{"id":19715,"date":"2024-03-27T09:40:36","date_gmt":"2024-03-27T08:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19715"},"modified":"2024-03-27T15:45:34","modified_gmt":"2024-03-27T14:45:34","slug":"markus-161-8-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-161-8-12\/","title":{"rendered":"Markus 16,1-8"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wer w\u00e4lzt uns den Stein weg? | Ostern | 31. M\u00e4rz 2024 | Markus 16,1-8 | Paul Wellauer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Lesung Altes Testament | 1.Samuel 2,1-8a | Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007* | vgl. <\/strong><strong>\u00a0ERG 149 ** |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Das Loblied der Hanna<\/strong><strong> |<br \/>\n<\/strong>1\u00a0Und Hanna betete und sprach: Mein Herz freut sich am HERRN, mein Horn ist erhoben durch den HERRN, mein Mund ist aufgetan gegen meine Feinde, denn ich freue mich \u00fcber deine Hilfe.\u20022\u00a0Niemand ist so heilig wie der HERR, denn es gibt keinen ausser dir, und kein Fels ist wie unser Gott.\u20023\u00a0F\u00fchrt nicht so viele hochm\u00fctige Reden, nichts Freches komme aus eurem Mund, denn der HERR ist ein Gott, der alles kennt, von ihm werden die Taten gepr\u00fcft.\u20024\u00a0Der Bogen der Helden hat Angst, Strauchelnde aber haben sich mit Kraft geg\u00fcrtet.\u20025\u00a0Satte machen sich dienstbar f\u00fcr Brot, Hungrige aber m\u00fcssen das nicht mehr tun. Die Unfruchtbare geb\u00e4rt sieben, die aber viele Kinder hat, ist verwelkt.\u20026\u00a0<strong>Der HERR t\u00f6tet und macht lebendig, er f\u00fchrt hinab ins Totenreich und f\u00fchrt wieder hinauf.<\/strong>\u20027\u00a0Der HERR macht arm, und er macht reich. Er erniedrigt, aber er erh\u00f6ht auch.\u20028\u00a0Er richtet den Geringen auf aus dem Staub, hebt den Armen auf aus dem Kot, um ihn neben Edle zu setzen, und einen erhabenen Thron teilt er ihnen als Erbbesitz zu. Denn dem HERRN geh\u00f6ren die Pfeiler der Erde, und auf sie hat er den Erdkreis gelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Lesung Predigttext <\/strong><strong>Markus 16,1-8 | Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007** |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Das leere Grab | <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1 Als der Sabbat vor\u00fcber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6le, um hinzugehen und ihn zu salben. \u00a02 Und sehr fr\u00fch am ersten Tag der Woche kommen sie zum Grab, eben als die Sonne aufging. 3 Und sie sagten zueinander: <strong>Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegw\u00e4lzen?<\/strong> 4 <strong>Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggew\u00e4lzt ist.<\/strong> Er war sehr gross. 5 Und sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem langen, weissen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. 6 Er aber sagt zu ihnen: Erschreckt nicht! Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. 7 <strong>Doch geht, sagt seinen J\u00fcngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galil\u00e4a. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.<\/strong> 8 Da gingen sie hinaus und flohen weg vom Grab, denn sie waren starr vor Angst und Entsetzen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie f\u00fcrchteten sich.<br \/>\nSelig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt <\/strong><strong>| Wer w\u00e4lzt uns den Stein weg? |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern durch die Liebe und Gnade Gottes<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Jesus \u00f6ffnet T\u00fcren<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Drei Frauen, die viel mit Jesus erlebt haben, machen sich auf einen der schwersten Wege ihres Lebens: Zum Grab von Jesus. Viele Monate waren sie mit ihm unterwegs, haben seinen Predigten zugeh\u00f6rt und seine Wunder bestaunt. Sie setzten ihre Hoffnung und ihren Glauben in ihn. Er hatte g\u00f6ttliche Vollmacht, eine himmlische Ausstrahlung, eine enorme Wirkung auf viele Menschen. Von Maria Magdalena berichtet der Evangelist Lukas (Lukas 8,2), dass Jesus sie von D\u00e4monen befreit hat. So hat er ihr die