{"id":19207,"date":"2023-12-20T12:00:05","date_gmt":"2023-12-20T11:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19207"},"modified":"2023-12-20T09:20:56","modified_gmt":"2023-12-20T08:20:56","slug":"lukas-21-20-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-20-3\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1-20"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wer glaubt uns diese Geschichte? | Christnacht | 24.12.2023 |Lk 2, 1-20 | Ralf Reuter |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer glaubt denn diese Geschichte? Tief in der Nacht tr\u00e4umte mir vor wenigen Tagen diese Frage. Wer glaubt mir denn dieses \u201eEs begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging\u2026\u201c? Der Einstieg in den Glauben, vielleicht Engelsworte, mir blieb nichts anderes \u00fcber als aufzustehen in finstrer Nacht und ihn aufzuschreiben, am kommenden Tag wird der Gedanke weg sein und die Botschaft vom Himmel vergessen. Auch wenn es nur der abendliche Krimi war, Simenons \u201eMaigret und sein Rivale\u201c, den ich auf dem Nachttisch zu greifen bekam. Gott findet sich auch im Einfachen, der dicke W\u00e4lzer des Lukas-Kommentars war zu schwer, drohte nachts runterzufallen, ich wollte meine Frau nicht aufwecken. Dies B\u00fcchlein war leichter, hinter dem Klappentext las ich dann am Morgen tats\u00e4chlich: Wer glaubt uns diese Geschichte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glaubhaft leben, welch ein Anspruch, welch gewaltiger Druck, der auf allen liegt, die hier unterwegs sind. Getriebene seit Urzeiten, der Traum vom Himmel auf Erden, das Paradies suchend, mit guten Worten von Jahr zu Jahr. Mitten im Leben, in diesem ganz allt\u00e4glichen Wahnsinn, steht die Sehnsucht nach Liebe und Frieden. Glauben die Kinder dieses \u201eF\u00fcrchtet euch nicht! Siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude\u2026\u201c, wo die Mutter nicht mehr da ist? Wo ich selber im Zweifel bin und doch Geschenke besorgt habe? Die Furcht vor der Zukunft, in dieser grausamen Welt, wird sie aufgefangen, verwandelt in Freude? Das Kind in mir selber, die Erinnerung an das erste Gehen, zur weihnachtlich verschneiten Kirche, an der Hand der Gro\u00dfmutter, das tiefe Gef\u00fchl eines Geborgenseins, kommt so die Ankunft des Heilandes?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist unendlich sch\u00f6n, am Heiligabend in einer Kirche zu sitzen. Mit der zauberhaften Musik, dem erleuchteten Christbaum, und in der Mitte die Krippe. Maria und Josef waren unterwegs und sind angekommen. Das Kind ist geboren. In einem Stall. Ochs und Esel werden einfach dazugestellt, die Tiere, die Sch\u00f6pfung Gottes. Engel lesen die guten Worte vom Himmel. Ein Fest der Liebe und des Friedens mitten in unsrer Welt. Und die Hirten sind da. Ich habe am letzten Wochenende im Kloster Loccum mit Freunden diskutiert \u00fcber diese Geschichte. Sie sagten mir: Du musst bei den Hirten einsteigen, in ihnen finden wir uns wieder, sie sind die einzigen, die dem Engel glauben, dass Gott Mensch geworden ist. Habe dann noch einmal nachgelesen. Maria bewegt zwar alle diese Worte in ihrem Herzen, ein wundersch\u00f6ner Satz, aber die Hirten sind es, die anderen davon erz\u00e4hlen. Sie danken Gott und bringen die Botschaft zu den Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also doch die Erzieherin im Kindergarten, die einfach eine Stunde fr\u00fcher aufbricht, morgens um 6, weil der Fr\u00fchdienst ausfiel, um die ersten Kinder zu h\u00fcten. Beim Adventsgrillen am letzten Montag redet mir die KiTa-Leitung, inzwischen eine ehemalige Konfirmandin, gut zu, \u00f6fter zu kommen, die Kinder kennen doch die ganzen Geschichten gar nicht mehr. Sie sagt das einfach so, mit einem engelhaften