{"id":19362,"date":"2024-01-01T09:06:02","date_gmt":"2024-01-01T08:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19362"},"modified":"2024-01-04T09:09:40","modified_gmt":"2024-01-04T08:09:40","slug":"1-koenige-101-13-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-101-13-5\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 10,1-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Eine Gottesgabe: Praktische Weisheit zum Wohle aller | Epiphanias | 6. Januar 2024 | 1. K\u00f6nige 10,1-13 | Uland Spahlinger |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Textlesung nach der BasisBibel: 1. K\u00f6nige 10<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1Salomos Ruhm machte den Namen des Herrn bekannt. Die K\u00f6nigin von Saba h\u00f6rte davon und kam, um Salomo mit R\u00e4tseln zu pr\u00fcfen. 2Sie kam mit einem gewaltigen Gefolge nach Jerusalem: Kamele trugen Balsam, Gold und Edelsteine in unvorstellbar gro\u00dfen Mengen. So kam sie zu Salomo und redete mit ihm \u00fcber alles, was sie sich vorgenommen hatte. 3Und Salomo beantwortete alle ihre Fragen. Es gab nichts, was dem K\u00f6nig verborgen war. Auf alles fand er eine Antwort. 4So erkannte die K\u00f6nigin von Saba seine ganze Weisheit. Auch der Palast, den Salomo gebaut hatte, beeindruckte die K\u00f6nigin von Saba. 5Dazu kamen noch die Speisen an seiner Tafel, die Rangordnung seiner Beamten, das vornehme Auftreten seiner Diener und ihre Kleidung, seine Trinkgef\u00e4\u00dfe und seine Opfergaben, die er im Haus des Herrn darbrachte. Das alles sah sie, und es verschlug ihr den Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">6Da sagte sie zum K\u00f6nig: \u00bbEs ist wirklich alles wahr, was ich in meinem Land \u00fcber dich geh\u00f6rt habe. Man spricht von deinen Taten und deiner Weisheit. 7Ich wollte es nicht glauben, bis ich hierherkam und es mit eigenen Augen sah: Nicht einmal die H\u00e4lfte hatte man mir berichtet! Deine Weisheit und dein Wohlstand \u00fcbertreffen alles, was ich von dir geh\u00f6rt habe. 8Deine M\u00e4nner k\u00f6nnen sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Ebenso gl\u00fccklich sind deine Beamten, die in deiner N\u00e4he sind und deine Weisheit h\u00f6ren. 9Gepriesen sei der Herr, dein Gott! Er hat Gefallen an dir gefunden und dich auf den Thron Israels gesetzt. Denn der Herr liebt Israel f\u00fcr alle Zeit. Deshalb hat er dich zum K\u00f6nig gemacht, damit du f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit sorgst.\u00ab 10Und sie gab dem K\u00f6nig 4000 Kilogramm Gold und eine gro\u00dfe Menge an Balsam und Edelsteinen. Nie mehr kam so viel Balsam ins Land wie damals, als die K\u00f6nigin von Saba Salomo beschenkte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">11Auch andere Kostbarkeiten kamen ins Land: Die Schiffe Hirams, die Gold aus Ofir holten, waren voll beladen mit kostbaren Steinen und H\u00f6lzern. 12Dieses kostbare Holz lie\u00df K\u00f6nig Salomo verarbeiten. Er verwendete es zur Verzierung von Tempel und Palast und zum Bau von Leiern und Harfen f\u00fcr seine S\u00e4nger. Nie mehr kamen so viele kostbare H\u00f6lzer ins Land. Nie mehr hat man so etwas gesehen \u2013 bis heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">13K\u00f6nig Salomo erf\u00fcllte der K\u00f6nigin von Saba jeden Wunsch, den sie hatte. Gro\u00dfz\u00fcgig gab er ihr mehr, als man sonst aus der Hand des K\u00f6nigs bekam. Schlie\u00dflich kehrte sie wieder in ihr Land zur\u00fcck, zusammen mit ihrem Gefolge.