{"id":19672,"date":"2024-03-27T06:55:13","date_gmt":"2024-03-27T05:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19672"},"modified":"2024-03-25T17:22:06","modified_gmt":"2024-03-25T16:22:06","slug":"matthaeus-281-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-281-9\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28,1-9"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Auferstehung ist Protest und Unvorhersehbarkeit | Ostersonntag | 31.03.2024 | Matth\u00e4us 28,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Peter Skov Jakobsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Derzeit scheint es so zu sein, dass es Kulturen gibt, von denen wir nicht meinen, etwas lernen zu k\u00f6nnen. In dieser Situation sollten wir besonders aufmerksam und hellh\u00f6rig sein. Es gibt eine fruchtbare Diskussion zwischen der gro\u00dfen orthodoxen Tradition im \u00f6stlichen Teil von Europa und der westlichen Tradition. Besonders die russisch-orthodoxe Tradition hat immer behauptet, dass bei uns eine merkw\u00fcrdige Verfl\u00fcchtigung stattgefunden hat. Sie behaupten, dass wir gleichsam nie Christus wirklich angenommen haben, wir sind nie richtig von ihm \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie sagen, dass wir so klug, so redlich sind, so \u00fcberzeugend \u2013 und an hohem Ansehen leiden. Besonders untereinander. Wir k\u00f6nnten das Dasein beherrschen. Wir k\u00f6nnen es beherrschen mit unserer Wissenschaft, und wir glauben, dass wir die Welt nach unserem Bilde formen und nach unser en Bed\u00fcrfnissen einrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Segen ist dann nur Beh\u00e4ndigkeit, Verf\u00fcgbarkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von sich selbst sagen sie, dass sie arm sind, dumm, versoffen, schmutzig, schlimmer als Barbaren. Aber sie haben Christus, den Heiligen, und er wird sie befreien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist zugespitzt formuliert. Aber lasst uns versuchen, etwas davon aufzunehmen. Es ist wohl etwas daran wahr, dass der Mensch, der mit seinem Wissen und seiner Wissenschaft so viel kann, sich dabei selbst vergisst. Unser Respekt vor der Erde, unseren Ressourcen, ist nicht sehr gro\u00df. Wir sind auch immer der Meinung, dass der andere Mensch selbstverst\u00e4ndlich nach unserem eigenen Bild ver\u00e4ndert werden kann. Wir haben unendliches Vertrauen zu unserer eigenen Schnelligkeit, Konsequenz und Effektivit\u00e4t. Wir vertrauen darauf, dass wir das Dasein beherrschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist diese \u00dcberzeugung, Macht zu haben, zu beherrschen, die der \u00f6stlichen Tradition missf\u00e4llt. Es ist, als w\u00fcrden wir nicht eingehen auf das Mysterium des Daseins, denn wir sind so \u00fcberzeugt von unserer Selbstgerechtigkeit und entdecken deshalb auch nicht die eigene Macht des Lebens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir entdecken nicht, dass das Leben uns auf den Leib r\u00fcckt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gar nicht so dumm mit einer Zivilisationskritik, die uns aufmerken l\u00e4sst, aber ich m\u00f6chte nun die Behauptung wagen, dass wir sehr wohl wissen, dass das Wunder des Lebens sich uns offenbart, sich unser annimmt und uns aufnimmt, uns das Gef\u00fchl gibt, dass das B\u00f6se und H\u00e4ssliche uns in aller Ewigkeit nie \u00fcberwinden darf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sehen zur\u00fcck auf sein Leben und entdecken, dass er uns noch immer verwandelt mit seinen Taten und seinen Worten. Die Langeweile, die Trivialit\u00e4t, die Kleinlichkeit und die Zimperlichkeit haben nie das letzte Wort. Er ist auch eingegangen in unsere Kultur als der, der uns den Glauben daran schenkt, dass wir von dem angenommen sind, den wir lieben (Weil). Er gibt uns das Gef\u00fchl, dass das gute Leben nat\u00fcrlich nicht im trivialen Stress des Alltags besteht. Stets kommt er uns entgegen mit dem Leben, das sich f\u00fcr uns offenbaren und uns ergreifen will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir uns zu Tode Sorgen machen, fragt er still: Wer unter euch kann seinem Leben eine Elle hinzusetzen, indem er sich sorgt? Wenn wir uns darum bem\u00fchen, den gr\u00f6\u00dften Baum im Wald zu f\u00e4llen, der Ehre hei\u00dft, verweist er auf das Kind, und wir verstehen, dass es das sprudelnde Leben ist, das spielende Leben, das sich uns immer \u00f6ffnet, wenn wir es wagen, die