{"id":19613,"date":"2024-03-20T07:08:28","date_gmt":"2024-03-20T06:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19613"},"modified":"2024-03-19T12:44:10","modified_gmt":"2024-03-19T11:44:10","slug":"philipper-25-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-25-11-5\/","title":{"rendered":"Philipper 2,5-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Statement! | Palmsonntag | 18.3.2024 | Phil 2,5-11 | Wolfgang V\u00f6gele |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Segensgru\u00df<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Predigttext f\u00fcr den Palmsonntag steht Phil 2,5-11:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSeid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in g\u00f6ttlicher Gestalt war, hielt es nicht f\u00fcr einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern ent\u00e4u\u00dferte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erh\u00f6ht und hat ihm den Namen gegeben, der \u00fcber alle Namen ist, da\u00df in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, da\u00df Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Anfang tauchen wir kurz, aber tief in den Dschungel der hippen Jugendmode ein: Vor ein paar Tagen lief in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone eine junge Frau an mir vorbei. Es war schon so fr\u00fchlingshaft warm, sie hatte ihren Mantel ge\u00f6ffnet. Unter ihm trug sie ein einfaches wei\u00dfes T-Shirt mit einem gro\u00df gedruckten englischen Wort: Serendipity. Sehr klein gedruckt stand darunter eine Erkl\u00e4rung aus dem W\u00f6rterbuch. Ich konnte sie so schnell nicht entziffern. Aber ich war neugierig und googelte zuhause. T-Shirts, Baseball Caps oder Hoodies mit kurzer Aufschrift hei\u00dfen in junger Mode Statement Kleidung. Kleidung ist Botschaft. Das textile Statement macht ein Bekenntnis sichtbar, mit Ausrufezeichen: Ich bin davon \u00fcberzeugt! Hier stehe ich! Zum Beispiel: Frauenrechte jetzt! Zum Beispiel: Respektiere die Erde! Zum Beispiel: Sei dankbar. Oder eben \u2013 Serendipity. Aber Vorsicht: In der Mode spielen junge Frauen und M\u00e4nner oft ironisch mit Selbstdarstellung, Identit\u00e4t und Kleidungsst\u00fccken. Nicht alles ist ernst gemeint, zum Beispiel, wenn das Statement schreit: Spa\u00dfattacke!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das T-Shirt der jungen Fu\u00dfg\u00e4ngerin fand ich im Internet in Senfgelb oder Magenta. Die Erl\u00e4uterung des Statements las sich, gleich ins Deutsche \u00fcbersetzt, so: Serendipity \u2013\u00a0 etwas Sch\u00f6nes finden, ohne danach gesucht zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Absichtslose. Das \u00dcberraschende. Das Unerwartete. Serendipity l\u00e4\u00dft sich leider nur mit langatmigen Erkl\u00e4rungen ins Deutsche \u00fcbertragen. Aber das ist nicht so wichtig, denn unabsichtlich hat die junge Frau mit ihrem Statement schon dreimal an das alte Lied des Paulus ger\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eins: Sie stellt eine \u00dcberzeugung aus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwei: Sie sucht nach der \u00dcberraschung jenseits der Langeweile.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Drei: Sie fa\u00dft sich so kurz wie m\u00f6glich, n\u00e4mlich in ein einziges Wort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus, der alte Mann, braucht f\u00fcr sein Statement ein paar Worte mehr. Er schreibt in Versen ein verdichtetes Lied. Im originalen Griechisch ist das ein Hymnus. Im Philipperbrief f\u00e4ngt der Apostel an zu singen. Er nimmt ein altes Lied auf, das Ruhm und Herrlichkeit Jesu Christi preist. In der deutschen \u00dcbersetzung gehen Enthusiasmus und Liedform verloren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus erl\u00e4utert nicht umst\u00e4ndlich. Er belehrt nicht. Er wei\u00df es nicht besser. Stattdessen beantwortet er mit dem Zitat des Liedes eine lebenspraktische Frage. Das Lied w\u00e4re nichts wert, wenn nur die Reime klingeln w\u00fcrden. Das Statement erst macht den Verfasser zum Christen und das Lied zum Glaubensfenster.