{"id":20124,"date":"2024-07-22T17:34:38","date_gmt":"2024-07-22T15:34:38","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20124"},"modified":"2024-07-22T17:34:38","modified_gmt":"2024-07-22T15:34:38","slug":"lukas-1232-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1232-48\/","title":{"rendered":"Lukas 12,32-48"},"content":{"rendered":"<h3>Das Reich Gottes h\u00e4ngt nicht davon ab, ob wir viele sind oder wenige | 9. Sonntag nach Trinitatis | Lk 12,32-48 | Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man erst anf\u00e4ngt nach ihnen zu schauen, tauchen sie \u00fcberall auf \u2013 selbst in den unwahrscheinlichsten Zusammenh\u00e4ngen \u2013 und sie erf\u00fcllen mich immer mehr mit einer ganz besonderen Form von Verwunderung. Ich denke an die hunderte von sogenannten \u201eHurra-Worten\u201c, die in unserer Zeit aus irgendeinem Grund so beliebt sind, all diese kleinen phantastischen Worte, die die Sprache aufmischen und w\u00fcrzen sollen und selbst die bl\u00f6desten S\u00e4tze und Zusammenh\u00e4nge gl\u00e4nzen lassen sollen. Sie tauchen in allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Varianten auf, und neulich wurde ich vom Algorithmus aufgefordert, mich an einem Talent-Laboratorium zu beteiligen, wo ich Miteigent\u00fcmer der Zukunft werden konnte, indem ich \u201eEinfluss, Kompetenzen, ein starkes Netzwerk erlangen und ein starker Teil eines tragf\u00e4higen Generationswechsels in demokratischen Betrieben des Landes werden k\u00f6nnte\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Aufforderung lassen wir mal auf sich beruhen\u2026 Aber also: Ich vermute, dass man unter euch sicher auch solchen Hurra-Worten am Arbeitsplatz begegnet ist, die fast alles bedeuten k\u00f6nnen und deshalb in Wirklichkeit nichts bedeuten. Wir finden sie auch in unserer Volkskirche, wo eines der gro\u00dfen Mantras zurzeit besagt, dass wir <em>Visionen<\/em> haben m\u00fcssen: Ich habe ansonsten gelernt, wenn man Visionen hat, soll man zum Arzt gehen, und es geht hier wohl nicht um prophetische Visionen, um die es hier in den Volkskirche geht \u2013 leider. Und dazu kommen nat\u00fcrlich alle die anderen wohlbekannten Hurra-Worte wie z.B. Ver\u00e4nderungsbereitschaft, Kooperation, Innovation und dann nat\u00fcrlich das allersch\u00f6nste von allen, n\u00e4mlich das Wort <em>Gemeinschaft<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort taucht \u00fcberall auf. Und man verstehe mich recht: Ich will hier nicht ironisieren \u00fcber viele gute Gemeinschaften, die es auch gibt. Keineswegs. Ich hoffe vielmehr sehr, dass wir, jeder von uns, solche verschiedenen Beziehungen eingeht, die von Vertrauen und Liebe gepr\u00e4gt sind. Wir brauchen das n\u00e4mlich alle, dass wir wissen, Teil von besonderen Beziehungen zu sein, wo wir ganz wir selbst sein k\u00f6nnen und darauf vertrauen k\u00f6nnen, dass uns jemand so sieht und liebt, wie wir wirklich sind. Das gilt nat\u00fcrlich nicht zuletzt f\u00fcr unsere Familien und unsere n\u00e4chsten Bekanntschaften, und die Kirche ist eigentlich auch eine solche Gemeinschaft, und darauf werde ich zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst aber macht es vielleicht sehr wohl Sinn, etwas dar\u00fcber nachzudenken, ob das wirklich etwas ist, was man problemlos von jeder Form von Gemeinschaft behaupten und unkritisch verlangen kann \u2013 Vertrauen und Liebe. Denn es gibt ja auch Gemeinschaften, die entstehen und wachsen um verschiedene unterdr\u00fcckende Tagesordnungen. Da gibt es viele Beispiele aus der Vergangenheit und in der Gegenwart. So gibt es Gemeinschaften, die daraus entstehen und davon leben, dass man andere Menschen au\u00dfenvor h\u00e4lt. Das haben wir wohl alle erfahren. Und schlie\u00dflich gibt es all die Zusammenh\u00e4nge \u2013 und gerade dort, glaube ich, wird Gemeinschaft als ein solches Hurra-Wort verwandt \u2013 wo es nicht so sehr um dies oder jenes geht, sondern nur einfach darum, dass wir viele sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Je mehr n\u00e4mlich, desto besser, und zusammen sind wir st\u00e4rker und k\u00f6nnen viel ausrichten. Was das dann eigentlich ist, was man ausrichten will, das ist vielleicht in Wirklichkeit nicht so wichtig, wenn es darauf ankommt. Das braucht nicht notwendigerweise etwas besonders B\u00f6ses oder Gutes zu sein, was man tut. Es