{"id":1966,"date":"2020-02-25T16:40:11","date_gmt":"2020-02-25T15:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=1966"},"modified":"2020-03-12T11:00:25","modified_gmt":"2020-03-12T10:00:25","slug":"ich-bin-unter-euch-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ich-bin-unter-euch-wie\/","title":{"rendered":"Ich bin unter euch wie&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Ich bin unter euch wie ein Diener | Predigt zu Lukas 22:24-32, verfasst von Rasmus N\u00f8jgaard\u00a0|aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>Die Fastenzeit hat begonnen. Das Fest der Heuchler. Hier gedeiht der Betrug, dass wir eine kurze \u00dcbung durchmachen und dadurch Kontrolle \u00fcber uns selbst als ein frommes Verdienst gewinnen k\u00f6nnen. Aber nur f\u00fcr eine kurze Zeit, und dann ist die Fastenzeit vorbei. Was nutzt es, 40 Tage lang auf Essen und Trinken zu verzichten, wenn der Rest des Jahres ein Festmahl ist? Eine Ein\u00fcbung ins Christentum, die man jedoch so schnell wieder verl\u00e4sst wie sie begonnen hat, von Aschermittwoch bis Ostern. Dass ist wie wenn man das Klima retten will, indem man Skiferien macht oder wandert, ohne jedoch daran zu denken, dass man dazu mit dem Flugzeug anreist.<\/p>\n<p>Das Evangelium ist radikaler, es fordert nicht nur eine kurze Bu\u00dfe. Noch w\u00e4hrend sie am Tisch zur Ostermahlzeit sitzen und kurz vor der Verleugnung des Petrus und dem Verrat des Judas am \u00d6lberg streiten die J\u00fcnger dar\u00fcber, wer unter ihnen der Gr\u00f6\u00dfte ist \u2013 und das nachdem sie Jesus seit ihrer Berufung am See Genezareth gefolgt waren und nicht einmal Petrus die einfache Botschaft Jesu verstanden hatte, dass niemand der Gr\u00f6\u00dfte ist. Wir sind alle Diener f\u00fcr die Welt. \u00dcberraschenderweise ist der Dienst an der Welt kein religi\u00f6ses oder heiliges Anliegen. Die Botschaft Jesu ist ein Verweis auf ein weltliches Leben ohne religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit. Die J\u00fcnger sollen nicht Diener Gottes und Jesu Sch\u00fcler sein, sondern der \u00c4lteste soll sein wie der J\u00fcngste und der Leiter soll wie ein Diener sein. Sie sollen sich der Welt hingeben und ihr dienen. Sie sollen sich nicht als Wohlt\u00e4ter feiern lassen, sondern sich dar\u00fcber freuen, etwas Gutes tun zu k\u00f6nnen. So wie Jesus es auch getan hat. Das ist ein Evangelium, das nicht religi\u00f6s und partikul\u00e4r ist, es hebt nicht ein bestimmtes Volk hervor oder bestimmte Religionen, sondern fordert allein eine universelle Identit\u00e4t, dass man \u00fcberall und zu jeder Zeit Diener der Menschen sein soll.<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten sehr wohl eine Erh\u00f6hung der J\u00fcnger erwarten k\u00f6nnen, und sie haben das offenkundig selbst erwartet, aber da soll keine Erh\u00f6hung stattfinden, ohne dass sie die Form einer jenseitigen Verwandlung annimmt, wenn sie wieder am Tisch des Herrn sitzen. Die Erh\u00f6hung geschieht mit anderen Worten im Lichte des Todes und der Auferstehung Jesu. Jesu eigene Hingabe f\u00fcr den Dienst an der Welt durch Leiden und Tod zeigt einem jeden den Weg, die Wahrheit und das Leben. Die Erwartungen der J\u00fcnger werden mit anderen Worten entt\u00e4uscht, als der bu\u00dffertige Weg mit Jesus und die letzte Verh\u00f6hnung durch das Volk nicht schlie\u00dflich durch Erh\u00f6hung, Reichtum und Mach kompensiert werden. Die Verhei\u00dfung eines Platzes am Tisch des Herrn hat keinen Wert. Sie haben Heilungen und Totenerweckungen erlebt, aber eine Auferstehung haben sie nicht erfahren. Wie sollten sie an eine jenseitige Belohnung glauben?