{"id":19770,"date":"2024-04-16T07:00:27","date_gmt":"2024-04-16T05:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19770"},"modified":"2024-04-15T12:46:44","modified_gmt":"2024-04-15T10:46:44","slug":"2-korinther-414-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-414-18\/","title":{"rendered":"2 Korinther 4,14\u201318"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-size: 16px;\">Aufgeweckt | Jubilate | 21.04.2024 | 2Kor 4,14\u201318 | Eberhard Busch |<\/span><\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen, dass der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und mit euch vor sich hinstellen wird. Denn das geschieht um euretwillen, damit die Gnade sich mehre durch die wachsende Zahl der Glaubenden und der Dank reichlich str\u00f6me zur Verherrlichung Gottes. Daher werden wir nicht mutlos (daher verzagen wir nicht), wenn auch der \u00e4u\u00dfere Mensch verbraucht wird, so wird doch der innere Mensch von Tag\u00a0 zu Tag erneuert. Denn die Last unserer jetzigen Bedr\u00e4ngnis wiegt leicht und bringt uns eine weit \u00fcber jedes Ma\u00df hinausgehende, unendliche F\u00fclle an Herrlichkeit, wenn wir nicht auf das Sichtbare schauen, sondern auf das Unsichtbare. Denn das Sichtbare geh\u00f6rt dem Augenblick, das Unsichtbare ist ewig. (Z\u00fcrcher Bibel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Jahr 1759 wurde der Rechtsgelehrte Johann Jakob Moser vom schw\u00e4bischen Herzog zur Haft auf der Burg Hohentwil verurteilt. Er wurde bestraft f\u00fcr seine freie Meinungs\u00e4u\u00dferung. die dem Regenten so gar nicht passte. Als er vor ihm erschien, summte er ein Lied vor sich hin: \u201eUnverzagt und ohne Grauen \/ soll ein Christ, wo er ist, \/ stets sich lassen schauen. \/ Wollt ihn gar der Tod aufreiben \/ soll der Mut dennoch gut \/ und fein stille bleiben.\u201c (Paul Gerhardt) Das beherzigte er: Christen d\u00fcrfen stets und trotz allen Widrigkeiten getrosten Mutes sein..<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von solchem Mut redet der heutige Predigttext. Der Apostel Paulus sagt mittendrin: Wir verzagen nicht. Wir werden nicht mutlos. Wer kann so etwas sagen? Ist er solch ein Kraftprotz? Hat er eine derart dicke Haut? Verbreitet er eine Durchhalteparole, um schlagkr\u00e4ftig zu bleiben? Oder ist er blind daf\u00fcr, dass es in unserem Leben Geschichten gibt, bei denen wir allen Mut verlieren? Bei denen selbst Hartgesottene den Kopf h\u00e4ngen lassen? Bei denen zuletzt jedermann bange davor ist, dass uns &#8222;gar der Tod aufreiben\u201c wird?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt allerdings einen guten Grund daf\u00fcr, den Mut nicht zu verlieren, sondern ihn sich verleihen und sich st\u00e4rken zu lassen. Der Grund ist derart stark, dass man auch in Schwachheit und Einsamkeit und bei arger Bedr\u00e4ngnis durchhalten kann, &#8222;unverzagt und ohne Grauen\u201c . Der Grund ist so goldrichtig, dass der heutige Sonntag seit alters den Namen tr\u00e4gt: &#8222;Jubilate\u201c, &#8222;Jubiliert&#8220;. Es gibt tats\u00e4chlich Grund zum Jubeln \u2013 nicht \u00fcber das, was Menschen alles so anstellen; davor kann einem oft nur angst und bange werden. Aber es gibt Grund zum Jubeln \u00fcber das, was <em>Gott<\/em> in Jesus f\u00fcr uns angestellt hat, so dass wir freudig aufatmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum geht es: \u201eJesus lebt, mit ihm auch ich.