{"id":20007,"date":"2024-06-11T10:36:01","date_gmt":"2024-06-11T08:36:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20007"},"modified":"2024-06-11T10:36:01","modified_gmt":"2024-06-11T08:36:01","slug":"lukas-151-3-11b-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-151-3-11b-32\/","title":{"rendered":"Lukas 15,1\u20133.11b\u201332"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">| Crescendo der Liebe | 3. Sonntag nach Trinitatis | 16.06.2024 | Lk 15,1\u20133.11b\u201332 | Paul Wellauer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Lesung Altes Testament | Psalmgebet | Psalm 53 | Lutherbibel 2017<\/strong><strong>* | <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Die Torheit der Gottlosen <\/strong><strong>|<br \/>\n<\/strong>1\u00a0Eine Unterweisung Davids, vorzusingen, zum Reigentanz.\u20022\u00a0Die Toren sprechen in ihrem Herzen: \u00bbEs ist kein Gott.\u00ab Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gr\u00e4uel; da ist keiner, der Gutes tut.\u20023\u00a0Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.\u20024\u00a0Aber sie sind alle abgefallen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.\u20025\u00a0Wollen denn die \u00dcbelt\u00e4ter sich nichts sagen lassen, die mein Volk fressen, dass sie sich n\u00e4hren, Gott aber rufen sie nicht an?\u20026\u00a0Da erschrecken sie sehr, wo kein Schrecken ist; doch Gott zerstreut die Gebeine derer, die dich bedr\u00e4ngen. Du machst sie zuschanden, denn Gott hat sie verworfen.\u20027\u00a0Ach dass die Hilfe aus Zion \u00fcber Israel k\u00e4me!\u00a0 Wenn Gott das Geschick seines Volkes wendet, freue sich Jakob und sei Israel fr\u00f6hlich! Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Lesung Predigttext <\/strong><strong>Lukas 15,1\u20133.11b\u201332 | Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007** |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Die Geschichte vom verlorenen Sohn | <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1 Alle Z\u00f6llner und S\u00fcnder suchten seine N\u00e4he, um Jesus zuzuh\u00f6ren. 2 Und die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten murrten: Der nimmt S\u00fcnder auf und isst mit ihnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">3 Er aber erz\u00e4hlte ihnen das folgende Gleichnis: [\u2026] 11b Ein Mann hatte zwei S\u00f6hne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">12 Und der j\u00fcngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Teil des Verm\u00f6gens, der mir zusteht. Da teilte er alles, was er hatte, unter ihnen. 13 Wenige Tage danach machte der j\u00fcngere Sohn alles zu Geld und zog in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Verm\u00f6gen. 14 Als er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine schwere Hungersnot \u00fcber jenes Land, und er geriet in Not. 15 Da ging er und h\u00e4ngte sich an einen der B\u00fcrger jenes Landes, der schickte ihn auf seine Felder, die Schweine zu h\u00fcten. 16 Und er w\u00e4re zufrieden gewesen, sich den Bauch zu f\u00fcllen mit den Schoten, die die Schweine frassen, doch niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagel\u00f6hner meines Vaters haben Brot in H\u00fclle und F\u00fclle, ich aber komme hier vor Hunger um. 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe ges\u00fcndigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heissen; stelle mich wie einen deiner Tagel\u00f6hner. 20 Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Er war noch weit weg, da sah ihn sein Vater schon und f\u00fchlte Mitleid, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn. 21 Der Sohn aber sagte zu ihm: Vater, ich habe ges\u00fcndigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heissen. 