{"id":19513,"date":"2024-02-15T08:30:31","date_gmt":"2024-02-15T07:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19513"},"modified":"2024-02-15T09:09:06","modified_gmt":"2024-02-15T08:09:06","slug":"lukas-2224-32-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2224-32-4\/","title":{"rendered":"Lukas 22,24-32"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Invokavit | 18.02.2024 | Lk 22,24-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Boden unter uns, der verschwindet<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sketsche \u00fcber Diener geh\u00f6ren unter jungen Leuten zu den Klassikern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6rt nur:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHerr Ober, dieses Gulasch ist schrecklich!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnser Koch hier hat schon Gulasch gemacht, als du noch nicht geboren warst!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDas mag ja sein, aber warum hat er ihn bis heute aufbewahrt?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHerr Ober, da liegt eine Fliege und schl\u00e4ft auf meiner Suppe!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEntschuldigen Sie, mein Herr, ich werde sie jetzt gleich wecken!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und so k\u00f6nnten wir fortfahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man einen Sketsch schreibt oder einen Witz, dann spielt man mit den Annahmen des Zuh\u00f6rers. Wenn wir einen Diener-Witz h\u00f6ren, nehmen wir an, dass dies in einem Restaurant stattfindet. Wir sehen die Szene vor uns, der Gast hat ein Problem und ruft den Ober. Normalerweise, wenn da Probleme sind mit Fliegen in der Suppe oder etwas anderes mit dem Essen nicht in Ordnung ist, erwarten wir, dass sich der Ober sofort entschuldigt und eine neue Portion serviert. So aber nicht in den Witzen \u00fcber den Ober. Hier wird dem Zuh\u00f6rer der Boden unter den F\u00fc\u00dfen entzogen, wenn der Ober seine h\u00f6chst \u00fcberraschenden Antworten gibt. Der Humor liegt in der \u00dcberraschung. Stand-up-Komiker, die ihr Metier beherrschen, bauen ihre Geschichten t\u00fcchtig so auf, dass wir als Zuh\u00f6rer ihnen folgen \u2013 und dann pl\u00f6tzlich nehmen sie uns den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg. Die Geschichte nimmt eine Wendung, die wir nicht vorhergesehen haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWer ist der Gr\u00f6\u00dfte?\u201c fragt Jesus heute, \u201ederjenige, der zu Tische sitzt oder der, der dient? Ist es nicht der, der zu Tische sitzt?\u201c \u2013 Ja, denken wir als Zuh\u00f6rer, so muss es sein. Wir folgen der Argumentation Jesu. In der normalen Weltordnung, da sitzt der K\u00f6nig zu Tische, w\u00e4hrend ihm die Diener aufwarten. Aber dann verwendet Jesus denselben rhetorischen Kniff wie ein Stand-up-Komiker. Er entzieht uns den Boden unter unseren F\u00fc\u00dfen. \u201eNein, ich bin ja unter euch als der, der dient\u201c. Unser ganzes Weltbild wird auf den Kopf gestellt und soll zerst\u00f6rt werden. Der K\u00f6nig ist nicht der Gr\u00f6\u00dfte, Jesus war auch nicht F\u00fchrer oder Meister f\u00fcr alle seine J\u00fcnger, er war ihr Diener! Ich wei\u00df nicht, ob Jesus Humor hatte, aber etwas witzig ist das im Grunde. All das, was wir von der Welt glaubten, erweist sich in den Augen Gottes als gerade umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dar\u00fcber k\u00f6nnen wir auf der Kirchenbank etwas lachen, aber vielleicht hat das Evangelium dieses Sonntags nicht denselben Schock-Effekt auf uns wie auf die J\u00fcnger. Der