{"id":19450,"date":"2024-01-22T06:20:47","date_gmt":"2024-01-22T05:20:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19450"},"modified":"2024-01-23T19:31:17","modified_gmt":"2024-01-23T18:31:17","slug":"2-korinther-46-10-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-46-10-4\/","title":{"rendered":"2.Korinther 4,6-10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Zerbrechlich &#8211; aber\u2026 | 4. Sonntag nach Epiphanias | 28.01.2024 | 2.Kor 4,6-10 | Luise Stribrny de Estrada |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hat uns Hoffnung und Zukunft gebracht;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">es gibt Trost, es gibt Halt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">in Bedr\u00e4ngnis, Not und \u00c4ngsten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ist wie ein Stern in der Dunkelheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Radio spielt ein Lied von Sting \u201eHow fragile we are.\u201c \u201eWie zerbrechlich wir sind, sagt uns der Regen immer wieder\u201c. Ich mag das Lied und singe den Refrain mit: \u201eOn and on the rain will fall like tears from a star. On and on the rain will say how fragile we are.\u201c Auf deutsch: \u201eImmer und immer wird der Regen fallen wie Tr\u00e4nen eines Sterns. Immer und immer wird der Regen uns sagen, wie zerbrechlich wir sind.\u201c Ich entdecke, als ich den Text lese, dass der S\u00e4nger Sting hier ein Lied gegen den Krieg geschrieben hat. Das passt in unsere Zeit mit dem Krieg zwischen Israel und der Hamas, der Ukraine gegen Russland und den vielen anderen Kriegen in der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele von uns sp\u00fcren, dass das Leben zerbrechlicher geworden ist: Es gibt Kriege in unserer N\u00e4he, die Auswirkungen der Klimakrise sind zu merken, die Politik der AfD trifft auf wachsende Zustimmung, weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht \u2013 sicherlich fallen Ihnen noch weitere Krisen ein, die uns verunsichern und herausfordern. Das ist die Welt, die wir miteinander teilen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daneben gibt es das, was wir im Familien- und Freundeskreis oder in der Kirchengemeinde erleben: Als ich vor einigen Wochen mit einer Freundin sprach, erz\u00e4hlte sie mir: \u201eIch muss n\u00e4chste Woche ins Krankenhaus. Beim MRT haben sie festgestellt, dass ich einen Tumor im Gehirn habe. Er muss herausoperiert werden. Die \u00c4rzte meinen, er sei gutartig, aber genau wissen kann man es nur, wenn er entfernt und untersucht worden ist. Ich habe Angst.\u201c Ich bin schockiert, weil das f\u00fcr mich aus heiterem Himmel kommt. Dann versuche ich meiner Freundin Mut zu machen. Ich verspreche ihr, mich nach der Operation zu melden, an sie zu denken und f\u00fcr sie zu beten. Die Operation verl\u00e4uft gut, aber es steht noch der Laborbefund aus. Es dauert und dauert. Endlich meldet sie sich bei mir: \u201eEs ist alles in Ordnung, der Tumor war gutartig.\u201c Sie ist erleichtert, wie neu geboren, ein Stein ist ihr von der Seele gefallen \u2013 und ich lasse mich mit hineinnehmen in ihre Freude. Wie gut, dass es so ausgegangen ist! Was f\u00fcr ein Segen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir haben \u2026 diesen Schatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen\u201c (\u00dcbersetzung: Luther) schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth. Die irdenen Gef\u00e4\u00dfe, das sind unsere K\u00f6rper. Von Gott geformt aus Erde, wie es die Sch\u00f6pfungsgeschichte erz\u00e4hlt. Unser K\u00f6rper ist wie ein Krug aus Ton, sch\u00f6n anzusehen, aber leicht zu zerbrechen, leicht zu besch\u00e4digen, gar zu zerst\u00f6ren. \u201eHow fragile we are.