22 Da sagte der Vater zu seinen Knechten: Schnell, bringt das beste Gewand und zieht es ihm an! Und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe f\u00fcr die F\u00fcsse. 23 Holt das Mastkalb, schlachtet es, und wir wollen essen und fr\u00f6hlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an zu feiern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">25 Sein \u00e4lterer Sohn aber war auf dem Feld. Und als er kam und sich dem Haus n\u00e4herte, h\u00f6rte er Musik und Tanz. 26 Und er rief einen von den Knechten herbei und erkundigte sich, was das sei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">27 Der sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm zu. 29 Er aber entgegnete seinem Vater: All die Jahre diene ich dir nun, und nie habe ich ein Gebot von dir \u00fcbertreten. Doch mir hast du nie einen Ziegenbock gegeben, dass ich mit meinen Freunden h\u00e4tte feiern k\u00f6nnen. 30 Aber nun, da dein Sohn heimgekommen ist, der da, der dein Verm\u00f6gen mit Huren verprasst hat, hast du f\u00fcr ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist dein. 32 Feiern muss man jetzt und sich freuen, denn dieser dein Bruder war tot und ist lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selig ist, wer Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt <\/strong><strong>| Crescendo der Liebe |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern durch die Liebe und Gnade Gottes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00abCrescendo der Liebe\u00bb<\/strong> habe ich meine Predigt \u00fcberschrieben. In der Musik meint Crescendo \u00aban Tonst\u00e4rke zunehmend\u00bb, das heisst eine allm\u00e4hliche Steigerung der Lautst\u00e4rke. Zum Beispiel werden am Ende eines fr\u00f6hlichen, lebendigen St\u00fccks an der Orgel alle Register gezogen und die Schlussakkorde erklingen in voller Lautst\u00e4rke. Das Gegenteil heisst \u00fcbrigens Diminuendo und bedeutet verringern der Lautst\u00e4rke. Es gibt ein ber\u00fchmtes Musikst\u00fcck des Komponisten Maurice Ravel, Bol\u00e9ro: Die ganze Komposition ist ein einziges, rund 17 Minuten langes Crescendo, eine langsame, stetige musikalische Steigerung bis zu einem H\u00f6hepunkt. Offenbar ist Bol\u00e9ro eines der meistgespielten klassischen St\u00fccke und hat f\u00fcr einige Skandale gesorgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Was aber ist ein Crescendo der Liebe?<\/strong> Unser heutige Bibelabschnitt erz\u00e4hlt von zwei Br\u00fcdern und ihrem Vater. Wie sich im Verlauf der Geschichte zeigt, ist dieser Vater ausserordentlich liebevoll und barmherzig. Unser Bericht hat im Lukasevangelium eine Vorgeschichte: Jesus erz\u00e4hlt zwei weitere Gleichnisse, die davon erz\u00e4hlen, wie etwas verloren geht und wiedergefunden wird und wie gross die Freude und Begeisterung bei denen ist, die f\u00fcndig wurden. Zuerst spricht Jesus seine Zuh\u00f6rer\/-innen ganz direkt mit einer etwas suggestiven Frage an: \u00abWer von euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, l\u00e4sst nicht die neunundneunzig in der W\u00fcste zur\u00fcck und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?\u00bb (Vers 4) In der heutigen Konsum- und \u00dcberflussgesellschaft liegt die Reaktion nahe: \u00abIch habe ja noch 99 andere Schafe, weshalb soll ich mich um das eine abm\u00fchen, das sich verlaufen hat? Am Ende gehen noch weitere verloren, wenn ich die 99 in der W\u00fcste stehen lasse!\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liebe Zuh\u00f6rer und Zuh\u00f6rerinnen, seid ehrlich: Wenn eines von Hundert verloren geht, sucht ihr es dann und macht ein Fest, wenn ihr es gefunden habt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus aber macht deutlich, wie wertvoll und wichtig dieses einzelne Schaf ist: \u00a0\u00abUnd wenn er es findet, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern\u2002und geht nach Hause, ruft die Freunde und die Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein verlorenes Schaf gefunden.