{"id":19379,"date":"2024-01-08T07:21:04","date_gmt":"2024-01-08T06:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19379"},"modified":"2024-01-08T15:31:47","modified_gmt":"2024-01-08T14:31:47","slug":"johannes-45-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-45-26\/","title":{"rendered":"Johannes 4,5-26"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Nicht ein Traum-Gott, sondern der wirkliche Gott, der Vater Jesu Christi | 2. So. n. Epiphanias | 14.01.2024 | Joh 4,5-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Komm, du guter Heiliger Geist, und rede das Wort Gottes, so dass wir uns bekehren \u2013 und glauben. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist nicht leicht zu sagen, was mit uns geschehen ist. Ob es an einem wachsenden Gef\u00fchl von Unsicherheit im Leben liegt, ob es nur ein Modeerscheinung ist, oder ob es vielleicht daran liegt, dass wir langsam zu ahnen beginnen, dass wir es mit etwas anderem und mehr zu tun haben als uns selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht ist es gar etwas noch anderes, aber nichtsdestoweniger habe ich in den letzten paar Jahren bemerkt, dass immer mehr Menschen beginnen, sich in ihren Gedanken der Religion zuzuwenden. Das ist f\u00fcr mich einerseits eine gro\u00dfe Hilfe in der Begegnung mit all den verschiedenen Menschen, mit denen ich in meinem Beruf zu tun habe, dass hier ein Ausgangspunkt zu bestehen scheint, an den man ankn\u00fcpfen kann. Es ist aber \u00fcberhaupt durchaus erfreulich, dass etwas von unserer d\u00e4nischen Verlegenheit in diesem Punkt langsam verschwindet, wenn auch nicht sehr, so doch wenigstens ein wenig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eines der Bekenntnisse, die man immer wieder h\u00f6rt, lautet etwa so: \u201eIch glaube jedenfalls, dass es etwas gibt, das gr\u00f6\u00dfer ist als wir selbst\u201c. Diese Formulierung taucht \u00fcberall auf, wenn man denn darauf achtet. Im Gespr\u00e4ch am Mittagstisch, in den weichen Sofas in Fernsehsendungen, und sie hat sich wie so viel anderes dieser Art in die Volkskirche eingeschlichen. Es ist nicht lange her, dass ich an einem Fortbildungslehrgang teilnahm, wo ich fast inquisitorisch gefragt wurde, ob ich an etwas glaube, das gr\u00f6\u00dfer ist als ich selbst \u2013 worauf ich antwortete, dass ich einmal mit eigenen Augen einen richtigen Elefanten gesehen habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Antwort gefiel nicht! Kein Wunder, denn das war schnodderig gesagt, wo ich doch sehr wohl wusste, was gemeint war \u2013 auch wenn ich nat\u00fcrlich meine, dass das eine tief mystische Frage ist in einer Versammlung von Pastoren, die das Pfarrergel\u00fcbde unterschrieben haben, \u201eim Angesicht des allwissenden Gottes\u201c und \u201emit dem J\u00fcngsten Gericht vor Augen\u201c, wie es im d\u00e4nischen Pfarrergel\u00fcbde so pathetisch hei\u00dft. Und wenn ich mich nun dennoch kritisch mit der Formulierung \u201eetwas, was gr\u00f6\u00dfer ist als uns selbst\u201c auseinandersetze, so nat\u00fcrlich nicht deshalb, weil ich nur Lachen \u00fcbrig h\u00e4tte f\u00fcr das Suchen der Menschen oder ihre Zweifel. Wie gesagt, das kann ein ausgezeichneter Ausgangspunkt sein f\u00fcr ein weiteres Gespr\u00e4ch dar\u00fcber, was \u2013 oder wer \u2013 dieses \u201eGr\u00f6\u00dfere\u201c wohl ist. Es ist eher deshalb, weil man mit einem solchen Bekenntnis, das so luftig ist, dass es entweder bei einer Mahlzeit ausgelegt werden kann oder andererseits sich wenden und beugen lassen kann, je nachdem wie der Wind bl\u00e4st, und damit Gefahr l\u00e4uft, den Bezug zum Leben zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle \u2013 auch wir, die heute hier in der Kirche sitzen \u2013 k\u00f6nnen uns sicher darin einig sein, dass es sehr sch\u00f6n ist, wenn nun Gott nicht allzu konkret wird. Denn dann kann man ja auch selbst Gott so formen, wie man es f\u00fcr gut h\u00e4lt und wie ein Gott zu sein hat. Und so kann man dann sich daran machen, eine eigene hausgemachte Dogmatik zusammen zu stricken, etwa etwas in diesem Stil: \u201eDem Menschen muss es gut gehen, und das findet Gott auch. Gott ist lieb und m\u00f6chte, dass es uns gut geht und dass wir auch allen anderen g\u00f6nnen, dass es ihnen gut