\u201c Paulus bleibt aber dabei nicht stehen: Er spricht von einem Schatz, den wir in unseren Herzen haben, einen hellen Schein, den Gott dort hineingelegt hat. Dieser helle Schein ver\u00e4ndert alles. Er sorgt daf\u00fcr, dass wir unserer Zerbrechlichkeit etwas entgegensetzen k\u00f6nnen. Sie ist nicht das einzige, das unser Leben bestimmt. Daneben gibt es den Schatz, durch den Gott uns stark macht und uns die Kraft zu widerstehen gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Paulus klingt das so: \u201eVon allen Seiten werden wir bedr\u00e4ngt \u2013 doch wir haben Raum. Wir wissen nicht weiter \u2013 doch wir verzweifeln nicht. Wir werden verfolgt \u2013 doch nicht von Gott im Stich gelassen. Wir werden zu Boden geworfen \u2013 doch wir gehen nicht zugrunde.\u201c (\u00dcbersetzung: BigS) Der Apostel und Missionar Paulus erlebt eine andere Situation als wir, wir Christinnen und Christen werden hier in Deutschland nicht verfolgt. Am ehesten trifft auf uns zu, dass wir nicht weiterwissen. Ich empfinde die Kirche, also uns, oft als \u00fcberfordert von Kirchenaustritten, abnehmenden Mitgliederzahlen, wenigen Pastorinnen und Pastoren, die nachkommen, der Debatte um Missbrauch und sexualisierte Gewalt und der Frage: Wie k\u00f6nnen wir die Zukunft der Kirche gestalten? Paulus w\u00fcrde wahrscheinlich sagen: Ja, das ist so, und es ist schwierig, aber ihr seid nicht allein. Gott l\u00e4sst euch und seine Kirche nicht im Stich. Vertraut ihm. Es werden sich Wege finden, auch wenn Vieles anders wird. Ihr braucht nicht zu verzweifeln. Gott stellt eure F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht weiter im Brief des Paulus an die Korintherinnen und Korinther, er schreibt: \u201eImmer tragen wir das Sterben Jesu an unserem K\u00f6rper mit uns. Genauso erscheint an unserem K\u00f6rper auch das Leben Jesu.\u201c (\u00dcbersetzung: BigS) Das, was uns belastet, die Schwierigkeiten, in denen wir stehen, dass wir nicht weiterwissen, erinnert an das Sterben Jesu. Es ist aber mehr: Indem wir das erleben, tragen wir das Sterben Jesu an unserem eigenen K\u00f6rper mit uns. Wir werden ihm gleichgestaltet. Wir sind \u2013 auf mystische Weise \u2013 so wie Jesus. Es bleibt aber nicht beim Sterben stehen. Auch das Leben Jesu, seine Auferstehung, erscheint an unserem K\u00f6rper. Indem wir nicht untergehen, nicht verzweifeln, sondern uns Gott anvertrauen und neue Hoffnung sch\u00f6pfen, leben wir die Auferstehung. Allem Tod und allem Sterben zum Trotz glauben wir an das Leben durch Gott. Dann werden wir wie Jesus, der den Tod hinter sich gelassen hat und neu und anders lebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hat das einen Bezug zu unserem Leben oder ist es nur hohe Theologie, sch\u00f6ne Worte f\u00fcr meine Sonntagspredigt? Ich glaube, dass wir erleben k\u00f6nnen, wie das Leben sich gegen den Tod durchsetzt und wir trotz unserer Zerbrechlichkeit etwas bewirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am vergangenen Wochenende gab es im ganzen Land Demonstrationen gegen rechts. Tausende, oft Zehntausende gingen auf die Stra\u00dfe, um zu zeigen: Wir sind Demokratinnen und Demokraten. Wir sind weltoffen. Wir wehren uns gegen die Pl\u00e4ne, Menschen mit Migrationshintergrund zu deportieren. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. \u2013 Mir macht das Mut. Ich bin froh \u00fcber die Bilder von Menschenmassen, die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze f\u00fcllen und Flagge zeigen gegen rechts. Zusammen sind wir stark und zeigen, dass wir uns f\u00fcr das Leben, gegen den Tod engagieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6glich ist es, anderen etwas von dem Schatz, den Gott in uns gelegt hat, weiterzugeben, indem wir Kranke besuchen oder uns erkundigen, wie es ihnen geht. Wir k\u00f6nnen ins Krankenhaus gehen oder sie zuhause besuchen. Wir k\u00f6nnen sie anrufen oder ihnen schreiben. Bestimmt freuen sie sich, wenn jemand sich f\u00fcr sie interessiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen etwas von dem Licht