{"id":19702,"date":"2024-03-24T07:58:46","date_gmt":"2024-03-24T06:58:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19702"},"modified":"2024-03-26T11:23:09","modified_gmt":"2024-03-26T10:23:09","slug":"lukas-2326-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2326-49\/","title":{"rendered":"Lukas 23,26-49"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Versuche nicht, es zu verstehen! | Karfreitag | 29.04.24 | Ps 22; Lukas 23,26-49 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva T\u00f8jner G\u00f6tke |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Versuche nicht, es zu verstehen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gottverlassenheit des Karfreitags trifft hart.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo bleibt Gott, fragen wir, wenn jemand einen allzu fr\u00fchen Tod stirbt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir sinnloser Gewalt begegnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn Krankheit und Ungl\u00fcck uns triffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum all dieses Leid?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo ist Gott in all dem?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes eigener Sohn hat so gefragt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gefragt und gefragt \u2013 nicht als eine interessante grunds\u00e4tzliche theologische Frage, die wir stellen, wenn wir aufdecken wollen, dass die Sache mit Gott und Liebe nichts miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus <em>schrie<\/em> zu Gott. Vom Kreuz schrie er.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in der Gottverlassenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Du hast dies hier zu verantworten! Du bist es, der die Macht hat!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo bist du? Warum hast du mich verlassen? H\u00f6re mich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6re mein Schreien!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Schrei ist ein Karfreitagsgebet. Das ist ein Schrei um Hilfe!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dort, wo keine Hilfe ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Schrei nach St\u00e4rke! Dort wo aller Mut schwindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber es ist nicht ein Aufgeben. Es ist ein sich Hingeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in der Gottverlassenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Aufgeben. Sondern ein Karfreitagsgebet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weiter als bis dahin kommen wir nicht, nicht weiter als bis zum Gebet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Sprache des Glaubens und der Hoffnung. Wir bekommen nie eine Antwort auf unsere Frage nach dem Warum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bekommen nie eine Antwort auf all das Leid in der Welt. Auf die Frage danach, woher das B\u00f6se kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt keine rationale Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bekommen nie eine Antwort auf die Frage, warum Jesus leiden musste \u2013 Gottes eigener Sohn. Es gibt keine rationale Erkl\u00e4rung, auch wenn die Theologie mehrere Erkl\u00e4rungen angeboten hat, um alles in einen Zusammenhang zu stellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber das bedeutet nicht, dass dies eine sinnlose Geschichte ist. Vielleicht erz\u00e4hlt sie uns etwas, was nur in dieser Weise hier erz\u00e4hlt werden kann. Weil wir das, was sie erz\u00e4hlt, die Leidensgeschichte, wiedererkennen \u2013 sie r\u00fchrt uns an, unsere Gef\u00fchle, sie trifft uns \u2013 und letztlich gibt sie uns Trost.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dass ist der Sinn der Geschichte. Nicht dass wir sie erkl\u00e4ren und verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sondern dass wir Trost und St\u00e4rke finden &#8211; und den Mut, das zu ertragen, was nicht zu ertragen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An dem Tag, wo wir vom Leiden anderer nicht ber\u00fchrt oder anger\u00fchrt werden, sind wir wirklich verloren \u2013 in der Gottlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An dem Tag, wo wir <em>nicht<\/em> angefochten sind, wo wir <em>nicht<\/em> nach dem Warum fragen, wo wir nicht entr\u00fcstet sind und uns nicht engagieren gegen das B\u00f6se und <em>f\u00fcr<\/em> andre k\u00e4mpfen \u2013 da haben wir unsere Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit verloren \u2013 sich an die Stelle anderer zu versetzen, Empathie zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das kann nat\u00fcrlich eine Art sein zu \u00fcberleben \u2013 all das zu \u00fcbersehen, was wehtut und Trauer und Scham Schuld hervorruft. Wir nennen das Verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Verdr\u00e4ngung <em>ist<\/em> auch eine Art Gnadengabe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn wenn wir uns gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig von all dem, was um uns herum geschieht \u2013 in der kleinen wie in der gro\u00dfen Welt \u2013 beeinflussen lassen w\u00fcrden, w\u00fcrden wir daran zugrunde gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir brauchen einen Filter. Aber wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass es ein Filter ist. Daran erinnert uns das Kreuz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Leiden in der Welt ist eine Realit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Menschliche Unmenschlichkeit ist eine M\u00f6glichkeit. Und die wohnt in uns allen. Daran will das Kreuz uns erinnern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karfreitag will uns daran hindern, irgendetwas zu vergessen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karfreitag will uns daran hindern, uns selbst in unserer Selbstzufriedenheit einzulullen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind nicht nur Opfer des Leidens. Wir sind auch Zuschauer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir sind auch die, die anderen B\u00f6ses antun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist so schamvoll. Wir sollten es besser wissen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber all dies hier hat ja nichts mit einem Wissen zu tun, hat nichts mit Rationalit\u00e4t zu tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sondern dass wir uns zu dem bekennen, was wir nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen und wor\u00fcber wir nur weinen k\u00f6nnen \u2013 oft \u00fcber uns selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Kreuz spricht zu uns in seiner eigenen r\u00e4tselhaften Sprache.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Kreuz zeugt zugleich von der Gottverlassenheit des Leidens <em>und<\/em> von der N\u00e4he Gottes. Er ist f\u00fcr dich gestorben. Um dir Trost und St\u00e4rke und Mut zu geben, das zu ertragen, was unertr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Kreuz zeugt zugleich von dem furchtbaren Leiden, das Worte nicht beschreiben k\u00f6nnen,\u00a0 und von der Hoffnung auf die Liebe, die das Leben wieder von den Toten auferstehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der gekreuzigte <em>und<\/em> auferstandene Herr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Geheimnis des Kreuzes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Des halb z\u00fcnden wir nun am Altar die Lichter an. Und deshalb feiern wir das Abendmahl. Geben nicht auf. Sondern \u00fcbergeben uns Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der sich f\u00fcr uns Menschen hingab. Und den Preis bezahlte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass wir den Mut bekommen, uns dem Leben hier in der Welt hinzugeben \u2013 und nicht nur das Leiden sehen, sondern auch einen Blick daf\u00fcr bekommen, wie sch\u00f6n es ist, das Leben. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-5230 Odense M<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: etg(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versuche nicht, es zu verstehen! | Karfreitag | 29.04.24 | Ps 22; Lukas 23,26-49 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva T\u00f8jner G\u00f6tke | Versuche nicht, es zu verstehen! Die Gottverlassenheit des Karfreitags trifft hart. Wo bleibt Gott, fragen wir, wenn jemand einen allzu fr\u00fchen Tod stirbt? Wenn wir sinnloser Gewalt begegnen. Wenn Krankheit und Ungl\u00fcck uns triffen. 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