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine seltsame Geschichte, liebe Gemeinde, finden Sie nicht auch? Mit dem heutigen Evangelium von den Weisen, mit der Entdeckung des weltbeherrschenden Kindes in der Krippe hat sie, zumindest auf den ersten Blick, ja nun auch gar nichts zu tun. Stattdessen werden wir in so eine Art m\u00e4rchenhafte orientalische Welt der Reichen und M\u00e4chtigen entf\u00fchrt, k\u00f6nnte man meinen. Ein bisschen 1001 Nacht in der Bibel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe mich gefragt: was soll das, diese Aufz\u00e4hlung von Reicht\u00fcmern, die da ausgetauscht werden? Ist das nicht strahlende, ja prahlende Hofberichterstattung, wie der pfiffige sozialistische Dichter und Alterspr\u00e4sident des zweiten gesamtdeutschen Bundestages in seinem tragikomischen und hintergr\u00fcndigen Roman \u201eDer K\u00f6nig David Bericht\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>vermutet? Der Roman geht eigentlich \u00fcber Salomo, und der Dichter stellt den K\u00f6nig so ganz im Habitus eines orientalischen Despoten dar, gierig, genusss\u00fcchtig, gewaltt\u00e4tig und machtbesessen. Um seines Vaters (und damit auch seinen) Ruhm f\u00fcr die Nachwelt angemessen hinterlassen zu bekommen, stellt er einen begabten Chronisten an \u2013 dem er dann gleich auch noch die Frau ausspannt. Recht des M\u00e4chtigen? Nun ja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen Stefan Heym und seiner machtkritischen Geschichte nicht weiter folgen, aber der Bericht \u00fcber den Besuch der K\u00f6nigin von Saba k\u00f6nnte den Eindruck erwecken, hier sei tats\u00e4chlich Hofberichterstattung \u00fcber die unschlagbare Pers\u00f6nlichkeit des K\u00f6nigs Salomo betrieben worden. Dabei wissen wir nicht einmal genau, ob es dieses Treffen zwischen einem Herrscher und einer Herrscherin historisch \u00fcberhaupt gegeben hat. Aber setzen wir das einmal voraus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Saba, ein Land im S\u00fcdwesten der arabischen Halbinsel, auf dem Gebiet des heutigen Staates Jemen. Bemerkenswert ist, dass von einer K\u00f6nigin erz\u00e4hlt wird, dass also auch Frauen in solchen Regierungspositionen auf Augenh\u00f6he zu finden waren. Der Zweck ihrer Reise k\u00f6nnte eigentlich wirtschaftspolitisch motiviert gewesen sein: da das Land an den Handelsrouten lag, ging es im Wesentlichen wohl um die Abstimmung von Handelsbeziehungen. Staatsbesuch mit einer Wirtschaftsdelegation.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Worin also liegt das Besondere dieser Geschichte? Wo finden wir das, was uns in unserer Gottesbeziehung und unseren Beziehungen untereinander weiterbringen kann? Kiloweise Gold oder Sandelholz k\u00f6nnen es ja wohl kaum sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schauen wir ein paar Kapitel weiter nach vorn. Dort wird etwas Bemerkenswertes \u00fcber Salomo, den Sohn Davids, erz\u00e4hlt. Vielleicht das Entscheidende.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEin junger Mann tritt ein wichtiges Amt an. Er \u00fcbernimmt es von seinem \u00fcberm\u00e4chtigen, beliebten und gewieften Vater, der es 40 Jahre lang innehatte. Jetzt ist der Vater tot. Der Sohn tritt ein schweres Erbe an: Kann er den Herausforderungen und den vielen Erwartungen an ihn gerecht werden? Er ist jung, unerfahren, vielleicht unsicher und m\u00f6chte gerne alles richtig machen. Und er f\u00fchlt sich der gro\u00dfen Aufgabe nicht gewachsen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ungef\u00e4hr wird von K\u00f6nig Salomo am Anfang des ersten K\u00f6nigsbuches in der Bibel erz\u00e4hlt. Da erscheint ihm im Traum Gott selbst und fordert ihn auf: \u201eSprich eine Bitte aus, die ich dir gew\u00e4hren soll!\u201c Nur einen Wunsch hat der junge K\u00f6nig frei. Was brauche ich wirklich? Salomo wei\u00df, was ihm helfen wird, sich und andere zu f\u00fchren, und er antwortet: \u201eVerleih deinem Knecht ein h\u00f6rendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom B\u00f6sen zu unterscheiden versteht!