Kontrolle aufzugeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist auferstanden von den Toten. Wenn ihr glaubt, dass das nur reine Tricks sind, irrt ihr euch! An diesem Tag \u00f6ffneten sich das Leben, die Liebe, die Wahrheit, die Hingabe und das Opfer. An diesem Tag wurde klar, dass das Reich Gottes hier ist. Die Welt ist nicht im Stich gelassen. Das Universum muss nicht warten. Wir sind davon befreit, in unseren eigenen Gef\u00fchlen und Gedanken gefangen zu sein \u2013 da ist etwas, was gr\u00f6\u00dfer ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus begegnet uns hier auf Erden, wo uns Wut, Wahnsinn, V\u00f6lkermord und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me beunruhigen. Er richtet unsere Augen zu den Leidenden und schickt uns zu ihnen. Er weckt unser Mitgef\u00fchl und entfacht eine heilige Glut, damit wir reden m\u00f6gen von Gott und Glauben an Gott in einer Welt, die immer in Gefahr ist. Er ist nie fern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erde singt in Freude und Erleichterung, weil das Leben siegt und keiner Destruktion ausgeliefert ist. Das Leben wird uns geschenkt! Die Wahrheit wird uns gegeben. Alles wird uns geschenkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u201eAn der Br\u00fccke\u201c hei\u00dft eine kleine Novelle von Heinrich B\u00f6ll. Wir folgen einem Mann, der nach dem Kriege zusammengeflickt ist und eine Arbeit bekommen hat, wo er Passanten an einer Br\u00fccke z\u00e4hlen soll. Er liefert t\u00e4glich seine Zahlen und macht sie froh. Er ist es, der ihnen die M\u00f6glichkeit gibt, den Triumph der Zahl zu erleben. Aber seine Statistik ist nicht genau. Er nennt sich selbst einen unzuverl\u00e4ssigen Menschen. Er hat ihre Freude an dem guten Ergebnis entdeckt. An einem guten Tag l\u00e4sst er seinen Gro\u00dfmut in gute Zahlen \u00fcbergehen. Da ist jemand, den er nie z\u00e4hlt. Das ist seine Geliebte. Das Herz steht still, wenn sie kommt. Er folgt ihr und kann nicht z\u00e4hlen. Aber sie wei\u00df nicht, dass sie Gegenstand seiner Bewunderung ist, und sie soll nicht wissen, dass sie daran schuld ist, dass alle Berechnungen falsch sind, wenn sie kommt. Eines Tages soll er kontrolliert werden, und er nimmt es genau und wird gelobt. Es weicht nur eine Zahl ab von der des Kontrollanten. Das war seine kleine Geliebte. Sie hatte er nicht gez\u00e4hlt. Er war fast innerlich verblutet, weil er ihr an diesem Tage nicht mit den Augen folgen konnte. Das war furchtbar gewesen! Sie wurde nicht mitgez\u00e4hlt. Sie sollte nicht multipliziert, dividiert und in eine unbedeutende Zahl verwandelt werden. Er ahnte nicht, f\u00fcr wie viele sie z\u00e4hlte. Aber er wusste, dass sie die Geliebte war, auch wenn sie es nicht ahnte!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">B\u00f6ll beschreibt den Protest des Lebens gegen die Voraussehbarkeit. Auferstehung ist Protest und Unvorhersehbarkeit. Das Ganze begann mit einem \u00c4rgernis \u2013 die Spie\u00dfer sagten, dass das nicht m\u00f6glich ist! Nun leben wir weiter mit Verbl\u00fcffung und Verwunderung. Die eigene \u00dcberraschung des Lebens ist das Vorzeichen unseres Lebens und Todes geworden, deshalb singen und vergessen wir f\u00fcr einen Augenblick alles \u00fcber die Macht des Beweises und die Schattenwahrheit der Statistiken. Wir ergeben uns der Sch\u00f6nheit der Auferstehung und hoffen, dass der Protest uns und die Welt verwandelt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind nicht der Selbstbespiegelung des Moralismus, dem guten Ton und dem Mangel an Leidenschaft \u00fcberlassen. Wir geh\u00f6ren Christus, und das hei\u00dft Verbl\u00fcffung, \u00c4rgernis und Verwunderung. Ostern ist Protest, Auferstehung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Frohe Ostern! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Peter Skov-Jakobsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8rregade 11, DK-1165 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: pesj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auferstehung ist Protest und Unvorhersehbarkeit | Ostersonntag | 31.03.2024 | Matth\u00e4us 28,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Peter Skov Jakobsen | Derzeit scheint es so zu sein, dass es Kulturen gibt, von denen wir nicht meinen, etwas lernen zu k\u00f6nnen. In dieser Situation sollten wir besonders aufmerksam und hellh\u00f6rig sein. 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