{"id":19368,"date":"2024-01-04T12:15:14","date_gmt":"2024-01-04T11:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19368"},"modified":"2024-01-07T09:18:46","modified_gmt":"2024-01-07T08:18:46","slug":"1-korinther-126-31-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-126-31-3\/","title":{"rendered":"1. Korinther 1,26-31"},"content":{"rendered":"<h3>\u201eChristus f\u00fcr uns \u2026\u201c | 1. Sonntag nach Epiphanias | 07.01.24 | 1 Kor 1, 26 \u2013 31 | Michael\u00a0Plathow |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lied: \u201eAn dunklen, kalten Tagen \u2026\u201c, in:\u201cWo wir dich loben wachsen neue Lieber\u201c. Anhang ELK in Baden, NL 107, 1 &#8211; 6<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Gern erinnere ich mich gern daran. Es traf sich ein Kreis der jungen Gemeinde. Man tauschte sich aus \u00fcber \u201eMein Leben sinnvoll gestalten\u201c. Besonders an zwei Studierende erinnere ich mich. Da war die Studentin im Fach Sozialp\u00e4dagogik. Mehr stockend erz\u00e4hlte sie: \u201eEigentlich g\u00e4be es mich gar nicht\u201c; gro\u00dfe Komplikationen erlitt ihre Mutter w\u00e4hrend der letzten Schwangerschaftswochen mit ihr. \u201eDoch nun bin ich da\u201c, \u201egesund\u201c, f\u00fcgte sie an. Nach dem Abitur half sie in einer Behinderteneinrichtung der \u201eDiakonie\u201c aus. Tief beeindruckt war sie von der T\u00e4tigkeit der Pfleger und Helfer. \u201eMir wurde bewusst, dass ich zum Dienst f\u00fcr und mit behinderten Kindern berufen bin\u201c. Und dann, kaum h\u00f6rbar, sang sie versonnen den weihnachtlichen Liedvers: \u201eDa ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die anschlie\u00dfende Stille wurde erst unterbrochen, als ein Student der Theologie zu berichten begann: nicht aus einem christlichen Elternhaus stamme er. Als Sch\u00fcler nahm er aber gern an Taize-Fahrten teil. \u201eDie geistlichen Lieder, gesungen in konzentrierter Gemeinschaft, sprachen mich ganz pers\u00f6nlich an. Und pl\u00f6tzlich wurde mir deutlich: \u201eIch m\u00f6chte Pfarrer werden; zum Theologiestudium f\u00fchlte ich mich berufen\u201c. Er fl\u00fcsterte noch einen Bibelvers, ein Wort Jesu: \u201eNicht ihr habt mich erw\u00e4hlt, sondern ich habe euch erw\u00e4hlt\u201c (Joh 15, 16, 19).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch andere sprachen noch. Aber diese beiden blieben mir im Ged\u00e4chtnis. Ihre Worte nahm ich an, erkannte sie an. Vollmundige Selbstinzenierung ist mir ohnehin zuwider. Noch sch\u00e4rfer verurteile ich die Arroganz derer, die sich durch Geld, Macht oder Geburt besser als andere f\u00fchlen. Die sog. \u201eF\u00fchrer\u201c des \u201eDritten Reiches\u201c etwa waren <strong>gegen<\/strong> die, die anders waren und dachten als sie; Anerkennung verweigerte man; man verfolgte sie.Wie v\u00f6lkischer Gr\u00f6\u00dfenwahn,\u00a0 so kommunistische Gesellschaftsideologie und liberal-kapitalistischer Fortschrittsglaube, heute auch posthumanistische Vision grenzen die Anderen aus. Nur sich selbst kennend und anerkennend, r\u00fchmt man sich, u. zw. total. Wie wir wissen, kommen diese nur um sich selbst kreisenden Utopien \u00fcber kurz oder lang zu Fall im \u201eSteinger\u00f6ll der Weltgeschichte\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anders war es bei der erw\u00e4hnten Studentin im Fach Sozialp\u00e4dagogik und beim Theologiestudenten.\u00a0 Ihr Erz\u00e4hlen lie\u00df Demut sp\u00fcren. Und da redete noch etwas, besser ein Anderer mit. Sie sprachen von erkennen, weil erkannt und darum anerkannt; w\u00e4hlen, weil erw\u00e4hlt; erfahren, weil widerfahren da, wo ihr Lebensprojekt ganz offen war. Christus war in ihr Leben getreten, wie ich heraush\u00f6rte. Erkannt, widerfuhr ihnen Anerkennung.