{"id":19775,"date":"2024-04-16T06:55:05","date_gmt":"2024-04-16T04:55:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19775"},"modified":"2024-04-15T16:42:00","modified_gmt":"2024-04-15T14:42:00","slug":"johannes-141-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-141-11-3\/","title":{"rendered":"Johannes 14,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Jubilate | 21.04.2024 | Joh 14,1-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Umwege in unserem Leben sind ein Teil unseres Lebens.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt Leute ohne Orientierungssinn. In einem alten Monty Python Film gibt es eine Szene mit der \u00dcberschrift: \u201e100-Meter Lauf f\u00fcr Leute ohne Orientierungssinn\u201c. Alle Athleten sind bereit am Start. Der Startschuss erklingt, Bang, und dann laufen sie in acht verschiedene Richtungen. Ich habe auch keinen Orientierungssinn. Als ich einmal einen Vortrag in Hjerting halten sollte, einem Vorort der d\u00e4nischen Stadt Esbjerg, und in Pattburg an der Grenze zu Deutschlang landete, kaufte ich einen Navigator. Nun zeigte mir eine kommandierende Frauenstimme den Weg. Man vermisst nie seine Frau, wenn man einen Navigator in seinem Auto hat. Mein Navigator ist eingestellt f\u00fcr den schnellsten Weg. Es geht darum, ans Ziel zu kommen. Ich komme nie mehr durch D\u00f6rfer. Es ist langweilig geworden, Auto zu fahren. Nun sind wir von unserem Navigator so abh\u00e4ngig geworden, dass wir keine Landkarten mehr lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da k\u00f6nnte es fantastisch sein, wenn wir auch von einem geistlichen Navigator abh\u00e4ngig w\u00e4ren, unserem Herrn Jesus Christus. Es kann irritierend sein, Gott zum Navigator zu haben. Seine Wege sind nie unsere Wege. Wir bitten ihn, uns zu einem Ziel auf dem schnellsten Weg zu f\u00fchren. Aber wir werden immer auf Umwege geschickt und enden oft dort, wo wir nicht gedacht hatten. Pattburg statt Hjerting.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutigen Evangelium sagt Christus die ber\u00fchmten Worte \u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben\u201c. Das bedeutet, dass der Weg, den wir betreten, nicht unser Weg ist. Der Weg, den wir gehen, ist der Weg Gottes. In der Taufe wurden wir Eigentum Gottes. Er kann mit uns machen, was er will. Und es scheint so zu sein, dass der liebe Gott, im Gegensatz zu meinem Navigator, uns auf Umwege f\u00fchrt zu einem Ziel, das vielleicht gar kein Ziel ist, das wir uns gesetzt haben. Wir finden in der Regel nicht sofort die gro\u00dfe Liebe, auch wenn wir das gerne wollen. Viele m\u00fcssen ganz viele Umwege gehen \u00fcber verschiedene Beziehungen, bis sie die Person finden, mit der sie das ganze Leben teilen wollen. Aber die Umwege sind spannend und lehrreich. Sie sind nie nutzlos. Der Weg zu Jesus Christus kann auch \u00fcber gro\u00dfe Umwege f\u00fchren. Vielleicht muss da etwas Gro\u00dfes und Gl\u00fcckliches in unserem Leben geschehen, ehe wir das Gef\u00fchl haben, dass der Himmel die Erde ber\u00fchrt. Zuweilen sto\u00dfen wir auch auf Menschen, die im Wege stehen f\u00fcr irgendein Ziel, das wir uns f\u00fcr unser Leben gesetzt haben. Das bedeutet, dass wir den Kurs \u00e4ndern und andere Wege einschlagen m\u00fcssen. Diese Menschen brauchen kein Fluch zu sein, sondern k\u00f6nnen ein Segen sein. Die Kunst besteht darin, dass man die Umwege lieben kann, die uns der