&#8220; So eng sind wir mit ihm verbunden. So eng hat <em>er<\/em> sich mit uns verbunden. Ein Lehrer namens Johann Cr\u00fcger hat vor 400 Jahren gereimt: \u201cL\u00e4sset auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht.&#8220; Er ist uns naheger\u00fcckt, weil er uns in seiner N\u00e4he haben will. Paulus schreibt: Weil Gott \u201eden Herrn Jesus auferweckt hat, wird er auch uns mit Jesus auferwecken&#8220;. Auch uns! \u201eDes d\u00fcrfen wir alle froh sein.&#8220; Auch wir d\u00fcrfen aufgeweckt sein, d\u00fcrfen den Kopf in die H\u00f6he heben, d\u00fcrfen uns die Schlafreste aus den Augen wischen, d\u00fcrfen die Todesfurcht hinter uns lassen. Das ist die \u00f6sterliche Folgeerscheinung,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wem ist \u201eder Herr Jesus\u201c etwa nicht zugewandt? Wer ist ihm denn kein Zugeh\u00f6riger? Er will auch die Fremden zu Nachbarn haben. Das Gute gilt uns und nicht nur uns, es gilt Weiteren, vielen Weiteren. Sie, die \u201edrau\u00dfen vor der T\u00fcr&#8220; stehen, liegen jedenfalls ihm am Herzen. Paulus schreibt von einer Bewegung, die weit und breit und in alle Zukunft hinein sich fortsetzt. Eine &#8222;wachsende Zahl von Glaubenden&#8220; sieht er am Horizont. Wenn nicht bei uns, dann unter den Fremden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch gibt es nicht wenigstens im Blick auf \u201eFremde\u201c eine Erlaubnis zur \u00dcbertretung des Gebots: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c? \u2013 wenn nicht direkt, so doch h\u00fcbsch legal. Aber bitte, nimm Verstand an! Du sollst es darum nicht, weil unser Gott will, dass ausnahmslos alle leben, und will, dass auch wir lebensbejahend seien \u2013 wir f\u00fcr uns wie f\u00fcr unsere geliebten und verfeindeten Mimenschen wie f\u00fcr unsere Nachkommen, die keine letzte Generation sein sollen. \u201eWas unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten\u201c. Das d\u00fcrfen wir uns ruhig hinter die Ohren schreiben, um es nicht l\u00e4nger zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn Gott liebt das Leben. Deshalb kann Paulus allem Tod und allem T\u00f6ten zum Trotz sagen: \u201eDaher verzagen wir nicht.\u201c \u201eDaher werden wir nicht mutlos.\u201c K\u00f6nnen wir es denn nicht ihm nachstottern? Es gibt ja f\u00fcr uns eine Hoffnung, die nicht wackelt. Sie wird nicht durch vermeintlich harte Tatsachen widerlegt, sie widerlegt ihrerseits harte Tasachen. Sie ist so robust, dass sie standh\u00e4lt. \u201eDie Hoffnung stirbt zuletzt&#8220;, sagt man. Aber <em>diese<\/em> Hoffnung stirbt gerade zuletzt nicht. Sie wird auf Punkt und Komma erf\u00fcllt. Gewiss, wir sind noch unterwegs. Wir sind noch nicht am Ziel. Aber schon sehen wir Morgenlicht und schon k\u00f6nnen wir etwas davon schmecken. Der neue Mensch wird bereits \u201evon Tag zu Tag erneuert.&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist der neue Mensch? Paulus unterscheidet hier zwischen dem \u00e4\u00fc\u00dferen und inneren Menschen. Dabei geht es nicht um eine Unterscheidung von Leib und Seele. Beide geh\u00f6ren zusammen; sonst ist er kein Mensch. Vielmehr: Der innere Mensch ist der Mensch in Gottes Hand, der \u00e4u\u00dfere ist der Mensch in Menschenhand, in eigener oder in andrer Menschenhand. Es ist nicht gut, wenn er blo\u00df in Menschenhand ist. Es ist gut, wenn er in Gottes Hand ist. Da ist er nicht mehr mit Leib und Seele an den verschwindenden \u201eAugenblick&#8220; verloren. Da ist er von Gottes unendlicher Liebe gefunden. \u201eGott hat derer nicht vergessen, \/ die in Finsternis gesessen.