L\u00e4cheln, wer k\u00f6nnte hier widerstehen? Gute Hirten f\u00fchren sanft, das Wort f\u00fcr die F\u00fchrungskr\u00e4fte, ich f\u00fcge hinzu, gerne mit Charme, aber hartn\u00e4ckig. Hirten sind wir alle, was sonst, sind Grenzg\u00e4nger zwischen Tag und Nacht, Natur und Kultur, Herz und Hirn. Erst so, wettergegerbt, hartgesotten, mit weichem Herzen, h\u00f6ren wir den Engel, tragen das Licht des Friedens zu den Menschen, mit dem freundlichen Blick dieses kleinen Kindes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten liegst Du selber in der Krippe, nimmst g\u00f6ttliche Gestalt an, und dieser Christus tritt f\u00fcr Dich ein, Martin Luther predigt von diesem fr\u00f6hlichen Wechsel. Bis in die Haltung hinein, mit seinen Geboten, mit diesem heilenden Blick in den Augen, mit dieser radikalen Hoffnung, niemals aufgebend. Damit stehen wir auf der Seite des Lebens gegen den Tod, auf der Seite der Sch\u00f6pfung gegen alle Zerst\u00f6rung, auf der Seite der Kinder und der Zukunft. Tr\u00e4umen wir diesen Traum des Lebens, lassen wir uns mitnehmen in diese Bewegung, die von dieser Geschichte ausgeht, von der Krippe und dem schon darin enthaltenen Kreuz, das es immer mit zu tragen gilt. Allen Herren zum Trotz, von Augustus \u00fcber Putin, vom Terror der Hamas und aller Kriegstreibenden, diesen b\u00f6sen Rivalen des Lebens. Und in den Abschieden, Krankheiten, Katastrophen und Behinderungen, da steht dieses Jesuskind in uns auf, nimmt uns an die Hand, in und mit ihm ziehen wir in das Christfest und in ein neues Jahr hinein. Es ist kaum zu glauben und doch wahr werdend, \u201eeuch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon singen die himmlischen Heerscharen, diese Engelwelt, die uns als Gemeinde, als Gemeinschaft, als gutwillige Menschen auf der ganzen Erde abbildet. Singen uns in die Liebe und den Frieden ein wie die Ch\u00f6re zu Advent und Weihnachten. Es sind immer die einfachen Lieder der Welt, die Geschichten der Menschen hier und heute, in denen sich dieses Wunder der Christnacht ereignet. In ihnen wird Gott Mensch, sind wir unterwegs wie Maria und Josef, auf der Suche nach Unterkunft, nach Annahme, W\u00e4rme und Geborgenheit. In jeder Phase des Lebens sind wir beauftragt, in der Familie, der Kirche, der Sch\u00f6pfung, der Welt, h\u00fcten, passen auf, sind da, setzen uns ein, wie Hirten auf dem Felde. Hier kommt der Engel mit seinem g\u00f6ttlichen Wort, spricht zu uns, oft in anderen Menschen, auch in schweren Zeiten, nimmt uns mit auf den Weg der Liebe und des Friedens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und es tut gut, beruhigt, all diese Ereignisse im Herzen zu bewegen wie Maria, mit Ma\u00df und Mitte und Besinnung, auch in stiller Nacht. Doch noch mehr tr\u00e4gt der Heiland die Herzen und Sinne und alle Kr\u00e4fte der Menschen hinaus zu denen, die um uns sind, die uns h\u00f6ren und sehen. Erz\u00e4hlen wir ihnen von der frohen Botschaft mit unseren Worten und Geschichten. Es wird spannend zu erfahren, wer uns diese Geschichte glaubt, wem wir begegnen, wer mitkommt in die Zukunft. \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens\u201c.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">G\u00f6ttingen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt-Kirchengemeinde G\u00f6ttingen, mit Vakanz in G\u00f6ttingen Elliehausen\/Esebeck und Holtensen, zugleich als Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte im Kloster Loccum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer glaubt uns diese Geschichte? | Christnacht | 24.12.2023 |Lk 2, 1-20 | Ralf Reuter | Wer glaubt denn diese Geschichte? Tief in der Nacht tr\u00e4umte mir vor wenigen Tagen diese Frage. 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