{"id":20045,"date":"2024-06-25T08:58:49","date_gmt":"2024-06-25T06:58:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20045"},"modified":"2024-06-25T08:58:49","modified_gmt":"2024-06-25T06:58:49","slug":"2-korinther-129","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-129\/","title":{"rendered":"2. Korinther 12,9"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wo stille ich meinen Durst | 5. Sonntag nach Trinitatis | 30.6.2024 | 2. Kor 12,9 | Sarah Bach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr Lieben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wusstet ihr, dass f\u00fcr die deutschen W\u00f6rter \u00abSeele\u00bb und \u00abKehle\u00bb im hebr\u00e4ischen das gleiche Wort gebraucht wird? Das hebr\u00e4ische Wort \u00abn\u00e4f\u00e4sch\u00bb wird im deutschen f\u00fcr beides gebraucht, was ich sehr spannend finde, denn ich h\u00e4tte instinktiv meine Seele nicht in meiner Kehle verortet oder allgemein nicht damit in Verbindung gebracht. Aber es gibt ein Moment, in dem ich diese \u00dcbereinstimmung der zwei deutschen W\u00f6rter in einem hebr\u00e4ischen Wort verstehe und nachvollziehen kann. Dann n\u00e4mlich, wenn es um Durst geht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir alle kennen den Durst der Kehle, zum Beispiel wenn wir gerade Sport gemacht haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber kennt ihr auch den Durst der Seele? Ich jedenfalls schon. Manchmal f\u00fchlt sich meine Seele trocken an. Teilweise aufgrund von etwas, was von aussen an mich herangetragen wird, zum Beispiel beim Tod eines lieb gewonnenen Menschen. Meine Seele f\u00fchlt sich aber manchmal auch trocken an wegen inneren Umst\u00e4nden, zum Beispiel, wenn ich Gott nicht sp\u00fcren kann in gew\u00f6hnlichen oder aussergew\u00f6hnlichen Situationen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie so oft finde ich mich mit meinen Gef\u00fchlen in biblischer Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So heisst es in Psalm 42, 2:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00abGott, du bist mein Gott, den ich suche, meine Seele d\u00fcrstet nach dir. Mein Leib schmachtet nach dir im d\u00fcrren, lechzenden Land ohne Wasser.\u00bb<\/strong> <em>(\u00dcbersetzung der Z\u00fcrcher Bibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute soll es um diesen inneren Durst gehen, den wir nach Gott versp\u00fcren. Und es geht darum, wie Gott diesen Durst stillen will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu habe ich euch ein Gleichnis mitgebracht. Es ist kein Gleichnis von Jesus, von dem wir diese Art des Erz\u00e4hlens und Lehrens gut kennen, sondern es ist ein Gleichnis, das Teresa von Avila erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Teresa von Avila war eine Mystikerin, die im 16. Jahrhundert vor allem in Spanien aktiv war.\u00a0 Sie war eine Ordensschwester und es fiel ihr nicht immer leicht, sich auf das Gebet mit Gott einzulassen. Es brauchte die Einsicht um die tiefe Liebe Gottes, die in Jesus sp\u00fcrbar wird, um dies zu \u00e4ndern. Sie gr\u00fcndete mehrere Klostergemeinschaften und da sie ihre Erfahrungen schriftlich festhielt, wissen wir einiges \u00fcber ihr Leben und vor allem ihren Glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Teresa von Avila beschrieb ein Gleichnis dar\u00fcber, wie ein Garten bew\u00e4ssert werden kann. Wie auch ein Garten ist unser Leben auf eine Quelle angewiesen, auf etwas, das uns n\u00e4hrt und unseren Durst stillt. Das Wasser in diesem Gleichnis ist der Lebensgeist Gottes: Gottes Anwesenheit und Gnade. Der Garten, der bew\u00e4ssert werden soll, ist unser Leben. Nun gibt es verschiedene