{"id":20127,"date":"2024-07-22T17:39:17","date_gmt":"2024-07-22T15:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=20127"},"modified":"2024-07-22T17:39:17","modified_gmt":"2024-07-22T15:39:17","slug":"matthaeus-1344-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1344-46\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 13,44-46"},"content":{"rendered":"<h3>9. So. n. Trinitatis | 28.07.2024 | Mt 13,44-46 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erz\u00e4hlte einmal zwei Gleichnisse \u00fcber das Reich Gottes, mit dem alles gut wird:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDas Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Mt. 13,44-46)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erz\u00e4hlt von zwei M\u00e4nnern, die zugegriffen haben, als es wichtig war, und vergleicht das mit dem Kommen des Himmelreichs. \u00dcbersetzt: Die beiden M\u00e4nner haben gehandelt, als sich ihnen <u>die<\/u> Chance ihres Lebens bot. Genauso sollen wir zugreifen, wenn uns \u201edas Himmelreich\u201c angeboten wird. Was immer das Reich Gottes ist. Mehr dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe die Fantasie in mir geweckt und m\u00f6chte Ihnen zun\u00e4chst die beiden M\u00e4nner vorstellen. Auf der einen Seite der Landmann in seiner einfachen Kleidung, der zuf\u00e4llig einen Schatz gefunden hat; auf der anderen Seite der weit gereiste, weltgewandte Kaufmann, dessen Suche nach sch\u00f6nen Perlen sich in der sch\u00f6nsten vollendet hat. H\u00f6ren wir als ersten den Tagel\u00f6hner, dem die Erde seine Arbeit gelohnt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Stimme eines einfachen Mannes<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbIch bin immer ein einfacher Mann gewesen. Ich habe nur einen kleinen Gem\u00fcsegarten rund ums Haus. Der gibt mir zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Ich musste immer dazuverdienen. Unbedingt. [Pause] Es ist ein Elend. Morgens mit anderen am Dorfplatz warten. Hat jemand was f\u00fcr dich? Wenn&#8217;s gut kommt, kommt ein Gutsverwalter und hat Arbeit. Einen Acker umgraben. Oder man r\u00e4umt einen Weinberg auf. Alle rufen durcheinander und bedr\u00e4ngen den Mann: \u201eNimm mich!\u201c [Pause] Und wennste Pech hast, werden andere genommen. Dann stehste da, wie bestellt und nicht abgeholt. Und man traut sich ja auch nicht weg. Vielleicht kommt noch wer. Vielleicht bekommste von dem was zu tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df nicht, ob Sie verstehen, was das hei\u00dft. Am Morgen nicht wissen, was man am Abend hat. [Pause] Ich habe manchmal versucht, mir vorzustellen, wie das w\u00e4r, wenn ich einmal reich w\u00e4r. Wenigstens ein St\u00fcck Land, das mehr ist als ein Gem\u00fcsegarten. Ich hab versucht, daf\u00fcr zu sparen. Aber das ist nicht einfach, wennste mal Arbeit hast und mal nicht. [Pause] Und dann kam der Tag, wo ich die alten M\u00fcnzen gefunden habe. Ich mein: Es war ja schon toll, dass ich was zu tun hatte. Und wie ich so den Boden hack, da knirscht&#8217;s. Ich schau hin. Und ich hab den Tonkrug gesehen, den ich kaputtgemacht habe, und die M\u00fcnzen. Das ist mir durch und durch gegangen. Ich hab am ganzen Leib gezittert. So eine Aufregung. Nat\u00fcrlich hab ich schon geh\u00f6rt, dass einer einen Schatz findet. Reiche vergraben schon mal was. Aus Angst vor R\u00e4ubern und Dieben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df nicht, ob Sie das verstehen. Sie haben bestimmt ein Konto auf der Bank, aber so