\u00bb (Verse 5-6) Die Freude \u00fcber eines von hundert Schafen ist so gross, dass der Finder es seinen Freunden weitererz\u00e4hlt und sie einl\u00e4dt, sich mit ihm zu freuen. Jesus erkl\u00e4rt auch gleich, wof\u00fcr dieser Vergleich steht: \u00abIch sage euch: So wird man sich auch im Himmel mehr freuen \u00fcber einen S\u00fcnder, der umkehrt, als \u00fcber neunundneunzig Gerechte, die keiner Umkehr bed\u00fcrfen.\u00bb Im Himmel herrscht Freude, wenn ein S\u00fcnder sich Gott zuwendet: Jesus will diese Freude und Begeisterung in den Herzen und Gedanken seiner Zuh\u00f6rer\/-innen wecken. <strong>Er m\u00f6chte in ihnen ein \u00abCrescendo der Liebe\u00bb entfachen. <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies scheint allerdings noch nicht zu gelingen, so erz\u00e4hlt er eine weitere verloren-und-wiedergefunden-Geschichte: \u00abOder welche Frau, die zehn Drachmen besitzt und eine davon verloren hat, z\u00fcndet nicht ein Licht an, kehrt das Haus und sucht eifrig, bis sie sie findet?\u00bb Nun ist nicht mehr ein Hundertstel, sondern bereits ein Zehntel des Besitzes, der verloren geht. Stellen dir vor, 10% deines Verm\u00f6gens seien im Begriff, verloren zu gehen. Da w\u00fcrdest du wohl kaum mehr sagen: \u00abIch habe ja noch 9\/10 meines Besitzes, das gen\u00fcgt. Was ist schon ein Zehntel?\u00bb &#8211; Du w\u00fcrdest vielmehr wie die Frau in der Erz\u00e4hlung von Jesus alle Hebel in Bewegung setzen, um das Verlorene wiederzufinden. Und ja: Du w\u00fcrdest dich wohl riesig freuen, dein Eigentum wiederzuhaben! Die Reaktion der Frau im Gleichnis von Jesus beschreibt er so:\u00a0 \u00abUnd wenn sie die Drachme gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.\u00bb (Vers 9) Die gl\u00fcckliche Frau will ihr Freude mit ihren Freundinnen und Nachbarinnen teilen, so sehr freut sie sich \u00fcber das wiedergefundene Geld. Wie gesagt: Es ist ein Zehntel ihres Verm\u00f6gens. <strong>Das Crescendo der Liebe steigert sich: Von einem Hundertstel zu einem Zehntel des Eigentums.<\/strong> Je gr\u00f6sser der Anteil am Besitz, desto gr\u00f6sser d\u00fcrfte auch die Freude sein, wenn es wiedergefunden wird. \u00a0Und wieder deutet Jesus die Freude \u00fcber das Widergefundene: \u00abSo, sage ich euch, wird man sich freuen im Beisein der Engel Gottes \u00fcber einen S\u00fcnder, der umkehrt.\u00bb Die Engel jubeln \u00fcber einen einzelnen S\u00fcnder, der zu Gott umkehrt. <strong>Diese gemeinsame Freude \u00fcber die Umkehr eines S\u00fcnders will Jesus bei den Zuh\u00f6rer\/-innen entfachen.<\/strong> Doch sie scheinen noch kein Feuer gefangen zu haben, daher setzt er noch einen drauf: Nun geht es nicht mehr um Besitz, sondern um zwei S\u00f6hne. Einer davon geht verloren, so beschreibt es das Gleichnis. Nicht mehr ein Prozent der Schafe oder 10 Prozent des Eigentums, sondern 50 Prozent der S\u00f6hne gehen verloren. Und wer w\u00fcrde nicht einen Sohn h\u00f6her achten, mehr lieben, st\u00e4rker vermissen als ein Schaf oder Geldst\u00fcck?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese dritte Geschichte hat zwei Enden: Gut Neuhochdeutsch w\u00fcrde man wohl sagen ein Happy End und ein Open End, ein gl\u00fcckliches und ein offenes Ende. Das Happy End erlebt der j\u00fcngere Sohn: Obwohl er den halben Besitz des Vaters verjubelt hat, wird er von diesem herzlich empfangen. Er hat sein Erbe bezogen in einer Zeit, in der erst nach dem Tod der Eltern geerbt wurde. Eigentlich machte er seinem Vater deutlich: \u00abDu bist f\u00fcr mich gestorben, gib mir, was mir nach deinem Tod zusteht.