{"id":20103,"date":"2024-07-17T08:29:24","date_gmt":"2024-07-17T06:29:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20103"},"modified":"2024-07-17T08:29:24","modified_gmt":"2024-07-17T06:29:24","slug":"epheser-58b-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-58b-14\/","title":{"rendered":"Epheser 5,8b-14"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Von Reflexen entspiegelte Ichbrille | 8. So. n. Trinitatis | 21.07.2024 | Eph. 5, 8b-14 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>8 &#8230;nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts;\u20029 die Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit.\u200210 Pr\u00fcft, was dem Herrn wohlgef\u00e4llig ist,\u200211 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.\u200212 Denn was heimlich von ihnen getan wird, davon auch nur zu reden ist sch\u00e4ndlich.\u200213 Das alles aber wird offenbar, wenn\u2019s vom Licht aufgedeckt wird;\u200214 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum hei\u00dft es: Wach auf, der du schl\u00e4fst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Brille dient als Sehhilfe. Eine Ichbrille verhilft also dazu, das eigene Leben besser zu sehen, zu verstehen. Menschen sehen ihr Leben n\u00e4mlich zuweilen weniger gut als sie glauben. Ja, ja, da gibt es diese S\u00e4tze: Ich glaube nur, was ich sehe! Oder: Ich wei\u00df, was ich will, was ich also f\u00fcr mich und mir ausersehen habe! Solche S\u00e4tze entspringen zwar der Gewissheit, dass es mit dem eigenen Auge und Ersehen ganz gut geht. Das kann ja auch zutreffen. Ganz so einfach ist es mit dem sich selbst verstehen dann aber doch nicht. Es ist bekannt, dass etwas \u00fcbersehen werden kann. Oder dass sogar Durchblicker unter blinden Flecken leiden k\u00f6nnen. Also etwas an ihrem Leben ausblenden, was ihre Mitmenschen l\u00e4ngst an ihnen bemerkt haben. Wer ist bisher komplett davon verschont gewesen, sein Leben durch eine viel zu rosa oder viel zu dunkel gef\u00e4rbte Brille gesehen zu haben? Oder etwas \u00fcbersehen zu haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer um die Gefahr der eigenen Kurzsicht wei\u00df, der k\u00fcmmert sich um Hilfe f\u00fcr sein beschr\u00e4nktes Sichtfeld. Sachb\u00fccher oder Ratgeber kommen da in Frage, oder das Lesen von Romanen, Veranstalten von Umfragen, Ratings, kurzum, jeder lebendige Austausch mit anderen Menschen, die einem den Spiegel vorhalten. Am besten, wenn diese ahnungslos sind, dass sie als solch ein Spiegel dienen. Dann werden kaum Schmeichelei oder L\u00fcgen aufgetischt. Oder wollen wir doch lieber belogen und betrogen werden? Noch besser ist, wenn so einem beschr\u00e4nkten Augenpaar dabei ein Spiegelbild r\u00fcckgemeldet wird, das es sprungartig als neu beeindruckt &#8211; obwohl es glaubte, \u00fcber sich und sein Leben genau Bescheid zu wissen. Mehr Wahrheit geht ja nimmer. Und doch gibt es Leute, die auch so eine Einsicht abtun k\u00f6nnen. Wer nur will, findet in sich immer einen Reflex, um das klar Erkannte aus seiner Sichtweite zu schaffen. Wie dem auch sei, viele Menschen benutzen ab und an eine Ichbrille, um sich in ihrem Leben besser zu sehen und zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wandelt als Kinder des Lichts! Beim ersten Lesen dieser Mahnung hatte ich auch eine Ichbrille auf. Als gehorsames, gut erzogenes Kind sah ich mich sogleich gefordert, aktive Lichtquelle zu sein: Gottes Licht weiter zu geben, nur Gutes zu tun, immer gerecht zu urteilen usw. Bis das mir etwas \u00e4ltliche Verb Wandeln zum Gl\u00fcck eine andere Spur gezeigt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wandeln hei\u00dft sich ver\u00e4ndern, zuerst vielleicht von Ort zu Ort, am Ende vielleicht von einem Extrem ins andere Extrem verfallen. Vertr\u00e4gt sich das ewige Licht und