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\">Davon gibt der Apostel Paulus den Christen in der Korinthischen Gemeinde Zeugnis: Gott ist es, der euch kennt und anerkennt, der euch w\u00e4hlt und erw\u00e4hlt hat in Korinth. Und Gott sieht und ersieht gerade den, der nichts R\u00fchmenswertes vorzuweisen hat, der nichts zur eigene Wertsch\u00e4tzung oder ergangenen Wahl beitragen kann. Gott entwertet das, was ohne Gott aus sich selbst m\u00e4chtig, ja, allm\u00e4chtig zu sein meint: den \u201ehomo faber\u201c, der selbstherrlich alles schaffen will, den \u201ehomo Deus\u201c, der sein will wie Gott. \u201eWir aber sollen Menschen sein und nicht Gott; das ist die summa\u201c (M. Luther). Gerade dem S\u00fcnder, der Gott zu vergessen droht, vergisst Gott nicht. Gott geht ihm vielmehr entgegen (Lk 15); die Verkr\u00fcmmte richtet er auf (Lk 13, 10ff); den Unansehnlichen sieht er und sch\u00e4tzt ihn wert; aus dem, was nichts ist, schafft er neues Leben. Gottes Umwertung menschlicher Wertigkeiten. Welch eine Zusage an uns! Und was w\u00e4re, wenn Gott nicht w\u00e4re?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden \u2013 weil wir heute mit der Schriftlesung an die Taufe Jesu denken \u2013 auch an unsere Taufe erinnert. Mit der Taufe durch Johannes nahm Jesus direkt am allt\u00e4glichen Leben von uns Menschen Anteil \u2013 am Schmerz \u00fcber den Tod der Kinder von Bethlehem, die durch die Gier weltlicher Potentaten immer wieder die Leidenden und Opfer sind (Mt 2, 6ff); am erwartungsvollen Gebet des \u201eHauptmanns von Kapernaum\u201c f\u00fcr sein krankes Kind und Jesu Zuh\u00f6ren, Helfen und Heilen (Mt 8, 5ff).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erinnert werden wir an unsere Wahl und Erw\u00e4hlung in Jesu Taufe: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe\u201c. Hineingenommen in Jesu Taufe ist unsere Taufe das Tor f\u00fcr den Lebensweg mit Christus. Gott nimmt uns in\u00a0 das Kraftfeld seiner Gnade und in die Verhei\u00dfung seiner Liebe. Nichts tun wir zu diesem unserm Lebenselexier. Wir antworten im Glauben auf diese Verhei\u00dfung mit unserem Leben als Christenmenschen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400;\">Denn, wie der Apostel Paulus schreibt, Christus ist <strong>f\u00fcr<\/strong> uns.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist \u201ef\u00fcr uns geworden zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung\u201c; d.h. Christus ist ganz f\u00fcr uns. Er erkennt und anerkennt &#8211; unabh\u00e4ngig von unseren eigenen F\u00e4higkeiten, Tun und (politischen) Einstellungen &#8211;\u00a0 uns an als Person. Christus total f\u00fcr mich. \u201eWer ich auch bin, dein bin ich, o Gott\u201c (D. Bonhoeffer). Die Verhei\u00dfung des Paulus wurde f\u00fcr Luther zur Quelle des Evangeliums; immer wieder in Predigten und Bibelauslegungen\u00a0 verk\u00fcndigt er diese Botschaft als Dreh- und Angelpunkt, als Kern der alles \u201eneu\u201c machenden Gnade durch Gottes Liebe zu uns (2 Kor 5, 17). Christen leben durch den Glauben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, befreit und frei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Glaube, dieses grundlegende, Leben bestimmende Vertrauen auf Gott, \u201edessen wir uns versehen alles Guten und bei dem wir Zuflucht haben in allem Schweren\u201c, ist da im Werden, bei mancher Ungewissheit \u2013 Anfechtungen und Zweifel &#8211; auch im Wachsen. Glaube wird gelebt, befreit und frei. Der Glaube an \u201eChristus f\u00fcr uns\u201c meint eben