T\u00fcre zum Leben neu ge\u00f6ffnet. Ein funkelnagelneues Leben stand ihr offen ohne Belastung und Fremdbestimmung, ohne Krankheit und psychische N\u00f6te. Frei, gesund und erleichtert konnte sie ihre Zukunft in Angriff nehmen. Kein Wunder, dass sie ihm nahe bleiben wollte: Sie schloss sich dem erweiterten Kreis der J\u00fcnger und Nachfolgerinnen Jesu an. Die Frauen in diesem Kreis sorgten mit ihrem Besitz und ihren Begabungen f\u00fcr Jesus und die Menschen um Jesus. Von anderen Rabbis seiner Zeit wird nicht berichtet, dass sie Frauen in ihrer Gefolgschaft hatten, bei Jesus werden die Frauen oft mitgenannt. Jesus war ein Mann, der ihnen als Frauen T\u00fcren ge\u00f6ffnet hat: Er hat ihnen zugeh\u00f6rt und theologische Gespr\u00e4che mit ihnen gef\u00fchrt, zum Beispiel mit der samaritanischen Frau am Brunnen (Johannes 4). Sie war wohl verstossen und verachtet, musste in der Mittagshitze zum Brunnen statt in der K\u00fchle des Morgens oder des Abends. Mit seinem Gespr\u00e4ch hat Jesus sie zur Botschafterin des nahen Gottesreichs gemacht und ihr ganz neu die T\u00fcren zur Dorfgemeinschaft ge\u00f6ffnet. Ja, in der Begegnung mit der Frau am Brunnen schien es, als ob die T\u00fcr zum Himmel offensteht: \u00abSollte dieser etwa der Christus sein?\u00bb (Johannes 4,19b) \u00abIst dieser Mann der Messias, der Heiland, der g\u00f6ttliche Erl\u00f6ser?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun aber sind alle diese T\u00fcren geschlossen: Jesus wurde gefangen genommen, verurteilt, gefoltert und am Kreuz get\u00f6tet. Mutig und tapfer haben die drei Frauen seine Hinrichtung verfolgt. Es muss ihnen das Herz gebrochen haben. Jesus ist tot. Die T\u00fcre zum Leben, zum Himmel, zu Gott ist zugeschlagen. Oder in der Zeit von Jesus: Der Stein ist vor die Grabh\u00f6hle gerollt. Der Tod hat gesiegt, das Dunkel der Gruft h\u00e4lt den toten Jesus gefangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotzdem machen sich die Frauen auf den Weg. Unterschiedlichste Gedanken und Gef\u00fchle treiben sie dabei an. Da sind ihr Pflicht- und Ehrgef\u00fchl: Es geh\u00f6rt sich, die Toten angemessen zu kleiden und einzubalsamieren f\u00fcr die ewige Ruhe. Jesus hat ihnen so viel gegeben, es ist das Mindeste, was sie ihm zur\u00fcckgeben k\u00f6nnen. Ebenso bewegt sie Trauer, Zorn und Entt\u00e4uschung: Weshalb dieser unn\u00f6tige Justizmord? Er hat doch niemandem etwas zu Leide getan! Immer war er liebevoll und zugewandt, half den \u00c4rmsten und Ausgestossenen. Da und dort gab es kleine Zusammenst\u00f6sse mit den M\u00e4chtigen und Gelehrten: Er suchte und lebte die g\u00f6ttliche Liebe jenseits ihrer engen Regeln. An so vielen Orten lebte er das Prinzip der \u00aboffenen T\u00fcren\u00bb: Wenn er mit stadtbekannten S\u00fcndern und S\u00fcnderinnen Tischgemeinschaft pflegte, unheilbar kranke, unreine Menschen trotzdem ber\u00fchrte. Viele Menschen \u00f6ffneten ihm ihrerseits ihre T\u00fcren, luden ihn zum Essen ein oder \u00f6ffneten die T\u00fcre ihres Herzens. Sie schenkten ihm ihr Vertrauen, ihre Hoffnung. Und vor wenigen Tagen standen auch die Tore der Stadt weit offen: Eine grosse Volksmenge begr\u00fcsste und bejubelte Jesus mit Palmwedeln und Ges\u00e4ngen: <strong><em>\u00abHosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!\u00bb (Markus 11,9f) &#8211;<\/em><\/strong>F\u00fcrchtet die r\u00f6mische Obrigkeit die Gefahr eines Volksaufstandes? Und die j\u00fcdischen Gelehrten und Gesetzesvertreter: Wie kommen sie dazu, einen Mann, der Menschen geheilt und das nahe Gottesreich auf so eindr\u00fcckliche Weise gepredigt hat, wegen Gottesl\u00e4sterung anzuklagen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus hat T\u00fcren ge\u00f6ffnet, seine Lebenst\u00fcre wurde von den M\u00e4chtigen gewaltsam geschlossen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine T\u00fcre hat sich geschlossen: Jesus ist tot, ist ihnen entrissen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wer w\u00e4lzt uns den Stein weg?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von den seelischen K\u00e4mpfen der drei Frauen berichtet uns der Evangelist Markus nichts. Nur von ihrer f\u00fcrsorglichen Absicht, den Verstorbenen einzubalsamieren und ihrer dr\u00e4ngenden Frage<em>: <strong>\u00abWer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegw\u00e4lzen?