\u201c (1 K\u00f6nige 3,9)\u201c, so Isabell Trautmann in einer Morgenandacht im HR<a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann folgt die ber\u00fchmte Geschichte vom salomonischen Urteil.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit ger\u00e4t unsere Episode in ein ganz anderes Licht. Noch einmal: Gott macht Salomo ein gro\u00dfz\u00fcgiges Angebot: \u201eDu kannst mich um alles bitten!\u201c Da w\u00e4re Reichtum, langes Leben, unumschr\u00e4nkte Macht, oder jede Art von Genuss vorstellbar. Denken wir an den Bayernspieler Franck Ribery, der sich ein Steak vergolden lie\u00df, bevor er es verzehrte \u2013 so dekadentes Zeug halt. Salomo hat das gro\u00dfe Los in der Hand. Und w\u00fcnscht sich ein h\u00f6rendes Herz. Das Herz ist das Lebenszentrum, sagt die Bibel, hier flie\u00dft alles zusammen. Wir sagen ja auch: es braucht Herz und Hirn. Hirn allein macht kalt, Herz allein macht sentimental. F\u00fcr die Alten war ein h\u00f6rendes Herz der Inbegriff eines weisen Wunsches. Ein h\u00f6rendes Herz ist auf Gott ausgerichtet und genauso auf das, was die Menschen bewegt. Herrscher mit h\u00f6renden Herzen \u2013 das w\u00e4re mal ein Wunsch zum Beginn eines neuen Jahres!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und mit h\u00f6rendem Herzen \u2013 so geht die Geschichte weiter \u2013 f\u00e4ngt der junge K\u00f6nig an zu regieren. Und gewinnt die Gnade der Weisheit und wird erfolgreich, so erfolgreich, dass sein Ruhm sich herumspricht und ausstrahlt bis ganz sch\u00f6n weit weg. Auch ohne WhatsApp, Facebook oder Instagram. Dieser K\u00f6nig wird ein Influencer, ohne einer werden zu wollen, ja, ohne zu wissen, was das eigentlich sein soll. Er ist eben kein selbstaufgebl\u00e4hter Meinungsmache-Zombie, sondern ein mit Weisheit und Demut, also mit praktischer Vernunft und Bescheidenheit ausgestatteter Herrscher. So wird er uns vorgestellt. Und selbst wenn es ihn nie gegeben haben sollte: So einen Herrscher kann man sich nur w\u00fcnschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn, das haben wir geh\u00f6rt: alles ist wohl geordnet: Hofstaat, Verwaltung, auch das gottesdienstliche Leben, f\u00fcr das er Mitverantwortung tr\u00e4gt. Die Leute, die f\u00fcr ihn arbeiten, sind gut versorgt und ausgebildet. Dem Land und seiner Bev\u00f6lkerung geht es gut, sonst g\u00e4be es nicht den beschriebenen Wohlstand. Weisheit sucht und findet Antworten auf die anstehenden Fragen. Weisheit bindet ein, anstatt auszuschlie\u00dfen. Weisheit sucht den Kontakt und das Miteinander anstelle der Konfrontation, wom\u00f6glich um jeden Preis. Weisheit sorgt f\u00fcr gute Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das, liebe Gemeinde, ist es, was den K\u00f6nig Salomo auszeichnet. Dass er dabei selbst zu Ansehen und Wohlstand kommt, ist f\u00fcr die Chronisten wohl zuerst ein Erweis daf\u00fcr, dass er es richtig macht. Wer im Sinne und im Auftrag Gottes richtig handelt, darf sich des Ertrages freuen \u2013 so haben wir es gerade im Predigttext zum Altjahresabend aus dem \u201ePrediger Salomo\u201c, dem Weisheitsbuch Kohelet, geh\u00f6rt: \u201e10Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. 11Er hat alles sch\u00f6n gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergr\u00fcnden kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. 12Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fr\u00f6hlich sein und sich g\u00fctlich tun in seinem Leben. 13Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem M\u00fchen, das ist eine Gabe Gottes\u201c (Prediger 3, 10-13, LU 17). Und was der Weisheitslehrer dem Handwerker oder dem Weinbauern oder der Hausfrau zuspricht, soll wohl auch f\u00fcr einen K\u00f6nig gelten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Herrscherin aus Saba jedenfalls ist tief beeindruckt. Selbst Frau in verantwortlicher Machtposition, kommt sie zu dem bemerkenswerten Urteil: \u201eDenn der Herr liebt Israel f\u00fcr alle Zeit. Deshalb hat er dich zum K\u00f6nig gemacht, damit du f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit sorgst.