Arten einen Garten zu bew\u00e4ssern, genau so wie es verschiedene Arten gibt, die Liebe und Gnade Gottes in unserem Leben zu sp\u00fcren. Einige davon z\u00e4hlt Teresa von Avila auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(Dieses Gleichnis ist dabei nat\u00fcrlich keine botanische Anweisung, sondern soll den Zuh\u00f6renden helfen, etwas \u00fcber ihr Leben und Gottes Wirken darin zu verstehen. Es gibt mittlerweile verschiedene \u00dcberlieferungen von diesem Gleichnis, angepasst auf unterschiedliche Zeiten und Kontexte. Auch f\u00fcr diese Predigt habe ich das Gleichnis leicht angepasst.)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Folgende Bilder verwendet Teresa von Avila in ihrem Gleichnis:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Bild: Um einen Garten zu bew\u00e4ssern kann Wasser aus einem Brunnen geholt werden und zum Garten getragen werden. <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal braucht es eine gewisse Arbeit, um den Garten unseres Lebens mit dem Geist Gottes zu bew\u00e4ssern. Wir suchen nach dem Geist Gottes an bekannten Orten, in Praktiken, die sich schon bew\u00e4hrt haben f\u00fcr ihr Ausgiessen des Geistes. Wir gehen dorthin und beginnen zu sch\u00f6pfen. Dieses Sch\u00f6pfen ist aber auch von einer Anstrengung von unserer Seite her gepr\u00e4gt. Es braucht eine gewisse Ausdauer und Geduld, um meinen Garten so zu bew\u00e4ssern. Diese Geduld und Beharrlichkeit lohnt sich aber, denn am Schluss habe ich Wasser f\u00fcr meinen Garten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Beispiel:<\/em> <em>F\u00fcr mich ist das gemeinsame Singen ein solcher Brunnen<\/em><em>. Ich gehe gerne dorthin und sch\u00f6pfe das Wasser des Geistes aus dieser Praxis. Aber es ist auch eine Praxis, die manchmal eine gewisse Anstrengung erfordert. Manchmal entspricht mir der Musikstil nicht und ich singe gerne in der Gruppe, weswegen mir dieser Brunnen nur gelegentlich zur Verf\u00fcgung steht. Und manchmal stehen mir gewisse Liedtexte und die Theologie dahinter im Weg und machen das Herausholen des Eimers aus dem Brunnen m\u00fchselig.<\/em><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Bild: Um einen Garten zu bew\u00e4ssern k\u00f6nnen Wasserleitungen gegraben oder ein Wasserrad gebraucht werden.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf diese Weise kann mehr Wasser schneller im Garten verteilt werden. Teresa von Avila beschriebt diese Art des Bew\u00e4sserns, um aufzuzeigen, was sich ver\u00e4ndert, wenn wir uns immer mehr f\u00fcr das Wirken von Gott \u00f6ffnen, statt nach etwas Bestimmtem zu suchen. Wir alle haben wohl schon die Erfahrung mal gemacht, dass wir die sp\u00fcrbare Anwesenheit Gottes nicht erzwingen k\u00f6nnen. Aber wir k\u00f6nnen Momente und Praktiken in unserem Leben einrichten, die uns immer wieder die Chance geben, dies zu tun. Wir k\u00f6nnen die Wasserleitungen und das Wasserrad bauen in unserem Garten damit dann, wenn das Wasser kommt, wir es auch bemerken und davon getr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Beispiel: So lohnt es sich, in unserem Alltag immer wieder mal ganz bewusst Zeit zu nehmen, um Gott zu sp\u00fcren, sei das im Bibel lesen, in der Meditation, im Spaziergang ohne Ablenkung, im Gottesdienst. Wir k\u00f6nnen dadurch nicht erzwingen, dass wir Gott sp\u00fcren, aber wir k\u00f6nnen dem eine Chance geben.<\/em><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Bild: Um ein Garten zu bew\u00e4ssern, kann der Regen gebraucht werden.