{"id":19572,"date":"2024-03-04T13:59:28","date_gmt":"2024-03-04T12:59:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19572"},"modified":"2024-03-04T13:59:28","modified_gmt":"2024-03-04T12:59:28","slug":"lukas-2254-62","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2254-62\/","title":{"rendered":"Lukas 22,54-62"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Drei Mal | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Lk 22,54-62 | Luise Stribrny de Estrada |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Predigt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHerr, dein Wort ist meines Fu\u00dfes Leuchte<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und ein Licht auf meinem Weg.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott segne unser Reden und unser Zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sei du mit deinem Geist in unserer Mitte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dreimal behauptet Petrus, dass er Jesus nicht kennt. Dreimal wird er erkannt, und dreimal sagt er nein zu denen, die ihn mit Jesus in Verbindung bringen. Da kr\u00e4ht der Hahn und Jesus, den sie gefangen genommen haben, schaut seinen Freund an. Der weint bitterlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Erz\u00e4hlung hat eine Vorgeschichte und eine Nachgeschichte, ohne die wir sie nicht richtig verstehen k\u00f6nnen. Ich lade Sie und Euch zu einem Dreischritt ein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend des letzten Abendmahls wendet Jesus sich pl\u00f6tzlich an Simon Petrus mit dem verst\u00f6renden Satz: \u201eSimon, Simon, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen\u201c (Lk. 22,31). Jesus sagt weiter, dass er f\u00fcr Simon gebeten habe, damit sein Glaube nicht aufh\u00f6re und er seine Br\u00fcder, die anderen J\u00fcnger, st\u00e4rke. Jesus traut Simon Petrus viel zu. Petrus reagiert mit \u00dcberschwang, es klingt sowohl tapfer als auch gro\u00dfm\u00e4ulig: \u201eHerr, ich bin bereit, mit dir ins Gef\u00e4ngnis und in den Tod zu gehen\u201c (Lk.22,33). Aber Jesus kennt ihn besser als er sich selbst und k\u00fcndigt ihm an, dass er noch vor dem ersten Hahnenschrei dreimal geleugnet haben wird, dass er ihn kennt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Abendmahl betet Jesus im Garten Gethsemane, dort wird er dann von den Knechten des Hohepriesters gefangen genommen, verraten durch den Kuss des J\u00fcngers Judas. Die Knechte f\u00fchren Jesus ab und bringen ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus folgt ihm von ferne. Er ist der einzige der J\u00fcnger, der sich bis in den Hof des Hohepriesters traut, so nah wie m\u00f6glich bei Jesus. Mutig ist er, aber trotzdem hat er schreckliche Angst, sie k\u00f6nnten ihn gefangen nehmen wie Jesus oder ihn sogar zum Tode verurteilen. Zu der Magd, die ihn als einen der J\u00fcnger Jesu erkannt hat, sagt er: \u201eIch kenne ihn nicht.\u201c H\u00e4tte er sich zu Jesus bekannt, h\u00e4tten die Umstehenden ihn wom\u00f6glich ergriffen und wie Jesus in Fesseln dem Hohepriester vorgef\u00fchrt. Noch zwei andere erkennen Petrus als Gef\u00e4hrten Jesu, und jedes Mal weist er das weit von sich. Sein Herz klopft wie wild. Aber er ist gerade noch einmal davongekommen, sein Mut hat ihn nicht ins Gef\u00e4ngnis gebracht. Er atmet auf. Da h\u00f6rt er, wie der Hahn kr\u00e4ht. Und Jesus, sein Freund, den er liebhat, sein Meister, dreht sich um und schaut ihm direkt ins Gesicht. Da erinnert Petrus sich an die Vorhersage Jesu vor wenigen Stunden, als sie beim Abendmahl zusammensa\u00dfen, er l\u00e4uft hinaus und weint bittere Tr\u00e4nen der Reue.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johann Sebastian Bach hat das in seiner Matth\u00e4uspassion vertont. Das \u201e\u2026und weinete bitterlich\u201c klingt so unendlich traurig, dass es kaum auszuhalten ist. In kleinen Halbtonschritten, chromatisch, bewegt sich die Stimme des Evangelisten, nur einmal von einem gr\u00f6\u00dferen Sprung unterbrochen. Verzweiflung, Trauer, Entt\u00e4uschung \u00fcber sich selbst sind in die Melodiefolge hineingelegt. Bei Bach geht es weiter mit einer Alt-Arie, die mir eine der liebsten in der ganzen Matth\u00e4uspassion ist: \u201eErbarme dich, mein Gott, um meiner Z\u00e4hren, meiner Tr\u00e4nen willen! Schaue hier, Herz und Auge weint vor dir bitterlich.