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder, ich lasse die Nebens\u00e4chlichkeiten beiseite und stelle sofort die entscheidende Frage, auf die dieses Lied eine poetische Antwort gibt. Das Bekenntnis, Statement antwortet auf die Frage nach Gott: Wo ist er? Wie greift er in diese Welt ein? Was will er uns f\u00fcrs Leben sagen? Wann will er bestrafen? Wann will er loben? Mit solchen Fragen ringt Paulus sein ganzes Leben lang. Und sie treiben noch in der Gegenwart religi\u00f6se wie nicht-religi\u00f6se Menschen um. Mit aller emotionalen Macht stellen sich solche Fragen in bedrohlichen Momenten des Lebens, wenn ein Freund oder naher Angeh\u00f6riger im Sterben liegt, wenn eine Kollegin sehr lange an einer schweren Krankheit leidet. Im normalen Alltag dagegen scheint diese Frage nach Gott keine Rolle zu spielen, weil sich der Alltag scheinbar auch ohne Gebet bew\u00e4ltigen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Menschen, auch zweifelnde, k\u00f6nnen das als Statements akzeptieren: Es gibt einen Gott. Und er greift ins Leben, unser Leben ein. Und viele akzeptieren f\u00fcr sich, da\u00df sie dieses Eingreifen beeinflussen k\u00f6nnen, durch Einhalten der Gebote, durch Beten, durch eine Spende an die Bed\u00fcrftigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn von Gott heute die Rede ist, dann begreifen ihn viele als die alles kontrollierende Instanz. Er steht hoch \u00fcber uns, und er lenkt die Menschen wie ein Marionettenspieler seine Puppen. Gott wird, nach einer griffigen Formulierung, als alles bestimmende Wirklichkeit verstanden. Daraus folgt dann: Alles, was geschieht, ist auch Gottes Wille. Alles Wirkliche ist Gottes Wille. Die Formulierung ist unendlich allgemein, und darum verschleiert sie die gewaltige Anma\u00dfung, die in diesem Satz versteckt ist. Alles Wirkliche ist Gottes Wille. Und ganz schnell wird dieser Satz dann auch umgekehrt: Was wirklich ist, <em>mu\u00df<\/em> als Gottes Wille <em>akzeptiert werden<\/em>. In die Verallgemeinerung schleichen sich eine ganze Reihe von Voraussetzungen ein, die nicht mitbedacht werden. Menschen m\u00fcssen einen Gott akzeptieren, der die Wirklichkeit dirigiert. Aber wenn man weiter \u00fcber diesen Satz nachdenkt, dann ziehen sich schnell Risse durch das Bild, die sich mit jedem weiteren Gedanken vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die passenden Beispiele liegen nahe. Schon in der Zeit der Aufkl\u00e4rung fragten sich Zeitungsleser: Hat Gott dieses verheerende Erdbeben in Lissabon zugelassen, das Tausende von Menschen das Leben kostete? Und auch in diesem Jahrhundert haben sich verzweifelte Angeh\u00f6rige gefragt: Sollen wir etwa den millionenfachen Mord an j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern in Konzentrationslagern als von Gott bestimmte Wirklichkeit annehmen? Und man kann \u2013 und mu\u00df \u2013 noch weiter in die Gegenwart gehen: Wollte Gott etwa, da\u00df am 7. Oktober 2023 Terroristen der Hamas Kibbuzbewohner und Konzertbesucher folterten, vergewaltigten und ermordeten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer behauptet, Gott sei die alles bestimmende Wirklichkeit, mu\u00df diese Frage stellen. Und er darf sich nicht vor den Konsequenzen dr\u00fccken. Eine fr\u00fcher beliebte L\u00f6sung f\u00fcr diesen Widerspruch lautete: Gott bestraft immer die B\u00f6sen, und er belohnt die Guten. Aber auch dem widerspricht alle Erfahrung: Zu viele Gute m\u00fcssen leiden, zu viele Unschuldige sterben sinnlos, trostlos oder