geht darum, irgendetwas zu bewirken \u2013 gemeinsam! So dass man der Umwelt beweisen kann, dass man eine Existenzberechtigung hat und vor allem eine Relevanz dabei. Denn wer w\u00fcrde denn auf die Idee kommen, der Mehrheit zu widersprechen? So spielt die Musik ja nicht in dieser gefallenen Welt. Hier m\u00fcssen die Wenigen der Mehrheit weichen, hier kann es nichts n\u00fctzen, dass man sagt: Auch wenn wir wenige sind, sind wir es doch, die Recht haben. Nein, wenn man das Reich, die Macht und die Herrlichkeit haben will, muss man auch eine Mehrheit haben, das gilt im Parlament, das gilt sonst in der Gesellschaft, und einiges k\u00f6nnte darauf deuten, dass sich dieses Denken auch in der Volkskirche eingeschlichen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn hier sollen wir bekanntlich Visionen haben! Wohlgemerkt nicht von prophetischer Art. Vielmehr Visionen, die festhalten \u2013 um nun bei den Hurra-Worten zu bleiben \u2013 dass wir also eine Gemeinschaft sind, offen sind f\u00fcr Ver\u00e4nderungen, kooperativ und innovativ, die etwas, ja irgendetwas ausrichtet. Was das dann ist, das ist in Wirklichkeit gar nicht so wichtig, wenn es darauf ankommt. Nur \u2013 wenn jemand kommt, dann k\u00f6nnen wir unserer Umwelt zeigen, dass wir nicht nur wenige sind und dass wir deshalb auch unsere Berechtigung und unsere Relevanz haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dar\u00fcber k\u00f6nnte man vieles sagen, ich k\u00f6nnte lange darin fortfahren. Vielleicht ist das Ganze ja aber eigentlich nur eine etwas verklemmte Liebeserkl\u00e4rung an die Volkskirche, die wir so lieben und vor deren Zukunft wir uns f\u00fcrchten. Und dann stelle ich mir \u00fcbrigens nicht vor, dass Ihr gekommen seid, um meine sauren Bemerkungen zu h\u00f6ren (die habt Ihr nun reichlich geh\u00f6rt), sondern um das Evangelium zu h\u00f6ren. Das kommt nun hier, und h\u00f6rt aufs Neue, was der Sohn Gottes uns heute sagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eF\u00fcrchte dich nicht, du <em>kleine<\/em> Herde! Denn es <em>hat eurem Vater wohlgefallen<\/em>, euch das Reich zu geben\u201c. Das bedeutet: Vor Gott, in Bezug auf Gott \u2013 da ist nie die Menge entscheidend. Auch nicht in der Kirche. Denn das, was die Kirche Gottes erwartet, n\u00e4mlich das Reich Gottes, h\u00e4ngt nicht davon ab, ob wir viele sind oder wenige, so wie das auch nicht abh\u00e4ngt von unseren Visionen oder ob wir bereit sind f\u00fcr Ver\u00e4nderungen, kooperativ und innovativ genug \u2013 sondern es h\u00e4ngt allein ab von dem, was Gott gef\u00e4llt. Und das bedeutet <em>auch,<\/em> dass die Gemeinschaft, die die Kirche ist, dass dies auch nicht eine Gemeinschaft ist, wo es \u00fcberhaupt Sinn macht zu sagen: \u201eJe mehr, desto besser!\u201c oder \u201eGemeinsam sind wir st\u00e4rker!\u201c Dies ist vielmehr eine Gemeinschaft, wo wir zusammen schwach sein k\u00f6nnen \u2013 und uns nicht dauernd darum sorgen m\u00fcssen, ob wir viele genug sind und ob wir unsere Berechtigung und Relevanz haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn dass Gott beschlossen hat, uns das Reich zu geben, das bedeutet ja nicht, dass wir auch die Macht und die Herrlichkeit haben. Macht und Herrlichkeit sind vielmehr Gott vorbehalten, denn eben das ist es, was das Reich Gottes bedeutet: Wir k\u00f6nnen unser Leben im Vertrauen und in der Liebe leben, es wagen, ganz wir selbst zu sein, und darauf vertrauen, dass Gott uns sieht und liebt als die, die wir wirklich sind \u2013 und <em>ganz <\/em>ohne dass wir irgendetwas ausrichten, um das erst zu verdienen. Unsere einzige Aufgabe, die ist somit \u201enur\u201c dies, dass wir das Reich Gottes erwarten. Dass wir dabeibleiben, darauf zu warten, und das k\u00f6nnen wir schon jetzt. Das verlangt nichts anderes von uns als dies, dass wir es erwarten. Und bis es eines Tages sichtbar hervorbricht wie die Morgenr\u00f6te am Horizont der Zukunft, k\u00f6nnen wir ja passend in der Zwischenzeit so zusammenleben, wie wir von Anfang an geschaffen sind, in wahrer Gemeinschaft und Geduld \u2013 mit uns selbst und miteinander. Und in Vertrauen auf den Gott, der unendliche Geduld mit uns hat. Im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Reich Gottes h\u00e4ngt nicht davon ab, ob wir viele sind oder wenige | 9. 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