{"id":19245,"date":"2023-12-21T08:00:20","date_gmt":"2023-12-21T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19245"},"modified":"2023-12-21T15:54:32","modified_gmt":"2023-12-21T14:54:32","slug":"exodus-21-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-21-10\/","title":{"rendered":"Exodus 2,1-10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong>Christfest I | 25.12.2023 | Ex 2,1-10 | Bernd Giehl<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal f\u00e4ngt auch ein altgedienter Pfarrer an zu staunen. Eigentlich ist Weihnachten ja ziemlich festgelegt. Nicht die Geburt eines Kindes wird gefeiert. Es geht um die Geburt eines besonderen Kindes: Jesus. Seinetwegen singen die Engel auf den Feldern. \u201eEuch ist heute der Heiland geboren.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier geht es auch um eine Geburtsgeschichte. Aber um eine andere. Die des Mose n\u00e4mlich. Ebenfalls ein Religionsstifter. Nur nicht des christlichen Glaubens. Sondern des Judentums. Bedeutende Menschen haben Kindheitsgeschichten. Auch David oder Samuel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies hier ist noch nicht die Berufungsgeschichte des Mose. Nur die Geschichte von einer ungew\u00f6hnlichen Geburt. Bzw. von einer Geburt und einer Rettung. Einer Rettung die notwendig ist f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Rettung. Auch wenn diesmal keine Engel singen. Aber es ist ja auch noch nicht die Geschichte von Weihnachten. Allerdings erz\u00e4hlt auch die viel \u00fcber das neugeborene Kind. \u00a0Weil n\u00e4mlich der Pharao und seine Berater Angst vor den Fremden haben. Die sie selbst ins Land gelassen haben. Weil sie sich zu zahlreich vermehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Minderheit im eigenen Land werden, das kommt uns bekannt vor. Das d\u00fcrfte\u00a0\u00a0 auch den Israelis von heute bekannt vorkommen. Davor f\u00fcrchten wir uns. Das darf auf keinen Fall passieren. Gut, wir haben andere Mittel als die T\u00f6tung von Babys. Subtilere Mittel. Wir sperren Emigranten aus, die auf dem Weg zu uns sind. Notfalls schaffen wir sie zur\u00fcck mach Afrika. Es braucht eine Menge List um dem zu entkommen. \u00a0Ob ein K\u00f6rbchen aus Schilf auf dem Fluss helfen w\u00fcrde? Aber welchem Fluss? Es war ja nicht nur das K\u00f6rbchen, das half, zur Prinzessin zu finden; es war vor allem Gottes Willen. Der jedenfalls jetzt noch unsichtbar hinter dem Geschehen stand und alles geplant hatte. \u00a0Auch die Prinzessin war wichtig und ihr ganzes Umfeld. Ganz ausdr\u00fccklich handelt sie gegen den Willen ihres Vaters. Ein erstaunliches Risiko. Keiner aus ihrem Umfeld durfte sie verraten. Aber das scheint ihr nicht wichtig zu sein. Das Risiko geht sie ein. Anders h\u00e4tte Mose nicht gelernt, was er lernen musste um sein Volk sp\u00e4ter durch die W\u00fcste zu f\u00fchren. \u00a0Es ist die Planung Gottes, die das alles steuert. Wenn Engel gesungen h\u00e4tten; der Pharao h\u00e4tte es erfahren. Anders als in der Weihnachtsgeschichte des Lukas wird die Berufung geheim gehalten. Man kann sie nur ahnen. Und auch, dass alles andere, was sp\u00e4ter passiert, inklusive des Mords an dem Aufseher notwendig ist, um die Geschichte in Gang zu halten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt also einen Unterschied. Die Weihnachtsgeschichte scheint abgeschlossen zu sein. Jesus ist als Gottes Sohn den Menschen bekannt gemacht worden. Gewiss wird er sp\u00e4ter noch einmal den Menschen bekannt gemacht werden. Aber das hat noch Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geburtsgeschichte des Mose schreit dagegen geradezu nach Fortsetzung. Dass er als Prinz am Hof des Pharao aufw\u00e4chst kann noch nicht das endg\u00fcltige Ziel sein. Gott hat sich nur indirekt gezeigt. Da muss noch etwas kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dem Punkt gleicht sie eher der Weihnachtsgeschichte des Matth\u00e4us. Dort wird das Kind am Ende nach \u00c4gypten gebracht, weil es in der Heimat verfolgt wird. Und man wei\u00df: Es muss eine Fortsetzung geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gar nicht so einfach. Ob das nun der Punkt ist, von dem aus diese Geschichte zu predigen ist? An dem sie sich zugleich unterscheiden und \u00e4hnlich genug sind? Wie gesagt: Mose ist zun\u00e4chst einmal gerettet, aber seine Berufung bleibt unbekannt. Nicht zuletzt ihm selbst. Bei Lukas ist das Bleiben der Berufung zumindest vorausgesetzt, bei Mose ist sie nicht einmal klar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ES wird also weiterhin Gottes F\u00fchrung bed\u00fcrfen. Es ist wie bei den Gleichnissen von Saat und Ernte die Jesus erz\u00e4hlt hat. Immerzu ist die Saat bedroht. Aber Gott sorgt daf\u00fcr, dass alles gut geht. Er tut es, indem er zwar Mose am Hof des Pharao aufwachsen l\u00e4sst ihm aber gleichzeitig seine Mutter als Kinderfrau beigibt. Dadurch entwickelt er mehr als eine Identit\u00e4t. Er ist \u00e4gyptischer Prinz und verachteter Hebr\u00e4er. Und beides gleichzeitig. Wie ein Mensch das aush\u00e4lt? Vermutlich gar nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb wird das Dilemma auch bald aufgel\u00f6st. Mose t\u00f6tet den \u00c4gypter, der den israelitischen Sklaven z\u00fcchtigt, und diesmal kommt er noch davon. Nur: wie lange noch?