viel zu jung. Wer ein globales Konto von Gut und B\u00f6se einrichtet und gegeneinander abw\u00e4gt, dessen Rechnung wird nie aufgehen. Es bleibt immer ein unerkl\u00e4rbarer Rest von sinnlosem Leiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gott, der alles bestimmt und das B\u00f6se, das trotzdem geschieht \u2013 aus diesem unaufl\u00f6sbaren Gegensatz sollen mehrere Auswege herausf\u00fchren. Die erste L\u00f6sung lautet: Ich akzeptiere die Wirklichkeit als Gottes Willen und akzeptiere auch alles, was mir selbst geschieht. Es soll eben so sein wie es ist und nicht anders. Diesen Willen mu\u00df ich dem\u00fctig annehmen. F\u00fcr Leidenszeiten dr\u00e4ngt sich die Erkl\u00e4rung auf, da\u00df Gott das so gewollt hat und wir Glaubenden seinen Willen einfach nicht verstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die zweite L\u00f6sung lautet: Ich akzeptiere, da\u00df Gott die Wirklichkeit bestimmt, aber ich klage diesen Gott als grausam und unbarmherzig an, weil so viel sinnloses Leid geschieht. Und deswegen verachte ich Gott daf\u00fcr und beachte ihn nicht weiter in meinem Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beide L\u00f6sungen haben gemeinsam, da\u00df Christenmenschen sie nicht akzeptieren k\u00f6nnen. Denn sie widersprechen dem Lied aus dem Philipperbrief. Das ist gerade das Statement: Gott wird nicht als unnahbares, mitleidloses Schicksal dargestellt. Er thront nicht unnahbar \u00fcber der Lebenswelt der Menschen. Sondern Gott wird Mensch, er nimmt Menschengestalt an, er wird geboren als Jesus von Nazareth. Damit \u00e4ndert sich einiges im menschlichen Verh\u00e4ltnis zu Gott. F\u00fcr die glaubenden Menschen kommt das ganz unerwartet. Sie erinnern sich \u2013 Serendipity.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht da\u00df man dann die Frage beantworten k\u00f6nnte: Wieso l\u00e4\u00dft Gott das zu? Wieso geschieht all das B\u00f6se? Wieso sterben Menschen grundlos und sinnlos? Diese Frage kann man auch aus der Sicht des christlichen Glaubens in der Gegenwart nicht endg\u00fcltig beantworten. Die Risse nicht begr\u00fcndeten Leidens, die mitten durch die Wirklichkeit gehen, k\u00f6nnen nicht billig gekittet oder wegerkl\u00e4rt werden. Diese Risse bleiben offen bis zum Ende der Zeit. Aber was sich ver\u00e4ndert, ist die Art und Weise, wie wir von Gott denken: Wenn Gott nur die alles bestimmende Wirklichkeit ist, dann l\u00e4\u00dft sich nicht entscheiden, ob er das B\u00f6se zul\u00e4\u00dft oder sogar absichtlich herbeif\u00fchrt. Er k\u00f6nnte ein grausamer, b\u00f6ser Gott sein. Der Verdacht l\u00e4\u00dft sich in dieser Deutung nicht entkr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gottesbild ver\u00e4ndert sich einschneidend, wenn man wie im Lied des Paulus Jesus von Nazareth und Gott theologisch miteinander verkn\u00fcpft. Der Gott, der Mensch geworden ist, der sich ent\u00e4u\u00dfert hat, der leiden mu\u00dfte und am Kreuz starb, der mit den leidenden Menschen solidarisch war, der ver\u00e4ndert den Glauben der Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gott der alles bestimmenden Wirklichkeit schwebt \u00fcber den Wolken; unnahbar und unber\u00fchrbar regiert er willk\u00fcrlich das Schicksal der Menschen. Der Gott, der selbst ein Mensch geworden ist, er dagegen nimmt Anteil an diesen Schicksalen. Er l\u00e4\u00dft sich bewegen, l\u00e4\u00dft sich anreden, l\u00e4\u00dft sich anr\u00fchren. Er steht auf der Seite der Leidenden, der Unschuldigen, der Armen, der Trauernden, auf der Seite derer, die keinen Trost finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott geht so weit, so sagt es das Lied des Paulus, da\u00df er Mensch wird, da\u00df er seinen Sohn schickt. Gott durchmi\u00dft dabei einen gro\u00dfen kosmischen Bogen. Er wird zum Menschen Jesus