<\/p>\n<p>Aber Gottes Sohn ist geduldig, und er wei\u00df, dass niemand etwas versteht, ehe er sich selbst als der Gekreuzigte und Auferstandene offenbart hat. Er wei\u00df, dass der Kelch nicht an ihm vor\u00fcbergeht. Deshalb sieht er voraus, dass Petrus vom Satan versucht werden wird. Au\u00dfer Jesus selbst sind es nur wir Leser und Zuh\u00f6rer, die die Ereignisse der n\u00e4chsten Tage kennen. Die Entt\u00e4uschung \u00fcber die Gefangennahme und das unvermeidliche Leiden Jesu ist so gro\u00df, dass Petrus Jesus drei Mal verleugnet, ehe der Hahn kr\u00e4ht, und Judas beschie\u00dft, seinen geplanten Verrat zu verwirklichen. Der Abfall ruft die Erinnerung wach an die Taufe Jesu und die darauf folgende Versuchung in der W\u00fcste, wo ihn der Satan zum gr\u00f6\u00dften, reichsten und m\u00e4chtigsten Mann machen will. Das entspricht der Pr\u00fcfung Hiobs durch den Satan. Hiob ist selbst das<\/p>\n<p>Vorbild daf\u00fcr, dass sich das Gottesverh\u00e4ltnis nicht in Reichtum und Erfolg wiederspiegelt, sondern in einem leidenschaftlichen Kampf zwischen Gott und dem Menschen. Das Leben mit Gott ist ein Jakobskampf, den niemand unbeschadet \u00fcbersteht.<\/p>\n<p>Es ist mit anderen Worten nicht so, dass die J\u00fcnger ihre Aufgabe nicht h\u00e4tten kennen m\u00fcssen. Die Botschaft der Demut und N\u00e4chstenliebe ist schon eine Forderung in den alten Schriften. Schon hier hat sich Gott als Vater der Barmherzigkeit offenbart. Jesus wiederholt und bekr\u00e4ftigt diese Botschaft, er gibt seinen J\u00fcngern zu verstehen, dass er keinen anderen Weg anweist als die Aufgabe der Demut und des Dienens. Es geht nicht nur im Lukasevangelium darum, das zu betonen, auch im Johannesevangelium wird dieses Anliegen klar hervorgehoben, wenn Johannes nicht vom letzten Abendmahl berichtet, sondern im Bericht \u00fcber das Ostermahl den Augenblick in den Mittelpunkt stellt, wo Jesus die F\u00fc\u00dfe seiner J\u00fcnger w\u00e4scht und sie schon hier mit dem dem\u00fctigen Dienst f\u00fcr die Welt beauftragt.<\/p>\n<p>Die Geduld Jesu mit seinen J\u00fcngern ist grenzenlos. Das ist heute auch unser Trost. Er verurteilt weder Petrus noch Judas, beiden gegen\u00fcber l\u00e4sst er verstehen, dass es der F\u00fcrst der Finsternis, Satan selbst, ist, der im ihnen wirkt. Beide haben die Hoffnung, dass sie umkehren und nicht im Ungl\u00fcck sterben m\u00f6gen. Aber die Entt\u00e4uschung und die Ohnmacht nimmt Judas das Leben, er kann sich nicht damit vers\u00f6hnen, dass Jesus nicht die Welt ver\u00e4ndern soll, sondern ihnen nur gebietet, ihr zu dienen. Judas sollte die Auferstehung nicht erleben, und er erlebt damit nicht wie die anderen J\u00fcnger die hoffnungsvolle Verwandlung. Keiner von ihnen sollte alt werden, alle starben im Dienst der Demut mit der \u00dcberzeugung, dass sie schon dazu erh\u00f6ht waren, am Tisch des Herrn zu sitzen. Der Tod und die Auferstehung Jesu ist der Bund, durch den die J\u00fcnger erl\u00f6st werden. Ein Glaube daran, dass Christus den wahren Weg angewiesen hat in dem\u00fctigem Dienst an der Welt.<\/p>\n<p>Das ist etwas anderes als kurzzeitiges Fasten und Festhalten an Geburtsrecht und eigenem Verdienst. Das ist die \u00dcbung, die uns die Fastenzeit gebietet, in vierzig Tagen uns selbst herauszufordern im Lichte des dem\u00fctigen Dienstes Jesu, dass wir den Tod und die Auferstehung Jesu besser verstehen, ehe wir dann \u00fcber den Kreuzestod Jesu trauern und seine Auferstehung feiern.<\/p>\n<p>Wir alle m\u00fcssen uns selbst fragen: Bin ich dem Ruf Christi treu? Folge ich dem Evangelium Jesu oder lasse ich mich durch Satan versuchen?<\/p>\n<p>Diese Frage muss jeder f\u00fcr sich beantworten, und kein anderer kann uns im Namen Gottes richten. Denn wir stehen alle vor Gottes Angesicht, der uns heute zu sich ruft, weil er schon einen Platz bereitet hat an seinem Tisch. Der barmherzige und gn\u00e4dige Gott ruft uns zu sich, und wenn wir umkehren, gr\u00fc\u00dft er uns mit diesem Ruf: St\u00e4rke deine Br\u00fcder! Amen.<\/p>\n<div id=\"fuss\">Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<br \/>\nDK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:rn(at)km.dk\">rn(at)km.dk<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin unter euch wie ein Diener | Predigt zu Lukas 22:24-32, verfasst von Rasmus N\u00f8jgaard\u00a0|aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Die Fastenzeit hat begonnen. Das Fest der Heuchler. Hier gedeiht der Betrug, dass wir eine kurze \u00dcbung durchmachen und dadurch Kontrolle \u00fcber uns selbst als ein frommes Verdienst gewinnen k\u00f6nnen. 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