{"id":19568,"date":"2024-03-04T07:11:22","date_gmt":"2024-03-04T06:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19568"},"modified":"2024-03-02T12:22:54","modified_gmt":"2024-03-02T11:22:54","slug":"johannes-624-3536-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-624-3536-37\/","title":{"rendered":"Johannes 6,24-35(36-37)"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-size: 16px;\">Lebenshunger | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Joh 6,24-35(36-37)<\/span><span style=\"font-size: 16px;\">\u00a0&#8211; d\u00e4nische Perikopenordnung | Jan Sievert Asmussen |<\/span><\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeden Tag tragen sich neue Ungl\u00fccke in unser Tagebuch. Die Bombardierung von Zivilisten in der Ukraine, und in Gaza werden Unschuldige erschossen. Raketenangriffe, Minenfelder werden breiter. Jeden Morgen fragen wir uns: Welche schrecklichen News ergaben sich aus dieser Nacht? Man spricht \u00fcber &#8218;rote Linien&#8216;; sie sind allesamt l\u00e4ngst \u00fcberschritten, und wir befinden uns jetzt im unbekannten Territorium jenseits aller roten Linien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deswegen ist es unm\u00f6glich, vorauszuwissen, was der Welt diesen Sonntagmorgen begegnet. W\u00e4re ich ein Kolumnist oder Publizist, w\u00fcrde ich eines wissen: Wenn mein Text gedruckt ist und in den Mailboxen meiner Leser landet, ist er schon \u00fcberholt und \u00fcberh\u00f6ht von Dingen, die bis diesen Moment unvorhersehbar waren. Es liegt ein Nebel \u00fcber unserer Zukunft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Platz ist jedoch kein Ort f\u00fcr Kolumnen und Artikel auf unsicherer Grundlage. Wir suchen das Feste, welches Bestand hat in der unruhigen Welt. Nicht ohne Grund ist das Symbol der Hoffnung genau der Anker, welcher unsere K\u00e4hne auch in hoher See eine Verankerung gibt, die nicht schreitet und wankt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Unersch\u00fctterliche ist keineswegs, wie man sonst leicht schlie\u00dfen m\u00f6chte, dass alles nur in eine Richtung geht, n\u00e4mlich gegen Verfall, Tod und das Ende. Das Unersch\u00fctterliche ist, dass Einer sagt: &#8222;Ich&#8220; und sich an uns wendet mit einem gro\u00dfen Versprechen: &#8222;Seht! Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt!&#8220; Dies sagte Christus vor langer Zeit. Es ist aber ein Wort gerichtet an uns, die hier leben irgendwo zwischen dem Anfang und dem Ende der Welt. Eines \u00e4ndert sich nicht in der Welt der S\u00fcnde und des Todes: Dieses gro\u00dfe &#8222;ich&#8220;, welches <em>ist<\/em> und in dem wir <em>leben und sind.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em>Siebenmal im Johannesevangelium spricht Christus mit diesem &#8222;Ich&#8220;. Eigentlich h\u00e4tte er sich mit der Versicherung begn\u00fcgen k\u00f6nnen, dass &#8222;er ist&#8220;, wie Gott es gegen\u00fcber Moses am brennenden Dornbusch tut: &#8222;Ich bin, der ich bin!&#8220; Im Grunde gen\u00fcgt das zum Trost, diese Worte von einer unersch\u00fctterlichen, ewigen Stabilit\u00e4t. Christus f\u00fcgt jedoch im Johannesevangelium siebenmal etwas hinzu. Ich bin <em>das Licht der Welt, die T\u00fcr, der gute Hirte, der Weinstock, die Auferstehung und das Leben, die Wahrheit.<\/em> Man bemerke: Nicht blo\u00df eine unsichtbare Gegenwart, sondern etwas f\u00fcr Menschen unmittelbar N\u00fctzliches und Wichtiges. Der wahre Gott und der wahre Mensch f\u00fcgt etwas Irdisches zum Bild des ewigen &#8222;Ich bin&#8220;. Das ist der Sinn von dem Ich-Wort, welches wir heute h\u00f6ren: &#8222;ich bin das <em>Brot<\/em> des Lebens&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Lebensbrot. Das erste Wort &#8222;Leben&#8220; bezeichnet, was uns hungrig macht, weil wir Kalorien verbrennen, w\u00e4hrend wir leben. Wir werfen uns ins Leben, lebenshungernd. Packen an und handeln &#8211; in der Erwartung: Wenn der Hunger kommt, wird er gestillt werden. Das Leben ist immer im Voraus: Wer hat je etwas Gro\u00dfes erreicht nach einer deftigen Mahlzeit? Leben ist die bohrende, strebende, kletternde Kraft, angefangen im Kleinkind, das um jeden Preis sitzen <em>will,<\/em> rollen <em>will,<\/em>mit Fingern den Brei essen und absolut nicht einschlafen will. Unsere innerste Energie hei\u00dft: &#8222;Weiter, vorw\u00e4rts, hinauf!&#8220;, den R\u00fccken zur Vergangenheit und alle Sinne auf den n\u00e4chsten Schritt gerichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um diese Lebensenergie zu stillen, braucht es Brot. Die Energiereserven m\u00fcssen gef\u00fcllt werden. Das Brot macht es m\u00f6glich. Und damit sind wir beim zweiten Teil des Christuswortes: &#8222;Lebensbrot&#8220;. Das Leben macht uns hungrig &#8211; was macht uns denn satt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der erste und wichtigste N\u00e4hrstoff ist <em>die Liebe.<\/em> Keiner kommt voran mit einem &#8222;ach&#8220; oder einem &#8222;nein&#8220; &#8211; um zu k\u00f6nnen, musst du gesehen und akzeptiert sein. Du musst h\u00f6ren, dass einer sagt: &#8222;Ja, du kannst!