{"id":19326,"date":"2023-12-30T13:57:06","date_gmt":"2023-12-30T12:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19326"},"modified":"2023-12-30T13:57:06","modified_gmt":"2023-12-30T12:57:06","slug":"1-koenige-101-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-101-13\/","title":{"rendered":"1.K\u00f6nige 10,1-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Salam aleikum, Friede sei mit dir | Epiphanias | 6. Januar 2024 | 1.K\u00f6n 10,1-13 | Eberhard Busch |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Als die K\u00f6nigin von Saba von dem Ruhme Salomos h\u00f6rte, kam sie, ihn mit R\u00e4tseln zu erproben. Sie kam nach Jerusalem mit gro\u00dfem Gefolge, die Spezerei, Gold in Mengen und Edelsteine trugen. Und als sie zu Salomo kam, fragte sie ihn alles, was sie sich vorgenommen hatte, und Salomo gab ihr auf all ihre Fragen Bescheid. Es war dem K\u00f6nig nichts verborgen, dass er ihr nicht h\u00e4tte Bescheid geben k\u00f6nnen. Als aber die K\u00f6nigin von Saba all die Weisheit Salomos sah und den Palast, den er gebaut hatte, und die Speisen auf seinen Tischen \u2026 und auch sein Brandopfer, den er im Tempel des Herrn darzubringen pflegte, geriet sie vor Staunen au\u00dfer sich und sprach zum K\u00f6nig. Volle Wahrheit ist es gewesen. was ich in meinem Lande \u00fcber dich und deine Weisheit geh\u00f6rt habe. Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der Wohlgefallen an dir gefunden, so dass er dich auf den Thron Israels gesetzt hat! Weil der HERR Israel lieb hat, darum hat er dich zum K\u00f6nig eingesetzt, dass du Recht und Gerechtigkeit \u00fcbst. \u2026 Aber K\u00f6nig Salomo gab ihr, was sie begehrte und erbat, au\u00dfer dem, wie ein K\u00f6nig zu schenken pflegt. Danach kehrte sie um und zog in ihr Land samt ihrem Gefolge.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong>Ein erstaunlicher F\u00fcrst ist Salomo in Jerusalem. Er hat Gaben, die sonst kaum bei einem unter seinesgleichen zu finden sind. Er ist friedfertig <em>und<\/em> weise. Es gibt eher solche, die ihre \u00dcberlegenheit dareinsetzen, Andere in Angst und Schrecken zu versetzen, oder solche, die gedankenlos ihren Kopf in den Sand stecken. Friedfertigkeit ist unter Herrschenden nicht gerade verbreitet und ebenso gesunder Menschen-Verstand. Aber genau mit beidem ist Salomo gesegnet. Er verbreitet beides in seinen politischen Entscheidungen. Durch ein wohlbedachtes Handeln sorgt er f\u00fcr ein harmonisches Miteinander. Das bestimmt sein Tun in einem Ma\u00dfe, dass dies weit \u00fcber die Grenzen des Landes bekannt wird. Endlich eine gute Nachricht! Sie regt zum Nachmachen an. Denn Frieden kann man nicht f\u00fcr sich allein haben. Frieden kann man nur mit Anderen haben, vielleicht mit sehr Anderen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon hat auch die F\u00fcrstin im fernen Saba geh\u00f6rt, wo immer das einst gelegen haben mag: im heutigen Jemen oder in \u00c4thiopien. Und die Nachricht bewegt sie derart, dass sie sich auf den weiten Weg macht, aus der Fremde hin nach Jerusalem, dorthin, um dieses Erstaunliche mit eigenen Augen zu sehen. Sie kommt nicht mit leeren Taschen. Sie bringt Gaben mit, um den K\u00f6nig Salomo zu erfreuen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Der Komponist Georg Friedrich H\u00e4ndel hat zu der Geschichte ein sch\u00f6nes Musikst\u00fcck geschrieben. K\u00f6stlich ist darin die Szene, wie diese Fremde vor Salomo auftaucht. Doch die Musik hat dabei keinen Text. Man fragt sich da unwillk\u00fcrlich, in welcher Sprache sich die beiden wohl verst\u00e4ndigen. Wo sie doch in weit entfernten L\u00e4ndern beheimatet sind. Wo auch sonst Einheimische M\u00fche haben, Ausl\u00e4ndische mit dunkler Hautfarbe und andren Sitten auch nur anzusprechen, geschweige sie willkommen zu hei\u00dfen. Vermutlich gr\u00fc\u00dft die Fremde so, wie Muslime einander gr\u00fc\u00dfen: \u201eas-salamu aleykum\u201c \u201eFriede sei mit dir\u201c. Wie hei\u00dft das wohl auf hebr\u00e4isch, in der Sprache von Salomo?