{"id":19617,"date":"2024-03-20T07:10:04","date_gmt":"2024-03-20T06:10:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19617"},"modified":"2024-03-19T12:44:43","modified_gmt":"2024-03-19T11:44:43","slug":"philipper-25-11-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-25-11-6\/","title":{"rendered":"Philipper 2,5-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Widerstehen geh\u00f6rt sich | Palmarum | 24.03.2024 | Phil 2,5-11 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seid so unter euch gesinnt \u2013 so beginnt der Predigttext \u2013 wie es sich f\u00fcr die Gemeinde Jesu Christi geh\u00f6rt. Offenbar bestanden Zweifel daran, dass die Leute in Philippi wie eine christliche Gemeinde dachten und handelten. Zweifel, die Christen bis heute auch bei uns h\u00e4ufig zu h\u00f6ren bekommen. Gerade k\u00fcrzlich sagte mir ein Paar: Was uns hindert, zur Kirche zu gehen und zur Kirche zu geh\u00f6ren \u2013 das ist nicht der Glaube an Gott und an Christus; es ist noch nicht einmal die Kirchensteuer. Was uns hindert, sind die Menschen, die sich nicht richten nach dem, was sie da predigen und h\u00f6ren. Und diese Kritiker w\u00e4ren bestimmt froh \u00fcber den Anfang dieses Paulustextes. Endlich wird es denen mal richtig gegeben, h\u00f6re ich sie triumphieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch schon f\u00e4llt Paulus sich selbst ins Wort. Statt dass er seinen Lesern mal ordentlich die Leviten liest und sagt, was sie alles falsch machen, stimmt er ein Lied an; ein Lied, das sich ganz auf Christus konzentriert und bei dem bleibt, was er uns zugutegetan hat. Leider kennen wir die Melodie dieses Liedes nicht. Aber der Rhythmus im urspr\u00fcnglich griechischen Text zeigt: Paulus nimmt hier ein Lied auf, das in der Gemeinde bekannt war. Und das ist inzwischen auch unter den biblischen Liedern in unserem Gesangbuch zu finden. Und zwar unter der Nummer 760 \u2013 hinten nach den Psalmen, den Liedern Israels, die wir, wenn schon nicht singen, so doch im Wechsel sprechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Seid so unter euch gesinnt, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Er, der in g\u00f6ttlicher Gestalt war, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 hielt es nicht f\u00fcr einen Raub, Gott gleich zu sein,\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>sondern ent\u00e4u\u00dferte sich selbst <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und nahm Knechtsgestalt an, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ward den Menschen gleich <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er erniedrigte sich selbst <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Darum hat ihn auch Gott erh\u00f6ht <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und hat ihm den Namen gegeben, der \u00fcber alle Namen ist,\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Jesus Christus der und alle Zungen bekennen sollen, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dass Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em>Nach der Eingangsmahnung folgen 7 kurze Strophen, in denen allein von Christus die Rede ist. Und zwar von einem Jesus, der im Anfang und erst recht am Ende nicht der ist, den wir so gerne Bruder nennen. Nein, ein Jesus, der uns Menschen himmelhoch \u00fcberlegen ist. Der immer schon mit Gott auf einer Stufe stand. Davon erz\u00e4hlt ja auch das Evangelium von seinem Einzug in Jerusalem, das dem Sonntag Palmarum seinen Namen gegeben hat. Die Menschen w\u00e4ren in Jerusalem doch nicht jubelnd auf die Stra\u00dfe gegangen, wenn da einer gekommen w\u00e4re wie du und ich. &#8222;Gelobt sei, der da kommt im Namen \u2013 und das hei\u00dft in der Vollmacht \u2013 des Herrn&#8220; sangen die\u00a0 Menschen beim Einzug Jesu. \u00dcbermenschliche F\u00e4higkeiten hat man in ihm gesehen. Den Messias hat man erwartet. Den Mann Gottes, der die r\u00f6mische Besatzungsmacht aus dem Lande jagt. Der jedermann zu seinem Recht verhilft. Gruppenegoismen und Parteiengez\u00e4nk ein Ende macht, Gottes Willen \u00fcberall zur Geltung bringt, sodass auch die Heiden sich zu ihm bekehren. Er muss also etwas gehabt haben, was Menschen unwiderstehlich in seinen Bann gezogen hat. Und so wird in den Evangelien immer wieder von der Vollmacht erz\u00e4hlt, mit der er geredet und gehandelt hat. Die Grenzen und Sachzw\u00e4nge, die unserem guten Willen in die Quere kommen \u2013 f\u00fcr ihn haben sie offenbar nicht gegolten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er hielt sich aber nicht dran fest, sah in seinen himmlischen Gaben nicht ein gefundenes Fressen, um den g\u00f6ttlichen Superstar spielen zu k\u00f6nnen. Als Messias hat er sich nie bezeichnet, des Menschen Sohn wollte er sein. Nicht mit Glanz und Gloria ist er in die Hauptstadt eingezogen. Auf einem