was gibt es bei uns nicht. Das Loch, das war jetzt meine \u201eBank\u201c. Bei uns hei\u00dft\u2018s: Wer einen Schatz findet, dem geh\u00f6rt er auch. Das war jetzt meine Gelegenheit. Ich hab den Schatz ausgebuddelt und woanders vergraben. Ich mein: Bestimmt ist der Besitzer l\u00e4ngst tot; sonst h\u00e4tte er den Schatz l\u00e4ngst wieder geholt. Aber ich wollte ganz sichergehen. Ich mein: Das f\u00e4llt ja auf, wennste pl\u00f6tzlich alte M\u00fcnzen vorzeigst. Und wennste sagst, du hast sie bei der Arbeit gefunden, dann kommt der Besitzer von dem Acker und behauptet, das ist sein Geld. Also habe ich alles zusammengekratzt, damit ich meine \u201eBank\u201c auch kaufen kann. Aber das war jetzt wichtig. So eine Chance haste nur einmal.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann bin ich zu dem Besitzer von dem Acker. Ich hab ihm gesagt: Ich hab was gespart. Ich will mir endlich einen eigenen Acker kaufen. Ob er mir vielleicht das St\u00fcck gibt, wo ich schon gearbeitet hatte. Und dann hab ich mit dem verhandelt. [Pause] Der hat mich bis aufs letzte Hemd ausgezogen, aber dann hatte ich den Acker. Ich wei\u00df nicht, ob Sie das verstehen. Ich bin ein Leben lang ein einfacher Mann gewesen, aber da musste ich einfach zugreifen. So eine Chance haste nur einmal im Leben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Tagel\u00f6hner, dem die Erde seine Arbeit gelohnt hat. Mit Schwei\u00df hat er bisher sein Brot gegessen; nun hat er die Chance seines Lebens genutzt. Wir m\u00f6gen zweifeln, ob seine Taktik so in Ordnung war. In den meisten deutschen Bundesl\u00e4ndern ist es Unterschlagung, wenn man einen Fund nicht meldet und beim Staat abgibt. Nach damaligem Recht war in Ordnung, was er getan hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir nun das Zeugnis des anderen Mannes, der als Perlenh\u00e4ndler eine Perle fand, die dem H\u00e4ndler f\u00fcr immer blieb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein Mann im Dienst der Perlen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbIch bin Perlenh\u00e4ndler von Beruf. F\u00fcr mich ist das aber nicht einfach ein Beruf. Es ist eine Berufung! Ich glaube, man kann nur dann ein guter Perlenh\u00e4ndler sein, wenn man Perlen liebt. Man muss sich an ihrem Glanz erfreuen und man muss wollen, dass sie in Schmuck verarbeitet noch mehr gl\u00e4nzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche Perle h\u00e4tte ich fast selbst behalten. [Pause] Ich denke, das beweist die Qualit\u00e4t der Perlen, die ich kaufe und verkaufe. Zu meinen Kunden geh\u00f6ren nur erste Adressen. Da braucht man Stil und ein erstklassiges Sortiment. Es ist ja nicht so einfach, F\u00fcrsten und Grundbesitzer zufriedenzustellen. Darum habe ich immer eine exquisite Auswahl dabei. Durch meine Reisen und weltweiten Kontakte kann ich das auch sicherstellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leider kann man zu meiner Zeit nicht so angenehm reisen wie zu Ihrer. Reisen ist beschwerlich und gef\u00e4hrlich. Hitze, K\u00e4lte. Unzuverl\u00e4ssige F\u00fchrer, schlechte Dolmetscher, R\u00e4uber. Da geht man ein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr Leib und Leben ein. Manchmal habe ich mich gefragt, ob es das alles wert ist. Das Geld, das einem durch die H\u00e4nde flie\u00dft, belohnt ja nicht. Es entsch\u00e4digt nicht f\u00fcr die M\u00fchen und Gefahren, die man im Dienst der Perlen auf sich nimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines Tages habe ich dann die Perle meines Lebens gefunden. Viele gute St\u00fccke sind schon durch meine H\u00e4nde gegangen. Aber diese Perle erschien mir wertvoll wie keine. [Pause] Das ist, als ob dein ganzes Leben in dieser Perle zusammenkommt. Ein Leben lang auf der Suche, aber nun: Gefunden! Deshalb bin ich auch ein Risiko eingegangen wie nie zuvor. Ich habe alles, was ich dabei hatte, verkauft und f\u00fcr diese Perle gegeben. Ich wei\u00df nicht, ob Sie mich verstehen. Aber man g\u00f6nnt sich ja sonst nichts.