{"id":19928,"date":"2024-05-16T15:30:08","date_gmt":"2024-05-16T13:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=19928"},"modified":"2024-05-16T16:07:33","modified_gmt":"2024-05-16T14:07:33","slug":"johannes-644-51-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-644-51-2\/","title":{"rendered":"Johannes 6,44-51"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Pfingstmontag | 20.05.2024 | Johannes 6,44-51 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Marianne Frank Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Das Brot des Lebens<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich springe<\/em>, sagt der Mann verzweifelt. Er steht auf dem Absatz vor dem Fenster in einer Wohnung auf dem 11. Stockwerk. Es ist eine Wohnung, die er auf Manhattan gemietet hat, und am Ende des Romans von Jan Kj\u00e6rstad <em>Der Verf\u00fchrer<a href=\"applewebdata:\/\/EB690304-4F2F-440B-A5E7-66C1C8507D98#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em> tut er, was er kann, um den verzweifelten Fremden von seinem Vorhaben abzubringen. <em>Lass das sein, spring nicht<\/em>, sagt Jonas. <em>Gib mir einen Grund, nur einen guten Grund, nicht zu springen, <\/em>sagt der Mann. Was antwortet man da? Wenn man wei\u00df, dass es in diesem Augenblick an einem selbst und niemand sonst liegt, ob ein anderer Mensch in den Abgrund springt oder ins Leben zur\u00fcckkehrt.\u00a0 Wie \u00fcberhaupt die richtigen Worte finden? Jonas kriecht hinaus auf den Absatz, und als er auf den Knien zwischen Himmel und Erde liegt mit Angstschwei\u00df auf der Stirn und 10 Etagen freiem Fall unter sich, bekommt er einen gl\u00fccklichen Einfall. <em>Du bekommst ein neugebackenes Brot, <\/em>sagt er. <em>Und eine gute Geschichte<\/em>. Das sind zwei gute Gr\u00fcnde. Und tats\u00e4chlich, es funktioniert. Der Mann bekommt einen \u00fcberraschten, erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht, und kurz darauf kriecht er langsam zur\u00fcck auf dem Absatz und in das Fenster, um das zu bekommen, was Jonas ihm versprochen hat. Es ist offenbar das, was ein neugebackenes Brot und eine gute Geschichte bewirken k\u00f6nnen, den ganzen Unterschied zwischen Leben und Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist ja auch der Gottesdienst \u2013 auf die m\u00f6glichst kurze Formel gebracht: Ein Brot und eine gute Geschichte. Im Evangelium vom Pfingstmontag geht es darum, was geschieht, wenn wir in die Kirche gehen. Es geht darum, dass man h\u00f6rt und zu ihn hingezogen wird, von dem wir h\u00f6ren \u2013 und darum, ihn zu essen. Das Brot essen, das vom Himmel kommt. Die Geschichte und das Brot als Begegnung zwischen uns und Gott. So folgt das Evangelium sehr sch\u00f6n der Erz\u00e4hlung aus der Apostelgeschichte, wo wir h\u00f6ren, dass die Gemeinde festhielt an der Lehre und dem Brechen des Brotes. Man kann sich dar\u00fcber wundern, dass wir kein Wort vom Heiligen Geist h\u00f6ren. Vielleicht, weil es Pfingsten <em>geworden<\/em> ist. Der Heilige Geist <em>ist<\/em> gekommen, wir sollen ihn nicht betrachten oder analysieren, denn er wirkt schon. Er weckt, schafft, bl\u00e4st Leben in die Worte und in uns. Von nun an wirkt er im Gottesdienst, durch das Brot und die gute Geschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie der Mann auf dem Absatz zwischen Himmel und Erde bekommen wir beides. Zusammen mit dem Brit bekommen wir die Geschichte von ihm, der es sich gefallen lie\u00df, dass sein Fleisch geschlagen und ans Kreuz genagelt wurde und in der D\u00e4mmerung am Abend des Karfreitags begraben wurde. So weit geht nur eine von den vielen Geschichten von verletzlichen Menschen, die zu Tode gequ\u00e4lt werden vom Dasein oder voneinander. Darin ist nichts neu. Eine gute Geschichte wird es erst Ostermorgen, als der Tote helllebendig in der Morgensonne hintritt zu denen, die ohne ihn nicht leben k\u00f6nnen. Erst da k\u00f6nnen sie und wir sehen, dass er nicht zuf\u00e4llig get\u00f6tet wurde, sondern dass er <em>sein Leben gab f\u00fcr die Welt.