{"id":19577,"date":"2024-03-04T18:09:56","date_gmt":"2024-03-04T17:09:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19577"},"modified":"2024-03-04T18:09:56","modified_gmt":"2024-03-04T17:09:56","slug":"lukas-2254-62-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2254-62-2\/","title":{"rendered":"Lukas 22,54-62"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Angenommen | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Lk 22,54-62 | Marion Werner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Klavierkl\u00e4nge, eine tanzende Ballerina und Jonannes Oerding &#8211; er singt sein Lied \u00abUngeschminkt\u00bb (<em>Lied kann eingespielt werden<\/em>)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abZeig mal her, die kleine Narbe an deiner Hand. Ja, ich weiss, so viele Male hast du dich verbrannt. Wisch den Dreck nicht einfach weg, denn er macht dich f\u00fcr mich perfekt. Zeig mal her, die kleinen Kratzer, hab ich doch l\u00e4ngst gesehen. Wenn du willst, zeig ich dir meine, ich kann dich gut verstehen. Jeder Riss und jeder Fleck, sind deine Special Effects.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht siehst du&#8217;s grad nicht. Komm ich zeig&#8217;s dir, dreh dich mal ins Licht<br \/>\nGenauso, genauso wie du bist. Kein Filter, kein Make-up im Gesicht. Kein Gold und kein Silber, du gl\u00e4nzt ohne Glitzer. Genauso, genauso wie du bist. Ungeschminkt und echt\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genauso wie du bist. Echt und authentisch. Mit all deinen Kratzern und Falten und dunklen Flecken \u2013 genauso wie du bist, bist du echt und akzeptiert und angenommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit seinen warmen Kl\u00e4ngen und der umh\u00fcllenden Musik will dieses Lied Meschen helfen, sich selber anzunehmen. Und auch Mut machen andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unserer Welt, die von digitalen Medien und einer starken Bildkultur gepr\u00e4gt wird, von dem Wunsch, m\u00f6glichst viele \u00abDaumen hoch\u00bb zu erhalten, auch wenn die geposteten Fotos gl\u00fccklicher und cooler aussehen als man sich f\u00fchlt \u2013 in so einer Welt wirbt Johannes Oering daf\u00fcr, zu sich selbst zu stehen, sich anzunehmen mit allen Unvollkommenheiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich mag dieses Lied sehr, weil es f\u00fcr mich die urchristliche Botschaft aufnimmt: Gott sagt zu dir Ja. Du bist bei Gott angenommen und akzeptiert, so wie du bist. Du bist geliebt und von Gott wertgesch\u00e4tzt. Und weil du von Gott angenommen bist und geliebt, darfst du dich selbst auch lieben und annehmen, so wie du bist. Du darfst mit dir zufrieden sein. Weil Gott dir vergibt, darfst du dir selber verzeihen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unserem Predigttext von heute erleben wir einen, der seinem Lebenslauf eine dunkle Episode hinzugef\u00fcgt hat, einen Fehler macht und nun von sich selbst sehr entt\u00e4uscht ist. Wir h\u00f6ren einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium im 22 Kapitel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">54\u00a0Sie ergriffen Jesus aber und f\u00fchrten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. 55\u00a0Da z\u00fcndeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. 56\u00a0Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. 57\u00a0Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. 58\u00a0Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin\u2019s nicht. 59\u00a0Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekr\u00e4ftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galil\u00e4er. 60\u00a0Petrus aber sprach: Mensch, ich wei\u00df nicht, was du sagst. Und alsbald, w\u00e4hrend er noch redete, kr\u00e4hte der Hahn. 61\u00a0Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kr\u00e4ht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62\u00a0Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So weit das Lukasevangelium.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus hat einen Fehler gemacht. \u00dcber Fehler \u00e4rgert man sich und danach \u00fcberlegt man, wie man sie korrigieren kann. Noch schlimmer als \u00c4rger ist es, wenn man von sich selber entt\u00e4uscht ist und sich nicht verzeihen kann. Ich stelle mir vor, dass Petrus an diesem Punkt angekommen ist, als er hinausgeht und bitterlich weint.