{"id":19255,"date":"2023-12-21T07:37:44","date_gmt":"2023-12-21T06:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19255"},"modified":"2023-12-21T16:40:30","modified_gmt":"2023-12-21T15:40:30","slug":"johannes-11-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-11-14-2\/","title":{"rendered":"Johannes 1,1-14"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Christfest I | 25.12.2023 | Johannes 1,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | \u00a0Elof Westergaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geburt Jesu und der Beginn aller Dinge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort ward Fleisch, schreibt der Evangelist Johannes. Das hei\u00dft: Gott ist Mensch geworden in Fleisch und Blut. Das ist das Geheimnis der Weihnacht: Die Geburt Jesu: \u201eDas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit \u2026 voller Gnade und Wahrheit\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Sprache hat ihre Begrenzungen, aber es kann passieren, dass Buchstaben und Worte etwas ganz Besonderes schaffen k\u00f6nnen, etwas grundlegend Wesentliches zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen und dabei geradezu zu ein magisches Mittel werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist es mit dem Johannesprolog, der die Art und Weise des Johannes ist, in der er die Weihnachtsgeschichte formuliert und zugleich die Bedeutung der Geburt Jesu zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man denke sich, das sehen zu k\u00f6nnen, was Johannes sah, als er diese Einleitung zu seinem Evangelium formulierte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes sieht die Geburt Jesu als eine neue Sch\u00f6pfung und einen neuen Beginn. Weihnachten ist f\u00fcr ihn ein Ereignis, das zeigt, wie die Finsternis niemals das Licht \u00fcberwindet; dass Krieg und Gewalt nicht das letzte Wort haben werden. Er bringt zum Ausdruck, wie die Wahrheit ist, dass die Liebe Gottes das Gr\u00f6\u00dfte ist von allem, Kraft und der Wille Gottes zu Vers\u00f6hnung und Frieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich von der M\u00f6glichkeit der Sprache rede und dass die Sprache ein magisches Instrument sein oder werden kann, habe ich das eigentlich von dem griechischen Dichter Odysseus Elytis, der in seiner Rede anl\u00e4sslich der \u00dcberreichung des Nobelpreises f\u00fcr Literatur eben die Sprache &#8211; trotz all ihrer Begrenzungen &#8211; als ein magisches Instrument bezeichnete.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sprache, Wort, Rede und S\u00e4tze k\u00f6nnen von entscheidender Bedeutung sein. Sie k\u00f6nnen wecken, inspirieren, ausweiten und erneuern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Worte des Evangelisten Johannes erweitern die Entstehung von Bildern zu Weihnachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Evangelist Lukas \u2013 dessen Bericht wir gestern geh\u00f6rt haben \u2013 \u00f6ffnet f\u00fcr die nahe Welt. Das ist die Erz\u00e4hlung von den Hirten auf dem Felde. Hier riecht es nach Schafen und Ziegen &#8211; und Hunden, die bellen. Hier sind Hirten, die in derselben Kleidung arbeiten und schlafen und die gewohnt sind, das Wetter zu lesen, weil sie den gr\u00f6\u00dften Teil des Jahres im Freien arbeiten. Sie finden das Kind in der Krippe und h\u00f6ren den Gesang der Engel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Evangelist Matth\u00e4us erweitert die Geschichte, indem er von den Weisen erz\u00e4hlt, die von weither kommen, sie suchen und erforschen den n\u00e4chtlichen Himmel. Die Weisen sind lange gewandert, erst haben sie sich verirrt, aber der Stern zeigte ihnen den rechten Weg, und sie fanden den Ort in der Welt, wo der K\u00f6nigssohn geboren wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit Lukas und Matth\u00e4us wird damit deutlich, dass die Geburt Jesu nah und fern angeht, ja dass die Botschaft der ganzen weiten Welt gilt, so wie es die Engel auch zur Weihnacht sangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was der Evangelist Johannes nun dazu beitr\u00e4gt, ist dies, dass Weihnachten in einen kosmischen Zusammenhang gestellt wird. Johannes verbindet die Geburt Jesu mit dem Beginn aller Dinge, mit dem Sch\u00f6pfungsbericht, und er sieht in seinem Licht auch einen Kampf zwischen Sch\u00f6pfung und Chaos, zwischen Licht und Finsternis. Ein Kampf, der immer mit dem Sieg des Lichts enden wird. Und nun ist das Licht zudem geboren und in einem kleinen Menschenk\u00f6rper in die Welt gekommen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Licht der Weihnacht ist ein Licht in Bethlehem, ein Licht in der Finsternis des Winters, aber es ist auch die Sch\u00f6pfung einer neuen Welt, einer neuen Zeit. Das ist eine Geburt, die nicht nur erwartet ist, sondern auch Hoffnungen mit sich bringt f\u00fcr alle kommenden Generationen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gebote Gottes im Alten Testament waren in Steintafeln gehauen, und Propheten verschlangen Gottes B\u00fccher und konnten Gottes Wort, seinen Willen und seine Liebe zur Sprache bringen, aber Weihnachten ist ein Neubeginn, signalisiert einen neuen Bund insofern als Gott nun in die Welt kommt, uns begegnet in dem kleinen Kind in der Krippe in Bethlehem. Her soll das licht herbeirufen. Er verk\u00fcndet die N\u00e4he des Reiches Gottes und \u00f6ffnet das Paradies.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit anderen Worten ist Jesus der, der in Fleisch und Blut die N\u00e4he Gottes verwirklicht und Vers\u00f6hnung schafft. In ihm findet der Mensch die Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gr\u00f6\u00dfe Gottes liegt nun nicht mehr in der F\u00e4higkeit Gottes, B\u00e4ume umzuwerfen und zu donnern, aufzubrausen und zornige Blitze zu senden. Seine Gr\u00f6\u00dfe besteht vielmehr in seinem Willen, uns nahe zu sein, sein Wort in alle Winkel zu bringen, selbst in Krippe und Stall. Das ist ein Mysterium, ein R\u00e4tsel, aber es ist zugleich die Hoffnung, die die Freude befl\u00fcgelt. Frohe Weihnachten. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Elof Westergaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Korsbr\u00f8dregade 7, DK-6760 Ribe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: eve(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christfest I | 25.12.2023 | Johannes 1,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | \u00a0Elof Westergaard | Die Geburt Jesu und der Beginn aller Dinge Das Wort ward Fleisch, schreibt der Evangelist Johannes. Das hei\u00dft: Gott ist Mensch geworden in Fleisch und Blut. 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