{"id":19234,"date":"2023-12-20T08:00:56","date_gmt":"2023-12-20T07:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19234"},"modified":"2023-12-21T15:24:12","modified_gmt":"2023-12-21T14:24:12","slug":"lukas-21-14-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-14-5\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1-14"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Heiligabend | 24.12.2023 | Lukas 2,1-14 |\u00a0Marianne Christiansen |<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcrchtet euch nicht, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum sollten wir uns nicht f\u00fcrchten, wenn es da genug gibt, vor dem man sich f\u00fcrchten muss? Darauf antwortet der Engel nicht. Er steht nur mitten in der Finsternis, mitten in der Welt, im Brennpunkt der Welt bei Bethlehem, und sagt: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht! Als w\u00fcrde das die Furcht bek\u00e4mpfen, dass man sieht. Und es ist wohl so: Es geht darum, den Blick auf etwas anderes zu richten als uns selbst und unsere eigene Furcht. Seht nach oben, nach dem Licht, das kommt. Seht, da kommt eine gro\u00dfe Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine gro\u00dfe Freude f\u00fcr das ganze Volk. Also nicht nur f\u00fcr mich, sondern f\u00fcr alle. F\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Welt ist immer gr\u00f6\u00dfer als wir glauben. Das Universum erweitert sich st\u00e4ndig, sagen die klugen Leute, und wir kennen nur einen kleinen Teil von ihm. Davon kann einem schwindelig werden. Allein die Welt, die wir kennen \u2013 unsere Erde und die n\u00e4chste Umgebung \u2013 ist unfassbar gro\u00df. Wir verstehen nur einen kleinen Teil davon. Aber wir verstehen allm\u00e4hlich, dass wir miteinander und mit der \u00fcbrigen Natur zusammengeh\u00f6ren in dieser Welt und voneinander abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es f\u00e4llt nicht leicht, sich dazu zu verhalten. Vielleicht h\u00f6ren wir deshalb zuweilen uns selbst und einander sagen: \u201eJa, aber in <em>meiner<\/em> Welt &#8211; in <em>meiner<\/em> Welt sieht es so und so aus\u201c \u2013 so als k\u00f6nnten wir eine Welt f\u00fcr uns selbst haben. Und hier in der Weihnachtszeit k\u00f6nnen wir auch den Drang sp\u00fcren, uns in unserer eigenen Welt zu verkriechen mit Erinnerungen und mit Dingen, die wir zu tun pflegen, Traditionen und etwas, was man bestimmt essen muss. Es ist als m\u00fcssten wir uns selbst vergewissern, dass die Zeit nicht vergeht. Die Welt, die Welt, die wir kennen, soll immer dieselbe bleiben. Das ist wohl allgemeinmenschlich und geh\u00f6rt zum Weihnachtsfest. Wir sehen uns nach einem Zuhause.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber unsere eigene kleine Welt und die gro\u00dfe Welt h\u00e4ngen immer zusammen. Und selbst die am meisten eingewurzelte Tradition ver\u00e4ndert sich, weil wir uns ver\u00e4ndern und weil die Welt sich ver\u00e4ndert. Das ist keine Bedrohung. Ver\u00e4nderung kann gute Neuigkeiten bringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Weihnachtsevangelium ist zugleich eine ganz kleine und eine riesige kosmische Erz\u00e4hlung. Diese Erz\u00e4hlung behauptet, dass die Geburt Jesu als ein kleines Kind ohne Nummer in der Volksz\u00e4hlung des Kaisers in einem zuf\u00e4lligen Stall in der Finsternis im Nahen Osten f\u00fcr die ganze Welt von Bedeutung ist. Hier wird der Sinn sichtbar. Das Kind in der Krippe gibt Sinn in der ganzen Welt mit Sternen und Engeln und Staubk\u00f6rnern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein neugeborenes Kind in der Krippe, in Windeln gewickelt. Ein verletzliches, kostbares neugeborenes Kind wie Milliarden von anderen Kindern. Wir Kinder in unserer Familie, wie das Kind, das gerade jetzt in Gaza geboren wird, in der Ukraine, in der D\u00fcrre am Horn von Afrika.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht das Kind. Geht nach Bethlehem und seht das Kind. Seht es als ein Zeichen daf\u00fcr, wer Gott ist und was der Sinn des Lebens ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist das wirklich alles?