{"id":19760,"date":"2024-04-09T12:09:00","date_gmt":"2024-04-09T10:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19760"},"modified":"2024-04-09T13:12:38","modified_gmt":"2024-04-09T11:12:38","slug":"johannes-1022-30-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1022-30-2\/","title":{"rendered":"Johannes 10,22-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Misericordias Domini |14.04.24 | \u00a0Joh 10,22-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Das Bedeutungsvolle ist das Verletzlichste<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Zweifel: Das Evangelium stammt aus einer Krisenzeit. F\u00fcr Jesus selbst war es ein existenzielles und pers\u00f6nliches Drama, das immer intensiver wurde. Es hatte seinen H\u00f6hepunkt und endg\u00fcltige Wende in seiner Gefangenahme, dem Verh\u00f6r, der Kreuzigung und der Auferstehung am Ostermorgen, die niemand hatte erwarten k\u00f6nnen, die aber alles ver\u00e4nderte. Das war ein epochales Ereignis, das das Leben Jesu in ein neues Licht stellte. Durch seine pl\u00f6tzliche Abwesenheit betont Jesus seine Gegenwart: Hier war er wirklich gegenw\u00e4rtig. Der schmerzliche Tod Jesu macht sein Leben so wirklich. Das leere Grab verk\u00fcndet, dass Jesus dort lag, aber nun nicht mehr dort ist. Die Abwesenheit verk\u00fcndigt seine Wirklichkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es muss f\u00fcr das Evangelium von entscheidender Bedeutung sein, dass alle, zu denen Jesus spricht, noch nichts wissen, w\u00e4hrend wir, denen es erz\u00e4hlt wird und die das Evangelium h\u00f6ren, schon alles wissen. Wir k\u00f6nnen uns so im Evangelium spiegeln und sowohl die, die verstehen, und die, die nicht verstehen, ein Vor- und Nachher in unserem eigenen Leben sein lassen. Wir sind zugleich au\u00dferhalb der Schar und Teil der Schar. Wir geh\u00f6ren dazu und dennoch auch nicht dazu. Die Frage: \u201aBist du der Christus, so sage es frei heraus\u2018, trifft uns noch immer, wenn wir noch immer nicht glauben. Das Evangelium soll nicht Distanz und Trennung schaffen, nicht festhalten an einem Drau\u00dfen und Drinnen, es soll vielmehr das Leben, den Tod und die Auferstehung f\u00fcr uns so wirklich machen, dass wir sie sehen und h\u00f6ren. Er ist wirklich ein Mensch, und er ist wirklich Gottes Sohn. Das sollen wir sehen und h\u00f6ren und dann kommt der Glaube. Was wir sehen und h\u00f6ren, soll diesen Glauben wecken. Was Jesus sagt, soll Hoffnung geben, und daraus soll der Glaube erwachsen in diesem Vertrauen auf die Liebe Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMeine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmerdar umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand rei\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Ziel des Evangeliums muss sein, den Menschen Hoffnung zu geben und Vertrauen darauf, dass sie in den H\u00e4nden Gottes sind. Wir sollen h\u00f6ren und darauf vertrauen, dass wir nie verloren gehen, sondern ewiges Leben bei Gott haben. In Krisenzeiten ist diese Botschaft eine Notwendigkeit. Ob das eine pers\u00f6nliche existenzielle oder eine universale gesellschaftliche Krise ist, so sollen wir wissen, dass wir nicht selbst die Zukunftshoffnung tragen sollen, sondern dass wir teilhaben an einer Gemeinschaft, die uns tr\u00e4gt. Die Gemeinschaft Gottes. Gott hat dieser Welt schon Bedeutung gegeben. Unsere Aufgabe ist es, die Liebe Gottes zu erwidern mit dem Vertrauen, dass auch wir der Welt mit Vers\u00f6hnung und Vertrauen begegnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Bei Johannes weist vieles darauf hin, dass die Leute Jesu konkret auf ein Eingreifen Gottes warten, sie erwarten Christus. Sowohl der Glaube an Jesus als auch die Ablehnung Jesu ist beding von derselben messianischen Hoffnung auf Erl\u00f6sung und Errettung. Die Anh\u00e4nger Jesu sehen und h\u00f6ren seine Botschaft, und die teilt sie in zwei