\u00a0 Richtig, das Wort steckt sogar in seinem Namen! Man kann es auch singen: \u201e<em>Shalom<\/em> aleichem.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Regentin aus Saba bringt zu ihm nicht nur kostbare Geschenke. Sie bringt auch ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an Fragen mit sich. Um zu lernen, muss man fragen. Um selbst weise zu werden, muss man schon aufbrechen und muss allerlei Schritte auf sich nehmen. Von Fremden kann man immer auch etwas lernen. Und Fremde haben auch Fragen an Ortsans\u00e4ssige. Die Fragen will die Frau dem Salomo vorlegen. Eben, er war nicht nur f\u00fcr seine Friedensliebe bekannt, auch f\u00fcr seine Lebensklugheit. Sie fragt ihn nicht nur aus Wissensbegier. Sie f\u00fchrt ihn dabei auf ein Glatteis. Aber er rutscht nicht aus. Was sie auch fragt, und sie hat viel auf dem Herzen, und sie redet lang und breit, aber er sch\u00fcttelt sie nicht ab. Er hat ein Ohr f\u00fcr sie; er kann zuh\u00f6ren. Er hat <em>Zeit<\/em> f\u00fcr sie \u2013 das Beste, was wir einander schenken k\u00f6nnen. Wie hilfreich, er wei\u00df f\u00fcr die Probleme der Anderen eine L\u00f6sung zu finden! Er r\u00e4umt das dornig Ungekl\u00e4rte aus, eins nach dem Andren. Was dunkel war, lichtet sich. Er bleibt geduldig, auch wenn sie nicht schnell nachkommt, was ja bei Ausl\u00e4ndern vorkommt. Er gibt sich M\u00fche, langsam und verst\u00e4ndlich zu reden. Er begegnet ihr ohne Scheuklappen. Er geht auf sie ein. Er geht menschlich mit der Fremden um.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist sie des Lobes voll. Fast beneidet sie die, die st\u00e4ndig in seiner N\u00e4he leben, nicht so weit weg wie sie. Die in der N\u00e4he m\u00fcssen nicht in die Ferne schweifen, weil ihnen das Gute so nah liegt. Es gibt Bevorzugte, denen das Gl\u00fcck in den Scho\u00df gefallen ist. Wissen die auch weise umzugehen mit dem, was ihnen anvertraut ist? Sind sie davor gesch\u00fctzt, das nicht zu verprassen, was ihnen auf Zeit ausgeh\u00e4ndigt ist? \u201eWer hoch steht, kann tief fallen.\u201c Aber sie, \u201edie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu h\u00f6ren\u201c (Mt 12,42), sie, die Fernstehende, steht ihm am Ende n\u00e4her als die Nahestehenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erinnerung an das, was sich unter Salomo zugetragen hat, ist in der Folgezeit nicht verblasst. Denn die Geschichte ist damit nicht fertig, dass sie einmal geschehen ist. Sie taucht erneut auf und hat dabei ein neues Gesicht. Im Jesajabuch (60,6) wird sie aufgegriffen. Hier ist es eine Zusage f\u00fcr eine erst noch kommende Zeit. In ihr wird nicht nur eine Person, da werden sogar Zahllose von \u201eSaba\u201c, so etwas wie moderne Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus der Fremde herbeikommen. Nicht mehr blo\u00df gekr\u00f6nte H\u00e4upter. Jetzt kommen die Laien zum Zuge. Jetzt hat jedermann Zutritt. ,Hinz und Kunz\u2018, wer er auch sei und wo er sei: \u201eSie werden aus Saba <em>alle<\/em> kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verk\u00fcndigen\u201c, hei\u00dft es. Und obwohl sie alle, obwohl <em>wir<\/em> alle zuletzt nur Staub sind, k\u00f6nnen wir Gott nur loben, der uns \u201ekr\u00f6nt mit Gnade und Barmherzigkeit\u201c (Ps. 103,14.4).