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, das ist alles.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das wahre Wunder in der Erz\u00e4hlung sind nicht die Engel oder die himmlischen Heerscharen, die wie die Sterne singen. Das wahre Wunder ist, dass die Hirten sich wirklich auf den Befehl des Engels erheben und aufmachen. Sie nehmen die Hoffnung ernst und laufen ihr nach. Sie gehen nach Bethlehem und suchen ein unansehnliches neugeborenes Kind in einem Stall und sehen es. Sehen Gottes Licht und Hoffnung in dem Kind. Sehen etwas anderes als sich selbst und ihre eigenen Probleme. Das Wunder ist, dass sie die Freude teilen mit den beiden Fremden, besorgten und m\u00fcden Menschen, die weit weg von ihrem Zuhause in einem Stall ein Kind bekommen haben, weil da f\u00fcr sie kein Platz in einem richtigen Haus war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ein ganz kleines Kind und eine gro\u00dfe Freude f\u00fcr das ganze Volk. Wird er dann ein gro\u00dfer Mann und bringt alles in Ordnung? L\u00f6st die Klimakrise und hindert die Menschen daran, Krieg zu f\u00fchren und einander zu hassen im Internet oder einander zu mobben im Schulhof? Bietet er unserem Drang Einhalt, B\u00f6ses zu tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Barmherzigkeit, der Friede und die Gerechtigkeit \u2013 das ist die langsame Kraft Gottes in der Welt, die Jesus in sie hineinlebt. Wir kennen das Wort f\u00fcr seinen Weg \u2013 er hei\u00dft Liebe. Sie ist es, die Auferstehung von den Toten schafft. Sie ist es, die uns vergibt und uns erl\u00f6st von all dem Zerst\u00f6rten im Leben und im Tode.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Liebe sieht nicht nach viel aus. Aber sie ist es, die in die Krippe gelegt ist als ein heimatloses Kind ohne Rang. Sie ist das Gr\u00f6\u00dfte von allem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcrchtet euch nicht. Siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die allem Volke widerfahren wird. Wendet den Blick fort von der Furcht und habt einen Blick f\u00fcr das wunderbare Leben der Welt. Die Freude besteht darin, dass Gott gegenw\u00e4rtig ist im Kleinsten und am meisten Verletzlichen. Dann haben wir auch den Mut, mit dabei zu sein und uns von der Freude ergreifen zu lassen, indem wir zusammen <em>da <\/em>sind mit all den anderen Lebewesen in der<em>selben<\/em> Welt. Die Freude ist, dass es eine andere und gr\u00f6\u00dfere Macht gibt als die M\u00e4chte, die zerst\u00f6ren und Furcht verbreiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Glaube daran und die Hoffnung darauf, dass sich die Macht Gottes in der ganzen Welt durchsetzt, die wir kennen, ist das Zentrum in dem ganzen Weihnachtsfest, das viele eifrig vorbereitet haben und nun feiern k\u00f6nnen. F\u00fcr viele f\u00e4llt es schwer zu feiern, weil sie einen geliebten Menschen vermissen, ohne den das Leben schwerf\u00e4llt, oder weil sie es sich nicht leisten k\u00f6nnen, ihren Lieben das Essen und das Fest zu bereiten, das zu Weihnachten geh\u00f6rt. Viele vermissen das Zuhause, das nicht mehr existiert. Aber f\u00fcr uns alle k\u00fcndet Weihnachten von einer neuen Hoffnung im Leid und gibt uns Mut, uns zu erheben und die Augen zu \u00f6ffnen f\u00fcr die Freude. Sie zeigt sich, wo wir sie nicht erwarten, und ruft uns in das Zuhause, das gr\u00f6\u00dfer ist als unser kleines Zuhause und unsere verlorene Heimat. Die gemeinsame Heimat von uns allen in der Liebe Gottes. Diese Heimat ist f\u00fcr die ganze Welt. Frohe Weinachten! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bisch\u00f6fin Marianne Christiansen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ribe Landevej 37<br \/>\nDK-6100 Haderslev<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligabend | 24.12.2023 | Lukas 2,1-14 |\u00a0Marianne Christiansen | F\u00fcrchtet euch nicht, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude Warum sollten wir uns nicht f\u00fcrchten, wenn es da genug gibt, vor dem man sich f\u00fcrchten muss? 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