\u201c Sie dr\u00fcckt die Hoffnung aus, dass Gott Petrus und uns verzeihen m\u00f6ge, weil wir aus tiefstem Herzen bereuen, was wir vers\u00e4umt und falsch gemacht haben. \u2013 Bach bleibt nicht beim Geschehen in der Bibel stehen, sondern bezieht es auf uns. Wir versagen so wie Petrus und sind auf Gottes Erbarmen angewiesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir kehren zur\u00fcck zum Dreischritt der Erz\u00e4hlung und gelangen jetzt zur Nachgeschichte. Sie findet sich im Johannesevangelium (Joh. 22,15-17). Nachdem Jesus auferstanden ist, trifft er seine J\u00fcnger am See Tiberias und h\u00e4lt mit ihnen ein Mahl mit Brot und Fisch. Danach fragt er Petrus dreimal: \u201eSimon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?\u201c Dreimal antwortete Simon Petrus: \u201eJa, Herr, du wei\u00dft, dass ich dich liebhabe.\u201c Aber beim dritten Mal wird er traurig, weil es ihm scheint, dass Jesus ihm nicht glaubt, so oft, wie er ihn fragt. Jesus antwortet jedes Mal auf das Bekenntnis des Simon Petrus zu ihm: \u201eWeide meine L\u00e4mmer.\u201c Ich verstehe die Worte von Jesus und Petrus so, dass sie die dreimalige Verleugnung auf dem Hof des Hohepriesters wieder gut machen. Dreimal hat Petrus \u201enein\u201c zu Jesus gesagt, dreimal sagt er jetzt \u201eja\u201c zu ihm, \u201eja, ich habe dich lieb\u201c. Die Verleugnung ist \u00fcberwunden. Es hat sie gegeben, sie wird nicht ungeschehen gemacht, aber sie bestimmt nicht mehr das Verh\u00e4ltnis zwischen Petrus und Jesus. Die beiden Freunde haben sie hinter sich gelassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und noch mehr: Jesus gibt Petrus eine Aufgabe, er soll auf die Menschen aufpassen, die an Jesus glauben, er soll ihr Hirte sein. Er soll f\u00fcr die entstehende Gemeinde da sein und sie leiten. Ausgerechnet Petrus! Das Gro\u00dfmaul, der Angsthase, der Versager. Jesus traut ihm zu, seine Gemeinde aufzubauen. Er hat sich durch seinen Verrat nicht f\u00fcr immer disqualifiziert, sondern wird von Jesus auch mit seinen guten Eigenschaften gesehen. Jesus braucht keine \u00dcberflieger, keine Helden, keine perfekten Nachfolger, sondern ganz normale Menschen wie dich und mich. Oder wie Petrus. Der Trauernde, der Liebende, der Mutige.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie ist es mit uns? Ich finde mich in Petrus wieder, der sich vor Angst nicht traut, zu seinem Freund zu stehen. Als Jugendliche hatte ich eine gute Freundin, die aber viele von meinen Klassenkameradinnen nicht mochten. Gerne zogen sie in der Pause \u00fcber sie her und machten sich \u00fcber sie lustig. Ich wollte unbedingt zu ihrer Clique dazu geh\u00f6ren und hielt deshalb den Mund. Ich bin nicht f\u00fcr meine Freundin eingetreten, sondern habe so getan, als w\u00fcrde ich den anderen zustimmen. Ich habe sie und unsere Freundschaft verraten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir machen Fehler, versagen sogar wie Petrus. Ich denke an eine Freundin, die vor drei\u00dfig Jahren geheiratet hat, voller Liebe und Optimismus, dass sie und ihr Mann gemeinsam ein gutes Leben haben w\u00fcrden. Jetzt haben sie sich getrennt. Nachdem die Kinder ausgezogen waren, ging es f\u00fcr sie beide nicht mehr weiter, sie sahen keine gemeinsame Zukunft mehr. Haben sie versagt? Sie konnten das Versprechen, das sie sich bei ihrer Hochzeit gegeben hatten: \u201eWir wollen zueinander stehen in guten wie in b\u00f6sen Tagen bis der Tod uns scheidet\u201c, nicht weiter durchhalten. Aber in den drei\u00dfig Jahren davor haben sie es gelebt, mal mehr, mal weniger \u00fcberzeugt. Vielleicht ist es Versagen, oder doch eher ein Auseinanderleben, den Unterschieden zwischen ihnen geschuldet, die sich mit den Jahren mehr in den Vordergrund schoben als die Gemeinsamkeiten. Sie haben einander in der Zeit der Trennung verletzt. Ich w\u00fcnsche ihnen, dass sie dazu kommen, wieder miteinander reden und sich in die Augen schauen zu