{"id":1938,"date":"2020-02-09T11:13:25","date_gmt":"2020-02-09T10:13:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=1938"},"modified":"2020-02-22T11:15:17","modified_gmt":"2020-02-22T10:15:17","slug":"die-herausforderung-salz-und-licht-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-herausforderung-salz-und-licht-zu-sein\/","title":{"rendered":"Die Herausforderung, Salz&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Matth\u00e4us 5:13-16 | verfasst von Stella Maris Frizs | \u00fcbersetzt aus dem Spanischen von Michael Nachtrab |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>unser Text ist nach den Seligpreisungen Teil der sogenannten Bergpredigt.<\/p>\n<p>Salz oder Licht zu sein, ist die Konsequenz eines Lebens gem\u00e4ss der Lehren Jesu. \u201eIhr seid&#8220; ist ein Hinweis darauf, dass jeder Christ mit seinem Leben die Liebe Gottes f\u00fcr die ganze Menschheit widerspiegeln sollte.<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass Jesus diese beiden Elemente der Natur ausgew\u00e4hlt hat, um unsere Rolle als Christen in der Welt aufzuzeigen, denn beide (Salz und Licht) enthalten Eigenschaften, die f\u00fcr das Leben \u00e4u\u00dferst unverzichtbar sind. Beide sind notwendig und n\u00fctzlich, nicht f\u00fcr sich selbst, sondern f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst die Funktion des Salzes: Wozu dient es, und welchen Wert hatte es, vor allem in der Antike?<\/p>\n<p>Das Salz hat mehrere Funktionen:<\/p>\n<ol>\n<li>a) Salz ist ein Konservierungsmittel, das das Verderben verhindert. Da es zu Jesu Zeiten weder Gefrier- noch K\u00fchlschr\u00e4nke gab, erf\u00fcllte Salz die Funktion, insbesondere Fleisch und Fisch vor der Zersetzung zu bewahren. Daher stammen die P\u00f6kelfleisch und der Kabeljau.<\/li>\n<li>b) Salz war und ist ein W\u00fcrzmittel f\u00fcr Lebensmittel. Eine Mahlzeit ohne Salz hat keinen Geschmack. Es ist geschmacklos, fad. Mit anderen Worten, es w\u00fcrzt gut.<\/li>\n<li>c) Salz hat auch mit unserer Art zu sprechen zu tun. In Kolosser 4,6 hei\u00dft es: \u201eEuer Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gew\u00fcrzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.\u201c<\/li>\n<li>d) Dar\u00fcber hinaus hatte Salz kultische und opferbezogene Konnotationen. Jedes Opfer musste als Zeichen der Best\u00e4ndigkeit des B\u00fcndnisses gesalzen werden. In Levitikus 2,13 hei\u00dft es: \u201eAlle deine Speisopfer sollst du salzen, und dein Speisopfer soll niemals ohne Salz des Bundes deines Gottes sein; bei allen deinen Opfern sollst du Salz darbringen.\u201c<\/li>\n<li>d) Es verhindert die Dehydratation. Ohne Salz funktionieren die Zellen nicht, sie vermehren sich nicht, weil Salz die Hydratation der Zelle reguliert.<\/li>\n<li>f) Es wurde auch zum Ausbrennen von Wunden und zur Vermeidung von Infektionen verwendet.<\/li>\n<li>g) In Wasser aufgel\u00f6st, wurde es zur Sterilisierung von Feldern und von zerst\u00f6rten St\u00e4dten verwendet.<\/li>\n<li>h) Es wurde auch zur Beschichtung der W\u00e4nde von Haushalts\u00f6fen verwendet, da es den Heizwert von Holz erh\u00f6hte.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Kann Salz aufh\u00f6ren, zu salzen, oder kann es seine Wirkung verlieren und nutzlos werden? Nat\u00fcrlich!