&#8220; So werdem wir einstimmen in das Lied: \u201eJesus lebt, mit ihm auch ich, <em>Tod, wo sind nun deine Schrecken.<\/em>\u201c Der Tod ist noch da. Aber er hat keine Macht mehr \u00fcber Ihn und darum auch keine Macht mehr \u00fcber uns; er hat seine Sto\u00dfz\u00e4hne verloren. Wir d\u00fcrfen mit Jochen Klepper sagen: \u201eIn jeder Nacht, die mich umf\u00e4ngt, darf ich in <em>Seine<\/em> Arme fallen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Derart strecken wir uns danach aus: nach dem Kommenden, nach dem Unsichtbaren, noch nicht Sichtbaren, Ewigen. Nicht nach den Eintagsfliegen, die schnell kommen und schnell absterben. Wir bestreiten es nicht, das Vor\u00fcbergehende: Wir selbst gehen vor\u00fcber, h\u00f6ren einmal auf, treten ab. Uns steht ein Abgang von der B\u00fchne bevor, was immer wir darauf f\u00fcr eine Rolle gespielt haben. Sind wir nicht ernstlich \u201edie letzte Generation&#8220;? \u2013 auch wenn wir noch so sehr die ablehnen, die sich so nennen. &#8222;Von Erde bist du genommen und sollst wieder zu Erde werden.&#8220; Weil wir das so oft unter den Tisch fallen lassen, muss uns das aufgetischt werden. Wollen wir denn davon absehen, was wir doch sehen? \u2013 \u201eEs ist ein Schnitter, der hei\u00dft Tod.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jedoch wir <em>bauen<\/em> nicht auf das Verg\u00e4ngliche. \u201eMein Heim ist nicht in <em>dieser <\/em>Zeit.&#8220; Wir halten uns nicht an den fl\u00fcchtigen \u201eAugenblick&#8220;, an das, was heute offiziell im Vordergrund steht. Wir klammern uns nicht an Strohhalme. Das Verg\u00e4ngliche gibt keinen Halt. Aber solange wir leben, sagen wir: Weh dem, der sich ans Haltlose h\u00e4lt, der Haltloses als haltbar ausgibt. \u201eWeh dem, der keine Heimat hat&#8220; (Friedrich Nietzsche) \u201eAlles vergehet, Gott aber stehet, ohn alles Wanken\u201c. Er steht und h\u00e4lt das Br\u00fcchige fest in seiner wunderguten Hand. Das erm\u00e4chtigt uns, im Ewigen heimisch zu werden, \u201eUnd wollt uns gar der Tod aufreiben\u201c \u2013 \u201eJesus lebt, mit ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken?!&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der einstige Pfarrer Hermann Friedrich Kohlbr\u00fcgge in Wuppertal-Elberfeld schloss eine Predigt mit folgenden Worten, mit denen auch wir unsere Predigt schlie\u00dfen \u201eDarum, wenn ich sterbe \u2013 ich sterbe aber nicht mehr \u2013 und es findet jemand meinen Sch\u00e4del, so predige es ihm dieser Sch\u00e4del noch: Ich habe keine Augen, dennoch schaue ich ihn. Ich habe kein Gehirn und Verstand, dennoch umfasse ich ihn; ich habe keine Lippen, dennoch k\u00fcsse ich ihn. Ich habe keine Zunge, dennoch lobsinge ich ihm mit euch Allen, die ihr seinen Namen anruft. Ich liege hier drau\u00dfen auf dem Gottesacker, dennoch bin ich drinnen im Paradies! Alles Leiden ist vergessen. Das hat uns seine gro\u00dfe Liebe getan, da er f\u00fcr uns sein Kreuz trug. Amen.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgeweckt | Jubilate | 21.04.2024 | 2Kor 4,14\u201318 | Eberhard Busch | Wir wissen, dass der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und mit euch vor sich hinstellen wird. 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