\u00bb Trotzdem erinnert er sich in der Ferne an die Grossz\u00fcgigkeit und Fairness seines Vaters. Diese Hoffnung l\u00e4sst ihn zur\u00fcckkehren: Er will als Arbeiter bei seinem Vater Unterschlupf finden. Doch er muss sich nicht als Knecht seinen Lebensunterhalt verdienen, wie er sich das gedacht hat, sondern wird wieder als Sohn willkommen geheissen und es wird ein besonderes Fest gefeiert. \u00abDenn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist gefunden worden.\u00bb (Vers 24) Wer w\u00fcrde nicht ein riesiges Fest feiern, wenn ein Totgeglaubter lebendig auftaucht? Der Vater verwendet starke Worte: Sein Sohn war nicht \u00abnur\u00bb verloren, sondern tot, ist nicht wiederaufgetaucht oder gefunden, sondern wieder lebendig! <strong>Das Crescendo der Liebe hat seinen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt erfahren in diesem rauschenden Fest.<\/strong> [Kleine Nebenbemerkung zum Glasfenster des K\u00fcnstlers Carl Roesch: Die Mutter des Sohnes betrachtet die Szene, wie der Vater den Sohn in die Arme schliesst. Sie sieht eher kritisch und etwas distanziert aus. Meine Erfahrung als Seelsorger im Sune-Egge-Spital f\u00fcr Menschen mit Suchtmittelabh\u00e4ngigkeiten und HIV-Erkrankungen (AIDS) war eine andere: Oft haben Eltern den Kontakt abgebrochen, abbrechen m\u00fcssen \u2013 weil sie von ihrem Sohn, ihrer Tochter so oft belogen, betrogen, bestohlen wurden. Wenn wir sie kontaktierten, waren es meist die V\u00e4ter, die kritisch auf Distanz blieben und die M\u00fctter machten sich auf den Weg zu ihren \u00abverlorenen S\u00f6hnen und T\u00f6chtern.]<br \/>\n<strong>Auf dem Weg zu diesem \u00abfinale furioso\u00bb im Crescendo der Liebe sind allerdings einige \u00abMisst\u00f6ne\u00bb auszuhalten<\/strong>: Wir haben dieses Gleichnis vor einigen Jahren als Grundthema f\u00fcr ein grosses christliches Jugendtreffen gew\u00e4hlt. Der Slogan des Jugendtreffs hiess: <strong>\u00abZur Sau\u00bb.<\/strong> Dieser Titel hat einige kritische Reaktionen ausgel\u00f6st, u.a. haben die mehrheitlich \u00e4lteren Mitglieder des Gebetskreises, die treu und f\u00fcrsorglich f\u00fcr den Anlass beteten, emp\u00f6rt reagiert. Als wir ihnen aber die Hintergr\u00fcnde erl\u00e4uterten und den Zusammenhang mit dem verlorenen Sohn, haben sie umso engagierter und freudiger f\u00fcr das Suchen und Finden von verlorenen S\u00f6hnen und T\u00f6chtern gebetet. \u00abZur Sau\u00bb beschreibt die Situation des j\u00fcngeren Sohnes in der Fremde kurz und knapp, sein Leben war \u00abzur Sau\u00bb. F\u00fcr j\u00fcdische Ohren, die auf Grund ihrer Reinheits- und Speisevorschriften einen grossen Bogen um Schweine machen, ist das die unterste Stufe der Verlorenheit. Und dann noch der Wunsch des Sohnes, vom Schweinefutter essen zu d\u00fcrfen. \u00abIiiiii und Pfui! \u2013 Welche ekligen Vergleiche mutet Jesus uns da zu?\u00bb Oder will uns Jesus aufzeigen: Wahre Liebe umarmt auch den Sohn, der nach Schweinen stinkt, echte Vergebung schenkt ein reines Kleid, dass dem \u00abVerlorenen\u00bb Festlichkeit und Zugeh\u00f6rigkeit schenkt, umfassende Vers\u00f6hnung steckt den Ring an den Finger, der zeigt, dass der Sohn weiterhin anerkannt und erbberechtigt ist, umfassende Gnade zieht dem Sohn Schuhe an, welche in dieser Zeit Freiheit bedeuten: Slaven tragen keine Schuhe. <strong>So klingt das Crescendo der Liebe mit den Instrumenten, die Jesus spielt: Liebe, Vergebung, Gnade und Barmherzigkeit.