\u00bb<\/strong><\/em> (Vers 3) Mitten in ihrer tiefsten Trauer und Emp\u00f6rung denken sie ganz praktisch und n\u00fcchtern: Unseren guten Absichten steht eine verschlossene T\u00fcre im Weg, ein schwerer Stein, der die Grabh\u00f6hle verschliesst. <strong><br \/>\n<\/strong>Mich hat ihre einfache und pragmatische Frage dazu gef\u00fchrt, mir pers\u00f6nlich die Frage zu stellen: Welche verschlossenen T\u00fcren stehen zwischen mir und der Osterbotschaft? Welche Steine versperren mir den Weg zu Jesus Christus, der vermeintlich in seinem Grab liegt, aber dieses bereits verlassen hat? Wo bin ich mit praktischen, allt\u00e4glichen Fragen besch\u00e4ftigt und habe die Augen und das Herz nicht offen f\u00fcr das Wunder von Ostern? Welches sind heute unsere gr\u00f6ssten Sorgen und H\u00fcrden in Bezug auf Ostern und die Auferstehungsbotschaft?<br \/>\nDenken wir an die wohlriechenden \u00d6le und Salben der drei Frauen, liegt die Frage nahe: Wird das Ostermittagessen unserer Familie schmecken? Kann ich mit meinem Beitrag etwas zum friedlichen und fr\u00f6hlichen Familienfest beitragen? Und auch dieser Gottesdienst: Ist er ein \u00abWohlgeruch\u00bb f\u00fcr die Feiernden und f\u00fcr Gott? Welche verschlossenen T\u00fcren und schweren Steine verbauen uns allenfalls die Osterfreude?<br \/>\nUnd es gibt sie, diese unbeweglichen Felsen, die wir mit unseren menschlichen Kr\u00e4ften nicht bewegen k\u00f6nnen: Wer kann uns beweisen, dass Jesus wirklich auferstanden ist? Wer schenkt uns den n\u00f6tigen Glauben, wer gibt uns die Gewissheit und Freude, mit welcher die ersten J\u00fcnger davon erz\u00e4hlten? Weshalb weichen die Berichte der vier Evangelisten in einigen Details voneinander ab, gerade auch in Bezug auf die ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung?<br \/>\nUnsere Fragen und Zweifel k\u00f6nnen sich wie Felsbrocken und Panzert\u00fcren zwischen Gottes Auferstehungsfest und unsere Glaubenssehns\u00fcchte stellen.<br \/>\nUnsere biblische Erz\u00e4hlung geht denkbar einfach weiter: \u00a0<em>\u00ab<strong>Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggew\u00e4lzt ist.<\/strong> <strong>Er war sehr gross.\u00bb<\/strong> (Vers 4) <\/em>\u2013 Der Evangelist Markus berichtet nichts von einem Erdbeben, dass die Erde ersch\u00fcttert und den Stein verschoben haben k\u00f6nnte. Sie schauen zum Grab und sehen, dass der Stein weg ist. <strong><em>\u00abEr war sehr gross.\u00bb <\/em><\/strong>Das scheint Markus wichtig: Nach menschlichem Ermessen unverr\u00fcckbar, da muss Gott seine Finger im Spiel gehabt haben.<br \/>\nUnd so ist es wohl auch mit den \u00abPanzert\u00fcren\u00bb unserer Glaubenszweifel und den \u00abFelsbrocken\u00bb unserer theologischen Fragen: Menschlich gesehen bleiben sie bestehen, unverr\u00fcckbar, stabil, unbeweglich. Gott kann auch hier T\u00fcren \u00f6ffnen, einen neuen Blick schenken: Die Frauen sehen zun\u00e4chst das offene Grab. Interessant ist, dass im griechischen Text hier die Zeitform \u00e4ndert: Der Bericht, wie sie zum Grab gehen, ist in der Vergangenheit geschrieben. Dass sie aufschauen und den weggerollten Stein sehen, wird mit der Gegenwartsform erfasst. Es ist, als ob sie sich aus der Vergangenheit ihrer Fragen, Zweifel und Sorgen der Gegenwart von Gottes Pl\u00e4nen und Perspektiven \u00f6ffnen w\u00fcrden. Hier geschieht etwas von Gottes Gegenwart, Gott wirkt in ihre Zeit, in ihr Leben hinein. Gott ist ganz gegenw\u00e4rtig, als sie aufblicken und den weggerollten Stein betrachten. Doch sie bleiben nicht draussen stehen: Neugierig betreten sie das offene Grab und sind ein zweites Mal erstaunt, vielmehr erschrecken sie. Es begr\u00fcsst sie eine himmlische Gestalt und sagt zu ihnen: <em>\u00abErschreckt nicht! Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten. <strong>Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. <\/strong>Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. <strong>Doch geht, sagt seinen J\u00fcngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galil\u00e4a. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.\u00bb (Verse 6b-7)<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die drei Frauen sehen zwar Jesus nicht pers\u00f6nlich, aber eine weiss gekleidete Person, die ihnen die Auferstehungsbotschaft verk\u00fcndet: <strong>\u00ab<em>Erschreckt nicht! Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier.\u00bb <\/em><\/strong>Auch diese Worte: Denkbar einfach und n\u00fcchtern. Zu drei Personen, die m\u00f6glicherweise gerade zu Tode erschrocken sind, zu sagen: \u00abErschreckt nicht!\u00bb, wirkt zun\u00e4chst etwas unbeholfen. Und ganz einfach geht es weiter: \u00abIhr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten\u00bb. Sie haben sich nicht im Grab geirrt, die Adresse stimmt, bloss ist der Bewohner ausgezogen: <strong><em>\u00abEr ist auferweckt worden, er ist nicht hier.\u00bb <\/em><\/strong>Keine ausf\u00fchrlichen Erl\u00e4uterungen, keine geschliffene Predigt, \u00abfacts and figures\u00bb: \u00abIhr seid am richtigen Ort, aber der Gesuchte ist nicht mehr hier.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir als gl\u00e4ubige Christen und Christinnen von der Auferstehung erz\u00e4hlen, sind wir wie diese weiss gekleidete Gestalt. Wir erz\u00e4hlen vom auferstandenen Jesus Christus, doch ihn k\u00f6nnen wir zun\u00e4chst nicht zeigen. Alles, was wir haben, ist das leere Grab und der weggerollte Stein. Hinweise, Zeichen, indirekte Belege und Indizien, aber der \u00abKronzeuge\u00bb fehlt. Welche L\u00f6sung, welche Alternative bietet die himmlische Gestalt den Frauen an? <strong><em>\u00abDoch geht, sagt seinen J\u00fcngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galil\u00e4a. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.\u00bb<\/em><\/strong><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Der Auftrag: Sagt es weiter und ihr werdet IHN sehen!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Engel gibt ihnen einen einfachen und klaren Auftrag: Sie sollen den J\u00fcngern von ihren Erfahrungen berichten und in die urspr\u00fcngliche Heimat von Jesus reisen: Dort werden sie ihn pers\u00f6nlich sehen, und nicht \u00abbloss\u00bb einen Engel. Ist es so einfach: Vom leeren Grab weitererz\u00e4hlen, in die Heimat von Jesus reisen \u2013 und dort k\u00f6nnen wir ihn leibhaftig sehen? F\u00fcr die Frauen war es so einfach. Oder ehrlicherweise m\u00fcssen wir sagen: Gem\u00e4ss dem Evangelisten Markus w\u00e4re es so einfach gewesen: <strong><em>\u00abDa gingen sie hinaus und flohen weg vom Grab, denn sie waren starr vor Angst und Entsetzen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie f\u00fcrchteten sich.\u00bb <\/em><\/strong>Ihre Furcht und ihr Entsetzen blockieren sie, sie sagen niemandem etwas. Wie kommt es dann, dass die anderen Evangelisten berichten, wie Maria aus Magdala und die andere Maria den J\u00fcngern von ihrer Erscheinung berichten? Vereinfacht k\u00f6nnte man wohl sagen: Markus ist der \u00abGeheimniskr\u00e4mer\u00bb unter den Evangelisten. Er will es den Lesern und Leserinnen seines Evangeliums nicht zu einfach machen. Was Jesus sagt und tut, bleibt immer geheimnisvoll und bis zu einem gewissen Grad unerkl\u00e4rlich. Wir m\u00fcssen uns schon selbst auf den Weg machen, verschlossene T\u00fcren und sperrige Steine in Kauf nehmen. Dann kann es geschehen, dass diese Steine gar nicht mehr im Wege stehen, sich bei genauerem Hinschauen verfl\u00fcchtigen. Doch bevor wir uns zu sicher f\u00fchlen, gibt uns Gott bereits ein neues R\u00e4tsel auf: \u00abGeht und erz\u00e4hlt, was ihr vom R\u00e4tsel schon entschl\u00fcsselt habt, welche Puzzleteile ihr gefunden habt. Gemeinsam werdet ihr das R\u00e4tsel l\u00f6sen, wenn ihr dem auferstandenen Jesus Christus begegnet. Es ist nicht an euch, Zeitpunkt und Ort eurer \u00abErleuchtung\u00bb zu bestimmen, Gott f\u00fchrt Regie, er bestimmt die n\u00e4chsten Schritte.