Boden unter uns wird nicht ganz entzogen, weil wir die Botschaft Jesu schon anerkennen. Wenn es eine Botschaft der Bibel gibt, die wir wirklich in D\u00e4nemark zu Herzen genommen haben, dann eben diese! Der Arbeitsmarkt in D\u00e4nemark ist f\u00fcr seine egalit\u00e4ren hierarchischen Strukturen bekannt. Ein Chef hat nicht mehr Macht als seine Mitarbeiter ihm geben. Ein Beispiel: Eine Abteilung in einem B\u00fcro sollte einen neuen Abteilungsleiter bekommen. Der oberste Chef ernannte einen der Mitarbeiter. Das veranlasste einen der anderen Mitarbeiter, sich bei dem obersten Chef zu beschweren, worauf der Chef antwortete: \u201eMir war nicht klar, dass du sich selbst als Leiter verstehst\u201c. Aber nein, nein, das tat der Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin bestimmt nicht, er bzw. sie war nur nicht der Auffassung, dass der andere Mitarbeiter bzw. die Andere Mitarbeiterin qualifiziert war, die anderen zu leiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Kirche ist es auch schwer, Leiter zu finden, nicht viele Pastoren wollen Pr\u00f6pste werden. Macht ist nicht verlockend, weder f\u00fcr Pastoren noch f\u00fcr Frauen. Es fehlen Frauen f\u00fcr leitende Positionen in der Wirtschaft und in Aufsichtsr\u00e4ten. Man kann das Problem der fehlenden Frauen in Leitungsgremien dadurch l\u00f6sen, dass man Quoten einf\u00fchrt. Aber die Wirklichkeit ist, die Frauen haben den guten Teil gew\u00e4hlt. Sie wollen lieber bei ihren Kindern sein, sich lieber mit ihren Freundinnen und dem guten Leben vergn\u00fcgen als schwierige und unpopul\u00e4re Entscheidungen zu treffen mit Stress und Hast.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Frauen brauch die macht nicht, sie brauchen das nicht, dass man zu ihnen hinaufblickt. Man kann ja auf viele Weise Anerkennung finden. Viele wollen gerne durch ihr fachliches K\u00f6nnen Anerkennung finden. Ein t\u00fcchtiger Buchhalter kann in seiner Arbeit mehr Anerkennung finden als ein schlechter Chef. Eine t\u00fcchtige Kinderg\u00e4rtnerin kann in ihrer Arbeit bei Kindern und Erwachsenen Anerkennung finden, vielleicht mehr als der kommunale leitende Mitarbeiter, der f\u00fcr Umstrukturierungen und Sparvorschl\u00e4ge zust\u00e4ndig ist. Erst wenn die Anerkennung fehlt, verschwindet der Boden unter uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir Anerkennung finden beim denen, die uns nahestehen und in unserer beruflichen T\u00e4tigkeit gew\u00fcrdigt werden, denken wir nicht viel dar\u00fcber nach. Kain f\u00fchlte sich nicht anerkannt. Sowohl Kain als auch Abel brachten Gott ihr Opfer. Abel dachte nicht so viel dar\u00fcber nach, w\u00e4hrend Kain gr\u00fcbelte. Gott nahm sein Opfer nicht an, und Kain f\u00fchlte sich \u00fcbersehen. Das machte ihn traurig und zornig. Die starken Gef\u00fchle nahmen \u00dcberhand und f\u00fchrten zum Brudermord. Es ist wichtig f\u00fcr einen Menschen, anerkannt zu werden, fehlende Anerkennung kann uns tief seelisch krank machen. Wenn wir die Rolle des Dieners \u00fcbernehmen, wie Jesus das seinen J\u00fcngern befiehlt, dann erwarten daf\u00fcr anerkannt zu werden. Wir k\u00f6nnen uns sehr wohl dem\u00fctigen und anderen dienen, aber wir erwarten in irgendeiner Weise, dass uns das n\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir ein Geschenk machen, erwarten wir daf\u00fcr Dank. Im Wort \u201eDank\u201c liegt Anerkennung, \u201eJa, ich habe gesehen, was du f\u00fcr mich tust, danke:\u201c Oft erwarten wir auch Gegenleistung. Wer eine Gabe empf\u00e4ngt, ist verpflichtet, eine Gegengabe zu geben, das ist die Logik der Gabe. Nicht