{"id":19154,"date":"2023-12-05T14:50:27","date_gmt":"2023-12-05T13:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19154"},"modified":"2023-12-05T14:59:44","modified_gmt":"2023-12-05T13:59:44","slug":"matthaeus-251-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-251-13-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,1-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Zweiter Sonntag im Advent | 10.12.23 | Matth\u00e4us 25,1-13 | Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe immer gemeint, dass der Text von den zehn Brautjungfrauen sowohl merkw\u00fcrdig ist als auch schwer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mir taten immer de f\u00fcnf Brautjungfrauen leid, die eben nicht so weit vorausgedacht hatten, dass sie sowohl f\u00fcr Lampen als auch \u00d6l gesorgt hatten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich ist das ein schrecklicher Text &#8211; richtend \u2013 exkludierend \u2013 es wird aufgeteilt zwischen den Erl\u00f6sten und den Verlorenen, den anderen und uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine klare Trennung zwischen den rechtzeitig Rechtgl\u00e4ubigen, die ihre Stunde kennen, die rechten Orte und Sitten \u2013 und die daf\u00fcr sorgen, den Tank zu f\u00fcllen. Und dann die, die das Ladekabel nachts nicht angeschlossen haben, so dass die Batterie leer war und ist, wenn das Startsignal kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daraus k\u00f6nnen sie dann lernen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So gelesen tut einem dieser Text nicht gut, so gelesen f\u00fchrt er nur zu dem inneren moralischen selbstzufriedenen und allzu wachen inneren Schweinehund.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da findet man nicht viel N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann spricht er zugleich allzu direkt in unsere Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So gelesen, tut er einem auch nicht gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute, wo das gr\u00f6\u00dfte Leiden der Gesellschaft ein fast krankhafter Drang ist, wachsam zu sein. Ein Text, k\u00f6nnte man sagen, der in jeder Hinsicht den krankhaften Drang zu FOMO propagiert \u2013 wie die jungen Leute das nennen \u2013 fear for missing out &#8211; eine Bezeichnung f\u00fcr unsere Furcht, etwas zu verpassen. Der Drang, immer und \u00fcberall mit dabei zu sein, bereit, sich in den Kampf zu st\u00fcrzen in der Sekunde, wo sich die 15 Minuten of fame, von Ruhm zeigen sollten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute \u00fcbersetzt man die Aussage: \u201eNicht genug \u00d6l in den Lampen\u201c mit: \u201eKein Strohm im Handy\u201c \u2013 und das w\u00fcnschen nicht viele ihrem schlimmsten Feind, denn das ist ganz katastrophal. Man verliert ja v\u00f6llig den \u00dcberblick dar\u00fcber, wo und was hier und jetzt und gleich geschieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allzu viele haben sich bildlich gesprochen die Geschichte von den f\u00fcnf Brautjungfrauen mit \u00d6l in den Lampen zu Herzen genommen \u2013 und lauf en immer umher, um wachsam zu sein und bereit, wenn da von allen Seiten gerufen wird \u2013 mit dem Ergebnis, dass sie in der t\u00f6dlichen Stressspirale unserer Zeit gefangen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So gelesen tut einem der Text auch nicht gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo liegt nun das Evangelium \u2013 wo liegt die Verk\u00fcndigung, die weder zu moralischer Selbstgen\u00fcgsamkeit noch zu noch mehr \u201eFOMOismus\u201c und Stress und Eifer aufruft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was will uns Matth\u00e4us sagen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seiner Zeit war das ganz sicher eine Ermahnung an de Juden in seinem Bekanntenkreis, die nicht begreifen, was es bedeutet, dass der erwartete Messias tats\u00e4chlich gekommen ist. Dass Christus der ist, der prophezeit und erwartet war, und dass die T\u00fcr geschlossen ist f\u00fcr alle die, die diese Wahrheit nicht sehen wollen. So wurde dies sicher auch geh\u00f6rt, aber es muss auch etwas anderes geh\u00f6rt worden sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Evangelium galt auch denen, die eben das Evangelium angenommen hatten und nun lernen sollten, von ihm her zu leben. Eben das Evangelium, das immer noch verk\u00fcndigt wird &#8211; und nicht nur den Christen von Matth\u00e4us, sondern uns heute am zweiten Advent 2023. Und mit einem Tiefgang, der \u00fcber das selbstzentrierte und selbstzufriedene Moralisieren \u00fcber die hinausgeht, die ihre Sch\u00e4fchen nicht im Trockenen haben. Das \u00fcber die FOMO-Gesch\u00e4digten hinausreicht. Ein tiefer Klang, der darauf besteht, dass wir den Kern in der Erz\u00e4hlung h\u00f6ren \u2013 die Botschaft vom Kommen des Messias in die Welt und die Erz\u00e4hlung von seiner Wiederkunft, und dass sich diese Erz\u00e4hlung eben gerade an uns richtet \u2013 an dich und mich. Und dass diese Botschaft uns eben nicht dazu befreit, uns selbstgerecht und