{"id":19894,"date":"2024-05-13T15:55:49","date_gmt":"2024-05-13T13:55:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19894"},"modified":"2024-05-13T09:40:53","modified_gmt":"2024-05-13T07:40:53","slug":"johannes-1415-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1415-21-2\/","title":{"rendered":"Johannes 14,15-21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">H\u00fcter des Hauses | Pfingstsonntag | 19.05.2024 | Joh 14,15-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Jan Sievert Asmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Kind sitzt am Bildschirm und schreibt eine Mail an die Hotline des Kinderschutzbundes: \u201cMeine Eltern arbeiten viel und sind wenig zuhause. Wenn sie aber da sind, streiten sie sich und denken, ich h\u00f6re es nicht\u201d. Eine traurige Alltagsmeldung aus der gegenw\u00e4rtigen Leistungsgesellschaft. Nach au\u00dfen wird das Gesicht gewahrt. Aber nach innen ist das Leben freudlos, ohne Glanz. \u201cWenn Papa kommt, ist Mutti gerad gegangen. Und wenn Mutti kommt, schl\u00e4ft der Papa\u201d \u2013 so ein entsprechendes Poplied aus der Zeit um 1968. Damals wurde noch heimlich getr\u00e4umt vom guten Geist daheim, von der backenden, bilderbuchlesenden Limonadenmutter, umarmend die Kinder nach der Schule und liebevoll bereit f\u00fcr den Kuss des Ehemannes, der sp\u00e4t heimkehrt und sagt: \u201cich bin v\u00f6llig ersch\u00f6pft\u201d. Oder \u2013 weniger klischeehaft \u2013 jene Ver\u00e4nderung im Haus, die einkehrt, wenn Vater oder Mutter nach mehrt\u00e4giger Arbeitsabwesenheit wiederkommt und alles zu schweben beginnt. Auch ohne diese Eltern funktioniert der Alltag. Es wird eingekauft und ges\u00e4ubert, G\u00e4ste kommen \u2013 aber gleichsam im Grauton. Ein Leben ohne X-Faktor. Es gibt Familien, die f\u00fcr immer so leben m\u00fcssen: wenn die Mutti oder der Vater verstorben sind. \u201cAch ja, es geht schon\u201d, sagt man. Der Mann oder die Frau schafft es in dem jetzt zu gro\u00dfen Haus. \u201cEs geht schon\u201d \u2013 aber nach innen sieht es anders aus. Denn es fehlt der gute Geist. Oder eher: es bleibt der Traum von einer Wiederkehr des guten Geistes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201cKomm, Gott Sch\u00f6pfer, Heiliger Geist, besuch das Herz der Menschen dein\u201d, n\u00e4mlich das Herz, welches den Geist vermissen. \u201cO komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit\u201d \u2013 erl\u00f6se uns aus unserer Not, erw\u00e4rme unser Herz, \u201cgie\u00df aus dein heilig Feuer, r\u00fchr Herz und Lippen an!\u201d<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Flehen um den guten Geist des Hauses ist im h\u00f6chstem Grade auch das Gebet der Kirche. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Geist zu vereinnahmen, der gar nicht da ist. Es gleicht der Aussage \u201cwie haben wir es nett\u201d, wenn alles im Raum gegenteilig ruft. H\u00e4tte die Kirche ein gro\u00dfes Budget, h\u00f6henverstellbare Schreibtische, kompetente Mitarbeiter, w\u00e4re sie eine etablierte Kultureinrichtung mit neuen Orgeln, die sch\u00f6n die Brautkleider aufwehen k\u00f6nnen \u2013 was w\u00e4re sie ohne den guten Geist? Sie w\u00e4re die l\u00e4cherlichste und armseligste, aufgeblasenste Gestalt der Gesellschaft. Ich meine: ein Mechaniker kann einfach Autos reparieren und eine Schule Kinder unterrichten \u2013 die Existenz der Kirche ruht jedoch auf ihren guten Geist, ob er da ist oder nicht. Viele Leute haben die Kirche verlassen, weil sie ihn nicht gefunden haben, sondern eine leere Schale, Opium f\u00fcrs Volk, eine simple Performance. Es wundert kaum, dass die Kirche ihre H\u00e4nde falten und innig beten muss: \u201cKomm, Heiliger Geist, sei unser Gast!\u201d<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine ganze Weile kann die Kirche ohne den Geist leben. Feierlich die Taufkinder begie\u00dfen, mit Brot und Wein Hokuspokus machen. Die Kirche sollte sich aber sch\u00e4men, so die Leute an der Nase zu f\u00fchren. Wie wenn man wider besseres Wissen auf einer L\u00fcge lebt. Die Scham und die Anfechtung m\u00fcssen bestehen als st\u00e4ndiges S\u00e4urebad. Sie begleitet das st\u00e4ndige Gebet um den guten Geist. Dieses Gebet ist das Thema zu Pfingsten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige m\u00fcssen sehr lange und vielleicht das ganze Leben darauf warten, dass der gute Geist einkehrt. Unsere Welt muss vielleicht den Rest ihrer Zeit warten, bis der Traum des Propheten Jeremias wahr wird: \u201cIch will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben\u201d (Jer 31,34). Wenn es aber geschieht, ist die Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit geschlossen. Daraufhin zielen unsere Tr\u00e4ume und unsere Gebete.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt H\u00e4user ohne guten Geist. Und es gibt H\u00e4user, wo der Geist einwohnt und erneuert und aufleuchtet. Dann wird sogar das Butterbrot und das Glas Milch zum Festmahlzeit, wenn Vater abends nach Hause kommt. Dann wird das ged\u00e4mpfte Abendgespr\u00e4ch im Wohnzimmer nebenan zur Musik. Dann klingen fremde Worte herzenswarm, wie damals in Jerusalem, als die J\u00fcnger die Worte fremder Leute verstanden. Dann leuchtet das Gesetz des Herrn vor den F\u00fcssen Israels, und \u201csie kennen Ihn alle\u201d, wie Jeremias sagt. Dann gl\u00fcht die Zunge, dann klingt das himmlische Halleluja auch in unserer Volkskirche kurz vor elf an diesem Vormittag. Dann wohnt der Geist bei uns, und es ist Pfingsten. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Jan Sievert Asmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-3520 Farum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: jsas(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00fcter des Hauses | Pfingstsonntag | 19.05.2024 | Joh 14,15-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Jan Sievert Asmussen | Ein Kind sitzt am Bildschirm und schreibt eine Mail an die Hotline des Kinderschutzbundes: \u201cMeine Eltern arbeiten viel und sind wenig zuhause. Wenn sie aber da sind, streiten sie sich und denken, ich h\u00f6re es nicht\u201d. 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