{"id":19463,"date":"2024-01-30T17:45:22","date_gmt":"2024-01-30T16:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19463"},"modified":"2024-01-30T17:58:22","modified_gmt":"2024-01-30T16:58:22","slug":"markus-426-32-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-426-32-6\/","title":{"rendered":"Markus 4,26-32"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Sexagesimae | 04.02.24 | Mk 4,26-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus H.C. Drejer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Lied des d\u00e4nischen Liederdichters H.A. Brorson \u201eHier hei\u00dft\u2019s schweigen, tief sich neigen\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/DE0DB424-74FA-402F-A2A2-37BD366EE2CF#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> geh\u00f6rt in diese Zeit, die Lichtmess, die in D\u00e4nemark noch gefeiert wird \u2013 im Februar, im Winter und dennoch schon das kommende Fr\u00fchjahr. Es ist eine alte Tradition, dass man dieses Lied in \u201eschweren Zeiten\u201c singt. Oft ist dieses Lied ein Lied zur Jahreszeit hier im Winter \u2013 seine Bilder beziehen sich auf diese Jahreszeit, Bilder von Schnee und K\u00e4lte. Aber man bedenke: Die D\u00e4nen in S\u00fcdschleswig sangen dies Lied, als sie unter deutscher Herrschaft leben mussten. Und w\u00e4hrend der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg hielt der d\u00e4nische K\u00f6nig Christian X eine ber\u00fchmte Rede an seinem Geburtstag im Jahre 1941, in der er zu Beginn eine Zeile dieses Liedes zitierte: \u201eSchwere Zeiten langsam schreiten\u201c. Denn wir befinden uns in schweren Zeiten, problematischen Zeiten, auch wenn die Sonne scheint und der Frost in der Luft und auf den Feldern klirrt. In diesem Sinne ist es ein kleiner Trost, ein kleines Senfkorn vielleicht, dass K\u00f6nig Christian X damals das Lied Brorsons zitierte, um die D\u00e4nen damit zu tr\u00f6sten, dass der Feind hoffentlich bald nicht mehr D\u00e4nemark unterdr\u00fccken werde und das Volk wieder frei sein m\u00f6ge. Damals dauerte es einige Jahre, bis das geschah. Wir hoffen, dass wir dennoch nur \u201eschweigen und uns neigen\u201c, bis der Sommer das Land ergr\u00fcnen l\u00e4sst \u2013 und die Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Brorson schrieb dieses Lied als eines seiner allerletzten Gedichte. Es erschien erst nach seinem Tod. Brorson dachte vor allem an die Sehnsucht der menschlichen Seele nach Jesus, und wer sehnt sich nicht nach etwas in diesen kalten und dunklen Tagen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, \u201ehier hei\u00dft\u2019s schweigen, tief sich neigen\u201c: Wir m\u00fcssen alle warten, warten auf Tauwetter, aber \u2013 Fr\u00fchling und Sommer sind auf dem Weg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df das. Denn ich sah neulich ein Winterling (d\u00e4nisch Erantis) aus der Erde sprie\u00dfen. Der d\u00e4nische Liederdichter Johannes Johansen hat ein ganzes Lied geschrieben \u00fcber diesen Frostbezwinger, den Winterling. Ja, so wie Grundtvig \u00fcber die Osterblume dichtete als ein Bild f\u00fcr die Auferstehung Jesu. Johansen schreibt in einem Vers in dem kleinen Lied, der im jetzigen Gesangbuch fehlt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann ein Tropfen aus deinem Blut<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcllen uns mit Kraft und Mut?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist deine Gnade stark genug<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">gegen einen Weltuntergang?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und er f\u00e4hrt fort:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ach Winterling, dass du den Mut hast<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das Lied schlie\u00dft:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDank Winterling, du stehst auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leuchtend von oben bis unten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit einem evangelischen Trotz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leuchte auch durch uns!