{"id":19636,"date":"2024-03-23T07:55:55","date_gmt":"2024-03-23T06:55:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19636"},"modified":"2024-03-20T15:29:12","modified_gmt":"2024-03-20T14:29:12","slug":"johannes-131-15-1-korinther-1123-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-131-15-1-korinther-1123-26\/","title":{"rendered":"Johannes 13,1-15; 1. Korinther 11,23-26"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Das Vorbild Jesu | Gr\u00fcndonnerstag | 28.03.2024 | Joh 13,1-15; 1.Kor 11,23-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute am Gr\u00fcndonnerstag h\u00f6rten wir im Episteltext die Einsetzungsworte, die wir aus dem sonnt\u00e4glichen Abendmahl kennen. Die Worte, die gesprochen wurden, als Jesus, ehe er das Brot brach und den Wein ausschenkte, erz\u00e4hlte, dass dies ihre letzte gemeinsame Mahlzeit ist. Worte, die erz\u00e4hlen, dass das Ende nun nahe ist, Kreuzigung, Tod und Auferstehung sind die Ereignisse der n\u00e4chsten Tage mit einem Abschluss und einem neuen Anfang.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Geschichte von Gr\u00fcndonnerstag, die erz\u00e4hlt wird auf dem Wege von der Jubelszene des Palmensonntags bis zur morgigen leidvollen Erz\u00e4hlung vom Karfreitag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Besondere in diesem Jahr aber ist, dass das Evangelium aus der zweiten Perikopen-Reihe nicht die Einsetzungsworte enth\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Predigttext stammt aus dem Johannesevangelium \u2013 und das Besondere an diesem Evangelium ist, dass hier nicht vom Abendmahl erz\u00e4hlt wird. F\u00fcr Johannes ist die Hauptsache offenbar nicht diese letzte Mahlzeit zusammen mit den J\u00fcngern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht dass Johannes das Abendmahl nicht kannte. Es steht im Hintergrund an vielen anderen Stellen im Evangelium \u2013 teils in der Erz\u00e4hlung von der Speisung der F\u00fcnftausend, aber noch deutlicher, wo Jesus sich selbst mit dem Brot vergleicht. Und nicht das Brot, das wir als verg\u00e4nglich kennen und wo man wieder hungrig wird, sondern das Brot, das mit dem Glauben verbunden ist \u2013 das Brot, das st\u00e4rkt und n\u00e4hrt zum ewigen Leben. Brot als Geist \u2013 Brot als Wahrheit. Ich bin das Brot des Lebens\u201c, sagt er \u2013 alles andre ist zwar wichtig nach einem anderen Ma\u00dfstab, aber das Brot, von dem wir leben, ist das, was wie Worte unsere Ohren erreicht und Glauben in unseren Herzen schafft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Frage ist jedoch, warum Johannes trotz allem nicht von der Mahlzeit am Gr\u00fcndonnerstag erz\u00e4hlt. In vieler Hinsicht kann man sagen, dass es ja so gesehen nicht n\u00f6tig ist, dass auch Johannes die Einsetzungsworte wiedergibt \u2013 wir haben sie ja geh\u00f6rt, und das haben seine Zeitgenossen auch. Sein Evangelium ist wohl das j\u00fcngste der vier Evangelien und so geschrieben, dass man das Gef\u00fchl hat, dass die Erz\u00e4hlungen von Jesus in den christlichen Gemeinden schon bekanntes Allgemeingut sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dieser Weise unterscheidet sich das Johannesevangelium also von den anderen Evangelien. Deren Erz\u00e4hlung ist ein langer Bericht bis hin zum Abschluss \u2013 zu Ostern \u2013 zum Glauben. Aber so denkt der alte Johannes nicht. Seine Erz\u00e4hlung beginnt mit der Offenbarung, dass Jesus der Christus ist. Jesus ist der Sohn Gottes, schon gegenw\u00e4rtig im Sch\u00f6pferwort und sp\u00e4ter Mensch geworden, um \u201eunter uns zu wohnen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes beginnt mit dem Glauben und l\u00e4sst ihn die tragende Grundlage f\u00fcr sein Evangelium sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das pr\u00e4gt die Erz\u00e4hlung, die nach ihm mit dem Gr\u00fcndonnerstag verbunden ist. In seinem Evangelium findet sich auch die Abschiedsmahlzeit, aber als Rahmen f\u00fcr die letzte Rede an seine J\u00fcnger, eine breite Entfaltung des neuen Gebots, nach dem sie k\u00fcnftig leben sollen. Das Gebot geht weiter als alle die Forderungen und Befehle und Lebensregeln, die sie schon kennen und die ihre Wurzeln in den zehn Geboten haben. Das Gebot, das auf die Liebe verweist, die das gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Gebot ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDies ist mein Gebot, dass ihr einander lieben sollt, so wie ich euch geliebt habe. Eine gr\u00f6\u00dfere Liebe hat niemand als der, der sein Leben gibt f\u00fcr seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch befehle, ich nenne euch nicht mehr Diener, denn der Diener wei\u00df nicht, was sein Herr tut; ich nenne euch Freunde, denn alles, was ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, habe ich euch kundgetan\u201c (Johannes 15,12-15).