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch die noch schieferen Misst\u00f6ne gehen vom \u00e4lteren Sohn aus: Er mag nicht einstimmen in die Melodie der Liebe. Aus ihm spricht der selbstgerechte Pharis\u00e4er, der die \u00fcberschw\u00e4ngliche Gnade des Vaters als ungerecht empfindet. <strong>Mal ehrlich und direkt: W\u00fcrdest du zum Fest gehen, wenn dein Bruder den halben Besitz der Eltern aus dem Fenster geworfen hat und dann reum\u00fctig zur\u00fcckkehrt? <\/strong>Der grosse Bruder, der doch \u00aballes recht gemacht hat\u00bb, ist emp\u00f6rt, entt\u00e4uscht, zornig, will auf keinen Fall am Fest teilnehmen und bleibt draussen. Dort k\u00f6nnte ihn der g\u00fctige Vater stehen lassen und warten, bis sich seine Wut und Selbstgerechtigkeit, sein Trotz und Neid gelegt haben. M\u00f6glicherweise m\u00fcsste er da allerdings lange warten. Sind es die lauter werdenden Kl\u00e4nge im Crescendo der Liebe, dass der Vater zum trotzigen und selbstgerechten Sohn hinausgeht? Oder ist es eine leise Nebenmelodie, die sich hier entfaltet?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um diese Fragen zu beantworten, m\u00fcssen wir nochmals zur\u00fcck zum Anfang der drei Berichte. Auf einem Notenblatt w\u00fcrde dies heissen: Welche Vorzeichen hat unser Musikst\u00fcck, in welcher Tonart ist es geschrieben? Moll oder Dur? Welche Instrumente sind vorgesehen? Da heisst es im Biblischen Text: \u00abAlle Z\u00f6llner und S\u00fcnder suchten seine N\u00e4he, um Jesus zuzuh\u00f6ren. Und die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten murrten: Der nimmt S\u00fcnder auf und isst mit ihnen.\u00bb (Verse 1-2) Jesus hat offenbar zwei sehr unterschiedliche Personengruppen besonders angesprochen: Z\u00f6llner und S\u00fcnder auf der einen und Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte auf der anderen Seite. Erstere erwarten von Jesus, wor\u00fcber Letztere murren: Jesus nimmt sie an und isst mit ihnen. Ihr Lied mit Jesus ist in Dur komponiert, fr\u00f6hlich und unbeschwert. \u2013 Da liegt der Vergleich nahe: Der verlorene Sohn steht f\u00fcr die Z\u00f6llner und S\u00fcnder, denn dieser erlebt umfassende Annahme und ein Festessen. Und der \u00e4ltere Sohn murrt wie die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er. F\u00fcr ihn klingt die Melodie in Moll-T\u00f6nen: D\u00fcster und ernst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gesagt hat das dritte Gleichnis ein Happy und ein Open End: Wenn der \u00e4ltere Sohn f\u00fcr die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten steht, stellt Jesus ihnen mit dieser Erz\u00e4hlung die direkte Frage: <strong>\u00abWollt ihr draussen stehen bleiben \u2013 selbstgerecht, stolz und eigensinnig? Oder wollt ihr miteinstimmen ins Crescendo der Liebe und mit eurem \u00abwiedergeborenen\u00bb Bruder mitfeiern?\u00bb<\/strong> So h\u00e4tte auch ihre Geschichte ein Happy End. Es ist und bleibt ihr Entscheid, wie die Geschichte f\u00fcr sie endet. Sicher ist: Der Vater wartet auch auf den \u00e4lteren Sohn mit offenen Armen, ja, er geht ihm sogar nach draussen entgegen, um ihn einzuladen. Bestimmt hat der \u00e4ltere Sohn auch schon Schuhe an den F\u00fcssen und einen Ring am Finger \u2013 und im Schrank ein sch\u00f6nes, sauberes Gewand h\u00e4ngen, das er zum Fest tragen k\u00f6nnte. <strong>Zu Gottes Crescendo der Liebe geh\u00f6rt, dass er die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er zu nichts zwingt. Liebe kann nicht erzwungen werden.<\/strong> Sie haben die Freiheit, sie haben die Wahl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und welche Fragen stellt Jesus uns mit diesen drei Gleichniserz\u00e4hlungen? <strong>Ich bef\u00fcrchte, in jedem und jeder von uns steckt ein Z\u00f6llner und ein Pharis\u00e4er: Auch wir reagieren gerne stolz, selbstgerecht, neidisch und voller Unverst\u00e4ndnis, wenn es anderen besser ergeht, obschon sie sich weniger M\u00fche geben als wir. <\/strong>Viele Gemeinden \u00fcberlegen sich, wie sie gastfreundlicher und \u00absuchersensibel\u00bb werden k\u00f6nnen, aufmerksam f\u00fcr Menschen, die suchend sind. Jesus l\u00e4sst seinen Vater in der Erz\u00e4hlung weit mehr als gastfreundlich und suchersensibel handeln: Mit einer umfassenden Vergebungsbereitschaft, Liebe und F\u00fcrsorge. Der