{"id":19562,"date":"2024-03-01T12:09:27","date_gmt":"2024-03-01T11:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19562"},"modified":"2024-03-01T12:09:27","modified_gmt":"2024-03-01T11:09:27","slug":"1-petrus-118-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-118-21\/","title":{"rendered":"1. Petrus 1,18-21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Der heilige Strom der Christen | Okuli | 03.03.2024 | 1. Petr 1, 18-21 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anl\u00e4sslich der Feier zum Ruhestand eines verdienten Managers \u00e4u\u00dferte der Lobredner, der f\u00fcr die Ebene eins dr\u00fcber anwesend war, folgenden Satz: <em>Bis hierher sollst Du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Zitat aus der Bibel. Gott spricht zu Hiob. Und er redet dabei \u00fcber die Wege des Wassers, weil er dem klagenden Hiob seine Macht schildern will. Genauer gesagt, spricht Gott \u00fcber die Chaosmacht Wasser, und dass und wie er sie geb\u00e4ndigt hat. Im letzten Sinn ist mit dem wilden Get\u00f6se des Wassers die S\u00fcnde, das Gottlose gemeint. Und deren Str\u00f6men geht dank Gott dem Ende zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Leben ist ein einziges Str\u00f6men und Flie\u00dfen. Durch eine Nabelschnur flie\u00dfen Molek\u00fcle, Eiwei\u00df, Fett und Zucker, die einen gedeihen lassen. Sobald das eigene Blut nach der Geburt in den Adern pulsiert, schie\u00dft einem der Speichel im Mund zusammen oder es flie\u00dft das N\u00e4schen. Manchmal str\u00f6mt das Blut leider auch au\u00dferhalb des K\u00f6rpers &#8211; jemand verletzt sich oder wird verletzt. Dann str\u00f6men oft die Tr\u00e4nen, weil einer leidet oder trauert. Aber auch dann, wenn einer sich freut, vor lauter Lachen nicht mehr weiterwei\u00df und kann. Oder sei es, weil man sich gerade sehr anstrengt. Dann kommt oft noch Schwei\u00df zu den Tr\u00e4nen dazu. Der Mensch ist Einfl\u00fcssen ausgesetzt, gegen die er sich kaum wehren kann. Diese entspringen dem eigenen K\u00f6rper oder dem K\u00f6rper und Geist seiner Mitmenschen. Aus dem Menschen str\u00f6mt es irgendwann auch heraus, auch wenn das Einflie\u00dfen sich immerzu fortsetzt. Ein einziges sich Verstr\u00f6men und Flie\u00dfen, das gilt auch f\u00fcr den Menschen in Gesellschaft. Ein stetes aufeinanderfolgen beim Einzelnen und wechselseitig unter den Einzelnen. Fu\u00dfg\u00e4nger, Radler, Autofahrer, Z\u00fcge, Luftverkehr, alles str\u00f6mt, alles flie\u00dft. Dampf in die Turbine, Elektronen in der Leitung, aus dem Hochofen Stahl, Material in die Anlagen, Bauteile in die Montage, Waren in die Lieferung, Geld str\u00f6mt in die und aus den Kassen und Computern. Mit Hilfe des Arbeitsflusses von K\u00f6rpern. Dazu geh\u00f6rt auch ein Protestmarsch f\u00fcr eine andere Politik oder Bezahlung. Auch in der Freizeit: beim Schattenboxen, Tanzen, Malen, Theater spielen flie\u00dft der K\u00f6rper und seine Teile, beim Singen der Atem, beim Geigen sogar die T\u00f6ne selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Arbeitsfluss gibt\u2019s auch vorwiegend im Kopf. Fokussiert sein bei dem, was man macht und tut. Als Turmspringer im Schwimmbad an der Brettkante vor dem Absprung noch einmal im Kopf den geschraubten zweifachen R\u00fcckw\u00e4rtssalto durchgehen. Beim Skifahren statt Felsen oder Baum oder sonst ein Hindernis &#8211; \u00a0die L\u00fccke, den Freiraum vor Augen sehen, das, was ein Durchkommen erm\u00f6glicht. Eine Investition durchrechnen. Ein schwieriges Problem erkennen und durchschauen und L\u00f6sungen dazu ausprobieren. Ein Traum, der wie aus dem Nichts hoch geladen des Nachts Gehirn und Geist bestr\u00f6mt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn\u00b4s l\u00e4\u00e4ft, dann l\u00e4\u00e4fts, sagt man in Mannheim. Soll einer mal sagen die deutsche Sprache kenne nur den Teufelskreis, Skepsis aus Prinzip. Dass es auch zu dem ein Gegenst\u00fcck gibt, ist au\u00dferhalb ihres Sinnes. Wenn\u00b4s l\u00e4\u00e4ft, dann l\u00e4\u00e4fts, in diesen Worten steckt doch schon fast ein ganzer himmlischer Kreislauf, gutes Engelswerk. Schon die Macht dieses Str\u00f6mens, diese Energie des Lebens kann man unheimlich finden. Es kann aus dem Nichts quellen und im Nichts versiegen, um dann irgendwo wieder auf Erden zu erscheinen. Wer in Kalkalpen wanderte, der kennt das. Es kann mit einem leisen Glucksen und h\u00fcbschen Gemurmel anfangen. Und sich bis zu Get\u00f6se steigern, das sowohl ein Trommelfell als auch einen ganzen Gebirgszug zu schreddern vermag. Es kann sich an einem Damm abbremsen und stillen und kontrolliert abflie\u00dfen. Es kann sich stauen und