Gruppen: In die, die das Wunderbare in und um Jesus sehen und die deshalb an ihn glauben, und die, die das Wunderbare erwarten, es aber nicht erf\u00fcllt sehen und h\u00f6ren, und deshalb bestreiten sie, dass er Christus ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Bild von der Schafsherde, die nicht glaubt, weil sie nicht Jesus geh\u00f6rt, wird dadurch erkl\u00e4rt, dass sie Jesus nicht <em>h\u00f6ren<\/em>. Die Leute um Jesus <em>h\u00f6ren<\/em> ihn nicht, auch wenn er mitten unter ihnen ist. Das Evangelium nach Ostern verk\u00fcndigt aber, dass es nie <em>zu sp\u00e4t<\/em> ist zu h\u00f6ren, denn der Tod und die Auferstehung Jesu sind die Stimme Gottes f\u00fcr die ganze Sch\u00f6pfung, nicht nur f\u00fcr die wenigen, die sich lokal um Jesus scharten, w\u00e4hrend er durch Galil\u00e4a, Samarien, Jordan und Jud\u00e4a wanderte. Nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu ist die Botschaft universell. Die umwerfende Botschaft des Kreuzes ist, dass unsere S\u00fcnde vergeben ist, wenn wir Christus vertrauen. Dann bekommen wir Mut, in dieser unruhigen Welt zu leben, weil wir schon in Gottes H\u00e4nden sind. Der hat unsere S\u00fcnden ges\u00fchnt, und wir sind durch ihn auferstanden. \u201aUnd ob ich schon wanderte im finstern Tal, f\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab tr\u00f6sten mich\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben in einer Krisenzeit. Krieg in Europa, im Nahen Osten, in Afrika. Wir leben mitten in einer Fl\u00fcchtlingskrise, nicht nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten. Wir sind \u00fcberlastet und gestresst, und auch wenn wir in unserem Teil der Welt einen unerh\u00f6rten Wohlstand erleben, so vermissen viele Gemeinschaft. Die Einsamkeit ist schreiend.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00e4mpfen jeder f\u00fcr sich und gemeinsam damit, die Worte zu h\u00f6ren, die uns das Evangelium verk\u00fcndet. Denn wir suchen Erl\u00f6sung., wir sehnen uns danach, uns mit unserer Geschichte zu vers\u00f6hnen und mitten in der Unruhe Seelenfrieden zu finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich und der Vater sind eins<\/em>, sagt Jesus. Auch wir sollen h\u00f6ren und verstehen, dass wir Gemeinschaft und F\u00fcrsorge brauchen. Wir sollen es wagen, Vertrauen darin zu finden, dass die Liebe, die Jesus seinem Vater erweist, dieselbe Liebe ist, die wir Jesus erweisen sollen. Unsere Gemeinschaft mit Jesus verpflichtet uns also, mit derselben Demut und demselben Gehorsam in der Welt zu sein. Mit derselben St\u00e4rke und Kraft. Mit dem Vertrauen darauf, dass Gott uns schon tr\u00e4gt und uns mit den S\u00fcnden der Vergangenheit vers\u00f6hnt hat und uns eine h\u00f6rende und sehende Gemeinschaft geschenkt hat. F\u00fcr alle, die h\u00f6ren und sehen wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wichtigste ist zugleich das Verletzlichste, das zeigte Gott, als er geboren wurde und ein Mensch wurde, der sich selbst hingab, um die S\u00fcnden der Welt zu s\u00fchnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das gilt auch f\u00fcr unser eigenes Leben. Mitten in der Unruhe und Verwirrung k\u00f6nnen wir wackeln im Vertrauen darauf, ob wir Gott geh\u00f6ren, und wir k\u00f6nnen uns verloren f\u00fchlen. Mitten im L\u00e4rm ruft Jesus, und wir k\u00f6nnen auf den Gott h\u00f6ren, der lebt und die Verletzlichkeit erhob, weil das Verletzliche f\u00fcr ihn alles bedeutete. Denn das Verletzliche ist das Allerwichtigste. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Misericordias Domini |14.04.24 | \u00a0Joh 10,22-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard | Das Bedeutungsvolle ist das Verletzlichste Kein Zweifel: Das Evangelium stammt aus einer Krisenzeit. F\u00fcr Jesus selbst war es ein existenzielles und pers\u00f6nliches Drama, das immer intensiver wurde. 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