{"id":19243,"date":"2023-12-20T08:01:00","date_gmt":"2023-12-20T07:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19243"},"modified":"2023-12-21T15:42:00","modified_gmt":"2023-12-21T14:42:00","slug":"lukas-21-20-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-20-6\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1-20"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten 2023 | Christvesper | Lk 2,1-20 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nwir feiern Weihnachten. Die Kirche ist festlich geschm\u00fcckt. Die Lichter brennen. Wir sind feierlich gestimmt. Ich lese die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, Lukas 2,\u00a01-20. \u00a0Bitte h\u00f6ren Sie genau hin! Genaues Hinh\u00f6ren l\u00e4sst uns manches entdecken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>1\u00a0Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt gesch\u00e4tzt w\u00fcrde. 2\u00a0Und diese Sch\u00e4tzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3\u00a0Und jedermann ging, dass er sich sch\u00e4tzen lie\u00dfe, ein jeglicher in seine Stadt. 4\u00a0Da machte sich auf auch Josef aus Galil\u00e4a, aus der Stadt Nazareth, in das jud\u00e4ische Land zur Stadt Davids, die da hei\u00dft Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5\u00a0auf dass er sich sch\u00e4tzen lie\u00dfe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6\u00a0Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie geb\u00e4ren sollte. 7\u00a0Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>8\u00a0Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den H\u00fcrden, die h\u00fcteten des Nachts ihre Herde. 9\u00a0Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie f\u00fcrchteten sich sehr. 10\u00a0Und der Engel sprach zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht! Siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11\u00a0denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12\u00a0Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13\u00a0Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14\u00a0Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>15\u00a0Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16\u00a0Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17\u00a0Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18\u00a0Und alle, vor die es kam, wunderten sich \u00fcber die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19\u00a0Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20\u00a0Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott f\u00fcr alles, was sie geh\u00f6rt und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also, alles wie immer, werden Sie sagen. Ist es so?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[1.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Europa herrscht Krieg. Auch im Nahen Osten herrscht Krieg. Beide Kriege werden mit grausamer H\u00e4rte gef\u00fchrt. (Nebenbei, es sind nicht die einzigen Kriege zurzeit). Im Ukraine-Krieg sollen schon mehrere 100.000\u00a0Tote zu beklagen sein; hinzu kommen zahllose Verletzte. Die Bev\u00f6lkerung in den Kampfgebieten leidet Not. Verzweiflung herrscht, Chaos. In Gaza fragte ein alter Mann in die Kamera: \u201eWo sollen wir denn hingehen?\u201c Er war aus dem Norden Gazas in den S\u00fcden geflohen, wie die Israelis es gesagt hatten. Nun soll er erneut fliehen, aber wohin?!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Weihnachtsevangelium h\u00f6ren wir von Maria und Josef, die vor mehr als 2000 Jahren unterwegs waren. Auch sie hatten Weisung erhalten, wohin sie gehen sollten. Dort angekommen, gab es keine Bleibe f\u00fcr sie. Ein Dach \u00fcber dem Kopf bot ihnen schlie\u00dflich ein Stall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn Sie diese Geschichte nicht kennten, liebe Gemeinde, sie w\u00fcrden entgeistert den Kopf sch\u00fctteln. <em>Christus, der Herr,<\/em> kommt in einem Stall zur Welt. Abwegiger k\u00f6nnte es nicht sein. Dennoch, in dieser Umgebung konnte, an diesem unwirtlichen Ort musste Maria geb\u00e4ren. Ein Ochse und ein Esel sind dabei und schauen zu. Es ist ihr Stall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Lukas, Sie erinnern sich, ist von den Tieren nicht die Rede. Wir haben sie in idyllischen Gem\u00e4lden vor Augen, wie sie die alten Meister schufen, in ungew\u00f6hnlicher Perspektive oft und beeindruckend sch\u00f6n [zum Beispiel: Hans Baldung gen. Grien, 1520, <a href=\"https:\/\/www.sammlung.pinakothek.de\/de\/artwork\/ma4dqanxrO#&amp;gid=1&amp;pid=1\">Sammlung | Die Geburt Christi (pinakothek.de)<\/a>].<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den Weihnachtskrippen unserer Tage sind Ochs und Esel ein h\u00fcbsches dekoratives Element. 