dann wie ein riesiger Wasserfall kaum gebremst weiter schie\u00dfen und Energie und Neues schaffen. Es kann aber auch in sch\u00f6nen Wellen anschwellen und abebben. Das Str\u00f6men kann pl\u00f6tzlich die Richtung wechseln und sich umkehren. Wer je einmal in einem verzweigten Flussdelta gepaddelt hat und dann mit dem Einstr\u00f6men einer starken Flut konfrontiert war, der kennt das. Da irrt man sich leicht und schnell mal \u00fcber die Stromrichtung und ihren Ursprung. Was ist jetzt Meer und was ist Fluss? Da werden vertraute Inseln und Str\u00e4nde geflutet. Oder bei Ebbe umgekehrt ein Ruheort neu frei gemacht und nurmehr sanft umsp\u00fclt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Str\u00f6mungsabriss. Der Fluss stockt. Das Wasser steht, Versickern. Unheimlich ist uns die Unterbrechung des Str\u00f6mens, wenn sie willk\u00fcrlich, pl\u00f6tzlich eintritt, au\u00dferhalb unseres Sinnens und Denkens. Das kann von au\u00dfen geschehen, \u00fcber das Zutun anderer Menschen, auch \u00fcber Ereignisse der Natur. Kann auch nur aus dem Inneren eines Menschen entstehen. Das Str\u00f6men kann aus dem Nichts quellen, wie eine Schwangerschaft trotz aller Ma\u00dfnahmen, sie zu verh\u00fcten. Und im Nichts versiegen, auch ohne je wieder oben zu erscheinen, so wie bei einem die guten Gef\u00fchle f\u00fcr einen Mitmenschen auf immer Ade sagen k\u00f6nnen. Es kann mit einem leisen Glucksen und einem h\u00e4sslichen Gemurmel anfangen. Und sich bis zu Get\u00f6se steigern, das sowohl das Leben einzelner als auch das Leben ganzer Gruppen unterh\u00f6hlen und zerst\u00f6ren kann. Es ist unf\u00e4hig, sich an einem Damm abzubremsen und zu stillen und kontrolliert abzuflie\u00dfen. Es kann sich stauen und dann wie ein riesiger Wasserfall kaum gebremst weiter schie\u00dfen, indem es alle D\u00e4mme bricht und \u00fcberflutet und zerst\u00f6rt. Es kann aber auch so gegen den gewohnten Kreislauf anschwellen und abebben, wie es gerade keiner gebrauchen kann. Das Str\u00f6men kann pl\u00f6tzlich die Richtung wechseln und sich umkehren. Wer je einmal in einem verzweigten Flussdelta gepaddelt hat und dann mit dem Einstr\u00f6men einer Springflut konfrontiert war, der kennt das. Da irrt man sich entscheidend leicht und schnell \u00fcber die Stromrichtung und ihren Ursprung. Was ist jetzt Meer und was ist Fluss? Da werden vertraute Inseln und Str\u00e4nde f\u00fcr immer weggesp\u00fclt. Oder bei Ebbe umgekehrt zwar ein Ruheort neu frei gemacht, aber sanft untersp\u00fclt, Oase voller Trug, Fata Morgana in der Wasserw\u00fcste. Str\u00f6mungsabriss. Denn man hatte in Wahrheit den Hauptstrom verloren und schwamm stattdessen nur im Fluss des eigenen Saftes. Um dann schlie\u00dflich trocken zu fallen, im Nichts sich zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal flie\u00dft das Leben einfach an einem vorbei! Und doch flie\u00dft ohne Unterlass Gottes Strom der Liebe und des Lebens in und um einen jeden. Deshalb ist der Satz von eben falsch: Manchmal flie\u00dft das Leben einfach an einem vorbei! Das scheinbare Gef\u00fchl entsteht, weil in jedem Menschen zuweilen eine Art Zweistromland entsteht, ein Gebiet, in dem mindestens zwei m\u00e4chtige Fl\u00fcsse str\u00f6men samt ihren Nebengew\u00e4ssern. Und in so einem Flusswirrwarr geht einem der wahre Hauptstrom schnell verloren, ohne dass einer es bemerkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gut, dass sich in und aus Jesu Tod Gott vergie\u00dft. Und von daher seine Liebe und sein Leben str\u00f6men. Die \u00fcberflie\u00dfen jeden Gegenstrom, den Menschen aussto\u00dfen und verbreiten. Sein Vergie\u00dfen und Verstr\u00f6men schwappt an die Deiche, die wir errichten. Gluckert, knabbert und klopft dort an, wo wir ohne es zu ahnen uns gegen Gott abdichten. Ihn aus unserem Leben d\u00e4mmen, um im eigenen Fluss zu leben. Gibt es ein Str\u00f6mungswerk, das Gottes Strom der Liebe und des Lebens widerstehen kann? Der Predigttext des heutigen Sonntags Okuli gibt dazu folgende Antwort:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>18 denn ihr wisst, dass ihr nicht mit verg\u00e4nglichem Silber oder Gold erl\u00f6st seid von eurem nichtigen Wandel nach der V\u00e4ter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt war, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, 21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Liebe und Lebensfluss vergie\u00dft sich und str\u00f6mt uns zu, jetzt und immerdar, und au\u00dfer der Zeit von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heilige Strom der Christen | Okuli | 03.03.2024 | 1. 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