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Satz k\u00f6nnte die \u00dcberschrift sein f\u00fcr unser Verh\u00e4ltnis zu Gott. \u201eNacht und Tag, und der Same geht auf, w\u00e4chst \u2013 er wei\u00df nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, dann die \u00c4hre, danach den vollen Weizen in der \u00c4hre\u201c, steht im Evangelium dieses Sonntags. Gott arbeitet an seiner Sache. So wie der Winterling an seiner Sache arbeitet, in dem er die winterschwere Erde durchbricht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So kann die winterliche Erde ein Bild daf\u00fcr sein, wie das Leben unertr\u00e4glich sein kann, langweilig, arm, einsam, ungl\u00fccklich. Aber wir werden als Menschen keineswegs \u00fcbergangen. Wir sind unverw\u00fcstliche, unsch\u00e4tzbare kleine K\u00f6rner, die Gott selbst ges\u00e4t hat. Denkt nur: Wir haben das Leben, die Liebe, Essen auf dem Tisch und nicht zuletzt die Vergebung bekommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht mit anderen Worten darum, das Gro\u00dfe im Kleinen zu sehen, wenn wir es mit Gott zu tun haben. Ich will es mit einer Geschichte sagen: Da war einmal eine Frau, die verstehen wollte, wer Gott ist. Sie stand zusammen mit einem M\u00f6nch an einem Strand, und der M\u00f6nch gab ihr einen Teel\u00f6ffel und sagte, sie solle ein Loch in den Sand graben. Die Frau grub. Der M\u00f6nch sagte zu ihr: \u201eVersuche nun, das ganze Meer in dein Loch zu stecken\u201c. \u201eDas ist unm\u00f6glich\u201c, sagte die Frau.\u00a0 Der M\u00f6nch antwortete: \u201eWenn du dir vorstellst, dass das Loch, das du gegraben hat, deine Gedanken und Vorstellungen dar\u00fcber sind, wer Gott ist, und Gott ist wie das Meer \u2013 wie kannst du dann jemals ganz verstehen, wer Gott ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Evangelien, die wir jeden Sonntag in den Kirchen auslegen, versuchen uns ein Bild davon zu geben, wie Gott ist, wer er ist, und wer wir sind im Verh\u00e4ltnis zu ihm. Wir graben kleine L\u00f6cher, die unsere Vorstellung von Gott enthalten. Die Predigt ist eine Art, wie wir das tun. Die Sakramente, die heiligen Handlungen der Kirche in der Form von Taufe und Abendmahl, sind eine andere Art.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier ist jedes ges\u00e4te Korn gleich viel wert. Auch wenn wir als verschiedene Menschen und zu verschiedenen Zeitpunkten zu Gott kommen. Wenn wir taufen, ist da kein Unterschied, ob wir ein zwei Monate altes Kind taufen, einen kommenden Konfirmanden oder eine erwachsene Frau. In dem Augenblick ,wo sie getauft sind, sind sie Gottes Kinder, werden es immer sein so wie die, die vor ihnen getauft sind. Und wenn wir das Abendmahl feiern, dann wird ein gro\u00dfer Teil der Kirchg\u00e4nger sich bei den Einsetzungsworten erheben und sich zum Altar bewegen, um das Abendmahl zu empfangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir am Tisch des Herrn versammelt sind und niederknieen, wird der Pastor den Leib Christi austeilen in der Form einer Oblate. Ein kleines St\u00fcck Brot, das seinen ersten Ursprung in einem Korn hat, das ges\u00e4t wurde, gewachsen ist, geerntet wurde, gemahlen wurde, geg\u00e4rt ist, gebacken, zur Nahrung wurde \u2013 und damit einging in den gro\u00dfen Kreislauf Gottes mit uns, ein Teil der Ewigkeit wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen einander nicht in das Innere sehen. Aber wir k\u00f6nnen in den kleinen K\u00f6rnern, die in uns ges\u00e4t sind \u2013 das sind wir in den Augen Gottes \u2013 in die Ewigkeit blicken. Alle und jeder sind wir immer schon K\u00f6rner, die f\u00fcr die Ewigkeit geerntet sind. Wir