von Nazareth bis in die allergr\u00f6\u00dfte Niedrigkeit des Kreuzes. Von dort erh\u00f6ht ihn Gott in der Auferstehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese besondere N\u00e4he zu Gott zeigt sich in Jesu Leben: Er handelt gewaltlos. Er verfolgt keine eigens\u00fcchtigen Interessen. Er sieht barmherzig die \u00c4ngste und Leiden seiner Mitmenschen. Er redet von einem gn\u00e4digen Gott. Er achtet die Verachteten. Er heilt. Er schlichtet Streit. Er ist bereit, am Kreuz zu sterben. Alle vier Evangelien stimmen darin \u00fcberein: Was Jesus vor allen anderen auszeichnet, ist seine besondere N\u00e4he zu Gott und den Menschen. Das ist der Kern, das Statement des Liedes aus dem Philipperbrief: Der Gott Jesu Christi ist barmherzig und gn\u00e4dig, er ist nicht der gnadenlose Vollstrecker seines eigenen Willens. Er spielt nicht mit den Menschen wie mit Marionetten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Menschen, die Jesus erlebt haben, als er in Jerusalem einzog, m\u00fcssen das auch gesp\u00fcrt haben. Wir haben das vorhin in der Lesung geh\u00f6rt: Als Jesus auf dem Esel durch das Tor reitet, bejubeln die Menschen ihn als einen politischen Erneuerer, als ihren Retter. Und ein paar Tage sp\u00e4ter werden sie von Pilatus ein Todesurteil fordern. Die Menschen in Jerusalem, die ihm mit den Palmzweigen zujubelten, sie haben ihn mi\u00dfverstanden, und es w\u00e4re leicht, im Nachhinein \u00fcber sie den Stab zu brechen und das Ganze, f\u00fcr uns aktuell, moralisch zu wenden: Bleibe du, liebe heutige H\u00f6rerin, lieber heutiger H\u00f6rer, beim Statement deiner stillen Glaubensgewi\u00dfheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das aber ist zu einfach. Was f\u00fcr das Lied ein riesiger Bogen ist, von Gott in die Welt und von dort wieder zu Gott zur\u00fcck, das war f\u00fcr die Menschen, die Jesus zujubelten, so nicht erkennbar \u2013 oder doch?\u00a0 Die Menschen, die Jesus damals zujubelten, unterscheiden sich in nichts von uns heutigen Menschen. Wir treten Jesus nicht nur mit dem gegen\u00fcber, was man Glauben, Gewi\u00dfheit und Hoffnung nennt, sondern da sind auch Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse, Zweifel und bange Fragen. Niemand, kein Mensch, kann ein Leben leben, in dem solche Fragen und damit Ungewi\u00dfheit nicht regelm\u00e4\u00dfig die Glaubenssinne vernebeln. Es sind die dr\u00e4ngenden Fragen nach dem Sinn unschuldigen Leidens, nach dem Sinn von Gewalt, Krankheit und Tod. Man kann diese Fragen verdr\u00e4ngen, leugnen oder einfach beiseiteschieben. Aber am Ende hilft das nichts: Sie lassen sich nicht ignorieren und auch nicht kurz und b\u00fcndig beantworten. Die zerbrechliche Balance von Glauben und Zweifel, von Gewi\u00dfheit und Ungewi\u00dfheit, von Hoffnung und Gleichg\u00fcltigkeit, sie l\u00e4\u00dft sich nicht aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Lied aus dem Philipperbrief geh\u00f6rt als Statement auf die Seite von Glauben, Gewi\u00dfheit und Hoffnung. Das hat einen einfachen Grund: Es ist so geschrieben, als sei die Geschichte Jesu, der Gang von Gott in die Welt und von dort zu Gott zur\u00fcck, schon zu Ende. An diesem Ende steht, da\u00df sich dem Christus, dem Menschen aus Nazareth Menschen, Gewalten und Kosmos beugen werden. So singt es das Lied, und darin vermittelt es uns Zuversicht und Hoffnung. Da wird vom guten Ende in Gott her gesungen. Wir stehen aber noch nicht an diesem Ende der Geschichte. Wir sind noch in sie verwickelt und verstrickt. Uns steht das noch bevor, was Jesus schon geschehen ist. Und darum vermischen sich f\u00fcr uns noch Glauben und Zweifel, Gewi\u00dfheit und Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, Hoffnung und bange Fragen. Ich bin \u00fcberzeugt: Eine Predigt darf an diesem Punkt nichts