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit ist die Geschichte von jenem Besuch aus der Ferne bei K\u00f6nig Salomo noch lange nicht ad acta gelegt. Sie geht weiter und zieht weiter ihre Kreise, wie ein ins Wasser geworfener Stein. Wir denken heute am 6. Januar besonders daran. Da tritt diese Geschichte ja erneut ans Licht. Zwar in anderer Gestalt, aber sie findet wieder statt: Im Neuen Testament wird davon erz\u00e4hlt \u2013 und das zeigt, wie Altes und Neues Testament in unsrer Bibel unl\u00f6slich zusammengeh\u00f6ren. Und ohne das Alte verstehen wir nicht, dass auch das Neues Testament ein Buch der Hoffnung ist. Das K\u00fcnftige ist noch nicht da. Wann wird das sein? Jetzt ist es weiterhin Zukunftsmusik. Aber die Zukunft ist angebrochen und das sehr zum Verwundern. Wiederholt sich jetzt das Einstige? Nochmal tauchen Gestalten aus der Fremde auf, wieder aus dem Orient. Auch sie bringen Begr\u00fc\u00dfungs-Geschenke mit sich; auch sie haben Gaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber jetzt ist etwas anders. Warum ist f\u00fcr die Weitgereisten der Palast von K\u00f6nig Herodes die falsche Adresse? Jetzt ist der K\u00f6nig, den sie suchen, ganz woanders und ein ganz anderer. Und warum geht Herodes nicht mit den Fremden, dahin, wo die nach allerlei Irrungen und Wirrungen schlie\u00dflich hinkommen? Was h\u00e4lt ihn zur\u00fcck? Der Machthaber hat nicht einmal Macht \u00fcber sich selbst. Er hat Angst. Angst vor einem <em>Kind<\/em>, weil es in der Tat in seiner Schwachheit der Gegensatz ist zu seiner Macht. Das Kind stellt sie in Frage. Ein armseliger Tyrann ist er. Und geht nicht hin zu dem Neugeborenen in der Krippe. Und seine neunmalklugen Ratgeber, die Wissenschaftler, die Geistlichen, gewiss, sie sind aufgeschlossen. Sie wissen genau Bescheid, auch \u00fcber das, was sich in Bethlehem zugetragen hat. Aber sie gehen auch nicht dorthin. Sie beugen sich nicht vor dem Kind. Darauf k\u00e4me es doch wohl an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Fremden, die, von denen man es zuletzt erwartet h\u00e4tte, die gehen hin, wie jene Frau aus Saba. Sie knien vor ihm nieder und beten ihn an. Als w\u00e4re er der wahre Herrscher. Und er <em>ist<\/em> es. So erf\u00fcllt sich, was laut Lukas 1 (78f) auch uns in Aussicht gestellt ist: \u201eDurch die barmherzige Liebe unsres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der H\u00f6he, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und Schatten des Todes und unsere Schritte lenken auf den Weg des Friedens.\u201c Ja, jetzt ist uns gesagt: \u201eDie Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon\u201c (1Joh2,8). Und jetzt ist es an der Zeit, es unwiderruflich klarzustellen, wie es in einem Lied hei\u00dft: \u201eGott hat derer nicht vergessen, die im Finstern sind gesessen.\u201c Darum kommt er ins Finstere, damit es heutzutage hell werde. Darum geht er in die Fremde, damit die Fremden nach Hause kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte hat ein open end. Sie ist nicht abgeschlossen. Sie m\u00f6chte, dass wir uns den uns Vorangegangenen anschlie\u00dfen. So spricht die Geschichte mit alten und neuen Zungen heute zu nah und fern, zu uns allen: \u201eHerbei o ihr Gl\u00e4ubigen, fr\u00f6hlich triumphieret. O kommt, o kommet nach Bethlehem. O lasset uns anbeten, &#8230; Du K\u00f6nig der Ehren, Herrscher der Heerscharen, verschm\u00e4hst nicht zu ruhn in Marien Scho\u00df, Gott wahrer Gott von Ewigkeit geboren. O kommt. O kommet nach Bethlehem. &#8230;\u201c Und von dort kehren die Anbeter wieder um, \u201eauf einem anderen Weg\u201c, wird gesagt. Ja, von dort geht unser Weg nicht mehr zur\u00fcck in das alte Leben unter der Herrschaft eines Herodes.\u00a0 Von dort geht unser Weg vorw\u00e4rts \u2013 nach dem Lied: \u201eVertraut den neuen Wegen, in die der Herr uns weist\u2026. Gott will, dass ihr ein Segen f\u00fcr diese Erde seid.\u201c Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0&#8212;<\/p>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salam aleikum, Friede sei mit dir | Epiphanias | 6. 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