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Sp\u00e4testens an dieser Stelle ist klar: Da wird die Geschichte bald eine Wende nehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An dieser Stelle trennen sich die Wege. Lukas malt Weihnachten eher als die erf\u00fcllte Utopie: Der Heiland ist gekommen. Die Geschichte vom Mose sagt: Er wird sein Volk herausf\u00fchren aus der Sklaverei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Machen wir es konkret. Der Eingangschoral des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach aus dem \u201eWeihnachtsoratorium\u201c. \u201eJauchzet Frohlocket. Auf preiset die Tage. Sehet was heute der H\u00f6chste getan\u201c; spricht der nun von der Gegenwart oder der Zukunft? Es geht weiter mit: \u201eLasset das Klagen, verbannet das Fragen, stimmet voll Jauchzen und Fr\u00f6hlichkeit an.\u201c Selbst wenn man die gro\u00dfartige Musik die Bach dazu geschrieben hat, nicht kennt, wei\u00df man: Hier ist allerreinste Gegenwart. Weihnachten ist heute geschehen auch wenn es 1734 oder 2023 Jahre her ist. Weihnachten ist Vollendung und passiert hier und heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir w\u00e4hlen sollten, welches Modell w\u00fcrden wir w\u00e4hlen? Ich glaube die Antwort gibt sich von selbst. Sie liegt in den Tagen danach.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es k\u00f6nnte also alles so sch\u00f6n sein. Russland m\u00fcsste nur die besetzten Gebiete freigeben und den Krieg gegen die Ukraine aufgeben. Die Hamas m\u00fcsste aufh\u00f6ren Raketen gegen Israel zu schie\u00dfen und Israel m\u00fcsste sich aus dem Gazastreifen zur\u00fcckziehen. Und am Ende m\u00fcsste es eine zwei Staaten Regelung geben, mit der beide V\u00f6lker leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das w\u00e4re ja erst der Anfang<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob man an dieser Stelle die Weihnachtsgeschichte bem\u00fchen darf? Kommt darauf an, welche. Wenn man Lukas bem\u00fcht wird man wahrscheinlich immer dasselbe predigen. Es ist noch nicht soweit aber Gott wird es richten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei 2. Mose 2 muss man genauer hinh\u00f6ren.\u00a0 Alles muss klein beginnen, sagt die Geschichte aber auch: manchmal ist das Leben voller Verhei\u00dfungen. Aus Mose, dem \u00e4gyptischen Prinz wird Mose, der Befreier Israels. Er wird Israel aus der Sklaverei in die Freiheit f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie umgehen mit unserer Hoffnung? Zitieren wir nochmals das Lied: \u201eAlles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen es muss nur Zeit gewinnen und endlich ist es gro\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schau nur dieses K\u00f6rnchen ach man sieht es kaum gleicht bald einem Grashalm sp\u00e4ter wird\u2019s ein Baum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nach vielen Jahren, wenn ich Rentner bin spendet er mir Schatten; singt die Lerche drin.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An dieser Stelle m\u00f6chte ich von einem Mann erz\u00e4hlen. Er war gerade 70 geworden. Zwei Monate sp\u00e4ter traf ihn ein Schlaganfall. Zun\u00e4chst konnte er gar nichts machen. Er musste gef\u00fcttert werden. Dann begann die Therapie. M\u00fchsam musste er wieder lernen zu stehen. Dann zu gehen. Es fiel ihm schwer, am Rollator zu laufen. Es dauerte, bis er den langen Weg von seinem Zimmer bis zum Speisesaal mit Therapeutin und Rollator laufen konnte. Nachts tr\u00e4umte er vom Reisen, von New York, das er nur aus Filmen und B\u00fcchern kannte. \u00a0Wie sollte er im Rollstuhl dorthin kommen? \u00d6fters musste er Pausen einlegen bis er wieder in seinem Zimmer war. Aber er machte Fortschritte. Langsam fast unmerklich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann sagte ihm die Therapeutin, dass sie glaube, er k\u00f6nne bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr wieder gehen. Dann m\u00fcsse er den Rollstuhl nicht mehr benutzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So kann Weihnachten beginnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bernd Giehl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Christfest I | 25.12.2023 | Ex 2,1-10 | Bernd Giehl Manchmal f\u00e4ngt auch ein altgedienter Pfarrer an zu staunen. Eigentlich ist Weihnachten ja ziemlich festgelegt. Nicht die Geburt eines Kindes wird gefeiert. 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