{"id":19842,"date":"2024-04-30T10:00:48","date_gmt":"2024-04-30T08:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19842"},"modified":"2024-04-30T10:21:23","modified_gmt":"2024-04-30T08:21:23","slug":"exodus-327-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-327-14-2\/","title":{"rendered":"Exodus 32,7\u201314"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Nicht konsequent | Rogate | 5. Mai 2024 | Ex 32,7\u201314 | Friedrich Schmidt-Roscher |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sind Sie konsequent?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind Sie eine Frau oder ein Mann, der bei sich selbst oder in der Erziehung der Kinder oder Enkel klar und konsequent ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte aus dem 2. Buch Mose in Kapitel 32 zeigt uns Gott und seine Konsequenz. Es ist eine Geschichte \u00fcber das Beten und sie zeigt mir: Gott ist nicht konsequent. Und das ist gut so, denn es hilft uns beim Beten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir den Text aus 2. Mose 32,7\u201314<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr Lieben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beten kommt in dieser Geschichte zwei Mal vor. Einmal die Bitte durch Mose und vorher das Beten durch das Volk Israel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beginnen wir mit dem Volk, denn damit beginnt auch diese Geschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Volk Israel wurde aus der Sklaverei befreit und hat \u00c4gypten hinter sich gelassen. Das Joch ist abgesch\u00fcttelt. Sie sind auf dem Weg in die Freiheit. Aber noch sind sie unterwegs. Noch sind sie in der W\u00fcste mit all den Unsicherheiten und Gefahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie lagern am Berg Sinai. Mose hat sich aufgemacht, um Gott auf dem Berg zu begegnen. Er kommt nicht zur\u00fcck. Die Menschen sind unruhig. Was ist mit Mose? Wer wird sie f\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dieser Situation bitten die Menschen Aaron, ihnen ein Gottesbild anzufertigen. Sie geben ihren Schmuck, und Aaron macht aus den Ringen ein goldenes Kalb. Der Stier ist ein Symbol der St\u00e4rke.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch die Israeliten haben nicht genug Schmuck f\u00fcr ein gro\u00dfes Standbild. Es reicht nur f\u00fcr einen kleinen Stier, f\u00fcr ein Kalb. Darin liegt biblischer Humor: ein K\u00e4lbchen als Symbol der St\u00e4rke. Dieses Kalb ist unser Gott, der uns aus \u00c4gypten befreit hat, sagen die Israeliten. Sie werfen sich nieder, sie beten dieses Gottesbild an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte vom goldenen Kalb zeigt: Menschen sehnen sich nach N\u00e4he, nach Erfahrbarkeit Gottes. Die Anbetung des Kalbes ist keine Abwendung von Gott, sondern der menschliche Versuch, Gott zu finden.\u00a0 Die Israeliten lassen sich ein Gottesbild machen, weil sie unter seiner Abwesenheit, unter der Nichterfahrbarkeit Gottes leiden. Sie brauchen die N\u00e4he Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn Gott aus dem Leben der Menschen verschwunden ist, dann suchen sie sich einen neuen Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So seltsam es klingen mag: Die Menschen machen sich einen falschen Gott, weil sie die N\u00e4he Gottes suchen. Wenn wir nicht mehr an Gott glauben und zu ihm beten, dann treten andere Dinge an die Stelle Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist das Verkehrte: Wir machen Menschliches und Verg\u00e4ngliches zu unserem Gott. Wir stellen Irdisches auf ein Podest und beten es an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das passiert nicht nur damals am Sinai. Das passiert auch heute. Es kann mit allen Dingen geschehen. Das erlebe ich als gro\u00dfe Gefahr in unserer Zeit, wo Menschen sich manchmal mit Gott und dem Glauben schwertun. Wenn Gott fehlt, bleibt sein Platz nicht leer, sondern wird von anderen Dingen gef\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem Einkaufen zum Beispiel. Ist es ein Zufall, dass wir von \u201eKonsumtempeln\u201c sprechen. Auch der Fu\u00dfball oder Sport kann so ein Ersatzgott werden. Oder die Nation oder ein bestimmter Lebensstil.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Menschen machen Verg\u00e4ngliches zu Gott, weil Menschen etwas brauchen, an dem sie sich festhalten k\u00f6nnen. Aber selbst gemachten G\u00f6tter k\u00f6nnen nicht helfen. Sie haben keine eigene Macht. Sie haben nur so viel Macht, wie wir ihnen geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was k\u00f6nnen wir gegen diese falschen G\u00f6tter tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir stehen als Christen vor einer doppelten Aufgabe, liebe Schwestern und Br\u00fcder:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen mit unseren Worten und mit unserem Leben auf den lebendigen Gott hinweisen. Obwohl wir schwach sind und manchmal nur halbherzige Christinnen und Christen. Sie und ich k\u00f6nnen an Gott erinnern, ihn ins Gespr\u00e4ch bringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genauso wichtig ist es, die falschen G\u00f6tzen zu entlarven und aufzudecken. Ein St\u00fcck Religionskritik geh\u00f6rt also auch dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Geschichte erz\u00e4hlt den wahren Gott. Sie weist auf die Kraft und die Ansprechbarkeit des lebendigen Gottes hin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist von seinem Volk entt\u00e4uscht. Er hat sie durch das Meer gef\u00fchrt und vor den Elitetruppen des Pharaos gerettet. Doch kaum ist er einmal nicht erfahrbar, schon wendet sich das Volk ab.