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zugreifen, wenn es n\u00f6tig ist<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beiden M\u00e4nner haben zugegriffen, als es wirklich wichtig war. Der Tagel\u00f6hner hatte bisher beackert, was nicht sein war; nun war ein Acker sein. Und der Perlenh\u00e4ndler bekam die Perle, die nicht mehr weiterzuverkaufen war. Alles, was er bisher gesucht und getan hat, kommt in dieser Perle zusammen. Nicht mehr \u201ekaufen und verkaufen\u201c, sondern \u201ehaben\u201c. Beide haben bekommen, was sie immer gewollt haben. Ihr Leben hat sich damit auf eine gewisse Weise erf\u00fcllt. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn auch unsere Lebensthemen auf so eine Weise eines Tages ihren Frieden finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus hat diese Geschichten aber nicht allein wegen der beiden M\u00e4nner erz\u00e4hlt. Es geht Jesus um den Vergleich mit dem Himmelreich, denn es geht ihm um das Finden Gottes. Das Himmelreich ist nicht nur jener Moment, wenn man sich f\u00fchlt \u201ewie im Himmel\u201c, weil man einen Schatz gefunden hat oder eine Perle. Das von Jesus Christus verk\u00fcndigte Himmelreich umfasst mehr. Es verbindet Zeiten und Orte, in denen wir unser Gl\u00fcck finden, mit einer Zeit und einem Ort jenseits unserer bisherigen Erfahrung, die unser Gl\u00fcck <u>ist<\/u>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie die beiden M\u00e4nner zugriffen, als es wichtig war, sollen wir zugreifen, wenn wir von Gott h\u00f6ren. Und es ist wie in dem Gleichnis, wo der eine zuf\u00e4llig sein Lebensgl\u00fcck bei der Arbeit im Ackerboden findet und der Perlensucher in einer Perle, die er einfach f\u00fcr sich behalten muss. Gott begegnet jedem so, wie er oder sie es braucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Auch Dir das Reich Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir alle wissen, dass Gott mehr ist, als menschliches Reden erfassen kann. Genau deshalb ist er aber auch wichtig, wenn unser Leben gelingen soll. Er ist Licht, aber mehr. Er ist Gemeinschaft, aber mehr. Heilung, Zustimmung, Ruhe, Friede, aber mehr. Wir k\u00f6nnen von Gott und seiner Welt nicht anders als in Bildern reden, so wie es ja auch Jesus gemacht hat. Darum in der Nachfolge Jesu ein paar Aktualisierungen der beiden Gleichnisse f\u00fcr heute:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nehmen wir die junge Frau, die von Job zu Job lebt und viel umzieht. Manche m\u00f6gen das. Anderen aber wird es schwer, dass sie noch nirgendwo \u201eangekommen\u201c sind. Ein Sprichwort lautet: \u201eDreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt.\u201c Damit sind Umzugskosten und Besch\u00e4digungen gemeint. Ich denke aber auch an die Menschen, die man zur\u00fcckl\u00e4sst und irgendwann verliert, und an die Preise, die man zahlt, wenn man neue Freunde und \u201eLebensabschnittspartnerschaften\u201c finden muss. Jesus stellt ihr eine himmlische Heimat vor Augen. Er bietet eine Wohngemeinschaft mit Gott als Ziel der Lebensreise an. Wer hier von Wohnung zu Wohnung zieht, soll dort Ruhe finden. Endlich angekommen! Und vielleicht wird mit dieser Aussicht das Leben etwas weniger rastlos. Gl\u00fccklicherweise findet sich an vielen Orten ein Gotteshaus, wo man Rast machen kann, und hoffentlich auch eine Gemeinde, die zu einem passt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann sich aber auch zu gut in seinen irdischen G\u00fctern einrichten. Keller und Dachboden sind voll \u2013 und die Garage ist es auch. Von so viel Unn\u00f6tigem und Vergessenem hat man sich noch nicht getrennt. Diese Leute ruft Jesus auf, sich auf einen Umzug in den Himmel vorzubereiten. Bei diesem Umzug z\u00e4hlt dann nicht, was man auf Erden angesammelt hat. Was wirklich von einem Leben bleibt, sind die \u201eSch\u00e4tze im Himmel\u201c, also die Dankbarkeit der Menschen, dass es Dich gegeben hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem Mann, der \u201ecool\u201c bis \u201ezynisch\u201c von allem Distanz h\u00e4lt, tritt Jesus selber zu nahe. Er befragt ihn auf die N\u00e4chstenliebe und den Sinn seines einsamen Lebens. Und es mag sein, dass der Mann mit Gott im Herzen auch anderen sein Herz schenken kann. Als letztes Beispiel die Frau, die st\u00e4ndig tut und macht und sich nach Kr\u00e4ften unentbehrlich macht. Sie wird lernen, dass sie f\u00fcr Gott nichts tun kann, wohl aber er f\u00fcr sie. Denn da gibt es etwas, das wir von uns aus nicht erringen k\u00f6nnen: die Gemeinschaft mit Gott. Sie ist Gottes freie Gabe, die unser Leben aus aller Zwanghaftigkeit befreit und uns zu freien Menschen im Einflussbereich des kommenden Gottesreichs macht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zusammengefasst: Gott sucht uns dort, wo die ganz pers\u00f6nliche Lebenslust und Lebenslast ist. So wie die beiden M\u00e4nner zugriffen, als es wirklich wichtig war, sollen wir reagieren, wenn wir die gute Nachricht \u00fcber Gott h\u00f6ren. \u201eWillst du da nicht zugreifen?\u201c Wer diesen Schatz in seinem Lebensacker findet, soll sich das Eigentum daran sichern. Und wer einmal im Glanz dieser Perle gestanden hat, dem werden alle anderen Perlen des Lebens zweite Wahl und man kann sie gerne eintauschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>allgemeine Anmerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Religionsunterricht zu erteilen, sch\u00e4rft das Problembewusstsein f\u00fcr die (Un-)Verst\u00e4ndlichkeit der Bibel. Das Gleichnis von der Perle wird in etwa verstehbar, wenn der H\u00e4ndler alles verkauft, was er an Ware dabeihat. Andernfalls w\u00e4re er zwar Besitzer der wertvollen Perle, aber sonst v\u00f6llig mittellos und nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig. Beim Schatz im Acker ergeben sich einige Fragen mehr. \u201eWieso macht sich der Mann, der den Schatz zuf\u00e4llig findet, auf einem fremden Acker zu schaffen?\u201c Ein Tagel\u00f6hner? V\u00f6llig mittellos darf man ihn sich aber auch nicht vorstellen, denn er kann ja eine Summe aufbringen, um den Acker zu kaufen. \u201eWieso wird niemand misstrauisch, wenn er \u201aalles\u2018 verkauft, aber unbedingt diesen Acker haben will?\u201c \u201eWas sagt denn seine Frau dazu, dass er \u201aalles\u2018 verkauft?\u201c Da man Gleichnisse zerst\u00f6rt, wenn man sie erkl\u00e4rt, wurde versucht, Plausibilisierungen und sozialgeschichtliche Informationen in Erz\u00e4hlungen zu verpacken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturhinweis zur Exegese:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00fcller, Peter: Die Freude des Findens (Vom Schatz im Acker und von der Perle). Mt 13,44.45f, in: Zimmermann, Reuben, u. a. (Hrsg.): Kompendium der Gleichnisse Jesu, G\u00fctersloh: G\u00fctersloher Verlagshaus, 2007, S. 420-428.