besch\u00f6nigen. Jeder mu\u00df sich dem stellen, da\u00df Glauben kein Zustand ist, sondern ein Weg, auf dem sich Gewi\u00dfheiten und Zweifel abwechseln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte Gottes mit den Menschen steht unter der Verhei\u00dfung des Liedes aus dem Philipperbrief. Am Ende werden sich Gott alle Knie beugen. Am Ende wird er alle M\u00e4chte des B\u00f6sen besiegen. Und das Lied sagt: Nicht erst am Ende der Geschichte kannst du erkennen, wer Gott wirklich ist. Schon jetzt, wenn du dir die Geschichte des Jesus von Nazareth anschaust, siehst du den Gott, der Mensch geworden ist. Es ist ein barmherziger Gott, ein Gott, der das Leiden und den Tod und die Krankheit auf keinen Fall \u201ewill\u201c. Denn dieser Gott steht selbst auf der Seite der Leidenden, der unschuldig Sterbenden und der ungerecht Behandelten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was bleibt uns aber, wenn wir kein sicheres Wissen dar\u00fcber erlangen k\u00f6nnen? Die Antwort gibt wiederum das Lied selbst. Denn wir k\u00f6nnen glauben und Zeichen der Hoffnung setzen. Schon das Singen eines Liedes, dieses Liedes setzt ein Zeichen gegen die Gewalt, gegen Leiden und Tod. Wer singt, kann nicht verzweifelt sein. Jeder gefeierte Gottesdienst, jeder gesungene Choral, jedes hingemurmelte Gebet, jeder gedachte Sto\u00dfseufzer, jede Tat, die Frieden stiftet und Gewalt abbaut \u2013 all das stiftet Glaube, Liebe und Hoffnung und l\u00e4\u00dft sie wachsen. Sie tragen uns im Leben und helfen, Gewi\u00dfheit und Zweifel im Vertrauen zu balancieren. Dieser Glaube ringt Welt und Gott ein Ja ab. Kein triumphierendes Ja, aber ein kraftvolles und nachhaltiges.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So sei es.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. Dr. Wolfgang V\u00f6gele<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karlsruhe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wolfgangvoegele1@googlemail.com<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wolfgang V\u00f6gele, geboren 1962. Apl. Professor f\u00fcr Systematische Theologie und Ethik an der Universit\u00e4t Heidelberg. Er schreibt \u00fcber Theologie, Gemeinde und Predigt in seinem Blog \u201eGlauben und Verstehen\u201c (<a href=\"http:\/\/www.wolfgangvoegele.wordpress.com\/\">www.wolfgangvoegele.wordpress.com<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statement! | Palmsonntag | 18.3.2024 | Phil 2,5-11 | Wolfgang V\u00f6gele | Segensgru\u00df Der Predigttext f\u00fcr den Palmsonntag steht Phil 2,5-11: \u201eSeid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in g\u00f6ttlicher Gestalt war, hielt es nicht f\u00fcr einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern ent\u00e4u\u00dferte sich selbst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19611,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1,157,853,114,557,349,3,699,109,267],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-19613","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-philipper","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-philipper","category-kasus","category-nt","category-palmsonntag","category-predigten","category-wolfgang-voegele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19613"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19613\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19614,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19613\/revisions\/19614"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19613"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=19613"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=19613"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=19613"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=19613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}