in uns weitergeben, wenn wir Kindern und Jugendlichen etwas von Gott erz\u00e4hlen, im Kindergottesdienst, im Kindergarten und im Konfirmandenunterricht. Sie lernen Geschichten der Bibel kennen wie die von Weihnachten und Ostern, vom Verlorenen Sohn, vom Barmherzigen Samariter und vom Auszug aus \u00c4gypten. Sie h\u00f6ren, wie Menschen miteinander umgehen sollten und wie nicht und wie Gott das Leben von Menschen ver\u00e4ndert. Sie nehmen eine Orientierung mit, die ihnen in ihrem Leben weiterhelfen mag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen etwas vom Leben Jesu weitergeben, wenn wir uns f\u00fcr Menschen in Not wie Obdachlose engagieren und zur Sozialkirche werden. In meiner Stadt gibt es ein kirchliches Projekt, bei dem Jugendliche sich einmal w\u00f6chentlich nach der Schule mit Obdachlosen treffen, um mit ihnen zusammen zu kochen. Zuerst schnippeln sie gemeinsam, dann stehen einige zusammen an den Kocht\u00f6pfen und nachher sitzen alle zusammen an langen Tischen und essen die leckere selbstgekochte Mahlzeit. Dabei kommen beide Gruppen miteinander ins Gespr\u00e4ch und stellen fest, dass sie Vieles gemeinsam haben. Vorurteile verfl\u00fcchtigen sich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch wenn wir als Kirche oft nicht weiterwissen und uns fragen, wie die Kirche in Zukunft aussehen wird, bleibt, dass wir zusammen Gottesdienste feiern. F\u00fcr mich ist dabei die Anzahl der Gottesdienstbesucher nicht entscheidend, denn \u201eWo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen\u201c (Mt. 18,20). Es ist auch nicht wichtig, ob modernere oder \u00e4ltere Musik gespielt und gesungen wird, ob es ein Familiengottesdienst oder ein Gottesdienst anl\u00e4sslich einer Goldenen Konfirmation ist, entscheidend ist, dass wir als Gemeinde zusammenkommen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam beten und singen und uns st\u00e4rken lassen von Gottes Wort und von seinem Abendmahl. Dass wir durch die Gemeinschaft im Gottesdienst ein Licht anz\u00fcnden, wo die Finsternis regiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, wir sind verletzlich, zerbrechlich \u2013 so wie Jesus. Was uns geschieht und was in der Welt geschieht, kann uns etwas anhaben. Wir kommen nicht ohne Blessuren davon. Aber wir sind mit Gott verbunden, mehr noch, wir sind wie Jesus geworden. Deshalb verzweifeln wir nicht. Wir haben in unseren Herzen einen Schatz, den uns keiner nehmen kann: den hellen Schein, den Gott dort hineingelegt hat. Es ist der Schein seiner Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir uns darauf verlassen, k\u00f6nnen wir vielleicht, zumindest immer wieder, so leben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Grenzenlos gl\u00fccklich \u2013 absolut furchtlos \u2013 immer in Schwierigkeiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Renate Wind, Dorothee S\u00f6lle 2013).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luise Stribrny de Estrada<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">L\u00fcbeck<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:pastorin.stribrny@gmx.de\">pastorin.stribrny@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luise Stribrny de Estrada, geb. 1965, Pastorin der Nordkirche. Von 2001-2009 Pastorin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Mexiko. Seit 2009 Pastorin in L\u00fcbeck, zun\u00e4chst in der St.Philippus-Gemeinde, die nach der Fusion im Jahr 2022 zur Gemeinde Marli-Brandenbaum geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zerbrechlich &#8211; aber\u2026 | 4. Sonntag nach Epiphanias | 28.01.2024 | 2.Kor 4,6-10 | Luise Stribrny de Estrada | Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; Hat uns Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt, in Bedr\u00e4ngnis, Not und \u00c4ngsten ist wie ein Stern in der Dunkelheit. Amen. 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