k\u00f6nnen, weil die Wunden vernarbt, sogar geheilt sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mich ber\u00fchrt, dass Jesus seinem Freund Petrus, obwohl er ihn verleugnet hat, mit der Aufgabe betraut, sich um seine Gemeinde zu k\u00fcmmern. Ich glaube, dass Gott auch f\u00fcr jeden von uns eine Aufgabe hat. Er kann uns brauchen, um an einer besseren Welt zu bauen. Wie kann das aussehen? Ich denke an einen Freund, der sich im Naturschutz engagiert. Er geht hinaus in den Wald und kontrolliert die Nistk\u00e4sten. Er baut Z\u00e4une, damit die Kr\u00f6ten, wenn sie sich auf den Weg zum Laichplatz machen, nicht \u00fcber die Stra\u00dfe laufen. Er beobachtet und z\u00e4hlt die durchziehenden G\u00e4nse, die in der Lagune rasten. So sorgt er f\u00fcr die Tiere, die Gesch\u00f6pfe Gottes sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine andere ist in der Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen aktiv. Sie betreibt zusammen mit einer Gruppe das Caf\u00e9 Welcome, in das Fl\u00fcchtlinge an jedem Nachmittag kommen k\u00f6nnen. Sie tauschen sich mit anderen aus, lernen Deutsche kennen, sitzen gem\u00fctlich zusammen und bekommen Hilfe bei ihren Hausaufgaben zum Erlernen der deutschen Sprache. Die Demonstrationen f\u00fcr Demokratie und f\u00fcr ein Land, das f\u00fcr alle offen ist, organisiert sie mit und ist gl\u00fccklich, dass so viele Menschen daf\u00fcr auf die Stra\u00dfe gehen. Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass Gott alle Menschen gleich liebt, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft und Hautfarbe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist Petrus, der Freund von Jesus, ein Mensch, an den wir ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen. Er ist kein Held, an den wir doch nie heranreichen w\u00fcrden, sondern ein Mensch mit guten Seiten ebenso wie mit Fehlern und Schw\u00e4chen. Sogar einer, der seinen Freund und Herrn, den er liebt und bewundert, verr\u00e4t. Ich finde sympathisch, dass er seine Gef\u00fchle zeigt, dass er weint, verzweifelt ist und bereut, was er getan hat. Petrus macht mir Mut, dass Gott auch f\u00fcr uns ganz normale Menschen eine Aufgabe hat, um die Welt in seinem Sinne zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann k\u00f6nnen wir einstimmen in das n\u00e4chste Lied:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eLass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.\u201c Amen. (Erg\u00e4nzungsheft zum EG, Nr. 25)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Predigttext wird als Evangelium gelesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-Wochenlied 1: Korn, das in die Erde, EG 98<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-Wochenlied 2: Jesu, meine Freude, EG 396<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-zur Melodie von Wochenlied 2 gibt es einen neuen Text von J\u00f6rg Zink:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Dich r\u00fchmt der Morgen, in: Durch Hohes und Tiefes Nr. 413<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-Holz auf Jesu Schulter, EG 97<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luise Stribrny de Estrada<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">L\u00fcbeck<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:pastorin.stribrny@gmx.de\">pastorin.stribrny@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luise Stribrny de Estrada, geb. 1965, Pastorin der Nordkirche. Von 2001-2009 Pastorin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Mexiko. Seit 2009 Pastorin in L\u00fcbeck, zun\u00e4chst in der St.Philippus-Gemeinde, die nach der Fusion im Jahr 2022 zur Gemeinde Marli-Brandenbaum geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Mal | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Lk 22,54-62 | Luise Stribrny de Estrada | Predigt \u201eHerr, dein Wort ist meines Fu\u00dfes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.\u201c Gott segne unser Reden und unser Zuh\u00f6ren. Sei du mit deinem Geist in unserer Mitte. Amen. Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder! 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