hochm\u00fctig mit allen anderen zu vergleichen oder die unm\u00f6glichen M\u00f6glichkeiten in aller Welt zu ergreifen, oder an uns selbst zu denken und unsere eigenen Projekte und Missionen \u2013 denn das ist eben nicht Freiheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Freiheit des Evangeliums ist n\u00e4mlich allein, unserem Herrn leidenschaftlich im Glauben zu folgen. F\u00fcr den Willen Gottes in der Welt k\u00e4mpfen \u2013 leidenschaftlich, konsequent, wachsam. Freiheit bedeutet, mutig und zielbewusst und wachsam die Erz\u00e4hlung Christi anzunehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gehe tapfer und aufrichtig, gehe in den Kampf im Namen der N\u00e4chstenliebe, der schon im Gang ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So in N\u00f8rrebro in Kopenhagen, wo ich mit meinen Konfirmanden in der Heiligkreuzkirche war, die jede Nacht 40 Obdachlose beherbergt, wo sie auf Matratzen in dem geheizten Kirchraum \u00fcbernachten. Und wie in der Ukraine, wo man von Pfarrern aus ganz Europa h\u00f6rt, die tun, was sie k\u00f6nnen, um den traumatisierten jungen und alten Leuten beizustehen, die vor nur anderthalb Jahren friedlich in geordneten Verh\u00e4ltnissen lebten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcberall k\u00e4mpft die Kirche mit, wo es in der Welt brennt. Oder sie versucht es jedenfalls.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Frage des Evangeliums heute ist, ob wir uns an dem Kampf beteiligen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Kirche von Osted haben wir nicht viel Matratzen f\u00fcr Obdachlose.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Evangelium will, dass wir verstehen: Gott will etwas mit uns, und die hier und jetzt in dem Leben, das wir leben \u2013 dass Christus nicht den Kampf f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten, die Kranken und Ausgesto\u00dfenen nicht aufnahm um seiner selbst willen, sondern f\u00fcr die Menschenseele \u2013 um uns zu lehren, den Kampf gegen alles B\u00f6se aufzunehmen, dies von Herzen zu tun ohne zu hassen, ohne sich zu schw\u00e4chen durch Hass, selbstgen\u00fcgsamen Hass. Uns lehren, dass Christi uns immer wieder durch Worte und Geschichten den tiefen Unterschied zeigt zwischen gerechter Strafe und Rache. Wenn wir aber das k\u00f6nnen \u2013 dann k\u00f6nnen wir die gn\u00e4dige Gerechtigkeit Gottes gegen all die vielen Gerichte der Welt behaupten, ansonsten verschlingt der Wunsch nach Rache Schritt f\u00fcr Schritt die Forderung der N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eben dies ist notwendig, das \u00d6l zum Verstehen. Viel gutes fettes \u00d6l mit aller m\u00f6glichen Extra Power, die die verh\u00e4rteten K\u00f6pfe durchdringen k\u00f6nnen. So dass wir, auch wenn wir schlafen und s\u00fc\u00df vom Kind in Bethlehem tr\u00e4umen, auch von seinem Kampf f\u00fcr die Menschheit tr\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Gabe ist ja die, dass wir schon reich beschenkt sind durch dieses \u00d6l.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir heute Kinder taufen, bedeutet dies eben, dass wir \u00d6l in die Lampen gie\u00dfen, so dass sie leuchten und brennen k\u00f6nnen. Eine Taufe, die eben nicht eine Taufe zu einem ewig selbstzufriedenen Schlaf ist, sondern eine Taufe, die einschneidende Bedeutung hat. Die Taufe bedeutet, dass \u00d6l in unsere Lampen gef\u00fcllt wird, so dass wir bereit sind, den Kampf aufzunehmen f\u00fcr den Frieden Gottes und das Reich Gottes auf Erden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das klingt gewaltig, wenn man den kleinen Simon sieht, dass er mit einer solchen Forderung konfrontiert wird, und es klingt gewaltig, als Konfirmand zu h\u00f6ren, dass du, Tjalfe, nun eine Mission auf deinen Schulten tr\u00e4gst \u2013 aber so muss es sein, wenn wir von Gott berufen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Taufe ist eine Taufe, die Mut gibt, das Leben auf sich zu nehmen \u2013 den Kampf, die Wahrheit. In der Taufe wird die Gnade Gottes \u00fcber uns ausgesch\u00fcttet, literweise \u00d6l, mit einer Wirkung wie Red Bull, so dass wir am Steuer nicht einschlafen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das nicht um unserer selbst willen, nicht im Namen der Selbstbehauptung, nicht im wahnsinnigen Ritt des FOMO-Dranges, sondern um selbstbewusst und in der N\u00e4chstenliebe den Kampf f\u00fcr die Seele des Menschen aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6gen wir, jeder von uns, unseren Beitrag leisten, um der Welt zu helfen. M\u00f6gen wir das \u00d6l der Taufe in unseren Lampen bewahren, so dass das Licht des Reiches Gottes hier und jetzt und in aller Ewigkeit scheint. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter Sonntag im Advent | 10.12.23 | Matth\u00e4us 25,1-13 | Laura Lundager Jensen | Von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen\u00a0 Ich habe immer gemeint, dass der Text von den zehn Brautjungfrauen sowohl merkw\u00fcrdig ist als auch schwer. 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