{"id":20000,"date":"2024-06-11T10:29:32","date_gmt":"2024-06-11T08:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20000"},"modified":"2024-06-11T10:29:32","modified_gmt":"2024-06-11T08:29:32","slug":"lukas-1511-32-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1511-32-6\/","title":{"rendered":"Lukas 15,11-32"},"content":{"rendered":"<h3>3.Sonntag nach Trinitatis | 16.06.24 | Lk 15,11-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Elof Westergaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die H\u00f6lle des Vergleichens und das Joch des Neides \u2013 und die Macht der Liebe<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Drei Personen stehen Im Vordergrund im heutigen Gleichnis Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist der Sohn, der sein Erbe erh\u00e4lt, fortreist, es verprasst und wieder heimkehrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist der \u00e4ltere Bruder, der zuhause bleibt, den Hof h\u00fctet und dem es schwerf\u00e4llt, sich \u00fcber all den Jubel zu freuen, der entsteht, als sein Bruder zur\u00fcckkommt. Er bleibt beleidigt weg bei dem Fest, drau\u00dfen auf dem Feld.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich ist da als dritter der Vater der beiden Br\u00fcder. Er gibt bei der Gelegenheit froh und gern dem j\u00fcngsten Sohn den Teil des Erbes, der ihm zukommt. Sp\u00e4ter kommt er und empf\u00e4ngt den gescheiterten und heimgekehrten Sohn mit offenen Armen. Und er ist es, der w\u00e4hrend des Festes zu dem \u00e4lteren Sohn hinausgeht, um auch ihn zu dem Fest zu bitten. Er will den Zorn von ihm und dessen Gef\u00fchl, ungerecht behandelt worden zu sein, in eine Freude \u00fcber die Heimkehr des Bruders verwandeln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Verhalten der beiden S\u00f6hne ist durchaus menschlich, in jeder Hinsicht k\u00f6nnen wir das wiedererkennen. Sie sind gleichsam ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der j\u00fcngste Sohn hat Fernweh und sehnt sich nach Freiheit und Selbstbestimmung. Er will selbst leben und am liebsten vergessen, dass alles, was er mitnimmt, etwas ist, was er vom Vater geerbt hat. Er verbraucht einfach los, lebt ein leichtes Leben, solange das gut geht. Er vergeudet alles. Die Freiheitssehnsucht und die Selbstgen\u00fcgsamkeit des modernen Menschen werden hier in ein und derselben Figur dargestellt. Das sorglose Leben und der unbegrenzte Konsum, als sei man die letzte Generation auf dieser Erde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der andere \u00e4ltere Bruder vergleicht sich mit seinem j\u00fcngeren Bruder, und er f\u00fchlt sich betrogen. Hat er nicht gearbeitet, w\u00e4hrend sein Bruder alles verprasst hat? Hat der j\u00fcngere Bruder nicht das bekommen, was ihm zusteht, und kann deshalb nicht noch mehr bekommen? Der \u00e4ltere Bruder lebt in der Welt des Messens und Wiegens, das alles im Dasein kleinlich bewertet. Er ist beschwert von der H\u00f6lle des Vergleichens und dem Joch des Neides. Das kennen wir durchaus, das ist allgemeinmenschlich, wir landen da jeder immer wieder bewusst oder unbewusst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie die beiden Br\u00fcder uns als Zuh\u00f6rer entlarven, u.a. die Wut und den Neid darstellen, die so leicht in einem Menschen aufkommen, ist es freilich ganz anders mit dem Vater der beiden S\u00f6hne.\u00a0 Er ist eine Gabe f\u00fcr uns, indem er andere und reichere Perspektiven \u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gro\u00dfz\u00fcgig gibt dieser Vater seinem Sohn den Teil des Erbes, die ihm zukommt. Er sitzt dem Sohn nicht im Nacken, fragt ihn nicht, was er mit seinem Erbe machen will. Er gesteht dem Sohn zu, dass der ein Erbe ist mit der Freiheit, sein eigenes Leben zu leben. Er l\u00e4sst ihn fortreisen. Grundlegend erweist er seinem j\u00fcngsten Sohn Vertrauen und Respekt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und als der j\u00fcngste Sohn dann heimgekehrt wieder in der Sonne steht, zur\u00fcckgekehrt mit leeren H\u00e4nden, wird dieser Vater spontan \u00fcberw\u00e4ltigt von Freude. Er l\u00e4uft dem heimgekehrten Sohn entgegen und will die Heimkehr mit einem Fest feiern. Die Liebe dieses Vaters kennt keine Vorbehalte. Er freut sich so sehr dar\u00fcber, dass der Sohn, den er in dunklen Stunden f\u00fcr tot hielt, dennoch lebt und heimgekehrt ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die Liebe des Vaters endet nicht hier. Denn da sich der \u00e4ltere Sohn vom Fest f\u00fcr den Heimgelehrten zur\u00fcckzieht, geht der Vater hinaus zu ihm und will ihn nicht in seinem Zorn belassen. Er erinnert ihn an das Wesentliche, n\u00e4mlich die Freude dar\u00fcber, dass der Sohn, der Bruder, den sie f\u00fcr tot und verschwunden, nun wieder heimgekehrt ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Spiegeln nun die beiden S\u00f6hne im Gleichnis das Tun und Lassen der Menschen wieder, so zeigt uns der Vater, dass wir Erben sind. Alles, was mein ist, ist dein, sagt der Vater zu dem \u00e4lteren Sohn; d.h. der Mensch ist nicht geschichtslos. Uns ist viel gegeben, und wir haben etwas, was wir verwalten sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugleich zeigt der Vater mit seinem Entgegenkommen gegen\u00fcber beiden seinen S\u00f6hnen ein Beispiel f\u00fcr die Macht der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gleichnis Jesu ist eine Einladung zu diesem Fest und in dieses Reich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bisschof Elof Westergaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Korsbr\u00f8dregade 7, DK-6760 Ribe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: eve(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3.Sonntag nach Trinitatis | 16.06.24 | Lk 15,11-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Elof Westergaard | Die H\u00f6lle des Vergleichens und das Joch des Neides \u2013 und die Macht der Liebe Drei Personen stehen Im Vordergrund im heutigen Gleichnis Jesu. 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