{"id":20090,"date":"2024-07-10T10:00:57","date_gmt":"2024-07-10T08:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20090"},"modified":"2024-07-10T10:09:22","modified_gmt":"2024-07-10T08:09:22","slug":"exodus-162-3-11-18-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-162-3-11-18-2\/","title":{"rendered":"Exodus 16,2-3.11-18"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">7.So.n.Trinitatis | 14.07.24 | 2.Mose 16,2-3.11-18 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">2.Mose 16,2-3.11-18<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die ganze Gemeinde der Israeliten murrte wider Mose und Aaron in der W\u00fcste. Sie sprachen: \u201eWollte Gott, wir w\u00e4ren in \u00c4gypten gestorben durch des Herrn Hand als wir bei den Fleischt\u00f6pfen \u00c4gyptens sa\u00dfen und hatten Brot in F\u00fclle zu essen. Denn ihr habt uns dazu hinausgef\u00fchrt in diese W\u00fcste, dass ihr die ganze Gemeinde verhungern lasst.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und Gott sprach zu Mose: \u201eIch habe das Murren der Israeliten geh\u00f6rt. Sage ihnen: Gegen Abend, sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen vom Brot satt werden. Und sollt inne werden, dass ich euer Gott bin.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als der Tau weg war, siehe, da lag es in der W\u00fcste rund und klein wie Reif auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: \u201eMan hu\u201c (Was ist das)?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn sie wussten nicht, was das war. Mose aber sprach zu ihnen: \u201eEs ist das Brot, das euch Gott zu essen gegeben hat. Das ist es, was Gott geboten hat: Ein jeder sammele, so viel er zum Essen braucht, einen Krug voll f\u00fcr jeden nach der Zahl seiner Leute in seinem Zelt. Die Israeliten taten es und sammelten, der eine viel und der andere wenig. Aber als an es nachma\u00df, hatte der nicht dar\u00fcber, der viel gesammelt hatte und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte, jeder hatte so viel , wie er zum Essen brauchte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einmal mehr erz\u00e4hlt uns die Bibel eine zugleich uralte und zeitlos-aktuelle Geschichte: Die Geschichte vom \u201eH\u00e4tte ich doch\u201c. Oder schlimmer noch\u00a0 vom: \u201eH\u00e4ttest Du doch\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So oft treffen wir im Leben Entscheidungen und haben anschlie\u00dfend ein flaues Gef\u00fchl dabei: W\u00e4re nicht eine andere Richtung besser gewesen? Wir wissen es nicht, denn wir haben diesen Weg nicht ausprobiert, es lohnt sich nicht, sich dar\u00fcber den Kopf zu zerbrechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eh\u00e4tten wir doch\u201c \u2013 so sagen die Israeliten: H\u00e4tten wir diesen Weg doch nicht angetreten, sondern w\u00e4ren bei den Fleischt\u00f6pfen \u00c4gyptens geblieben. Und:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eh\u00e4ttest Du doch, Mose, uns nicht in die W\u00fcste gef\u00fchrt\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Israeliten blicken nur noch zur\u00fcck und verstellen sich damit den Blick auf die Zukunft. Wir k\u00f6nnen es ihnen nicht verdenken. Auch wir w\u00fcrden nach einem Schuldigen suchen, w\u00fcrde sich unser Weg als jahrelanger W\u00fcstenweg entwickeln, mag der erste Schritt auf diesem Weg auch mit noch so viel Euphorie gegangen worden sein..<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir alle kennen W\u00fcstenwege, Wege auf denen unsere Kr\u00e4fte schwinden und kein Ende in Sicht ist. Wege,\u00a0 auf denen wir auf uns selbst zur\u00fcckgeworfen scheinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten auf dem Weg zu sein ist schwer., noch viele Schritte trennen uns vom Ziel. W\u00e4re es da nicht einfacher, umzukehren? Noch einmal von vorne zu beginnen? Zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen? Aber bringt uns das weiter?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Je \u00e4lter wir werden, je l\u00e4nger der Weg ist, den wir bereits zur\u00fcckgelegt haben, je mehr Entscheidungen wir getroffen haben, desto \u00f6fter holt uns dieses Denken ein: H\u00e4tte ich doch\u2026..<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn uns solche Gedanken plagen ist ein Innehalten hilfreich. Pause machen, Station auf dem Weg, wirklich an der Stelle ankommen, an der man sich gerade befindet und nicht kopflos durch die Gegend marschieren. Solange anhalten, bis man sich selbst sagen kann: Dies ist mein Weg, ich gehe ich so, wie es f\u00fcr mich m\u00f6glich ist, Schritt f\u00fcr Schritt, in meinem Tempo.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als unsere Kinder klein waren, sind wir jedes Jahr mit ihnen zum Wandern in\u00a0 die Alpen gefahren. Einmal haben wir Station an einer H\u00fctte gemacht und gemeinsam \u00fcberlegt, wie der Weg weitergehen sollte. Die Entscheidung fiel auf einen anspruchsvollen Anstieg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unterwegs dr\u00e4ngte sich der Eindruck auf, dass wir uns da vielleicht den Kindern da vielleicht doch zu viel zugemutet h\u00e4tten. Es war die kleine, die unbeirrt weiterging. Die ganze Strecke \u00fcber Fu\u00df vor Fu\u00df setzend und jedes Mal die Worte sprechend: \u201eSchritt f\u00fcr Schritt\u201c. Am Ziel angekommen wurden wir belohnt mit einem grandiosen Ausblick, das Foto h\u00e4ngt heute noch in der Wohnung. Weniger als Einnerung an Berg und See. Sondern vor allem, weil es mich daran denken l\u00e4sst, was ruhige