Wort Gottes mit so einem Hin und Her, Vor und Zur\u00fcck, mit so einem Lebenswandel? Dies Wort ist laut DWDS (Digitales W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache) eindeutig mehr mit dem sozial Abseitigen verbunden als mit dem sozial Erw\u00fcnschten. Gottes Licht bleibt sich ganz sicher gleich gut. Und ein Lebenswandel, der in ihm erscheint? Und siehe, da tat sich eine Leuchtspur auf: Als Kind des Lichts wandeln, das hei\u00dft, zuerst dessen Empf\u00e4nger zu sein. Angeleuchtet zu werden statt als dessen Quelle zu firmieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie es vor \u00fcber 50 Jahren im TV Format Disco jedwedem Studiogast von Ilja Richter erging. Licht aus, woomm! Spot an! Und von einem Scheinwerfer aus schoss im Schwarzdunkel des Saals ein Lichtkegel auf einen Punkt zu und stellte den inzwischen stehenden Stargast pl\u00f6tzlich in eine helle, runde Scheibe, von jedem Zuschauersitz aus gut zu sehen. Der Gast aber so lange im Dunkel schauend und mit Fu\u00df und Bein Balance haltend, bis nach einer Weile mit Raum f\u00fcr Aahs und Oohs und Namensnennung der ganze Saal wieder erhellt worden war. Die G\u00e4ste waren Profis oder Liebhaber der Show und machten gute Miene; selbst dann, wenn sie sich tief innen drin wie in einem abgefeimten b\u00f6sen Spiel f\u00fchlten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Licht bewirkt G\u00fcte, Gerechtigkeit, Wahrheit. Und sicher kommt es vor, dass wir ein aktiver Lichtsender sind. Dies Licht illustriert manches Tun und Lassen, manches Leiden und Erdulden von Menschen als gottgef\u00e4llig: Da handelten diese wirklich aus voller G\u00fcte, aus voller Rechtschaffenheit und aus reiner Wahrheit ohne ein einziges Hintenrum. Vor all dem bewirkt dieses Licht jedoch, dass der Mensch darin Gottes G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit in den Blick kriegt. Und das n\u00e4mlich daran, was Gott der Finsternis und ihrem Finsterling entgegensetzt. Was er tut, um sich des Tuns und Lassens, des Leidens und des Erduldens zu erwehren, das einen Abgrund an Bosheit und Willk\u00fcr aufscheinen l\u00e4sst. D\u00fcnkel, Geldgier, haltlose Freude an Gewalt, sexuelle Wahllosigkeit, Luxusliebe, Tr\u00e4gheit, Missgunst. Wer kennt all das nur aus dem Leben der anderen? Da ist f\u00fcr jeden hier sicher das ein oder andere mit dabei gewesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Licht sehen wir uns viel weniger gern, meiden es, wo wir nur k\u00f6nnen, verstecken uns in einer finsteren Ecke. Oder suchen Lichter auf, die uns als Finsterling besser aussehen und dastehen lassen. Als Kind des Lichts wandeln, das hei\u00dft dann: Raus aus der dunklen Trotzecke, seine Vergehen einsehen, zugestehen und t\u00e4tig bereuen, so gut wie es eben geht. Anstatt das wie aus Reflex vor sich zu leugnen und abzustreiten. Vielleicht ist diese Wahrheit statt nur im eigenen Gem\u00fct sogar vor den Menschen aussprechbar, die unter den Abgr\u00fcnden leiden mussten. Gottes Gerechtigkeit tut mit echter Reue sowohl dem T\u00e4ter als auch dem Opfer jeweils Gutes. Wer als Finsterling den Statusverlust dabei f\u00fcrchtet, der schaue sich K\u00f6nig David oder Stammvater Jakob an. Die hatten wirklich einige harte Dinger auf dem Kerbholz. Und doch leuchtet ihr Lebenswandel bis in unsere Zeit. Von denen, die vor Gott hartn\u00e4ckig Finsterlinge blieben, wei\u00df man nur: Die hausen da, wo nur lichtlose Schw\u00e4rze entspringt, also null Nachricht von ihnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Befinde ich mich mit meinem Ansinnen gerade auf der Sunnleit\u00b4n oder doch eher im uns\u00fcnnigen Winkel wie es in Berchtesgaden hei\u00dft? Das ist schwerer zu befinden, als es aussieht. Dazu folgende Begebenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In