliches Lied. Es passt mit seiner (j\u00fcngeren) volkst\u00fcmlichen Melodie ganz wunderbar in die heile, salbungsvolle, s\u00fc\u00dfliche Adventszeit. Doch was ist, wenn es uns anders geht? Wenn die Krisen der letzten Zeit, die Unsicherheit und Sorgen unserer inneren Kraft so zugesetzt haben, dass wir keine Vorfreude mehr empfinden? Wenn Einsamkeit unser Herz schwer macht oder wir kaum wissen, warum wir \u00fcberhaupt morgens aufstehen sollen? Was, wenn Schwermut und Antriebslosigkeit sich breitgemacht haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht ist gerade dann dieses alte Adventslied der Schl\u00fcssel zu den verrammelten Seelen-Toren? Vielleicht sind wir auch Fl\u00fcchtende vor dem Schneesturm unserer Zeit? Vielleicht hat dieser Sturm damals in K\u00f6nigsberg all das aufgebrochen, was die vielen Kriegsjahre des 30-j\u00e4hrigen Krieges, dessen Ende noch gar nicht absehbar war, an \u00c4ngsten und Sorgen aufgestaut hatten: Die Sehnsucht nach Barmherzigkeit, Frieden, ein Ende der Not. Ich stelle mir vor, wie Pfarrer Weissel durchfroren, mit schmelzendem Schnee im Gesicht im roten Backstein-Dom steht. Nicht vorn am Altar, wo Gold und Herrlichkeit gl\u00e4nzen, sondern hinten, Blick nach drau\u00dfen wo die Welt ungem\u00fctlich ist. Wie er die gro\u00dfen T\u00fcren sieht und er fast unter dem Leid zerbricht, der Hartherzigkeit seiner Mitmenschen. Vielleicht sind es nicht nur geschmolzene Flocken, die sein Gesicht n\u00e4ssen. Ihm kommt Psalm 24 in den Sinn. Und wie er trotzig, wie sein K\u00fcster vor ihm, die gro\u00dfen T\u00fcren \u00f6ffnen will, nicht nur, damit alle, die Schutz brauchen, die Sehnsucht haben nach Geborgenheit, Frieden, nach Gnade und Barmherzigkeit hinein kommen k\u00f6nnen; nein sondern, den Unbilden zum Trotz, den K\u00f6nig einziehen l\u00e4sst: nicht als streitbaren K\u00e4mpfer, sondern sanftm\u00fctig, barmherzig in die Herzen der Menschen. Weissel vertraut darauf. Die Welt wird ein besserer Ort, wo die Herzen zum Tempel zubereitet sind:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Macht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit,<br \/>\neu\u2019r Herz zum Tempel zubereit\u2019.<br \/>\nDie Zweiglein der Gottseligkeit<br \/>\nsteckt auf mit Andacht, Lust und Freud;<br \/>\nso kommt der K\u00f6nig auch zu euch,<br \/>\nja, Heil und Leben mit zugleich.<br \/>\nGelobet sei mein Gott,<br \/>\nvoll Rat, voll Tat, voll Gnad.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ach, das ist doch nur sentimentale Augenwischerei, mag mancher denken. Kommen Heil und Leben quasi als Nebenprodukt in diese Welt, wenn jemand Gott in sein Herz l\u00e4sst; sein Haus schm\u00fcckt nicht um zu protzen, sondern mit Andacht, mit Besinnung und Hingabe?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es wird \u00fcber dieses Lied noch eine weitere Geschichte erz\u00e4hlt. Vierzehn Tage nachdem ersten Singen soll sie sich zugetragen haben: In K\u00f6nigsberg f\u00fchrte der Weg vom Armenhaus ins Zentrum und damit auch zum Dom \u00fcber das Grundst\u00fcck eines Gesch\u00e4ftsmannes namens Sturgis. Vermutlich hat ihn der Anblick der zerlumpten Gestalten auf seinem Grundst\u00fcck gest\u00f6rt, vielleicht hatte er Angst vor Neid. Jedenfalls hat er den Weg gesperrt und alles Intervenieren der Betroffenen und des Rates haben nichts bewegt. Am vierten Advent war dann Pfarrer Weissel dort, hat ihm ins Gewissen geredet, dann wurde \u201eMacht hoch die T\u00fcr gesungen\u201c, vom Pfarrer, den Zerlumpten und allen, denen die Hartherzigkeit weh tat. Das traf Sturgis, er holte den Schl\u00fcssel, schloss das Gartentor auf und es wurde auch nie wieder verschlossen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Komm, o mein Heiland Jesu Christ,<br \/>\nmeins Herzens T\u00fcr dir offen ist.<br \/>\nAch zieh mit deiner Gnade ein;<br \/>\ndein Freundlichkeit auch uns erschein.<br \/>\nDein Heilger Geist uns f\u00fchr und leit<br \/>\nden Weg zur ewgen Seligkeit.<br \/>\nDem Namen dein, o Herr,<br \/>\nsei ewig Preis und Ehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thomas-M. Robscheit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EKM, Apolda| thm@robscheit.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Macht hoch die T\u00fcr | 1. Advent | 3.12.2023 | Ps 24 | Thomas-M. Robscheit | Liebe Gemeinde, liebe Schwestern &amp; Br\u00fcder! Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Adventszeit mit ihren Riten und Liedern. 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