<\/p>\n<p>Allein die Beschichtung der \u00d6fen mit Salz, um die Hitze konstant zu halten, verlor nach zehn Jahren seinen Nutzen. Nach dieser Zeit verlor das Salz seine kalorische Kraft und erf\u00fcllte nicht mehr seinen Zweck. Es wurde dann auf die Stra\u00dfe geworfen, wo es mit der Erde vermischt und von Menschen zertrampelt wurde.<\/p>\n<p>Betrachten wir nun die Funktionen des Lichts: Was ist seine N\u00fctzlichkeit, seine Wert?<\/p>\n<ol>\n<li>a) Licht erleuchtet, bringt Klarheit, l\u00e4sst uns sehen, leuchtet. In den dunklen H\u00e4usern Pal\u00e4stinas wurden den ganzen Tag lang Lampen benutzt. Die Lampen waren Beh\u00e4lter mit \u00d6l, in denen ein Docht schwamm.<\/li>\n<li>b) Licht gibt W\u00e4rme. Ein angez\u00fcndetes Feuer, ein Lagerfeuer, die Sonne, die uns durch ihre Strahlen sch\u00fctzt: alles tr\u00e4gt dazu bei, dass wir uns geborgen f\u00fchlen.<\/li>\n<li>c) Licht gibt Leben. Ohne das Licht der Sonne w\u00fcrde nichts wachsen. Es ist f\u00fcr die Photosynthese der Pflanzen notwendig.<\/li>\n<li>d) Licht dient als Warnung im Angesicht der Gefahr. Vor allem auf der Stra\u00dfe, im Falle eines Unfalls, eines Umwegs.<\/li>\n<li>e) Licht dient als Leitfaden. Zum Beispiel die Bojen im Fluss oder einfach eine Taschenlampe, um den Weg aus zuleuchten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Kann das Licht seine Aufgabe nicht erf\u00fcllen? Nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Wenn die Lichter auf einer Strecke ausgeschaltet sind, erf\u00fcllen sie ihren Zweck nicht.<\/p>\n<p>Oder wenn Familien aus ihren prek\u00e4ren H\u00e4usern in Pal\u00e4stina f\u00fcr einige Stunden abwesend waren, deckten sie die Lampe aus Sicherheitsgr\u00fcnden mit einem Topf ab.<\/p>\n<p>Deshalb sagt Jesus: \u201eMan z\u00fcndet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.\u201c<\/p>\n<p>Also gut, Jesus sagt uns kategorisch: \u201eIhr seid\u201c. Er sagt nicht \u201ees w\u00e4re gut, wenn ihr es w\u00e4rt&#8220; oder vielleicht \u201eIhr k\u00f6nntet sein&#8220;.<\/p>\n<p>Was meint Jesus mit diesem Mandat?<\/p>\n<p>Er grenzt einfach ab und spezifisiert die Rolle, die jeder Christ in dieser Welt hat.<\/p>\n<p>Nicht jedoch as Kompliment, sondern als Hinweis darauf, wie notwendig und gleichzeitig wie schwierig die Aufgabe ist, die wir erf\u00fcllen m\u00fcssen. Wir sind nicht aufgefordert, Zuschauer zu sein, sondern Akteure inmitten einer Gesellschaft, in der Dunkelheit herrscht und in der das Leben eher fad erscheint.<\/p>\n<p>Jesus ruft uns auf, menschliche Beziehungen zu w\u00fcrzen, damit es nicht an Freude, Vertrauen und Toleranz mangelt; die Gesellschaft, die Gemeinschaft, zu erhalten, damit sie nicht durch arrogante, egoistische und wenig hilfreiche Haltungen verdorben wird; die Salonf\u00e4higkeit von vulg\u00e4ren, absurden und sogar beleidigenden Kommentaren zu vermeiden oder zu verhindern.<\/p>\n<p>Wir sind aufgerufen, das Salz zu sein, das nach Treue, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden schmeckt. Dieses Salz wirkt ins Leben hinein, um Menschen mit den Aromen des Evangeliums, des Zeugnisses und der Diakonie zu erreichen.<\/p>\n<p>Jesus sagte seinen J\u00fcngern, dass sie Salz in sich haben sollten: \u201eDas Salz ist gut; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit werdet ihr&#8217;s w\u00fcrzen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander!\u201c (Mk 9,50)<\/p>\n<p>Jesus ruft uns auf, Licht zu sein. Aber zuerst m\u00fcssen wir uns von der Lichtquelle ern\u00e4hren, um in der richtigen Menge und Intensit\u00e4t zu strahlen. Nicht uns und das Licht aus Angst zu verstecken, aber auch nicht um zu blenden.<\/p>\n<p>Jesus vergleicht uns mit einem Licht, das W\u00e4rme, Verst\u00e4ndigung und Zuneigung ausstrahlt. Wir sind aufgerufen, mit unserem eigenen Leben das Leben anderer zu erhellen.<\/p>\n<p>In Epheser 5,8-9 sagt er: \u201eIhr wart fr\u00fcher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p>Das Buch &#8222;<em>Ilumina tu vida<\/em>&#8220; (Erleuchte dein Leben) von Jos\u00e9 Bernardone enth\u00e4lt eine sehr anschauliche Geschichte:<\/p>\n<p>Es war einmal, vor Hunderten von Jahren, in einer Stadt im Osten, ein Mann, der eines Nachts mit einer brennenden \u00d6llampe durch die dunklen Stra\u00dfen ging. In solchen mondlosen N\u00e4chten war die Stadt sehr dunkel. Irgendwann traf er einen Freund. Der Freund schaute ihn an und erkannte ihn pl\u00f6tzlich wieder. Ihm war klar, dass es sich um Guno, den Blinden des Dorfes handelte. Also sagte er zu ihm:<\/p>\n<p>\u201eWas machst du, Guno, du blinder Mann, mit einer Lampe in der Hand? Du kannst doch sowieso nicht sehen&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Dann antwortete ihm der blinde Mann: \u201eIch trage die Lampe nicht, um meinen Weg zu sehen. Ich kenne die Dunkelheit der Stra\u00dfen auswendig. Ich trage das Licht, damit andere ihren Weg finden, wenn sie mich sehen&#8230;\u201c (\u00dcbersetzung: Michael Nachtrab)<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn wir alle den Weg der anderen erleuchten w\u00fcrden!<\/p>\n<p>Wie gut w\u00e4re es, wenn diejenigen, die wenig oder nichts von Gottes Liebe wissen, sich ihm durch das, was sie in uns sehen, n\u00e4hern k\u00f6nnten: durch unser Lebensstil, unsere Einstellungen, unsere Art, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, unser Verhalten.<\/p>\n<p>Als Christen k\u00f6nnen wir uns nicht verstecken oder verbergen, sondern m\u00fcssen wie eine Stadt auf dem Gipfel eines H\u00fcgels sein.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Herausforderung dieses Tages besteht darin, Gutes zu tun, uns selbst zu verzehren wie die Kerzen, die immer kleiner werden, je mehr Licht sich ausstrahlen. Es wird f\u00fcr alle ein guter Grund sein, unseren Vater im Himmel zu loben.<\/p>\n<p><em>Herr, lass uns jenes Salz der Erde sein, das f\u00e4hig ist, das Leben unserer Mitmenschen zu w\u00fcrzen, zu erhalten und zu reinigen. <\/em><\/p>\n<p><em>Lass uns mit dem Licht leuchten, das von dir kommt, damit wir die Menschen um uns herum erleuchten, leiten und ihnen W\u00e4rme geben k\u00f6nnen. Amen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"fuss\">\nPfarrerin Stella Maris Frizs<br \/>\nBasavilbaso (Entre Rios) \u2013 Argentinien<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:stellafrizs@hotmail.com\">stellafrizs@hotmail.com <\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Matth\u00e4us 5:13-16 | verfasst von Stella Maris Frizs | \u00fcbersetzt aus dem Spanischen von Michael Nachtrab | Liebe Gemeinde, unser Text ist nach den Seligpreisungen Teil der sogenannten Bergpredigt. 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