{"id":19240,"date":"2023-12-20T08:00:18","date_gmt":"2023-12-20T07:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19240"},"modified":"2023-12-21T15:36:47","modified_gmt":"2023-12-21T14:36:47","slug":"galater-44-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-44-7\/","title":{"rendered":"Galater 4,4-7"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gotteskinder | Heiligabend | 24.12.2023 | Gal 4,4-7 | Rainer Kopisch |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">manche von Ihnen werden sich erinnern, dass ich meine Gedanken zu Emil Noldes Bild \u201eHeilige Nacht\u201c in der Predigt zum ersten Weihnachtstag 2021 geschrieben habe. Sie k\u00f6nnen diese Predigt unter der Angabe \u201eG\u00f6ttinger Predigten\u201c und meinem Namen im Internet finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Emil Nolde malte in seinem Bild das, was Paulus schreibt: \u201eGott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.\u201c Mutter Maria h\u00e4lt Jesus voller Liebe mit ihren H\u00e4nden und ausgestreckten Armen gegen den Himmel, in dem ein gro\u00dfer Stern hell strahlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der f\u00fcnf-zackige Stern erscheint im Bild als Zeichen der Ewigkeit Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der ewige Gott ist in einem Menschenkind auf die Erde gekommen. Bei der Taufe Jesu durch Johannes, den T\u00e4ufer, bekennt sich Gott h\u00f6rbar f\u00fcr alle Anwesenden zu seinem Sohn. Nach der Gefangennahme des Bu\u00dfpredigers und T\u00e4ufers Johannes kommt Jesus nach Galil\u00e4a und predigt von Gottes Evangelium: \u201eDie Zeit ist erf\u00fcllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Bu\u00dfe und glaubt an das Evangelium.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ende seines Lebens wird auch Jesus gefangen genommen, misshandelt und gekreuzigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Alles geschieht, weil er unter das j\u00fcdische Gesetz gestellt war und Jesus sich nach Meinung m\u00e4chtiger Gesetzesh\u00fcter \u00fcber das Gesetz stellte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In ihren Augen missachtete er das Gesetz und praktizierte eine verd\u00e4chtig enge und direkte Gottesverbindung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ihn Gott von den Toten auferweckt hat, , erscheint Jesus den J\u00fcnger mehrmals, um ihnen verstehen zu helfen, dass er als Gottes Sohn zum Vater im Himmel geh\u00f6rt. Als sie das verstanden haben, nennen Jesus: Christus und sich selbst Christen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sp\u00e4ter beruft Christus den Pharis\u00e4er Saulus, einen Verfolger der Christen, als Apostel Paulus zum Missionar seines Evangeliums.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus wird auch f\u00fcr uns wichtig durch den Inhalt seiner Briefe an die Gemeinden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er macht wie im heutigen Predigttext aus dem Galaterbrief deutlich, was es mit dem Kommen des Gottessohnes auf diese Erde f\u00fcr eine Bewandtnis hat und woran sich in seinem Leben und Sterben zeigt, dass Jesus unter das Gesetz getan wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich lese den Predigttext aus dem Brief an die Galater, Kapitel 4, die Verse 4 bis 7:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e4 Als aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5 auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">6\u00a0 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind; dann auch Erbe durch Gott.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Jude steht Jesus in seinem Leben unter dem j\u00fcdischen Gesetz. Das ist \u2013 so meint es Paulus \u2013 die Voraussetzung f\u00fcr die Erl\u00f6sung der Juden durch Christus, das Geschenk der Kindschaft, den unmittelbaren Zugang zu Gott, dem Vater.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Paulus als Missionar durch Galatien zog, waren die Menschen dort in der Regel nicht dem j\u00fcdischen Gesetz unterworfen. Sie kannten den Gott der Juden nicht, sondern verehrten andere G\u00f6tter und M\u00e4chte. Im Vers 3 unmittelbar vor dem Predigttext beschreibt Paulus sie als M\u00e4chte der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das haben wir mit den damaligen Christen in Galatien gemeinsam:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihre Alternative zum Christentum war das Heidentum in der keltischen Tradition.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei uns gibt es das Neuheidentum auf der uralten keltischen Tradition, die vor langer Zeit in auch in Europa verbreitet war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor ein paar Wochen habe ich anl\u00e4sslich einer Trauerfeier und Bestattung einen kleinen Eindruck des Neuheidentums in unserer Zeit erlebt. Auf dem dortigen Waldfriedhof, den ein Verein verwaltet, fiel mir auf, dass statt der christlichen Zeichen Stern (*) f\u00fcr das Geburtsdatum und Kreuz f\u00fcr das Sterbedatum keltische Runen in die Grabsteine eingeschlagen waren. Die Friedhofsordnung wurde Sittenordnung genannt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir stehen in der Gefahr, unser Christsein, unsere Gotteskindschaft, durch Hinwendung und Unterordnung unter M\u00e4chte, die in dieser Welt Menschen unter ihren Einfluss bringen wollen, zu verspielen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Sph\u00e4re zwischen Erde und Himmel gibt es viele Kr\u00e4fte und M\u00e4chte, die sehr stark sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche davon geh\u00f6ren in den Bereich des B\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, im