nicht eine Position oder einen Standpunkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glaubende sind gewiss ihres und des Heils, weil der gekreuzigte und auferstandene Christus <strong>f\u00fcr <\/strong>sie \u2013 wie Paulus sagt &#8211; zur Weisheit, zur Lebens- und Erkenntnisquelle, geworden ist. Weiter ist ihnen widerfahren die Gerechtigkeit, die allein Gottes Gnade in Jesus Christus schenkt, neuschaffend, zur Freiheit und Gerechtigkeit erm\u00e4chtigend. Zu einem Leben nach dem guten Willen Gottes hat Christus sie damit bef\u00e4higt, eben zum Glaubensvollzug im Machtbereich der Liebe, die da ist f<strong>\u00fc<\/strong>r den Anderen. Schlie\u00dflich ist ihnen Erl\u00f6sung, \u201eletztes\u201c Heil bei und mit Gott, verhei\u00dfen auf ihrem Weg dem Zu-kommen Gottes entgegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist <strong>f\u00fcr<\/strong> uns geworden zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung. \u201eChristus f\u00fcr uns\u201c ganz. So handelt Gott. Menschen der Zuversicht und Hoffnung sind wir; die Zukunft Gottes ist uns zugesagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Verhei\u00dfung! Was f\u00fcr eine Verhei\u00dfung an die, denen Christus Helfer und Bruder geworden ist, in deren Lebensweg Christus eingetreten ist und mit auf dem Weg ist als Kyrios, als Herr!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist der Weg, den Gottes Liebe schon lange in Jesus Christus erdacht hat, ein Weg der Gemeinschaft und Nachfolge mit Christus. Das gilt f\u00fcr die erw\u00e4hnte Studentin im Fach Sozialp\u00e4dagogik und f\u00fcr den Theologiestudenten, die in der Studentengruppe dar\u00fcber sprachen, wie sie ihr Lebensprojekt sinnvoll gestalten wollen. Das gilt f\u00fcr die Gemeindeglieder in Korinth, denen unklar blieb und die vergessen hatten, dass Gott sie durch die Predigt des Paulus gew\u00e4hlt und erw\u00e4hlt hat. Das gilt f\u00fcr uns Getaufte, die f\u00fcr Gott in Jesus Christus unermesslich viel wert sind: den, der selbst nichts vorzuweisen hat, dessen er sich r\u00fchmen k\u00f6nnte, erkennt er an, nimmt er an, sch\u00e4tzt er wert als Unikat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und Gottes Umwertung jener ohne Gott vom Menschen gemachten, selbstbezogenen Werte f\u00fchrt die Glaubenden hin zu \u201eguten Werken\u201c der Liebe und der Gerechtigkeit, zu einem Leben aus dem Geschenk der Taufe nach Gottes Willen. \u201eDenn Christus ist <strong>f\u00fcr<\/strong> uns geworden zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung\u201c, zum Leben in der Nachfolge Christi, der uns zur Verantwortung <strong>f\u00fcr<\/strong> andere ruft und beruft. Ihm sei Dank, Ruhm und Ehre!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Verhei\u00dfung gilt am Beginn des Neuen Jahres mit dem anerkennende und wertsch\u00e4tzenden, darum ermutigenden und erm\u00e4chtigenden Gru\u00df des Apostel Paulus, der Jahreslosung 2024: \u201eAlles was ihr tut, geschehe in der Liebe\u201c (1 Kor 16, 14). Denn Christus ist <strong>f\u00fcr<\/strong> uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Gnade Gottes in Jesus Christus, die h\u00f6her ist als menschliche Vernunft und Macht, bewahre unsere Herzen und Sinne und unser Tun im Glauben an Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lied: EG 410, 1 &#8211; 4<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. Dr. Michael Plathow, Pfr. i. R., Beintweg 41, 69181 Leimen, <a href=\"mailto:michael@plathow\">michael@plathow<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eChristus f\u00fcr uns \u2026\u201c | 1. 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