{"id":20107,"date":"2024-07-17T08:08:28","date_gmt":"2024-07-17T06:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20107"},"modified":"2024-07-17T08:31:16","modified_gmt":"2024-07-17T06:31:16","slug":"matthaeus-722-29-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-722-29-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,22-29"},"content":{"rendered":"<h3>8.Sonntag nach Trinitatis | 21.07.24 | Mt 7,22-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen |<\/h3>\n<h1>Mit Christus als dem Felsen<\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist Sommer. Es ist sch\u00f6n, ins Freie zu kommen und Sand zwischen den Zehen zu sp\u00fcren. D\u00e4nemark hat mehr als 8000 km K\u00fcste, und viele haben das Gl\u00fcck, ein Sommerhaus am Meer zu haben. An einem Tag, wo die Sonne scheint, ist es sch\u00f6n, aufzuwachen und an den Strand zu laufen zu einem ersten Bad im Meer. Das salzige Meer, der blaue Himmel, der warme Sand, der Duft der Hagebutten, ja das ist D\u00e4nemark, wenn es am sch\u00f6nsten ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Oktober 2023 wurden die K\u00fcsten an der Ostsee von einer historisch gewaltigen Sturmflut heimgesucht. Mehrere Tage lang hatte es kr\u00e4ftig vom Westen gest\u00fcrmt, das Wasser aus dem Kattegat wurde in die Ostsee gedr\u00fcckt. Als der Wind nach Osten drehte, wurde das Wasser in die s\u00fcdlichen Belte gedr\u00fcckt, und das wurde zu einer Sturmflut, die Sommerh\u00e4user und Boote zerst\u00f6rte, Deiche durchbrach und gro\u00dfe Gebiete \u00fcberschwemmte. Die Sch\u00e4den waren enorm, und wir sind immer noch nicht fertig mit dem Aufr\u00e4umen. In vielen Jahren sind die Preise von Sommerh\u00e4usern mit Meerblick gestiegen, aber nun mussten die Besitzer feststellen, dass der Wert ihrer H\u00e4user gefallen ist, denn wer will schon ein Sommerhaus besitzen, das auf Sand gebaut ist? Nun bauen wir K\u00fcstenschutz und bereiten uns auf die n\u00e4chste Sturmflut vor. Dann sehen wir, wer sein Haus gut genug gesichert hat, denn die n\u00e4chste Sturmflut wird kommen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Predigttext dieses Sonntags stammt aus dem Ende der Bergpredigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Tag des Gerichts wird kommen, sagt Jesus, an diesem Tag soll der Baum an seinen Fr\u00fcchten erkannt werden. An diesem Tag werden sich viele auf den Namen Jesu berufen: \u201eHaben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen D\u00e4monen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan?\u201c An diesem Tag wird Jesus ihnen sagen, was Sache ist: \u201eWeicht von mir, die ihr das Gesetz \u00fcbertretet\u201c. Das Urteil Jesu ist hart, denn die, die Jesus am Tage des Gerichts bitten, meinen nicht selbst B\u00f6ses getan zu haben. Nein sie haben ja eben Gutes getan, D\u00e4monen ausgetrieben, im Namen Jesu prophezeit. Warum also meint Jesus, dass sie das Gesetz \u00fcbertreten haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eNicht jeder kommt in das Himmelreich, sondern nur der, der den Willen meines Vaters tut\u201c. Das Gesetz brechen ist also, den Willen Gottes <em>nicht<\/em> zu tun. Gottes Wille ist G\u00fcte, Milde, Geduld, Demut, Nachsicht, vor allem aber Liebe. Nach dem Matth\u00e4usevangelium sind die Werke wichtig, aber am wichtigsten ist, dass sie aus Liebe geschehen. An seinen Fr\u00fcchten soll man den Baum erkennen, wie es kurz vor unserem Predigttext hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Philosoph Immanuel Kant meinte nicht, dass man Religion braucht, damit ein Mensch Ethik und Moral hat. Er meinte, dass die Gebote der Moral gelten, nicht weil sie von Gott gegeben sind, sondern weil sie logisch sind. Z.B. sollst du nicht stehlen, denn wenn alle dauernd stehlen w\u00fcrden, k\u00f6nnte niemand etwas besitzen, und damit k\u00f6nnte auch niemand etwas stehlen. Kant meinte auch, wenn eine gute Tat f\u00fcr einen anderen Menschen getan wird, also ein gutes Werk, ist das Werk gut, wenn es dem anderen Menschen nutzt, ganz gleich welche Absicht dahinter steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Jahre in meinem Leben war ich einig mit Kant. Wenn wir hier in der Kirche Geld sammeln f\u00fcr die Armen in Afrika, spielt es keine Rolle, warum wir etwas geben. Es spielt f\u00fcr den Empf\u00e4nger keine Rolle, ob wir deshalb etwas geben, weil wir uns selbst f\u00fcr gut halten, ob es aus Mitleid geschieht, oder weil andere es auch tun oder weil Gott es uns geboten hat. Die Armen freuen sich \u00fcber das Brot, ganz gleich in welcher Absicht es gegeben ist. In den letzten Jahren aber sind beim mir Zweifel aufgekommen.