<\/em> An Pfingsten macht der Heilige Geist deutlich f\u00fcr die mutlosen J\u00fcnger und uns andere, dass die Geschichte auch uns betrifft. Im Gegensatz zu dem, was die Erfahrung uns erz\u00e4hlt, haben wir teil an einer Geschichte, die gut ausgeht, denn sie endet nicht mit Verfall und Untergang. Sie endet mit einem beginnenden Sommer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6nnen wir sehen, dass ewiges Leben in dem Brot verborgen ist, das uns unser Herr im Abendmahl reicht? Ja, das ist vielleicht gerade das Sch\u00f6ne an unseren \u00fcblichen Oblaten, dass sie so schmal und d\u00fcnn sind, dass niemand auf die Idee k\u00e4me, dass wir sie essen, um satt zu werden. Das Brot des Abendmahls gibt keine Nahrung f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben. Wir essen es offenbar, weil es Nahrung gibt f\u00fcr ein anderes Leben \u2013 das wohlgemerkt nicht nur ein anderes Mal stattfindet, sondern das hier existiert und eben in diesem Augenblick beginnt, wo wir das Brot empfangen, das unser Herr uns reicht. Denn das ist ja der ganze Sinn, dass er das ewige Leben in unsere Wirklichkeit hineingetragen hat und sein Leben hingegeben hat, um es mit dem gew\u00f6hnlichen Leben zu verbinden, das wir leben. Das ist es, wof\u00fcr sein Geist uns den Blick gibt, w\u00e4rend wir h\u00f6ren und essen. Dass die Ewigkeit auch in diesem Fr\u00fchlingstag verborgen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein neugebackenes Brot und eine gute Geschichte. Das war es, was den verzweifelten Mann vor dem Tod rettete. Das ist auch das, was uns vom Tod trennt. Sowohl, wenn er uns trifft, w\u00e4hrend wir am Leben sind, wenn wir den Halt verlieren, einander verlieren, den Mut und die Kr\u00e4fte verlieren \u2013 als auch wenn er uns am Ende erreicht. Kann uns dann jemand einen guten Grund daf\u00fcr geben, dass wir nicht aufgeben und abspringen? Ja, unser Herr gibt uns ganze zwei Gr\u00fcnde. Ein Brot und eine gute Geschichte. Das Brot: Das ist er selbst. Die gute Geschichte erz\u00e4hlt, dass er gestorben ist, um uns sein eigenes Leben zu geben. Ganz gleich wo wir hinkommen, er steht auf dem Absatz direkt neben uns und fl\u00fcstert uns ins Ohr, damit wir nicht aufgeben und hinausspringen in den Abgrund des Todes, weder jetzt noch jemals, sondern mit ihm hineinkommen ins Leben. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Marianne Frank Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8000 Aarhus C<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mfl(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/EB690304-4F2F-440B-A5E7-66C1C8507D98#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jan Kj\u00e6rstad: Der Verf\u00fchrer, 1994, dt. 1999.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 20.05.2024 | Johannes 6,44-51 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Marianne Frank Larsen | Das Brot des Lebens Ich springe, sagt der Mann verzweifelt. Er steht auf dem Absatz vor dem Fenster in einer Wohnung auf dem 11. Stockwerk. 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