Zuversicht bewirken kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit will ich nicht sagen, dass es nicht Situationen geben kann, in denen es kl\u00fcger ist, umzukehren. Aber allzu oft rauben wir Menschen uns die Zuversicht durch jammernde Gedanken und verlieren dabei unser Ziel aus den Augen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hilfreich ist es, wenn man sich sagen kann:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies ist mein Weg. Ich gehe ihn so, wie es mir m\u00f6glich ist. Schritt f\u00fcr Schritt, in meinem Tempo. Nichts ist zuf\u00e4llig geschehen. Ich bin auf meinen Weg gef\u00fchrt worden und vertraue darauf, weiter gef\u00fchrt zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Israeliten sind nicht zuf\u00e4llig in der W\u00fcste gelandet. Sie sind nach langen Sklavenjahren durch eine verhei\u00dfungsvolle Geschichte auf diesen Weg geraten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hat Mose berufen, um das Volk zu f\u00fchren. Er hat seine Leute vor den \u00e4gyptischen Soldaten gerettet und geht dem Zug selbst voran, er gibt sich den Menschen zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch in der Klage bekommen die Israeliten eine Antwort:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wachteln und Manna. Die Menschen k\u00f6nnen sehen, schmecken und begreifen: Wir sind nicht im Stich gelassen. Sobald die Hilfe greifbar ist, denkt dann aber doch wieder jeder und jede nur daran, f\u00fcr sich selbst zu sorgen. Dieses Mal will man sich das\u00a0 nicht wieder vorwerfen lassen: h\u00e4tte ich doch rechtzeitig\u2026 dieses Mal wird vorgesorgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das aber greift bei Gottes Gaben nicht. Bei Gott brauchen wir nicht vorzusorgen, schon gar nicht, indem wir anderen etwas wegnehmen. Gott sorgt vor, f\u00fcr jeden angemessen In unserer beispielhaften Geschichte bekommt jeder und jede einen Krug voll, ganz gleich wie viel vorher gesammelt wurde. Jeder und jede kann f\u00fcr sich das richtige Ma\u00df finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer wieder haben Menschen versucht, Systeme zu finden, in denen genau das gew\u00e4hrleistet wird: Alle bekommen so viel, wie sie brauchen, nicht mehr und nicht weniger. Immer wieder sind diese Versuche gescheitert, weil wir Menschen eben dann doch versuchen, mehr als das N\u00f6tige f\u00fcr uns auf die Seite zu bringen. Weil wir Menschen nicht dar\u00fcber nachdenken, was f\u00fcr uns angemessen ist, sondern uns an anderen messen. Unser Selbstwertgef\u00fchl daran messen, was wir besitzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Wort \u201eBesitz\u201c steckt es allerdings schon drin. Das Sitzen. Unterwegs sein, beweglich bleiben im Leben, auch auf W\u00fcstenwegen, geht allerdings nur mit leichtem Gep\u00e4ck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn es uns gelingt, dieses Teilen und versorgt Sein, dann ist das etwas Besonderes, wie ein Aufleuchten der Ewigkeit in unserer Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu braucht es Menschen, die durchhalten, Schritt f\u00fcr Schritt. Menschen, die sich getragen wissen und deshalb zuversichtlich sein k\u00f6nnen. Menschen, die ihren pers\u00f6nlichen Wert nicht aus Besitz bemessen. Sondern daraus, von Gott angesehen zu sein. Menschen, die sich also freuen k\u00f6nnen. Auch wenn das Leben anderer gelingt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So enth\u00e4lt unser Predigttext dann noch eine zweite Geschichte. Nicht nur die des \u201eh\u00e4tte ich doch\u201c. Sondern auch die vom \u201eich habe\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe genug, f\u00fcr mich ist gesorgt, jeden Tag neu. Ich kann andere mit hineinnehmen in meine F\u00fclle. Ich kann mich freuen an der F\u00fclle anderer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wachteln und Manna, genug zum \u00dcberleben auf W\u00fcstenstrecken. Genug, um den Blick in die Zukunft zu wenden. Genug. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von einer Patientin, die ein unvorstellbar schweres Leben hinter sich hatte, habe ich folgendes gelernt: Immer vorw\u00e4rts schauen. W\u00fcstenwege k\u00f6nnen nur gegangen werden, indem wir sie weitergehen. Immer nur den n\u00e4chsten Schritt bedenken, den aber in Angriff nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eH\u00e4tte ich doch\u201c und \u201eich habe\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Worte \u201ew\u00e4re ich doch bei den Fleischt\u00f6pfen\u00a0 \u00c4gyptens geblieben\u201c werden \u00fcberwunden mit den Worten \u201eGott sorgt f\u00fcr mich\u00a0 in der Gegenwart. Ich habe eine Zukunft, ihr gehe ich entgegen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hle das Leben, in dem Du Deinen Gott liebst (5.Mose 30,19f), denn er ist Dein Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So hei\u00dft es an sp\u00e4terer Stelle der biblischen W\u00fcstenerz\u00e4hlung. Mitten auf dem schweren Weg das Leben ergreifen, sich f\u00fcr das Leben entscheiden, das k\u00f6nnen wir lernen von der uralten, zeitlosen Geschichte der W\u00fcstenwanderung: W\u00e4hle das Leben, indem Du Deinen Gott liebst, denn er ist Dein Leben. AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7.So.n.Trinitatis | 14.07.24 | 2.Mose 16,2-3.11-18 | Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN 2.Mose 16,2-3.11-18 Die ganze Gemeinde der Israeliten murrte wider Mose und Aaron in der W\u00fcste. 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