\u00bb<br \/>\nUnd so k\u00f6nnen wir annehmen, dass sie sich nach dem ersten Schrecken wieder gefangen haben und doch zu den J\u00fcngern zur\u00fcckgekehrt sind, um ihnen zu erz\u00e4hlen, was sie am Grab von Jesus erlebt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Evangelist Matth\u00e4us berichtet, dass zwei Frauen (Maria aus Magdala und die andere Maria) es \u00abim Laufschritttempo\u00bb weitererz\u00e4hlen und ihnen Jesus bereits beim Grab pers\u00f6nlich begegnet. (Matth\u00e4us 28,8-10)<br \/>\nBei Johannes ist die Erz\u00e4hlung auch etwas verschlungen und geheimnisvoll: Maria aus Magdala trifft zuerst das leere Grab an und berichtet dies den J\u00fcngern. Darauf st\u00fcrmen Petrus und Johannes zum leeren Grab. Ohne Jesus zu begegnen, kehren sie zur\u00fcck. Maria aber begegnet Jesus \u2013 den sie zun\u00e4chst f\u00fcr den G\u00e4rtner h\u00e4lt \u2013 aber sie darf ihn nicht anfassen.<br \/>\nDer Evangelist Lukas erz\u00e4hlt auch von den beiden Marias und weiteren Frauen, die zuerst beim leeren Grab waren und dort zwei Engeln begegneten. Petrus, der danach zum Grab eilt, findet es leer vor.<br \/>\nAllen Berichten gemeinsam ist: Die Frauen und M\u00e4nner haben das leere Grab nicht erwartet. Sie sind erstaunt, erschrocken, ersch\u00fcttert. Diese Erfahrungen teilen sie mit anderen. An unterschiedlichen Orten begegnen sie danach dem auferstandenen Jesus Christus. Und sie machen erneut und immer wieder die Erfahrung: Jesus \u00f6ffnet T\u00fcren, Jesus schenkt Erneuerung, Hoffnung, eine Perspektive \u00fcber dieses Leben hinaus.<br \/>\nDie Frage: \u00abWer rollt uns den Stein weg?\u00bb kann sich bei n\u00e4herer Betrachtung in Luft aufl\u00f6sen, wenn wir entdecken, dass der Stein schon entfernt ist. Will heissen: Glaubensfragen und -zweifel belasten und bewegen uns, bis wir Gottes M\u00f6glichkeiten entdecken und uns \u00fcberraschen lassen.<br \/>\nUnser Auftrag: Weitererz\u00e4hlen vom leeren Grab und damit rechnen, dass der auferstandene Jesus Christus uns und anderen, denen wir davon erz\u00e4hlen, pers\u00f6nlich begegnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Psalmgebet <\/strong>Psalm 103 Lobe den Herrn, meine Seele<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 478 Jesus, meine Zuversicht<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 480,1.3 Oh herrlicher Tag, oh fr\u00f6hliche Zeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 481 Seht, der Stein ist wegger\u00fcckt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 482 Jesus lebt, mit ihm auch ich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 485,1-3 Dir, Auferstandener, sei der Lobgesang<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 50 Amazing Grace<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 52 Anker in der Zeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 67 Herr, dein Name sei erh\u00f6ht<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 72 In Christus ist mein ganzer Halt<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p>E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p>Web:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/\">www.internetkirche.ch<\/a>\u00a0|\u00a0<a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">**) ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer w\u00e4lzt uns den Stein weg? | Ostern | 31. M\u00e4rz 2024 | Markus 16,1-8 | Paul Wellauer | | Lesung Altes Testament | 1.Samuel 2,1-8a | Die Z\u00fcrcher Bibel, 2007* | vgl. \u00a0ERG 149 ** | | Das Loblied der Hanna | 1\u00a0Und Hanna betete und sprach: Mein Herz freut sich am HERRN, mein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19673,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,1,157,853,114,713,349,3,704,396,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-19715","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-16-chapter-16-markus","category-kasus","category-nt","category-ostersonntag","category-paul-wellauer","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19715"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19716,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19715\/revisions\/19716"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19715"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=19715"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=19715"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=19715"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=19715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}