liebe Gott st\u00e4ndig zuweist. Die Kunst besteht darin, die Orte liebzugewinnen, an denen wir enden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIn meines Vaters Hause sind viele Wohnungen\u201c, sagt Jesus. Und vielleicht k\u00f6nnte man diese Worte dahin auslegen, dass die Orte, wo wir enden, ohne es gewollt zu haben, auch eine der Wohnungen Gottes sind. Der Apostel Paulus war ein Mann, der Umwege kannte. Er will die Christen in Damaskus verfolgen. Aber eine Vision bringt ihn dazu, die Richtung zu \u00e4ndern. Von einem Augenblick zum andern wird er ein Christus-Gl\u00e4ubiger. Er verfolgte den Weg, wie sich die Christen damals nannten, und wurde pl\u00f6tzlich selbst auf den Weg gef\u00fchrt. Und einmal, als er auf seiner zweiten Missionsreise nach Mysia in der heutigen T\u00fcrkei unterwegs war, hindert eine geistige Mauer ihn daran, weiterzureisen. Sein geistlicher Navigator veranlasst ihn, nach Europa zu reisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine alte Legende erz\u00e4hlt von dem vierten Weisen. Da waren drei Weisen, die nach Bethlehem zogen, um dem neugeborenen Jesus-Kind kostbare Gaben zu schenken. Aber nach der Legende war da auch ein vierter Weiser. Er erreichte das Ziel nicht. Er wurde dauernd auf Umwege geschickt. Erst sollte er einigen Leuten dabei helfen, nach dem Krieg einige St\u00e4dte wieder aufzubauen. Dann sollte er daf\u00fcr sorgen, dass Brunnen f\u00fcr arme Leute ausgegraben wurden. Dann kam er in Kontakt mit anderen, die desperat ihn und die Gaben brauchten, die er f\u00fcr das Jesus-Kind mitgebracht hatte. So kam er zu Christus an dem Tag, als Christus gekreuzigt wurde, und er hatte keine Geschenke mehr f\u00fcr ihn. Aber Jesus sah ihn an und sagte, dass das, was er f\u00fcr die Menschen getan hatte, denen er begegnet war, das beste Geschenk war, das er je bekommen hatte. Und ich bin sicher, w\u00fcrde man den vierten Weisen nach seinem Leben in den 33 Jahren fragen, die er damit verbracht hatte, auf Umwegen zu Jesus zu kommen, ob das ein gutes Leben war, w\u00fcrde er geantwortet haben: \u201eFantastisch\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben\u201c, sagt Jesus. Und wir m\u00fcssen einsehen, zielbewusst und ergebnisorientiert, wie wir sind, dass da mehr Leben und Wahrheit ist in den Wegen, auf die Gott uns f\u00fchrt, als auf den Wegen, die wir selbst planen. Der schnellste Weg zur Arbeit ist nicht immer der sch\u00f6nste. Die schnellste Karriere muss nicht immer die lehrreichste sein. Die am schnellsten zubereitete Mahlzeit schmeckt nicht immer am besten. Die Umwege in unserem Leben sind ein Teil unseres Lebens. Da kann auch ein Segen darin liegen, andere Ziele zu erreichen als die, die wir uns gesetzt haben. Wir m\u00fcssen, wenn es um unseren Weeg durch das Leben geht, es unserem Herrgott \u00fcberlassen, uns zu f\u00fchren, wenn wir selbst getan haben, was wir k\u00f6nnen, um auf den rechten Kurz zu kommen. Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate | 21.04.2024 | Joh 14,1-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Poul Joachim Stender | Die Umwege in unserem Leben sind ein Teil unseres Lebens. Es gibt Leute ohne Orientierungssinn. In einem alten Monty Python Film gibt es eine Szene mit der \u00dcberschrift: \u201e100-Meter Lauf f\u00fcr Leute ohne Orientierungssinn\u201c. Alle Athleten sind bereit am Start. 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