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie, die fremde Herrscherin, wird so zur Bezeugerin daf\u00fcr, dass der bescheidene Wunsch des jungen K\u00f6nigs sich sichtbar erf\u00fcllt hat: \u201eVerleih deinem Knecht ein h\u00f6rendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom B\u00f6sen zu unterscheiden versteht!\u201c Nichts anderes ist gemeint, wenn f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit gesorgt ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00fcppigen Geschenke, die in dem Zusammenhang ausgetauscht werden, sind demgegen\u00fcber nur Nebensache. Das ist tats\u00e4chlich so. Nat\u00fcrlich soll es gl\u00e4nzen, wenn zwei erfolgreiche Herrscherpers\u00f6nlichkeiten zusammenkommen. Und es ist ja auch sch\u00f6n zu sehen, wenn die Beziehungen zwischen zwei Staaten von gegenseitigem Wohlwollen, von Achtung und von Freundschaft getragen sind. Auch hier wieder: es w\u00e4re f\u00fcr die ganze Welt besser, wenn wir mehr davon h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber eigentlich sind mir die aufgez\u00e4hlten Kostbarkeiten ziemlich egal. Ich kann sie mir eh nicht vorstellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ich mir vorstellen kann \u2013 und hier nun bricht sich die Geschichte herunter auf unser Alltagslevel \u2013 das ist der Gedanke des gedeihlichen Austauschs zum Wohle aller. Hier tun sich schier unz\u00e4hlige Spiel- und Arbeitsfelder f\u00fcr die praktische Weisheit auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein paar Beispiele aus unserer Gegenwart nur:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie kann es gelingen, einen Nachbarschaftskonflikt so zu regeln, dass die Beteiligten sich hinterher noch gr\u00fc\u00dfen und in die Augen schauen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Braucht es wirklich Lokf\u00fchrerstreiks, bevor angemessene Entlohnung und Arbeitsbedingungen ausverhandelt sind \u2013 Frage an beide Tarifparteien?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was muss geschehen, damit die notwendigen Geldmittel und die notwendigen inhaltlichen Reformen in unser Bildungswesen flie\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich geht es hier um die Zukunft unserer Kinder, und das letztlich im weltweiten Vergleich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Welche Weichen m\u00fcssen gestellt werden, damit die Integration der Menschen, die zu uns gekommen sind, als Gemeinschaftsprojekt verstanden werden kann \u2013 hier haben wir seit dem Herbeirufen der ersten \u201eGastarbeiter\u201c (das Wort an sich ist mehr als aussagekr\u00e4ftig) entschiedenen Nachholbedarf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und warum in aller Welt h\u00f6ren die f\u00fchrenden Politiker der demokratischen Parteien in dieser krisengesch\u00fcttelten Zeit nicht auf, sich gegenseitig zu zerfleischen \u2013 zur Lust und Freude rechtsradikaler und fremdenfeindlicher Kr\u00e4fte, die wom\u00f6glich demn\u00e4chst in einem Bundesland die Macht \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weisheit w\u00fcrde die Aufgaben wie die Gegner dort suchen, wo sie wirklich sitzen. Weisheit w\u00fcrde Notwendigkeiten abw\u00e4gen. Und sie w\u00fcrde Erfahrungen mit einbeziehen: Wir hatten vor knapp 100 Jahren schon mal ein \u00e4hnliches Versch\u00e4tzen unter den herrschenden Kr\u00e4ften \u2013 aber auch in der Bev\u00f6lkerung, die nicht erkannte, welchem Ungeheuer sie zur Macht verhalfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von