immer ist es so, dass die, denen wir etwas geben, imstande sind, uns zu danken. In ein paar Wochen sammeln wir hier in der Gemeinde f\u00fcr Brot f\u00fcr die Welt. Das Geld ist bestimmt f\u00fcr die Opfer der Kriege in Gaza und in der Ukraine, aber wir erwarten nicht, dass die Opfer der Kriege uns etwas geben oder sich bedanken. Dennoch erwarten wir eine andere Anerkennung. Die Leiter der Einsammlung sollen daran denken, uns zu danken, die wir freiwillig von Haus zu Haus gehen, wir wollen gerne eine positive Reaktion darauf, dass wir uns freiwillig gemeldet haben. Letztes Jahr bekamen wir eine rote T\u00fcte mit S\u00fc\u00dfigkeiten als Dank. Solche Futterbeutel haben wir vielleicht genug, aber der Futterbeutel hat einen Signalwert, denn jetzt k\u00f6nnen alle anderen sehen, dass die mit den roten T\u00fcten welche von den Guten sind. Alle wir guten Freiwilligen k\u00f6nnen uns damit br\u00fcsten, dass wir zu denen geh\u00f6ren, die geben, wir geh\u00f6ren zu denen mit den starken Ressourcen. Auf diese Weise geh\u00f6ren wir pl\u00f6tzlich zu den Gr\u00f6\u00dften, von denen Jesus sprach, zu denen die sich selbst Wohlt\u00e4ter nennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber so sollte es ja nicht sein! Wir sollten uns nicht selbst Wohlt\u00e4ter nennen, wir sollten Diener sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus selbst war Diener, ohne irgendetwas zu erwarten. Haben sich die J\u00fcnger jemals bei Jesus bedankt? Davon h\u00f6ren wir nichts. Im Gegenteil! Das Evangelium dieses Sonntags bezieht sich auf ein Ereignis am Abend von Gr\u00fcndonnerstag, Jesus hat gerade das Abendmahl eingesetzt. Im Laufe der Nacht werden alle J\u00fcnger Jesus im Stich lassen. Undank ist der Welt Lohn. Aber das erschreckt Jesus nicht. Im Gegenteil. Der Satan bef\u00e4llt Petrus, aber Jesus betet f\u00fcr ihn. Am Karfreitag wird sich Jesus kreuzigen lassen, weil seine Liebe zu den Menschen gr\u00f6\u00dfer ist als die Liebe zu seinem eigenen Leben. Soweit ist <em>er<\/em> bereit, in seinem Dienst zu gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erkennt seine J\u00fcnger an als Menschen. Er wei\u00df sehr wohl, dass sie dem, was er ihnen aufgetragen hat, nicht gerecht werden, dass sie nicht selbstlose Diener sein k\u00f6nnen. So ist es auch mit uns. Gott erkennt uns an als die Menschen, die wir sind. Wir tun unser Bestes, aber wir k\u00f6nnen versagen wir Simon Petrus, wenn es wirklich darauf ankommt. Deshalb ging Jesus f\u00fcr uns in den Tod, damit wir die Vergebung der S\u00fcnden empfangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Som wird der Boden unter unseren F\u00fc\u00dfen dennoch weggenommen. Nicht als ein Witz, sondern als eine Entlarvung. Wir sind nicht so gut, wie wir gern sein wollen. Deshalb m\u00fcssen wir unsere H\u00e4upter beugen, zum gn\u00e4digen Gott beten und sagen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lob und Dank und ewig Ehre sei dir unser Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vater, Sohn und Heiliger Geist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du, der du warst, bist und bleibst ein wahrer dreieiniger Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">hochgelobt von Anfang an, jetzt und in aller Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5230 Odense M<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 18.02.2024 | Lk 22,24-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen | Der Boden unter uns, der verschwindet Sketsche \u00fcber Diener geh\u00f6ren unter jungen Leuten zu den Klassikern. 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