wachsen, Gutes und B\u00f6ses w\u00e4chst in uns \u2013 aber Gott sieht das Samenkorn vom Garten des Paradieses. Das kleinste Korn, der kleinste Keim kann wachsen und die gr\u00f6\u00dfte Pflanze auf dem Felde werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Schluss will ich euch warnen. Denn ich enth\u00fclle nun den Schluss eines recht bekannten Kinderfilms \u2013 Disneys Film Frost, der stark inspiriert ist von Hans Christian Andersens \u201eSchneek\u00f6nigin\u201c. Hier geht es auch darum, wie die Macht des Frosts gebrochen wird. ie Schneek\u00f6nigin Elsa hat eine Schwester &#8211; Anna, die sie liebt und die sich f\u00fcr sie sich opfert trotz der eisigen K\u00e4lte, die von ihr ausgeht und die ihr ganzes K\u00f6nigreich Arendal frieren l\u00e4sst. Der b\u00f6se Prinz Hans will Anna zur Frau haben, und er will deshalb Elsa aus dem Wege schaffen. Gerade als er sie t\u00f6ten will, springt die Schwester Anna dazwischen und wird von Elsas Eisstrahlen zu Eis gefroren. Ein Eissplitter hat ihr Herz gefroren, und sie stirbt. Anna \u2013 der Name bedeutet \u00fcbrigens Gnade auf Hebr\u00e4isch \u2013 hat sich damit selbst aus Liebe geopfert. Elsa bricht zusammen in Trauer \u00fcber ihre eigene Schuld und weint ihre Liebe aus. Aber Annas Tat war ein echtes Werk der Liebe. Damit ist der Zauber gebrochen, und Elsas gefrorenes Dasein ist beendet, denn \u201enur ein echtes Werk der Liebe kann ein gefrorenes Herz auftauen\u201c, wie es hei\u00dft. Auch in Elsa war ein Keim des urspr\u00fcnglichen g\u00f6ttlichen Samens. Sie k\u00f6nnen gemeinsam zur\u00fcckwachsen in das Leben. Das K\u00f6nigreich erbl\u00fcht aufs Neue. Die Menschen k\u00f6nnen ein warmes Leben f\u00fchren. Arendal bl\u00fcht auf, wird wieder das Paradies, das es urspr\u00fcnglich war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Klingt das wie ein Motiv, das wir im Christentum kennen? Ja, das ist es. Das ist die Geschichte Gottes mit uns:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEia, s\u00fc\u00dfe Erstlingsgr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erstlingsgr\u00fc\u00dfe vom Lenz herwehn!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lass es nur frieren, K\u00e4lte mich sp\u00fcren,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00e4lte mich sp\u00fcren, das wird vergehn,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eia s\u00fc\u00dfe Erstlingsgr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erstlingsgr\u00fc\u00dfe vom Lenz herwehn!\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/DE0DB424-74FA-402F-A2A2-37BD366EE2CF#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Adjunkt (Assistenzprofessor), K\u00f8benhavns Universitet<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ph.d. Rasmus H.C. Dreyer<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Slagelse, Danmark<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: <a href=\"mailto:rhd@teol.ku.dk\">rhd(at)teol.ku.dk<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/DE0DB424-74FA-402F-A2A2-37BD366EE2CF#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Lied Nr. 547 im D\u00e4nischen Gesangbuch, deutscher \u00dcbersetzung im Deutsch-d\u00e4nischen Kirchengesangbuch.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/DE0DB424-74FA-402F-A2A2-37BD366EE2CF#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> V. 4 des Liedes von Brorson<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 04.02.24 | Mk 4,26-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus H.C. Drejer | Das Lied des d\u00e4nischen Liederdichters H.A. Brorson \u201eHier hei\u00dft\u2019s schweigen, tief sich neigen\u201c[1] geh\u00f6rt in diese Zeit, die Lichtmess, die in D\u00e4nemark noch gefeiert wird \u2013 im Februar, im Winter und dennoch schon das kommende Fr\u00fchjahr. 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