\u00a0 Ja, die Armen freuen sich noch immer \u00fcber das, was sie bekommen, aber vielleicht k\u00f6nnten wir ihnen etwas Besseres und mehr als Brot geben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor ein paar Monaten war das eine Sache, die die Medien besch\u00e4ftigte. Ein Heim f\u00fcr Behinderte in Nordseeland wurde f\u00fcr den Besitzer zu einem Riesengesch\u00e4ft. Die Beh\u00f6rden bezahlten Unsummen f\u00fcr Aufenthalt und Pflege behinderter B\u00fcrger, aber es zeigte sich, dass der Besitzer viel Geld einnahm, indem er z.B. seine eigenen Pferde an das Heim vermietete, Honorar erhielt f\u00fcr die Pflege seiner eigenen Pferde, die im \u00dcbrigen kostenfrei auf dem Areal des Heims weideten. Die Bewohner erhielten keineswegs die Pflege und das Training, f\u00fcr das man bezahlt hatte, und deshalb war die Entr\u00fcstung gro\u00df. Kann es erlaubt sein, dass einige sich selbst bereichern auf Kosten der Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft? Soll es erlaubt sein, dass man an F\u00fcrsorge verdient? Sollen Krankenh\u00e4user, Heime, Rettungsdienste f\u00fcr ihre Dienste Millionen f\u00fcr private Besitzer verdienen? Die Entr\u00fcstung ist gro\u00df, aber ist das etwas ganz anderes als wenn wir Geld verdienen f\u00fcr die Dienste und Leistungen, die wir anderen verkaufen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus warnt uns im heutigen Text: Baut euer Haus nicht aus Sand, denn der Wolkenbruch wird kommen, die Fluten werden steigen und das Haus wird fallen. Wir sollen auf dem Fels bauen, d.h. auf Christus. Ein Haus, das auf solidem Fundament steht, auf einem Felsen, wird fest stehen an dem Tag, wo der Sturm kommt und auf das Haus trifft. Wir sollen auf dem Fels bauen, nicht weil wir den Tag des Gerichts f\u00fcrchten, nein, denn das Gericht ist schon jetzt. H\u00e4user, die auf Sand gebaut sind, sind gebaut auf Selbstliebe, auf der Jagd nach Geld und Anerkennung anderer. Nicht allen gelingt es, aus F\u00fcrsorge ein Gesch\u00e4ft zu machen. Einige sind aufrichtig und w\u00fcnschen das Beste f\u00fcr ihre Mitmenschen, aber sie geben auf, wenn die Schwierigkeiten gro\u00df sind. Mit den Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft zu arbeiten ist hart, die Ernte ist gro\u00df und die Arbeiter wenig. Man kann in Zweifel geraten, ob die Hilfe, die man leistet, \u00fcberhaupt ausreicht. Wenn man erst sieht, wie viele Schwache wir in der Gesellschaft haben, Obdachlose, Arme, Drogens\u00fcchtige, Alkoholiker, so wirkt unsere Hilfe wie ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Einige Idealisten beginnen private Spendensammlungen f\u00fcr Kinder in der Ukraine oder Fl\u00fcchtlinge in Pal\u00e4stina, laufen aber Gefahr, von geldgierigen Hinterm\u00e4nnern ausgenutzt zu werden, wenn die Gelder in Wirklichkeit an Terrororganisationen und Korruption gehen. Die Armen freuen sich \u00fcber das Geld, das sie bekommen, insoweit bin ich einig mit Immanuel Kant. Aber ich glaube, dass die Hilfe st\u00e4rker und dauerhafter ist, wenn die Hilfe von Herzen kommt. Wenn wir nur geben, um ein Bed\u00fcrfnis in uns selbst zu befriedigen, ist die Gefahr gro\u00df, dass wir dabei m\u00fcde werden, Leere empfinden und keine wirkliche F\u00fcrsorge. Wir brauchen fast \u00fcbernat\u00fcrliche Kr\u00e4fte, damit wir weiterhin von Herzen gut sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist unsere Herzensst\u00e4rkung. Wir sollen auf Christus bauen, auf den Felsen, nicht auf uns selbst und unseren eigenen Stolz, denn wir laufen Gefahr, dass all unsere M\u00fche im Sand verl\u00e4uft. Christus ist der Felsen. Er ist es, der uns am Tage des Gerichts tr\u00e4gt. Sowohl an dem Tage des Gerichts, der kommen wird, als auch dem, der schon heute ist. Schon jetzt ist Christus bei uns in seinem Geist. Schon heute k\u00f6nnen wir uns an ihn wenden mit unserer M\u00fcdigkeit, erlahmender F\u00fcrsorge und unserer Verh\u00e4rtung gegen\u00fcber unseren Mitmenschen. Er beugt sich nieder zu uns und ist eins mit uns, nimmt unsere S\u00fcnde auf sich und l\u00e4sst uns teilhaben an der himmlischen Freude. Und schiebt uns sanft wieder aus der Kirche. So dass wir im Nahkampf des Alltags das gute Werk tun und die liebenden Fr\u00fcchte Gottes tragen k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D\u00e4nemark ist ein Flachland. Hier sind keine Felsen, auf denen man bauen kann, abgesehen von Bornholm, der Felseninsel in der Ostsee, aber da ist nicht Platz f\u00fcr alle. In D\u00e4nemark m\u00fcssen wir buchst\u00e4blich unsere H\u00e4user auf Sand bauen. Wir genie\u00dfen das Meer, die Sonne, den Sand und den Himmel, und wir bauen Deiche und K\u00fcstenschutz, um das zu sch\u00fctzen, was uns geh\u00f6rt. In gleicher Weise sollen wir den Schatz bewahren, den wir im Himmel bekommen haben. Jesus hat uns einen Platz in seinem Reich gegeben, und wir sollen einander und ihm einen Platz geben, ihm, der der Fels in unserem Leben ist. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5230 Odense M<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8.Sonntag nach Trinitatis | 21.07.24 | Mt 7,22-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen | Mit Christus als dem Felsen Es ist Sommer. Es ist sch\u00f6n, ins Freie zu kommen und Sand zwischen den Zehen zu sp\u00fcren. D\u00e4nemark hat mehr als 8000 km K\u00fcste, und viele haben das Gl\u00fcck, ein Sommerhaus am Meer zu haben. 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