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturhinweis zur Sozialgeschichte<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stegemann, Ekkehard und Wolfgang: Urchristliche Sozialgeschichte. Die Anf\u00e4nge im Judentum und die Christengemeinden in der mediterranen Welt, Stuttgart u. a.: Kohlhammer, 1995, S. 106-107:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eFIENSY hat in einer sorgf\u00e4ltigen Analyse der Quellen (insbesondere Josephus, rabbinische Literatur und das Neue Testament, ferner arch\u00e4ologische Evidenzen) eine \u00dcbersicht \u00fcber mittleren und gro\u00dfen Landbesitz in Pal\u00e4stina w\u00e4hrend der herodianischen Zeit erstellt. Er unterscheidet zwischen k\u00f6niglichem und aristokratischem Gro\u00dfgrundbesitz. Unter den nichtherodianischen Gro\u00dfgrundbesitzern lassen sich auch eine Reihe von priesterlichen Familien namhaft machen. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">FIENSY teilt (mit DOHR) folgenderma\u00dfen ein:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Kleine Betriebe (10-80 iugera = ca. 2,5-20 ha)<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Mittlere Betriebe (80-500 iugera = ca. 20-125 ha)<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\">Gro\u00dfe Betriebe (\u00fcber 500 iugera = \u00fcber 125 ha).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Ergebnis seiner Analyse fa\u00dft FENSY zusammen, da\u00df gro\u00dfer und mittelgro\u00dfer Landbesitz \u2013 d.h. Besitz, der gro\u00df genug ist, da\u00df man nicht selbst auf ihm zu arbeiten braucht, sondern P\u00e4chter, Tagel\u00f6hner und Sklaven f\u00fcr ihn anheuern mu\u00df \u2013 weit verstreut war. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">106\/107<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Offen mu\u00df bleiben, wie das Verh\u00e4ltnis von P\u00e4chtern und freien Kleinbauern in r\u00f6mischer Zeit insgesamt gewesen ist. Waren diese noch in der Mehrheit oder waren es schon jene? Doch selbst wenn die Kleinbauern noch in der \u00dcberzahl gewesen sein sollten, mu\u00df man doch mit FIENSY annehmen, da\u00df das von Herodes bzw. seinen Nachfolgern und den Oberschichten kontrollierte Land die Wirtschaft in Pal\u00e4stina nicht unbedeutend beeinflu\u00dft hat. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen in Pal\u00e4stina seit der r\u00f6mischen Vorherrschaft lassen sich daher mit APPLEBAUM als \u201eakuter Mangel an Boden, d.h. als Verknappung der landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4che pro Kopf der Bev\u00f6lkerung charakterisieren. Immer mehr Menschen mu\u00dften von immer weniger Boden ihr Leben fristen. Die Folge davon war, da\u00df die traditionellen Siedlungsformen aufgel\u00f6st wurden. Obwohl die Fl\u00e4che des kultivierten Bodens immer weiter ausgedehnt wurde, bearbeiteten immer mehr Kleinbauern immer weniger Land. Zugleich engten Konfiskationen und dr\u00fcckende Abgabenlast den Spielraum zur Selbstbehauptung ein, so da\u00df auch immer mehr Kleinbauern ihr Land verloren. Verschuldung und Enteignung der Kleinbauern sind daher das Kennzeichen dieser r\u00f6mischen Epoche.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. So. n. 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