Vater umarmt \u2013 spitz formuliert \u2013 das Schwein in uns. Handeln wir auch so in unseren Gemeinden, dass wir Menschen umarmen, auch wenn sie \u00abbis zum Himmel\u00bb nach S\u00fcnde und Verlorenheit stinken, ein in unseren Augen \u00abschweinisches\u00bb Leben f\u00fchrten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus spielt das Lied der Liebe, das sich zum Crescendo steigert, den verlorenen j\u00fcngeren Sohn umarmt \u2013 und zum ebenso verlorenen \u00e4lteren Sohn hinausgeht und ihn zum Fest des Lebens einl\u00e4dt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ob das Crescendo der Liebe f\u00fcr uns pers\u00f6nlich in einem festlichen \u00abfinale furioso\u00bb endet, liegt daran, wie der Pharis\u00e4er in unserem Herz sich entscheidet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>&#8212;\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 209 Mir ist Erbarmung widerfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 557 All Morgen ist ganz frisch und neu<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 656 Ist Gott f\u00fcr mich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 695 So nimm denn meine H\u00e4nde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 723 Ich singe dir mit Herz und Mund<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 724 Sollt ich meinem Gott nicht singen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 22 Du bist mein Zufluchtsort<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 63 Du hast Erbarmen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 89 Wer bittet dem wird gegeben<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 98 Vater unser, Vater im Himmel<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 100 Unser Vater \/ Bist zu uns wie ein Vater<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum feiern wir nicht? Florence Joy | G\u00f6tz von Sydow | Jonathan Enns | Marco Michalzik | Thomas Enns \u00a9 2017 Koenige &amp; Priester Records<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*) Die Bibel nach Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">**) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0&#8212;<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bild<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fenster der Kirche Amriswil, Glasbildhauer Carl Roesch, Foto P. Wellauer, vgl. https:\/\/vitrosearch.ch\/de\/objects\/2688524<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Web: <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Crescendo der Liebe | 3. Sonntag nach Trinitatis | 16.06.2024 | Lk 15,1\u20133.11b\u201332 | Paul Wellauer | | Lesung Altes Testament | Psalmgebet | Psalm 53 | Lutherbibel 2017* | | Die Torheit der Gottlosen | 1\u00a0Eine Unterweisung Davids, vorzusingen, zum Reigentanz.\u20022\u00a0Die Toren sprechen in ihrem Herzen: \u00bbEs ist kein Gott.\u00ab Sie taugen nichts; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20001,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,417,1,114,415,396],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-20007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-3-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-deut","category-kapitel-15-chapter-15-lukas","category-paul-wellauer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20007"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20008,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20007\/revisions\/20008"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20007"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=20007"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=20007"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=20007"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=20007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}