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist entt\u00e4uscht von diesen Leuten und will noch einmal neu beginnen. Er schl\u00e4gt Mose vor: Mit dir will ich noch einmal beginnen. Das Volk taugt nicht.\u00a0 Ich kann doch aus dir ein neues Volk machen&#8230;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die meisten von uns h\u00e4tten wohl gesagt: Gute Idee. Ich bin dabei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und was macht Mose?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er bes\u00e4nftigt Gott. Er spricht mit dem Ewigen und sucht nach Argumenten, wie Gott umgestimmt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose verhandelt mit Gott. Wie ein guter H\u00e4ndler auf dem Bazar sucht er nach Gr\u00fcnden, den Ewigen umzustimmen. Ich k\u00f6nnte auch sagen, wie ein Kind, das unbedingt bei den Eltern etwas erreichen will, bringt Mose Gr\u00fcnde vor?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was sollen die \u00c4gypter von dir denken, wenn du das Volk preisgibst?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann erinnert er Gott an die Versprechen, die er einmal den Erzv\u00e4tern und Erzm\u00fcttern gegeben hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das Eigent\u00fcmliche geschieht: Gott l\u00e4sst sich umstimmen. Er h\u00f6rt auf Mose und seine Worte. Er bleibt nicht taub. Gott reute es sogar, dass er seinem Volk Unheil angedroht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann Gott sein Handeln und seine Entscheidungen reuen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus dieser Geschichte erfahren wir viel \u00fcber Gott und warum wir zu ihm beten k\u00f6nnen. Denn Mose kann mit seiner F\u00fcrbitte f\u00fcr das Volk Gott umstimmen und ver\u00e4ndern. Er erinnert Gott an seine Versprechungen und erinnert ihn an seine Zusagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir Gott nicht sehen. Der Ewige ist ganz anders, wie wir ihn uns vorstellen oder wie wir ihn manchmal gerne h\u00e4tten. Denn Gott ist kein Produkt unserer Sehnsucht oder Phantasie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Gott ist einer, der sich ansprechen l\u00e4sst. Er ist einer, der sich von uns ber\u00fchren l\u00e4sst. Meine Tr\u00e4nen, meine Bitten, das k\u00fcmmert ihn. Mein Dank, meine Klagen, meine Bitten ber\u00fchren ihn. Das m\u00fcssen wir unseren Kindern erz\u00e4hlen und selbst immer wieder ausprobieren. Deshalb k\u00f6nnen wir zu der Ewigen beten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Gebet und vor allem unsere F\u00fcrbitte f\u00fcr andere Menschen muss nicht zaghaft sein. Auch Mose traut sich was. Er verhandelt mit Gott. Er gibt nicht sofort auf, sondern bleibt hartn\u00e4ckig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denken Sie daran, wie Kinder manchmal hartn\u00e4ckig und klug mit Mutter oder Vater verhandeln k\u00f6nnen, wenn sie einen Wunsch haben. Da k\u00f6nnen wir uns das Vertrauen und die Hartn\u00e4ckigkeit der Kinder auch beim Beten zum Vorbild nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Menschen stellen sich Gott so vor, als ob er irgendwo da oben sitzt und alles wei\u00df und alles lenkt. Er scheint ewig und unver\u00e4nderlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gott der Bibel l\u00e4sst sich ansprechen. Das ist eine, mit der ich reden kann. Sie l\u00e4sst sich umstimmen. Gott ist nicht konsequent. Und nicht taub. Gott h\u00f6rt auf unsere Gebete. Weil sie treu ist, ist sie bereit sich zu ver\u00e4ndern und sich umstimmen zu lassen. Weil sie uns liebt hat, ist sie manchmal nicht konsequent. Sie bleibt an unserer Seite, obwohl wir so sind wie wir manchmal sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Beten, mein Reden mit ihm, bringt etwas. Denn er hat uns lieb, wie Eltern ihre Kinder liebhaben. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfr. Dr. Friedrich Schmidt-Roscher<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ha\u00dfloch\/Pfalz<br \/>\n<a href=\"mailto:fr.schmidt-roscher@gmx.de\">fr.schmidt-roscher@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Friedrich Schmidt-Roscher, geb. 1962, seit 2007 Pfarrer in Ha\u00dfloch in der Prot. Kirche der Pfalz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Sonntag Rogate werde ich drei Kinder taufen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Literatur: Annette Miryam Boeckler, Gott \u00e4ndere dich! In: GPM 2008, 234-240<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht konsequent | Rogate | 5. 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