{"id":19425,"date":"2024-01-17T09:00:18","date_gmt":"2024-01-17T08:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19425"},"modified":"2024-01-17T16:02:24","modified_gmt":"2024-01-17T15:02:24","slug":"johannes-1223-33-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1223-33-2\/","title":{"rendered":"Johannes 12,23-33"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Dritter Sonntag nach Epiphanias | 21.01.24 | Joh 12,23-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | \u00a0Christiane Gammeltoft Hansen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201dIch liebe die bunte Welt\u201d<a href=\"applewebdata:\/\/0A2A76DA-0160-4CC0-B58B-C6B1C77489EA#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hat uns nach seinem Bilde geschaffen \u2013 aber nur nach seinem Bilde, nicht wie sich selbst. Wir sind Menschen mit Leib und Seele, in denen sich ein Abdruck Gottes befindet, wo aber zugleich auch Platz ist f\u00fcr uns selbst. Wir sind Gesch\u00f6pfe, die sich von ihrem Ursprung unterscheiden. So verh\u00e4lt es sich auch mit der Welt. Die Welt ist gegeben, aber mit uns bewegt sie sich auch auf eigenen Bahnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Evangelist Johannes spricht von einer Doppelheit, und davon dass es damit beginnt, das uns das Leben gegeben ist, dass aber das Leben auch das ist, was wir aus ihm machen. Dass wir die sind, die Gott geh\u00f6ren, zugleich aber auch die, die sich losrei\u00dfen. Da sind gleichsam zwei Ichs. Ein Ungleichgewicht in uns und der Einrichtung der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00f6gen nicht Worte wie \u201eS\u00fcnde\u201c und \u201eGericht\u201c. Das klingt fremd, barbarisch und ohne G\u00fcltigkeit in Bezug auf die Art und Weise, wie wir uns selbst als Menschen verstehen. Und dennoch sind wir die, die in dieser Doppelheit leben und von den eigenen Fehlern und denen anderer Menschen betroffen sind. Und auch wenn Johannes den F\u00fcrsten dieser Welt nicht beim Namen nennt, so kennen wir ihn sehr wohl. Wir sind ihm in verschiedener Gestalt und Verkleidung begegnet, und immer, wenn er oder sie auftreten, ist die Welt dadurch finsterer und unbewohnbarer geworden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte der Welt ist eine Geschichte, die nicht ohne Fiaskos und ohne Verbrechen ist. Aber deswegen geradezu das Leben lassen in der Welt, wie Johannes das sagt? Wie sollten wir das? Wir sind doch mit der Welt verbunden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alles Versagen hassen wir \u2013 nat\u00fcrlich tun wir das. Und immer, wenn ein Krieg zu Ende ist, sagen wir: Nie wieder. Wir sch\u00e4men uns, wir liegen wach in der Nacht wegen all dem, was wir h\u00e4tten anders machen sollen, oder dem, was wir nicht getan haben. Und wir k\u00f6nnen uns und einander nicht wiedererkennen, wenn wir uns zu sehr von unserer Gottesebenbildlichkeit entfernen. Da gibt es reichlich, was wir verw\u00fcnschen und verdammen. Aber dennoch ist die Welt unsere Heimat, so wie der K\u00f6rper die Wohnung der Seele ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also die Welt hassen, was meint Johannes damit? Sind das ganz gew\u00f6hnliche Dinge, die wir hassen sollen? Die allt\u00e4gliche Routine, Dinge, die wir immer wieder tun, nach einer Tasse greifen, sie zum Munde f\u00fchren, einen Schluck nehmen. Will er uns damit sagen, dass das gleichg\u00fcltig ist und ohne Bedeutung?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was dann mit der Liebe, die nicht gro\u00dfspurig ist und dem Mitmenschen gilt? All die Liebe, die all den Dingen drau\u00dfen in der \u00e4u\u00dferen Welt gilt? Wie z.B. eine Tasse halten und entdecken, dass in der einfachen Form eine Sch\u00f6nheit liegt? Zu merken, wie sich der Griff und die Hand miteinander verbinden und wie der Rand schwer auf den Lippen ruht. Einen Schluck des schwarzen, warmen Getr\u00e4nks zu sich nehmen und erleben, wie sich die Nasenl\u00f6cher \u00f6ffnen, als sp\u00fcrten sie Wind, wenn das Aroma des Kaffees in das Gesicht weht. Diese ganz gew\u00f6hnliche Erfahrung, die vielleicht f\u00fcr den gleichg\u00fcltig ist, der nicht in Kaffeepausen denkt, sondern nur in Ewigkeit, die aber f\u00fcr einen gew\u00f6hnlichen Sterblichen eine der Wiederholungen ist, auf die man sich sehr wohl freuen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist viel im \u00dcblichen, auf das wir verzichten k\u00f6nnten, aber da ist auch viel, was uns fehlen w\u00fcrde. Wie also sollen wir unser Leben in der Welt insgesamt hassen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die F\u00fcrsten der Welt sind auch nicht nur von einer Art. Da sind F\u00fcrsten, die nicht nur f\u00fcr sich selbst Platz schaffen, sondern auch die Bedingungen f\u00fcr mehr Menschlichkeit schaffen. Was ist das f\u00fcr ein Gericht, das \u00fcber sie und unsere Welt ergehen soll?