Esel, dem Reittier des kleinen Mannes, kam er daher, einem Reittier, das nicht stolz daherprescht und ihn \u00fcber andere herausragen lie\u00df. Mit dem Esel ging es nur langsam und stockend voran. Hier erscheint Jesus wirklich in der Gestalt und im Geschick des Durchschnittsmenschen, dem immer wieder etwas in die Quere kommt und der nur schrittweise vorankommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch der Weg Jesu geht noch weiter nach unten. Er bleibt nicht stehen dabei, Mensch zu sein wie wir oder auch bedeutsam wie Mohammed oder Buddha. Ihn als Religionsstifter zu bezeichnen, ist daneben, denn er wandelte nicht auf den H\u00f6hen von Religion und Kultur. Dazu stieg er aus freien St\u00fccken zu tief hinab, lieferte sich den M\u00e4chtigen aus wie ein Knecht, wie ein Sklave. Als solcher geh\u00f6rte er in die unterste Schublade, die unterste soziale Schicht. Nach dem Verst\u00e4ndnis der Oberschicht waren Sklaven gar keine richtigen Menschen, sondern wie der griechische Philosoph Aristoteles es ausdr\u00fcckte, ein Besitzst\u00fcck mit Seele. Jesus tut das aus Gehorsam. Auch andere Menschen \u2013 gerade in unseren Tagen \u2013 sind zum Selbstopfer aus Gehorsam bereit. Doch der Gehorsam Jesu war nicht gegen andere gerichtet, die er mit in den Tod riss. Sein Gehorsam brachte den lebendigen Gott zu den Menschen, die ihn lange verloren und aufgegeben hatten. Sein Gehorsam zeigt, dass Gott nicht sein will ohne die hoffnungslosen F\u00e4lle, nicht sein will ohne die Opfer, nicht sein will ohne die zur H\u00f6lle Fahrenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und weil Christus einer von ihnen geworden ist \u2013 d\u00fcrfen Christen nicht die Augen verschlie\u00dfen und sich vorbeidr\u00fccken an Benachteiligten und Entw\u00fcrdigten \u2013 und m\u00f6gen die noch so sehr selber schuld sein. Von Jesus bekommen sie ihre gottgegebene W\u00fcrde unwiderruflich zur\u00fcck. Sie d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger als Abschaum oder wie Ware angesehen und behandelt werden, weil der Christus gehorsam war bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuz, dem Foltertod f\u00fcr Sklaven.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Darum hat ihn auch Gott erh\u00f6ht, dass alle Zungen bekennen sollen: dass Jesus Christus der Herr ist.&#8220; Solche Worte waren damals eine politische Provokation ohne gleichen. Dem Gekreuzigten, dem Entsorgten wurde mit der Benennung Kyrios, Herr, der Titel des Kaisers beigelegt, Der Caesar in Rom hat sich als Herr der Welt so nennen lassen. Wenn der Gekreuzigte \u2013 das Opfer \u2013 der Herr ist, dann haben die Herren der Welt ausgespielt. Und das ist auch heute noch eine unerh\u00f6rte Provokation. Denn unsere Zeit \u00fcbt wie keine vor ihr den Kniefall vor dem gro\u00dfen Geld, vor wirtschaftlicher und politischer Macht und vor dem sichtbaren Erfolg. Und Kirche hat sich \u2013 wie man meint \u2013 aus diesen Dingen herauszuhalten und sich auf die Innerlichkeit und nat\u00fcrlich die N\u00e4chstenliebe zu beschr\u00e4nken. Doch wo Jesus der Herr ist \u00fcber alle Herren, da wird seiner Kirche zugemutet, nicht in die Knie zu gehen vor dem Mammon, der sich an die Stelle Gottes gesetzt hat und alle Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichem Kalk\u00fcl formen will. Das letzte Wort aber hat er nicht. Denn die eigentliche Herrschaft hat schon jetzt der erh\u00f6hte Jesus. Dieser scheinbar Ohnm\u00e4chtige hat sich bisher immer st\u00e4rker erwiesen als alle seine Widersacher. Seine Lebenskraft stellt er unter Beweis, wo immer den Gesetzen des Marktes Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t mit den Benachteiligten ge\u00fcbt wird. Und Gott wird daf\u00fcr sorgen, dass das Bekenntnis zu ihm nicht verstummt. Allen Widerst\u00e4nden zum Trotz wird es am Ende zu einem gewaltigen Chor anschwellen, in den alle Kreatur einstimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer diesem Ziel entgegensieht, der wird frei sein in seinem Denken und Tun. Er wird es wagen zu widersprechen und nicht zu kuschen. Er wird Zivilcourage zeigen und ein bisschen K\u00fchnheit im Alltag. Und er wird seine Stra\u00dfe nicht mit gesenktem, sondern mit erhobenem Haupt ziehen. Das ist die Gesinnung, die sich in der Gemeinde Jesu geh\u00f6rt. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Rudolf Rengstorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Widerstehen geh\u00f6rt sich | Palmarum | 24.03.2024 | Phil 2,5-11 | Rudolf Rengstorf | Liebe Leserin, lieber Leser! Seid so unter euch gesinnt \u2013 so beginnt der Predigttext \u2013 wie es sich f\u00fcr die Gemeinde Jesu Christi geh\u00f6rt. Offenbar bestanden Zweifel daran, dass die Leute in Philippi wie eine christliche Gemeinde dachten und handelten. 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