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der einfachste Weg einen Garten zu bew\u00e4ssern ist, den Regen den Garten bew\u00e4ssern zu lassen. Der einfachste (und zugleich schwierigste) Weg, den Garten meines Lebens zu bew\u00e4ssern ist es, mich \u00fcberall dort in den Regen der Gnade Gottes zu stellen, wo er runterf\u00e4llt. Es gibt diese Momente, da Gottes sp\u00fcrbare Anwesenheit und Gnade vom Himmel runter regnet und uns durchn\u00e4sst. Das Einzige, was es dann zu tun gibt, ist sich keinen Regenmantel anzuziehen oder unter dem Schirm hervorzukommen. Es gilt zu geniessen und auch andere auf diesen Gnadenregen hinzuweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Beispiel: ich komme immer mal wieder in den Gnadenregen Gottes, zum Beispiel wenn ich in der Natur unterwegs bin. So radle ich unverhofft am sch\u00f6nsten Feld mit Mohn- und Kornblumen vorbei und das Einzige, was ich tun muss, ist anzuhalten, zu geniessen und zu staunen. Dieses Geniessen und Staunen richte ich zu Gott hin, der diese Natur so wunderbar geschaffen hat und mich durchflutet tiefe Dankbarkeit. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie steht es aktuell um deinen Garten und dein Bew\u00e4sserungssystem?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bist du in einer Phase des Wassersch\u00f6pfens aus bew\u00e4hrten Brunnen? Hast du dir ein Wasserrad und Wasserleitungen eingerichtet in deinem Leben? Erkennst du den Gnadenregen, wenn er auf dein Leben f\u00e4llt?<br \/>\nUnser Leben, unser Garten kennt wohl alle 3 Bew\u00e4sserungsarten. Manchmal ist eine davon st\u00e4rker vertreten als die anderen, aber wir sollten auch die anderen beiden dabei nicht aus dem Blick verlieren. Alle 3 Bilder arbeiten damit, dass nicht wir selbst das Wasser f\u00fcr unseren Garten sein k\u00f6nnen, wir k\u00f6nnen uns nur \u00f6ffnen f\u00fcr dieses Wasser Gottes. Die Gnade kommt immer von Gott, es ist nicht abh\u00e4ngig von unserer Leistung oder unserem Elan oder Gebet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Falls ihr daf\u00fcr eine Ermutigung braucht: sogar Paulus, der vielen von uns als \u00fcberaus eifriger Verk\u00fcnder des Evangeliums bekannt ist, der so viel daf\u00fcr getan hat, dass sich die Gute Nachricht auf der Welt verbreiten konnte, war \u00fcberzeugt von dieser Tatsache. Dann n\u00e4mlich, als er von der Gemeinde in Korinth stark angegriffen wurde und seine F\u00e4higkeiten und seine Wirksamkeit in Frage gestellt wurden, berief er sich nicht auf seine eigene St\u00e4rke. Nein, er verwies darauf, dass auch sein Garten das Wasser von Gott ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So schreibt er in 2. Korinther 12, 9:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00abUnd er hat mir gesagt: Du hast genug an meiner Gnade, denn die Kraft findet ihre Vollendung am Ort der Schwachheit. So r\u00fchme ich mich lieber meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir Wohnung nehme.\u00bb <\/strong><em>(\u00dcbersetzung der Z\u00fcrcher Bibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir d\u00fcrfen uns tr\u00e4nken lassen. Wir d\u00fcrfen die Gnade Gottes unseren Garten bew\u00e4ssern lassen, auf welche Weise auch immer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und schliesslich kann das Wasser des Regens durch den Garten weiterfliessen. Hinein in die Welt und zu anderen Menschen. Hinein in Wasserr\u00e4der und -leitungen, in Brunnen, aus denen Wasser gesch\u00f6pft wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein ewiger Kreislauf aus Empfangen und Weitergeben der Gnade Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Sarah Bach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo stille ich meinen Durst | 5. Sonntag nach Trinitatis | 30.6.2024 | 2. 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