geht, so dass alles gut geht und Gott der Allerliebste ist. Und Erl\u00f6sung ist dasselbe wie Sicherheit, denn wir meinen ja, dass es schade ist, dass wir es mit einem so unsicheren Leben zu tun haben. Und das findet Gott auch, deshalb will Gott uns helfen, die Welt zu einem angenehmeren Ort zu machen, indem er \u00fcber allem schwebt und daran appelliert, dass wir uns anst\u00e4ndig auff\u00fchren und nicht so unangenehm zueinander sind\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und auf diese Weise kann man ja leicht sich selbst erheben, sowohl \u00fcber Gott als auch \u00fcber die Verantwortung, die aus einem Verh\u00e4ltnis zu ihm folgt, aber auch \u00fcber die Welt und die Verantwortung, die daraus folgt, dass wir in ihr eine bestimmte Aufgabe haben. Das Problem ist nur, dass man dann weder mit Gott oder der Welt zu tun hat. Vielmehr ist das ein Traum-Gott und eine Traum-Welt, eine entartete Verl\u00e4ngerung eigener Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Evangelium, wie wir es heute geh\u00f6rt haben, drau\u00dfen am Brunnen von Sychar, da werden wir also zusammen mit der samaritanischen Frau aus unserer Ratlosigkeit gerissen, heraus aus den h\u00f6heren L\u00fcften, und werden an unseren rechten Platz verwiesen, n\u00e4mlich eben hier in der Welt, die wirklich die unsrige ist. Hier wo wir in sie gestellt sind an einem bestimmten Ort mit einer bestimmten Aufgabe und einer bestimmten Verantwortung, aus der wir uns nicht einfach wegtr\u00e4umen k\u00f6nnen \u2013 etwas, woran uns unsere K\u00f6nigin Margrethe \u00fcbrigens sehr gut erinnern konnte, und wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass der kommende K\u00f6nig dies auch tun wird! Und was genauso wichtig ist: Wir stehen in dieser Verantwortung vor Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eben nicht der Gott als \u201eirgendetwas, was gr\u00f6\u00dfer ist als wir selbst\u201c. Nicht als eine unkonkrete und ferne kosmische Kraft, die wir nicht kennen, sondern als der Gott, der zu uns gekommen ist \u2013 als einer von uns \u2013mit dem K\u00f6rper eines Menschen und dem Namen eines Menschen, um das Leben eines Menschen zu leben mit all dem, was dazu geh\u00f6rt, so dass wir also Gott kennen und wiedererkennen k\u00f6nnen, eben hier in dem unsicheren Leben, das nun einmal unser Leben ist. So wie Gott uns kennt und wiedererkennt \u2013 au\u00dfen und innen und alles inklusive \u2013 und sich dennoch zu uns bekennt als seine geliebten Kinder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass das Leben aus diesem Grund dann dennoch weniger unsicher wird. Dann w\u00e4ren wir zur\u00fcck in der Traumwelt, aber Gott will ja gerade, dass wir <em>dieses<\/em> Leben leben. Indem Gott uns am Konkreten festh\u00e4lt, am Verh\u00e4ltnis zu Gott und am Verh\u00e4ltnis zu unserem N\u00e4chsten, will er verhindern, dass wir in diesem Leben den Halt verlieren, so dass wir nicht pl\u00f6tzlich abheben und uns im Kreise drehen \u2013 z.B. um uns selbst. Hoch fliegen und tief fallen, wie es in D\u00e4nemark hei\u00dft. Denn dann haben wir auch die Freiheit, die uns gegebene Aufgabe und Verantwortung auf uns zu nehmen, n\u00e4mlich das Leben so zu leben, wie es ist, einander zu lieben so gut, wie wir er verm\u00f6gen. Im Vertrauen darauf: Wenn es uns nun nicht gelingt, wenn wir erkennen m\u00fcssen, dass wir gar nicht so lieb sind, wenn es darauf ankommt, und wenn sich einmal der Tod \u00fcber uns senkt und das seine fordert, dass wir dann nicht uns selbst und unseren eigenen Tr\u00e4umen \u00fcberlassen sind. Dass wir vielmehr unsere Vergebung der S\u00fcnden in Jesus Christus haben. Der f\u00fcr uns lebte und starb und auferstand, der noch heute zu uns spricht, und der uns eines sch\u00f6nen Tages herausrufen wird aus dem Grabe zu einem ewigen Leben im Reiche Gottes, wo wir ihn sehen werden, wie er ist, und wo wir jubeln werden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSeht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder hei\u00dfen sollen \u2013 und wir sind es auch\u201c (1. Joh. 3,1).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht ein Traum-Gott, sondern der wirkliche Gott, der Vater Jesu Christi | 2. So. n. 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