1223 standen sie leibhaftig in der Felsengrotte bei Greccio (nahe Rieti, gut 80 km nord\u00f6stlich von Rom), als Franz von Assisi die Weihnachtsgeschichte, auf den Tag genau vor 800 Jahren, erstmals im lebendigen Bild vergegenw\u00e4rtigte \u2013 nicht der Attraktion wegen oder um eine heimelige Atmosph\u00e4re zu schaffen, sondern zur Erinnerung an Jesu Geburt und als einpr\u00e4gsamen Weckruf an die Kirche. \u201eEin Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn\u2026\u201c \u2013 so las man von alters her beim Propheten Jesaja (Jes\u00a01,\u00a03).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas stellt lediglich n\u00fcchtern fest: \u201eDenn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.\u201c Mit diesem einfachen Satz endet der erste Teil der Weihnachtsgeschichte. Was nun folgt, ist etwas ganz anderes. \u201aSchnitt\u2018 \u2013 w\u00fcrde es beim Film hei\u00dfen. Was folgt, spielt an anderem Ort, mit anderem Personal und vor allem in anderer Beleuchtung. Der folgende Teil der Geschichte lebt vom Kontrast zur Dunkelheit und Enge des Stalls. Er markiert einen Kontrast, der gr\u00f6\u00dfer kaum sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[2.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freies Feld, einige Hirten bei ihrer Herde, Nacht. Der Himmel ist hell erleuchtet. Heller, ja viel heller als selbst die st\u00e4rksten Scheinwerfer im Kino eine Szene erhellen k\u00f6nnen. Licht f\u00e4llt auf die Menschen. Es sind einfache Landarbeiter, Unterprivilegierte, wie wir heute sagen. Und ausgerechnet sie, die arm sind, der niedrigsten sozialen Schicht angeh\u00f6ren, diese Au\u00dfenseiter werden f\u00fcr w\u00fcrdig befunden, als erste zu h\u00f6ren, was in ihrer N\u00e4he, in Bethlehem, geschehen ist: Christus, Herr und Heiland, der Retter ist da, geboren in der Stadt Davids.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer das sagt, ist nicht irgendjemand. Eine solche Botschaft zu \u00fcberbringen, bedarf es wohl eines besonderen Boten. So spricht der Engel des Herrn. Umgeben von g\u00f6ttlichem Licht, tut er den Hirten kund, was geschah. Und der Futtertrog f\u00fcrs Vieh, diese ungeh\u00f6rig merkw\u00fcrdige Wiege, wird zum Zeichen, an dem sie das neugeborene Kind erkennen werden. Denn die Hirten sind eingeladen, dieses Kind mit eigenen Augen zu sehen. Man m\u00f6chte fast meinen, Jesus sei eigentlich nur deswegen in einem Stall geboren worden, weil die Hirten ungehinderten Zutritt haben sollten. Welche Palastwache h\u00e4tte hergelaufenen Hirten Eintritt gew\u00e4hrt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, unsere Weihnachtsgeschichte wischt die Realit\u00e4t nicht beiseite. Wir lesen kein M\u00e4rchen. In der Erz\u00e4hlung des Lukas geht es vielmehr um eine Begebenheit, die ein Reporter oder eine Moderatorin heute, ohne zu \u00fcbertreiben, mit dem Wort \u201esensationell\u201c kommentieren w\u00fcrde. In dieser Nacht am Rande der Welt begann die Welt eine andere zu werden. Wir m\u00f6gen mal lauter, mal leiser fragen, ob das denn so sei. Zum Ende des zweiten Teils der Weihnachtsgeschichte h\u00f6ren wir den Lobpreis der Engel:<br \/>\n<em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ehre sei Gott in der H\u00f6he<br \/>\nund Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[3.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wiederum \u201aSchnitt\u2018, Blende erneut auf die Erde. So geht es weiter im letzten Teil: Die Hirten machen sich auf nach Bethlehem. Sie finden das Kind und seine Eltern. Sie reden von dem, was zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Es ist so wunderbar und wunderlich, dass alle, die davon h\u00f6ren, nur staunen k\u00f6nnen. Maria beh\u00e4lt fest im Ged\u00e4chtnis, was die Hirten berichten, und sucht sich im Stillen dar\u00fcber klar zu werden. Die Hirten aber kehren um. Sie kehren zur\u00fcck aufs Feld zu ihrer Herde, nun ihrerseits Gott lobend und preisend. Erf\u00fcllt von dem, was sie geh\u00f6rt und gesehen hatten, tun sie es den Engeln gleich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir in unserer zur Weihnacht festlich geschm\u00fcckten Kirche werden im Schein der Kerzen gleich einstimmen. Staunend, vielleicht gedankenverloren stehen wir da und werden singen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0O du fr\u00f6hliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!<br \/>\nWelt ging verloren,<br \/>\nChrist ist geboren;<br \/>\nFreue, freue dich, o Christenheit! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten 2023 | Christvesper | Lk 2,1-20 | Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, wir feiern Weihnachten. Die Kirche ist festlich geschm\u00fcckt. Die Lichter brennen. Wir sind feierlich gestimmt. Ich lese die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, Lukas 2,\u00a01-20. \u00a0Bitte h\u00f6ren Sie genau hin! 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