{"id":19178,"date":"2023-12-12T10:30:09","date_gmt":"2023-12-12T09:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19178"},"modified":"2023-12-12T10:30:09","modified_gmt":"2023-12-12T09:30:09","slug":"lukas-167-80-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-167-80-3\/","title":{"rendered":"Lukas 1,67-80"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag im Advent | 17.12.2023 | Lukas 1,67-80 | Peter Skov-Jakobsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Lied des alten Zacharias. Seine Worte stahlen noch immer. Er wusste, dass er vor einem langen Weg stand, auf dem Weg fort von der Tyrannei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er sang, denn er glaubte, dass er auf dem Weg war, dem gesegneten Weg. Er war auf dem Wege Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er brach in Jubel aus \u00fcber Gott, der ihnen immer verhei\u00dfen hatte, sie von den Feinden zu befreien. Er dachte an seinen heiligen Bund, der Barmherzigkeit war, der sich in einen Glauben daran verwandelte, dass die Menschen dienen sollen mit Fr\u00f6mmigkeit, Gerechtigkeit und Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er sang von Johannes dem T\u00e4ufer, dem etwas temperamentvollen Vetter. Johannes erz\u00e4hlte vom Licht \u2013 dem Licht, das nun in die Welt kam und die Menschen erhellen w\u00fcrde mit Einsicht in das Wesen von Gott selbst. Johannes sollte auf die menschlichen Z\u00fcge von Jesus hinweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie wandelten auf dem Wege der Wahrheit. Sie kamen mit der vollen R\u00fcstung der Liebe, die nie der Panzer und selbstsichere Befehl der Macht war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie kommen mit Mitgef\u00fchl, Vergebung und Barmherzigkeit, und mit Verwundbarkeit. Die Herzen sind nicht eisern gepanzert. Wir k\u00f6nnen das Ungl\u00fcck der Welt nicht bel\u00e4cheln. Wir sind nicht die, die Trauer und Schmerz mit rechtem Glauben aus dem Weg schaffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser rechter Glaube ist von anderer Art. Er ist verwundbar! Er ist verletzlich! Wir tragen unseren Glauben mit Hoffnung. Wir k\u00f6nnen unschl\u00fcssig sein, auch wenn wir nicht verzweifeln. Wir k\u00f6nnen zweifeln, und dennoch wagen wir es, vorsichtig Vertrauen zu zeigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir tragen Licht, auch wenn tausende Menschen auf der Flucht sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir stehen vor gro\u00dfen humanit\u00e4ren Krisen. T\u00e4glich sind wir mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Wer will, kann dauernd von Einzelschicksalen h\u00f6ren. Da ist nicht nur eine Volksschar auf der Flucht \u2013 es ist nicht nur eine Volksmenge, die \u00fcber uns hereinf\u00e4llt. Es sind Einzelschicksale. Sie sind den Tyrannen entkommen. Sie haben fast alles zur\u00fcckgelassen, was sie besa\u00dfen. Sie haben ihr Land verlassen. Sie sind vertrieben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir stehen hier vor gro\u00dfen humanit\u00e4ren Katastrophen, und zugleich sind da Glaubensgenossen, die behaupten, dass die N\u00e4chstenliebe nicht f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gilt. Es ist merkw\u00fcrdig, Pastoren und Theologen, die alles tun, was sie k\u00f6nnen, um den Menschen auf Abstand zu halten, der unsere F\u00fcrsorge, unser Mitgef\u00fchl und unsere Hilfe braucht. Es ist merkw\u00fcrdig, in einer solchen Situation h\u00f6ren zu m\u00fcssen, wie das Wort Humanismus als Schimpfwort verwendet wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Judentum und im Christentum leben wir mit einem starken Bewusstsein davon, dass die Armen, die Notleidenden, die \u00fcbel Zugerichteten, die Gefangenen, die Leidenden die besondere Gunst und F\u00fcrsorge Gottes haben, und sie bed\u00fcrfen alle unsere F\u00fcrsorge und Liebe und nicht zuletzt unserer Hochachtung, denn es ist unsere Aufgabe, auf die W\u00fcrde, die menschliche W\u00fcrde des Leidenden und des Armen und