Vaterunser, beten wir: \u201eerl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Luther \u00fcbersetzt das Wort mit \u00dcbel und erkl\u00e4rt, dass er die \u00dcbel meint, die uns im Alltag dieser Welt belasten und uns das Sterben schwer machen. Was sind die M\u00e4chte dieser Welt, die uns bis zum Sterben bedr\u00e4ngen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jede und Jeder hat damit eigene Erfahrungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich ein kleiner Junge war, sagten mir meine Eltern, wenn ich in einer Situation gro\u00dfe Angst bek\u00e4me, solle ich Christus rufen; der sei m\u00e4chtiger als alle M\u00e4chte, die uns Angst machen k\u00f6nnen, sogar der Teufel sei ihm unterlegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines Nachts im Bett bekam ich gro\u00dfe Angst. Mir war es, als ob jemand oder etwas Schweres auf meiner Brust lag und mir die Luft nahm. Ich erinnerte mich an den Rat meiner Eltern und rief den Namen \u201eChristus\u201c. Sofort war ich befreit und atmete auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese gute Erfahrung ist 75 Jahr Jahre her. Ich hoffe, dass ich sie nie vergessen werde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Kriegskind ist mir die Angst bekannt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke heute nicht nur an die Kinder, die mit der Angst aufwachsen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch die Erwachsenen in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt sind davon betroffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die t\u00e4glichen Nachrichten machen es uns deutlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Predigt am Heiligen Abend ist mir lange nicht mehr so schwergefallen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber gerade alle Leiden, die wir in unserem Leben zwischen Geburt und Sterben erleben, verbinden uns mit Jesus Christus. Wenn wir gestorben sind, werden wir die Erl\u00f6sung von der Knechtschaft unter den M\u00e4chten dieser Welt in ihrem ganzen Umfang verstehen und begreifen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist des Gottessohnes Jesus Christus ist uns schon jetzt geschenkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zeitweise sind wir von ihm ergriffen und sp\u00fcren die Liebesgemeinschaft mit Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie, liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus, k\u00f6nnen sicher sein, dass die Gegenm\u00e4chte dieser Welt alles versuchen werden, uns aus dem Vertrauen zu Gott zu rei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Luthers Lied: \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c beschreibt die Situation der Christinnen und Christen als bedroht, aber nicht als hoffnungslos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er dichtete: \u201eMit unsrer Macht ist nicht getan wir sind gar bald verloren; es streit f\u00fcr uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer der ist? Er hei\u00dft Jesu Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir feiern zu Weihnachten die Geburt Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott macht uns durch Jesus Christus zu seinen Kindern und Geschwistern Jesu Christi.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Gottes Erbschaft steht uns der Himmel offen &#8211; jetzt als Gewissheit im Glauben und sp\u00e4ter als Leben mit Gott in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Niemand von uns kennt seine Zukunft auf dem Weg bis dahin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines allerdings ist gewiss: Wir sind und werden als Christinnen und Christen auf dem Weg zu Gott nie allein sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele von uns sind n\u00e4her am \u00dcbergang aus dem irdischen Leben als sie denken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum ist es gut, sich oft der Begleitung der Engel und M\u00e4chte Gottes zu versichern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im letzten Brief aus seiner Gef\u00e4ngniszelle im Gestapo-Hauptquartier in Berlin schrieb Dietrich Bonhoeffer am 19. Dezember 1944 dieses Gedicht zum Geburtstag seiner Mutter:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist mit uns am Abend und am Morgen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrer i. R. Rainer Kopisch<br \/>\nBraunschweig<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:rainer.kopisch@gmx.de\">rainer.kopisch@gmx.de<\/a><br \/>\n___<br \/>\nZur Erstellung der Exegese des Textes habe ich benutzt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Theologische W\u00f6rterbuch zum NeuenTestament von Kittel in der ersten Auflage,<br \/>\nDas Neue Testament, Interlinear\u00fcbersetzung Griechisch-Deutsch von Ernst Dietzfelbinger,<br \/>\nLuthers Galaterbrief-Auslegung von 1531 herausgegeben von Hermann Kleinknecht<br \/>\n___<br \/>\nRainer Kopisch, Pfarrer in Ruhe der Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig,<br \/>\nSeelsorger mit logotherapeutischer Kompetenz,<br \/>\nletztes selbstst\u00e4ndiges Pfarramt: Martin Luther in Braunschweig,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Roonstr. 6<br \/>\n38102 Braunschweig<br \/>\n<a href=\"mailto:rainer.kopisch@gmx.de\">rainer.kopisch@gmx.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gotteskinder | Heiligabend | 24.12.2023 | Gal 4,4-7 | Rainer Kopisch | Liebe Gemeinde, manche von Ihnen werden sich erinnern, dass ich meine Gedanken zu Emil Noldes Bild \u201eHeilige Nacht\u201c in der Predigt zum ersten Weihnachtstag 2021 geschrieben habe. 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