j\u00fcngerer Zeit hat sich in einer Klasse mit Azubis der Fachrichtung Energie- und Geb\u00e4udetechnik im dritten Lehrjahr folgendes zugetragen. Zwei junge M\u00e4nner gerieten w\u00e4hrend des Unterrichts zun\u00e4chst in eine Diskussion, um was auch immer, und dann in Streit. Kein Wunder, jeder ein Gro\u00dfmaul, aber jeder hat in den Schuljahren zuvor tunlichst darauf verzichtet, seinen Worten Taten oder Schl\u00e4ge folgen zu lassen. Der erste meinte dann mitten in der Stunde zum zweiten: Ich geb\u00b4 Dir gleich Hammer. Der andere entgegnete: Was f\u00fcr ein Hammer, was willst du? Du wei\u00dft doch gar nicht, was das ist, ein Hammer.\u201c Dann kehrte Ruhe ein. Nach einiger Zeit bat der zweite darum, die Toilette aufsuchen zu d\u00fcrfen, was ihm vom Lehrer gew\u00e4hrt wurde. Nach ein paar langen Minuten kam er ins Klassenzimmer zur\u00fcck, hatte allerdings einen Rucksack auf dem Buckel. So einen, wie man ihn vielleicht auf die Baustelle oder zum Stadtbummel mitnimmt, und setzte sich auf seinen Platz. Relativ bald danach fragte der Lehrer den Azubi, woher er den Rucksack h\u00e4tte. Aus meinem Firmenauto in der Schultiefgarage, war die Antwort. Der Lehrer forderte dann etwas sp\u00e4ter den Azubi auf, ihm den Rucksack zu bringen, was der Angesprochene auch tat. Der Lehrer stellte den Rucksack auf seinen Tisch, \u00f6ffnete den Rei\u00dfverschluss, schaute hinein und erblickte im Rucksack neben anderem Werkzeug f\u00fcr Elektrokram obenauf ein so genanntes F\u00e4ustel. Was glauben sie, wie ging die Geschichte weiter? Ich erz\u00e4hle mal zwei M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erstens: Der Lehrer holt das F\u00e4ustel aus dem Rucksack, zeigt es der Klasse, wird laut und bezichtigt den Azubi einen Anschlag geplant zu haben, Standpauke. Der Azubi soll auch zum Schulleiter, Ausbilder wird informiert und so weiter. Im Kollegium wird der Lehrer die Story auch erz\u00e4hlen und loswerden. Ob er sich freut, dass er einer Gefahr erfolgreich begegnet ist und Beifall daf\u00fcr bekommt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zweitens: Der Lehrer schlie\u00dft den Rucksack ohne Kommentar, gibt ihm den Azubi und bittet ihn, den Rucksack samt Inhalt wieder ins Auto zu bringen. Und sich in der n\u00e4chsten gro\u00dfen Pause mit ihm f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch unter vier Augen zu treffen. Dort erl\u00e4utert der Lehrer dem Azubi, wie man seine Aktion mit dem Rucksack missverstehen k\u00f6nnte, und bittet ihn: Male dir bitte in Zukunft Deine Ideen und ihre Umsetzung besser aus. Was dabei von den Mitmenschen missverstanden werden k\u00f6nnte. Der Azubi hat verstanden, nickt dem Kopf, und bittet um Entschuldigung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zeigt das letzte Ende, dass hier die Lehrkraft fahrl\u00e4ssig reagiert hat oder angemessen? Zeigt das zuerst erz\u00e4hlte Ende, dass da die Lehrkraft es mit der Gefahr \u00fcbertreibt oder ist das realistisch? Was kommt ihnen da in den Sinn? Was auch immer die Antwort sein mag, zu bedenken ist, was im letzten Vers steht <em>14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum hei\u00dft es: Wach auf, der du schl\u00e4fst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. <\/em>Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">OStR Markus Kreis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kapellenstrasse 36<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">69469 Weinheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">markus_kreis@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Reflexen entspiegelte Ichbrille | 8. So. n. Trinitatis | 21.07.2024 | Eph. 5, 8b-14 | Markus Kreis | 8 &#8230;nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. 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