{"id":19721,"date":"2024-03-27T19:16:48","date_gmt":"2024-03-27T18:16:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19721"},"modified":"2024-03-28T15:20:37","modified_gmt":"2024-03-28T14:20:37","slug":"1-korinther-1550-58-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-1550-58-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15,50\u201358"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Leibliche Auferstehung?| 01.04.2024 | Ostermontag | 1. Kor 15,50\u201358\u00a0 | Thomas-M. Robscheit |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Friede sei mit Euch!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Schwestern &amp; Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche biblischen Texte wirken aus unserer heutigen Sicht manchmal etwas hilflos-putzig. Der Predigttext geh\u00f6rt f\u00fcr mich dazu. Er erinnert mich an meine Jugend und die hilflos-naiven Versuche unseres Jugendwarts, Glauben und Glaubenswahrheiten zu begr\u00fcnden, zu beweisen. Eine Wortwahl wie Paulus -vielleicht hat er sie sich bei ihm abgeschaut?- h\u00e4tte er auch verwendet: \u201eIch verrate Euch ein Geheimnis\u2026\u201c; das ist nat\u00fcrlich \u00e4hnlich \u201egeheim\u201c wie die Insider-Tipps eines Reisef\u00fchrers, der 500.000 gedruckt wurde und \u00e4hnlich attraktiv. Abgesehen davon, hat ein \u201eGeheimwissen\u201c heute keinerlei Wahrheitsbonusmehr; eher im Gegenteil! F\u00fcr uns rutschen solche Argumente in die verschw\u00f6rungstheoretische Ecke und werden dadurch unglaubw\u00fcrdiger. Warum macht Paulus, solche Verrenkungen? Seine Botschaft, seine theologische Vorstellung ist doch klar: Erstens: Wir werden dieses irdische Leben hinter uns lassen und zweitens dieses neue, unverg\u00e4ngliche Leben werden wir nicht in unseren verg\u00e4nglichen K\u00f6rpern erleben. Ob nun das Verg\u00e4ngliche etwas Unverg\u00e4ngliches \u00fcberzieht, oder ob damit eine v\u00f6llig neue Identit\u00e4t gemeint ist (was ich nicht glaube), ist alles eine Glaubensaussage und kein Wissen in unserem naturwissenschaftlichen Verst\u00e4ndnis. Daher wirken \u201eBeweise\u201c dieser Art zumindest f\u00fcr uns heute, irgendwie konstruiert;\u00a0 hilflos-putzig eben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allerdings, wenn man sich auf den Kern der Botschaft Paulus\u00b4 konzentriert, ist die Aussage f\u00fcr viele gar nicht so leicht verdaulich. Sie entspricht nicht unserer g\u00e4ngigen Volksfr\u00f6mmigkeit. Die liebe Oma sitzt eben nicht hinter einer Wolke und passt auf das Enkelkind auf; sie ist auch nicht im Himmel beim Opa. Beider verg\u00e4ngliche K\u00f6rper vermodern oder die Asche vermischt sich mit dem umgebenden Erdreich. F\u00fcr beider Seelen hat die Zeit aufgeh\u00f6rt. Oft wird das Tot-sein mit Schlaf verglichen. Man schl\u00e4ft ein und dann bemerkt man Zeit nicht mehr. Bis zum Aufwachen. F\u00fcr Paulus ist ganz klar, dass das erst am zeitlichen Ende der uns bekannten Welt sein wird. Die Signaltrompete verk\u00fcndet eine neue Zeit -nein Zeit ist eigentlich das falsche Wort. Sie verk\u00fcndet den Anfang von etwas neuem: die Verstorbenen werden auferweckt und zwar in einem neuen, anderen Leib. Und auch die noch Lebenden verlieren schlagartig ihren bisherigen K\u00f6rper und haben ebenfalls diesen neuen Leib.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das alles sprengt unsere Vorstellungen, weil wir schnell anfangen nach scheinbar wichtigen Details zu fragen, die aber doch letztlich alle nur unsere geistige Begrenztheit offenbaren: Dieser neue K\u00f6rper, wie alt werden wir sein? Alle 20? Alle gesund &#8211; ja sicherlich. Alle perfekt und sch\u00f6n? &#8211; w\u00e4re das nicht schrecklich langweilig? Apropos sch\u00f6n: nach welchem Sch\u00f6nheitsideal eigentlich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Komplizierter wird es dann bei der Frage nach \u201eLeben\u201c in dieser zuk\u00fcnftigen Wirklichkeit: Bedeutet Leben nicht per definitionem Ver\u00e4nderung, Wachsen und Vergehen? Das pa\u00dft doch nicht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und gibt es dann in der Ewigkeit eigentlich Zeit? Und wenn nicht (es ist ja die Ewigkeit), wie k\u00f6nnen die Engel dann singen? Daf\u00fcr braucht es doch Zeit, Takt, Rhythmus?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wie ist das eigentlich, wenn besagte Oma zweimal (gl\u00fccklich) verheiratet war? Das hatte ja schon die Zeitgenossen Jesu interessiert und die Antwort ist wenig romantisch gewesen. Und muss man sich dann auch mit Leuten abgeben, die einem zu Lebzeiten unsympathisch waren? Oder mag man pl\u00f6tzlich den b\u00f6sartigen Nachbarn, der einem das Leben schwer gemacht hat?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Merken Sie etwas, liebe Schwestern, liebe Br\u00fcder?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben uns -zwar anders als Paulus, aber mindestens ebenso heftig- im irdischen Gestr\u00fcpp himmlischer Spekulation verfangen. Manches k\u00f6nnen wir uns vorstellen, verwenden Bilder, die aus unserer irdischen Erfahrungssicht tr\u00f6stlich sein k\u00f6nnen. Doch h\u00fcten m\u00fcssen wir uns davor, Auferstehung erkl\u00e4ren oder gar begr\u00fcnden zu wollen. Wir sind wie die J\u00fcnger auf dem Weg nach Emmaus: gefangen in unserer irdischen Welt, ihren Gesetzen und unseren Erfahrungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur hin und wieder schenkt uns Gott Momente im Leben, in denen uns die Augen, Ohren und Herzen aufgetan werden f\u00fcr das, was diesen Rahmen sprengt: Momente der Ewigkeit. Manchmal nur Sekunden und doch k\u00f6nnen diese Lichtstrahlen uns in unserem irdischen Leben tragen, tr\u00f6sten und die Gewissheit des ewigen in uns wach halten. Und wenn wir in unserer Vorstellung gewiss sind, dass ein geliebter Mensch auf uns dort warten wird und wir dann endlich wieder in gl\u00fcckseliger Zweisamkeit schweben werden, ist das genauso richtig wie der Gedanke, an ein berauschendes Fest, eine sonnige Wiese oder schwebende friedliche Leichtigkeit, nach der wir uns so sehr gesehnt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ostern, liebe Gemeinde, Ostern ist ein versprechen, ein Wunder, Hoffnung und Zuversicht nach allem Leid, Tr\u00fcbsal und Banalit\u00e4t kommt Leben. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">verfasst von Thomas-M. Robscheit | EKM, Apolda| thm@robscheit.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leibliche Auferstehung?| 01.04.2024 | Ostermontag | 1. Kor 15,50\u201358\u00a0 | Thomas-M. Robscheit | Friede sei mit Euch! 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