Fl\u00fcchtenden hinzuweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ging nie an einem leidenden Menschen vor\u00fcber. Er dachte nie daran, wie der leidende Mensch zur Seite geschoben werden konnte aus seinem Blickfeld. Er verwandte keine Minute seines Lebens darauf, Verachtung f\u00fcr einen Menschen oder Furcht vor einem Menschen zu rechtfertigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wehrlos begegnet er allen \u2013 und er sagt nicht: Nun m\u00fcsst ihr sehen, dass ihr dieselbe Kultur \u00fcbernehmt, damit ihr einander versteht und mich versteht! Der sagt vielmehr: \u201eKommt zu mir!\u201c \u2013 und er tritt hervor. Er kommt uns entgegen. Er l\u00e4sst uns nicht im Stich. Es ist, als ob er sehr wohl wei\u00df, dass wir mit einem Traum unterwegs sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In all dem, was er sagt und tut, verl\u00e4sst er sich darauf, dass der Mensch, der von Gott geschaffen ist, stets die Gottesebenbildlichkeit im Mitmenschen sehen wird als unseren Bruder oder unsere Schwester, und dass ihn ihre Geschichte bewegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er kommt in unser verungl\u00fccktes Leben. Er begegnet uns, wenn wir mit einem Alptraum von Leben kommen oder mit einem gelungenen Leben. Er kommt mit der Liebe, die uns dazu bringen kann zu vergeben. Er begegnet uns mit menschlichen Worten. H\u00f6rt, was der Franzose Antoine Leiris am Tag nach den Morden von Paris 2015 schrieb:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eFreitagabend stahlst du ein exzeptionelles Leben \u2013 das Leben meiner Liebe, die Mutter meines Sohnes \u2013 aber du bekommst nicht meinen Hass. Ich wei\u00df nicht, wer du bist, und ich m\u00f6chte es nicht wissen, du bist eine tote Seele. Wenn der Gott, dem du so blind folgst, uns in seinem Bild geschaffen hat, wird jede Kugel im K\u00f6rper meiner Frau eine weitere Wunde in seinem Herzen sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eIch sah sie an diesem Morgen. Endlich, nach tage- und n\u00e4chtelangem Warten. Sie war genauso sch\u00f6n, wie zuvor, als sie Freitagabend ging, genauso sch\u00f6n wie damals, als ich mich vor mehr als 12 Jahren total in sie verliebte. Nat\u00fcrlich bin ich von dieser Trauer niedergeschlagen, den kleinen Sieg gebe ich dir, aber dieser Schmerz wird kurz sein. Ich wei\u00df, dass sie jeden einzigen Tag bei uns sein wird und dass wir einander wiederfinden werden in einem Paradies von freier Liebe, zu dem du keinen Zugang hast.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eWir sind nur zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind st\u00e4rker als alle Heere dieser Welt zusammen. Ich will keine Zeit mehr auf dich verschwenden. Ich will zu Melvil gehen, der langsam aus seinem Schlaf erwacht. Er ist fast 17 Monate alt. Er wird seine Mahlzeiten essen wie gew\u00f6hnlich, und wir werden spielen wie immer, und jeden einzigen Tag wird dieser kleine Junge sein ganzes Leben lang dich dadurch bedrohen, dass er gl\u00fccklich und frei ist. Denn nein, auch seinen Hass wirst du nicht bekommen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus bricht das Brot mit uns \u2013 er weiht uns sein Leben \u2013 auch in solchen Worten, die sich nicht tyrannisieren lassen von Hass uns Zorn. Christus \u2013 der freie, liebende Mensch und der barmherzige Gott der Menschen macht uns lebendig und menschlich &#8211; deshalb protestieren wir! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Peter Skov-Jakobsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8rregade 11, DK-1165 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: pesj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag im Advent | 17.12.2023 | Lukas 1,67-80 | Peter Skov-Jakobsen | Das Lied des alten Zacharias. Seine Worte stahlen noch immer. Er wusste, dass er vor einem langen Weg stand, auf dem Weg fort von der Tyrannei. Er sang, denn er glaubte, dass er auf dem Weg war, dem gesegneten Weg. 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