Weisheit also reden wir, die sich \u00fcberlegt und t\u00e4tig, zielgerichtet und energisch f\u00fcr das Wohlergehen aller einsetzt. Im eigenen \u00fcberschaubaren Lebensbereich und bis hinein in die internationalen Beziehungen zwischen Staaten. Das ist es, was die so seltsame Geschichte von Salomo und der namenlosen K\u00f6nigin von Saba uns beispielhaft vorf\u00fchrt. Und da hinein kommt immer wieder, durchg\u00e4ngig, Gott ins Spiel. Wir haben das schon geh\u00f6rt \u2013 Salomo reagiert auf Gottes Angebot mit der Bitte um ein h\u00f6rendes Herz, die K\u00f6nigin erkennt in seiner Herrschaft das Wohlwollen Gottes. Sie sieht, dass Salomo Gottes gute Weisung f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit umsetzt in Alltagspolitik f\u00fcr seine Leute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit \u2013 heute ist Epiphanias, das Fest der Erscheinung Gottes unter uns Menschen \u2013 nun doch noch ein Blick auf die Geschichte von dem Kind in der Krippe und den drei Weisen. Es gibt ja ein paar Ber\u00fchrungspunkte: Die drei Gelehrten kommen von weither. Viele Erz\u00e4hlungen haben das ausgeschm\u00fcckt \u2013 da kann viel Phantasie hineinflie\u00dfen. Sie kommen zun\u00e4chst zu einem K\u00f6nig, den all das nicht auszeichnet, was Salomo ausgezeichnet hatte. Herodes ist ein mittelm\u00e4\u00dfiger Despot von Gnaden Roms, grausam und machtbesessen, aber ganz gewiss kein Sachwalter von Recht und Gerechtigkeit Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den finden die Weisen in dem Gegenbild einer Mutter mit Kind in einer Krippe. In der Niedrigkeit der Armut und vollst\u00e4ndigen Machtlosigkeit \u2013 nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Welt. Letzten Endes werden Maria und Josef mit dem Baby Jesus zu Fl\u00fcchtlingen vor dem Despoten und seinen M\u00f6rderbanden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und doch erkennen sie \u2013 praktische Weisheit der weitgereisten Weisen: hier, genau hier ist Gott am Werk, in Solidarit\u00e4t und engstm\u00f6glicher N\u00e4he zu denen, die Solidarit\u00e4t und N\u00e4he so n\u00f6tig haben. <u>Da<\/u> leuchtet sein Stern. <u>Da<\/u> haben sie ihren Bestimmungsort, die wertvollen Geschenke, die einem K\u00f6nig geb\u00fchren. <u>Da<\/u> soll es so geordnet sein, dass es allen gut geht. Bei den normalen Leuten. Mit anderen Worten: bei dir und mir. Bei uns. Denn eins ist f\u00fcr mich mal sicher: Gottes Weisheit, die uns an so vielen Stellen der Bibel vorgestellt wird, steht auch uns zur Bew\u00e4ltigung unserer Alltagsaufgaben zur Verf\u00fcgung. Nutzen wir sie!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder wie Rudolf Otto Wiemer es in seinem Weihnachtsgedicht so sch\u00f6n auf den Punkt bringt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSage, wo ist Bethlehem? Wo die Krippe? Wo der Stall?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Musst nur gehen, musst nur sehen \u2013 Bethlehem ist \u00fcberall.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sage, wo ist Bethlehem? Komm doch mit, ich zeig es dir!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Musst nur gehen, musst nur sehen \u2013 Bethlehem ist jetzt und hier.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sage, wo ist Bethlehem? Liegt es tausend Jahre weit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Musst nur gehen, musst nur sehen \u2013 Bethlehem ist jederzeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sage, wo ist Bethlehem? Wo die Krippe? Wo der Stall?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Musst nur gehen, musst nur sehen \u2013 Bethlehem ist \u00fcberall\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und genau da \u2013 \u00fcberall und jederzeit, jetzt und hier \u2013 ist Gottes Liebe am Werk. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dekan Uland Spahlinger, Dinkelsb\u00fchl<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:uland.spahlinger@elkb.de\">uland.spahlinger@elkb.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Inzwischen im 10. Jahr in Dinkelsb\u00fchl und hier sehr heimisch geworden, habe ich besonders die Wohltat der \u00dcberschaubarkeit menschlichen Miteinanders sch\u00e4tzen gelernt, die die Kleinstadt auszeichnet. Sie bildet einen Kontext \u2013 bei allem, was man auch kritisch anmerken k\u00f6nnte \u2013, der das Durchbuchstabieren etwa der Begriffe \u201eGerechtigkeit und Recht\u201c oder auch \u201eBarmherzigkeit\u201c als Handlungs- und Denkmodelle konkret erm\u00f6glicht, weil der gemeinsame Erfahrungsraum gemeinsam beschrieben werden kann. Ein so wohltuender wie anregender Kontrast zu den globalen Krisenthemen, vor denen dem\/der Einzelne*n der Lebensmut abhandenkommen kann. Insofern ist meine Epiphaniaspredigt unausgesprochen auch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Leben im \u00fcberschaubaren l\u00e4ndlichen Raum.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Stefan Heym, Der K\u00f6nig David Bericht, Fischer TB 1508, Frankfurt 1991 (121. bis 127. Tausend)<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.kirche-im-hr.de\/sendungen\/2020\/hr2-morgenfeier\/07\/26-ein-hoerendes-herz\/\">https:\/\/www.kirche-im-hr.de\/sendungen\/2020\/hr2-morgenfeier\/07\/26-ein-hoerendes-herz\/<\/a>), abgerufen am 2.1.24, 18.15 Uhr.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8D7D5A57-D05F-4F11-B5D3-75AED4035F76#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Gefunden bei: <a href=\"https:\/\/www.paulinus.de\/paulinus\/Integrale?SID=CRAWLER&amp;ACTION=ViewPageView&amp;MODULE=Frontend&amp;PageView.PK=2&amp;Filter.EvaluationMode=standard&amp;Document.PublicationClass=print&amp;Filter.OrderCriteria.Idx.Titel=asc&amp;Template.Variant=Archiv&amp;Document.Idx.Jahrgang=2012&amp;Document.Idx.Ausgabe=52&amp;Document.Idx.Rubrik=Titel\">https:\/\/www.paulinus.de\/paulinus\/Integrale?SID=CRAWLER&amp;ACTION=ViewPageView&amp;MODULE=Frontend&amp;PageView.PK=2&amp;Filter.EvaluationMode=standard&amp;Document.PublicationClass=print&amp;Filter.OrderCriteria.Idx.Titel=asc&amp;Template.Variant=Archiv&amp;Document.Idx.Jahrgang=2012&amp;Document.Idx.Ausgabe=52&amp;Document.Idx.Rubrik=Titel<\/a>3.1.24, 9.05 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gottesgabe: Praktische Weisheit zum Wohle aller | Epiphanias | 6. Januar 2024 | 1. K\u00f6nige 10,1-13 | Uland Spahlinger | Textlesung nach der BasisBibel: 1. K\u00f6nige 10 1Salomos Ruhm machte den Namen des Herrn bekannt. Die K\u00f6nigin von Saba h\u00f6rte davon und kam, um Salomo mit R\u00e4tseln zu pr\u00fcfen. 2Sie kam mit einem gewaltigen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19327,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,1,2,157,853,114,551,1482,349,109,163],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-19362","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-koenige","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-epiphanias","category-kapitel-10-chapter-10-1-koenige","category-kasus","category-predigten","category-uland-spahlinger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19362"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19363,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19362\/revisions\/19363"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19362"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=19362"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=19362"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=19362"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=19362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}