&#8220;, du bist vollkommen akzeptiert. Um das Leben zu meistern, m\u00fcssen wir wie Kinder leben, die nur den ersten Schritt wagen, weil er aus der Umarmung einer der Eltern getan wird, der hinter dem Kind kniet. Das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das N\u00e4chste, was uns n\u00e4hrt, ist die <em>Vergebung.<\/em> Aus Leben wird nichts, falls \u00fcber uns eine dunkle vorwurfsvolle Wolke h\u00e4ngt, Angst vor eigenen Fehltritten und vor dem Zorn anderer. Ich wei\u00df, wir verwenden in der Regel das Wort &#8222;Vergebung&#8220; \u00fcber Vergangenes. Aber viel wichtiger ist es, vergeben zu sein im Voraus! Vergebung f\u00fcr alles, was Du in der Zukunft anstellen wirst &#8211; das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Dritte im Lebensbrot ist die <em>Barmherzigkeit, <\/em>und sie ist eng mit der Vergebung verbunden. Jesus spricht \u00fcber den Balken in deinem eigenen Auge, den du sehen solltest, bevor du den Splitter im Auge deines N\u00e4chsten suchst: Du bist um kein Haar besser als deine Geschwister, die dich hetzen und irritieren. Trage deshalb immer einen Taschenspiegel, damit du dich selber betrachten kannst, bevor du deinen N\u00e4chsten triffst. Barmherzigkeit war etwas Entscheidendes f\u00fcr Jesus. Sogar am Kreuz sagte er \u00fcber seine Sch\u00e4cher: &#8222;Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&#8220;. Das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Vierte im Lebensbrot ist die <em>Gemeinschaft<\/em>. Wo zwei oder drei zusammen sind, sagt Jesus, bin ich mitten unter ihnen. Das hei\u00dft: Isolation ist Tod, Einsamkeit ist Verzweiflung. Es gen\u00fcgt nicht, ein Lebensziel zu haben. Leben entsteht erst, wenn wir es mit jemanden teilen. Ein einzelner Stock steht kaum aufrecht. Zwei St\u00f6cke st\u00fctzen einander nur kurzweilig. Sind es aber drei St\u00f6cke, bleiben sie stehen. Wir sind gemeinsam &#8211; das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das letzte und nahrhafteste im Lebensbrot ist die <em>Hoffnung,<\/em> Voraussetzung aller anderen Zutaten, genau wie die Hefe in einem Brot alle anderen Zutaten voraussetzt. Beispielsweise kann man nur gemeinschaftlich hoffen und nur in der erfahrenen Liebe hoffen. Die Hoffnung macht aus dem Brot, was es werden kann: Nicht nur klebriger Brei, sondern knackiges, duftendes, n\u00e4hrendes Brot. Die Hoffnung greift nach einer Utopie, nach einer Zukunft, wo alles so ist, wie es sein soll. Der Weg dorthin ist weit. Man muss sagen: Die Hoffnung erf\u00fcllt sich erst am Ende der Welt. Das macht aber nichts, solange die Utopie lebt. Ein neuer Himmel und eine neue Erde, eine Welt ohne Krieg und Not, Reich Gottes &#8211; unsere Bibel bietet viele Bilder dieser Wirklichkeit. Und die gr\u00f6\u00dfte Hoffnung von allen: Die Macht des Todes wird gebrochen, und die Auferstehung erwartet uns, wie sie Christus in der Osternacht erwartete. &#8222;Christus ist auferstanden&#8220; &#8211; dorthin richten wir den Kompass unseres Lebens. Das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um dies zusammenzufassen, wie man einen Teig mit seinen Zutaten sammelt und in den Ofen setzt: Wir sind ersch\u00fcttert, aber nicht verzweifelt. Wir sind geschlagen, aber nicht erschlagen. Wir sind ver\u00e4ngstigt, aber nicht ungetr\u00f6stet. Mit je unserem Leben und je unserer Sorge &#8211; aber siehe, wir leben. Denn wir haben das Lebensbrot. Christus reicht es uns jeden Tag in seinem Wort. Ohne das Brot w\u00fcrden wir keine Ahnung haben, wohin die Welt geht. Aber wir haben das Lebensbrot, und deshalb sind wir nie ohne Zuversicht. Das letzte Wort erh\u00e4lt der d\u00e4nische Liederdichter Grundtvig mit diesem enorm trostvollen und starken Vers: \u201eDies Wort steht auch den Kleinen bei, l\u00e4sst sie den Sieg erringen, der Todeswunde lachen frei und \u00fcbers Grab gar springen\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/70F98722-9FBB-46D4-BCA7-10C20B778051#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Das ist das <em>Brot des Lebens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0&#8212;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Jan Sievert Asmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-3520 Farum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: jsas(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/70F98722-9FBB-46D4-BCA7-10C20B778051#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Nr. 319, V. 5 im D\u00e4nischen Gesangbuch, hier nach der \u00dcbersetzung im Deutsch d\u00e4nischen Kirchengesangbuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebenshunger | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Joh 6,24-35(36-37)\u00a0&#8211; d\u00e4nische Perikopenordnung | Jan Sievert Asmussen | Jeden Tag tragen sich neue Ungl\u00fccke in unser Tagebuch. Die Bombardierung von Zivilisten in der Ukraine, und in Gaza werden Unschuldige erschossen. Raketenangriffe, Minenfelder werden breiter. Jeden Morgen fragen wir uns: Welche schrecklichen News ergaben sich aus dieser Nacht? 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