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Raum, den wir in uns selbst haben, w\u00e4re es denkbar, dass der nicht nur ein Ort der S\u00fcnde ist?\u00a0 Vielmehr ein Ort, wo auch ein Dialog mit Gott stattfindet? Wo der erforderliche Abstand existiert, damit wir etwas Neues entdecken und mit dem Bewusstsein leben, dass da mehr zu verstehen und zu erwarten ist?\u00a0 Oder wenn nicht das, wenn es ausschlie\u00dflich das autonome Selbst ist, das sich etwas Platz verschafft hat, w\u00e4re es dann denkbar, dass dies dennoch nicht nur ein Ort ist f\u00fcr Eigeninteresse, sondern auch ein Ort, von dem wir \u00fcber uns selbst hinausreichen? Und dass so von hier aus hin und wieder eine Bewegung angesto\u00dfen wird, die \u00fcberraschend sein k\u00f6nnte \u2013 auch f\u00fcr den Urheber selbst \u2013 und wer wei\u00df, vielleicht k\u00f6nnte das direkt in den Armen des Heiligen enden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das sind unabgeschlossene Gedanken, aber Johannes kann zu solchen Gedanken anregen. Und sollen wir das alles in einer einzigen Frage zusammenfassen, m\u00fcsste es die sein: Wie soll das G\u00f6ttliche uns betreffen, wenn es nicht etwas zu tun hat mit unserem Leben in der Welt in all seiner Zweideutigkeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute ist der letzte Sonntag der Epiphanias-Zeit (nach dem d\u00e4nischen Kirchenjahr). Hier offenbart sich Gott selbst, zeigt uns, wer er ist. Und das, als was er sich uns zeigt, ist ein Mensch. Ein Mensch mit einem K\u00f6rper, der in der Welt lebt. Wenn in dieser Offenbarung eine Antwort auf unsere Frage, kann die Antwort kaum eine andere sein als die, dass wir nicht die Welt geringachten sollen, in die Gott selbst gekommen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit Jesus geschieht eine Verwandlung des Lebens. Da ist noch diese doppelte Wirklichkeit, aber Jesus verbindet die Doppelheit und er\u00f6ffnet damit auch die M\u00f6glichkeit daf\u00fcr, dass wir in einer Einheit von Welt und Ewigkeit leben k\u00f6nnen, dass auch f\u00fcr uns eine Verschmelzung vom Allt\u00e4glichen und Heiligen, von \u00c4u\u00dferem und Innerem, von Gott und Mensch geschehen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben als Empf\u00e4nger. Dagegen verschie\u00dfen wir uns, wenn wir uns zur\u00fcckziehen in unsere eigenen selbsteingerichteten R\u00e4ume. Vielleicht ist die Aufforderung zum Hass vor allem eine Aufforderung dazu, dass wir das nicht einengen und damit selbst einschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Welt, die lieben wir. Nicht alles, was in der Welt ist, nicht alles, was aus ihr geworden ist, aber viel, was von der Welt ist und in der Welt ist, verbinden wir mit Dankbarkeit. In dieser Welt und in diesem verg\u00e4nglichen Leben machen wir auch unsere Ewigkeitserfahrungen. Was wir von der Ewigkeit wissen, das haben wir von dem Ort dieses Augenblicks.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie z.B. die Erfahrung von Ewigkeit, die ein Morgen schenken kann. Einer dieser Morgen, wo man von selbst erwacht und wo man in dem kurzen Augenblick zwischen Schlaf und vollem Bewusstsein ewig ist &#8211; ohne Alter, ohne Geschichte, nur lebend. Erwachen ist eine allgemeine Erfahrung. Dazu sind die Morgen da, aber da kann auch et was Ewiges hineinspielen, das f\u00fcr einen Augenblick die Doppelheit aufhebt. Nur einen Augenblick, denn kurz danach erinnert man sich wieder an sein Alter und daran, was gestern geschah. Kurz danach muss man den K\u00f6rper in Gang bringen und sich aus den Federn erheben. Ud die t\u00e4gliche Routine beginnt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man geht in die K\u00fcche, macht eine Tasse Kaffee, nimmt die Tasse Kaffee in die Hand, l\u00e4sst den Rand die Lippen ber\u00fchren, weitet die Nasenl\u00f6cher aus. Und dann ist man wieder da \u2013 im Ewigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Laufe eines solchen Tages kann es zu nicht so wenigen Augenblicken kommen, wo die Doppelheit aufgehoben ist und wir nur einfach leben. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Christiane Gammeltoft-Hansen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2000 Frederiksberg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: cgh(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/0A2A76DA-0160-4CC0-B58B-C6B1C77489EA#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Titel eines beliebten d\u00e4nischen Liedes aus dem Liederbuch der Heimvolkshichschulen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dritter Sonntag nach Epiphanias | 21.01.24 | Joh 12,23-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | \u00a0Christiane Gammeltoft Hansen | \u201dIch liebe die bunte Welt\u201d[1] Gott hat uns nach seinem Bilde geschaffen \u2013 aber nur nach seinem Bilde, nicht wie sich selbst. 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