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Johannes war die wichtigste Botschaft von Gr\u00fcndonnerstag, dass die J\u00fcnger \u2013 und wir mit ihnen \u2013 verstehen sollen, was es hei\u00dft, zum Glauben zu kommen. Und verstehen sollen, was es hei\u00dft, in der Liebe zu leben. Als Diener f\u00fcreinander \u2013 als Freunde miteinander mit Jesus als Vorbild \u2013 uns gezeigt mit all dem, was er als Mensch getan hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch habe euch ein Vorbild gegeben, damit ihr so handeln sollt, wie ich es an euch getan habe\u201c, hie\u00df es. In der F\u00fcrsorge der Liebe leben. Von der Liebe leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Johannes wird das Gebot der Liebe auf diese Weise der Hintergrund und die Pointe der Mahlzeit am Gr\u00fcndonnerstag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Liebesgebot, das dem Glauben entspringt als die neue Forderung, die alle anderen Gebote und Forderungen und Lebensregeln umfasst, die man sich f\u00fcr das Leben denken kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eben dies zeigt Jesus mit der Fu\u00dfwaschung \u2013 als Bild f\u00fcr die Liebe, als Bild der F\u00fcrsorge f\u00fcr den anderen, als Bild f\u00fcr Freundschaft. Dass die J\u00fcnger die Symbolik in diesem Bild nicht ganz verstehen, ist deutlich \u2013 Petrus besteht sogar auf einer Ganzk\u00f6rper-Behandlung, wenn Waschen selig macht. Aber Jesus spricht Klartext. Wer gebadet ist, der ist rein \u2013 wer den Glauben hat, der ist schon rein \u2013 und nur die F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen gewaschen werden als letztes Zeichen der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer schon die Gnade der Taufe empfangen hat und zum Glauben gekommen ist, darf sich als Gottes J\u00fcnger und treuen Freud verstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das sollen wir nach dem Evangelisten Johannes heute am Gr\u00fcndonnerstag h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Tischgemeinschaft beim Abendmahl ist wichtig, wo Brot und Wein uns an den Tod Jesu und unsere Schuld erinnern sollen und wo wir selbst am Werk Jesu teilhaben und davon leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die n\u00e4chste Mahlzeit, wo wir demn\u00e4chst uns satt essen in einem Kiosk mit einem Becher Wein, ist genauso wichtig, so wie alle Mahlzeiten, die wir mit Freuden einnehmen, wichtig sind, oder die mit Fremden \u2013 eben als Bild f\u00fcr Freundschaft und Gemeinschaft der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus sandte die J\u00fcnger hinaus in die Welt nach seinem Tod und seiner Auferstehung mit dem Gebot, einander zu lieben und f\u00fcreinander zu sorgen \u2013 in Mahlzeiten, in Taten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich ist es deshalb wohl \u00fcberraschend, dass die Fu\u00dfwaschung kein festes Ritual im Gottesdienst wurde, zusammen mit dem Abendmahl. Manche w\u00fcrden vielleicht meinen gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber das Bild ist wichtig, und wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass ein anderer einem die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht, dann wei\u00df man, was f\u00fcr ein ungew\u00f6hnlich angenehmes Gef\u00fchl das ist. Und eben dies ist wichtig \u2013 die Bedeutung, dass die J\u00fcnger im Namen Gottes ausgesandt werden, um der Welt Liebe zu geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nun ganz ruhig, ich habe heute nach der Predigt vor, das Abendmahl zu feiern und nicht eine Fu\u00dfwaschung. Aber nehmt das Bild an \u2013 als die \u00f6sterliche Aufforderung, hinaus in die Welt zu gehen, um f\u00fcr unsere Mitmenschen das zu tun, was Jesus getan h\u00e4tte \u2013 sie sehen, ihnen helfen, nach ihnen zu reichen, ja ihre F\u00fc\u00dfe waschen, wenn das nottut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Ereignis von Ostern werden die J\u00fcnger alleingelassen \u00a0\u2013 aber nicht ohne Herz und mit leeren H\u00e4nden. Das heutige Evangelium betont, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um uns im Geiste Gottes den Weg in die Welt zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und mit der Fu\u00dfwaschung konnte er nicht deutlicher und konkreter zeigen, dass dieser Weg in vorbehaltloser Liebe gegangen werden soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass nicht alle dem zustimmten, zeigt Judas, den der Teufel im Griff hatte. Und dass der Teufel noch immer w\u00fctet, das sehen wir in allen Nachrichten, wo Krieg und Gewalt herrscht und wo Verrohung und Dummheit selbst junge Menschen zu Gewalt und Totschlag veranlasst. Aber eben das macht deutlich, wie wichtig es ist, dass Werke der Liebe gef\u00f6rdert werden und wachsen m\u00fcssen und \u00fcberall da sein m\u00fcssen, wo sich Menschen begegnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6ge Gott uns helfen, dass wir sein Wort annehmen und nach seinem Gebot handeln. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Vorbild Jesu | Gr\u00fcndonnerstag | 28.03.2024 | Joh 13,1-15; 1.Kor 11,23-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen | Heute am Gr\u00fcndonnerstag h\u00f6rten wir im Episteltext die Einsetzungsworte, die wir aus dem sonnt\u00e4glichen Abendmahl kennen. 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