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er hat Jesus verraten und sich selbst entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dabei ist Petrus jener, der Jesus mit so viel Treue und Herzblut gefolgt ist. Er hat seine Arbeit, seine Familie und sein Zuhause verlassen, um Jesus zu folgen. Er hat Jesus zugeh\u00f6rt und versucht das zu leben, was Jesus gesagt hat. So weit, dass er sogar probiert hat \u00fcber das Wasser zu gehen. Was er zum Teil auch geschafft hat. Petrus geh\u00f6rte zu den J\u00fcngern, die Jesus sehr nahegestanden haben, die auch auf ihn gesorgt haben, wenn zu viele Menschen auf Jesus eingest\u00fcrmt sind. Petrus hat in Jesus mehr als nur den Freund und Meister gesehen. Er hat ihn als den von Gott gesandten Messias erkannt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nun sagt er dreimal, dass er Jesus nicht kennt und nicht zu ihm geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich kann man f\u00fcr jeden Fehler mildernde Umst\u00e4nde suchen: Petrus wollte nahe bei Jesus bleiben, was er nur konnte, wenn er unerkannt blieb. H\u00e4tte man Petrus als J\u00fcnger ausgemacht \u2013 wer weiss, w\u00fcrde man ihn auch gefangen nehmen. Es war also eine Notl\u00fcge zu seinem Schutz. Notl\u00fcgen finden bei uns heute ja oft Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus aber, kann sich das erst einmal nicht verzeihen. Er h\u00e4tte nie gedacht, dass er Jesus verraten w\u00fcrde. Erst am Abend zuvor hatte er noch gesagt: \u00abHerr, ich bin bereit, mit dir ins Gef\u00e4ngnis und in den Tod zu gehen.\u00bb (Lukas 22, 33) Und nun war alles so anders gekommen. Was sollte Petrus nur tun? Wie damit umgehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gehen wir mit eigenen Fehlern und Entt\u00e4uschungen um? Sie w\u00fchlen uns auf und treiben uns lange um. Und wie oft sind wir g\u00fctiger zu andern Menschen als zu uns selbst. Anderen verzeihen wir manchmal schneller als uns selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Petrus geholfen hat und vielleicht auch uns hilft, steht einige Verse vor unserem Predigttext. Am Gr\u00fcndonnerstag, beim letzten Abendmahl, sagt Jesus: \u00abSimon, ich aber habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re. Und wenn du dann umkehrst, so st\u00e4rke deine Br\u00fcder\u00bb (Lukas 22,32).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus wusste, dass der Verrat kommt. Jesus weiss, dass wir Fehler machen, er erwartet keine Perfektion von den Seinen. \u00abIch bete f\u00fcr dich, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6rt\u00bb &#8211; er betet f\u00fcr uns, dass wir an den schweren Zeiten nicht zerbrechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abUnd wenn du umkehrst\u00bb &#8211; sagt er zu Petrus. Wenn wir umkehren. Wenn wir trotz schlechten Gewissens und Verzweiflung zu Gott kommen, dann d\u00fcrfen wir Vergebung empfangen. Denn Gott nimmt uns um Christi Willen auch dann an, wenn wir uns selbst gerade nicht ausstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">UND Wir d\u00fcrfen uns selbst verzeihen, weil Gott uns vergibt, wenn wir ihn bitten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, ich weiss, es ist nicht leicht zu sich selbst g\u00fctig zu sein. Wir sind ja lieber strenger zu uns als zu Freunden und Familie und zu Fremden. Daher mein guter Rat: \u00fcberlegen Sie in solchen Momenten, was w\u00fcrden Sie einem guten Freund oder einer Freundin sagen, die gerade das Gleiche durchmachen. Und dann, dann sagen Sie diese tr\u00f6stenden Worte zu sich selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Menschen sind nun mal nicht perfekt. Wir haben unsere St\u00e4rken und Glanzmomente aber auch Unvollkommenheiten und Fehler. Wir selbst und unser Leben sind ein buntes Gemisch. Aber so sind wir authentisch und etwas Besonderes. Keine Fliessbandprodukte. So einzigartig wollte Gott uns haben. Und so braucht er uns auch. \u00abSt\u00e4rke deine Br\u00fcder\u00bb wird Petrus gesagt. \u00abSeid f\u00fcreinander da\u00bb, sagt Jesus uns allen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich erinnere zum Abschluss nochmals an das Lied: \u00abVielleicht siehst du&#8217;s grad nicht. Komm ich zeig&#8217;s dir, dreh dich mal ins Licht. Genauso, genauso wie du bist. Du gl\u00e4nzt ohne Glitzer. Echt\u00bb und authentisch. So will Gott dich haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Herrn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrerin Dr. Marion Werner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Evangelisch-Lutherische Kirche Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail. <a href=\"mailto:pfarrerin@luther-zuerich.ch\">pfarrerin@luther-zuerich.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angenommen | L\u00e4tare | 10.03.2024 | Lk 22,54-62 | Marion Werner | Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. 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